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Blog

Besonderheiten aus München und Oberbayern

Seit 31 Jahren lebe ich nun schon in und um München und Oberbayern...



Vorwort zu meinem Blog-Bereich „Brauchtum, Feste, Märkte und Besonderheiten in München und Bayern“

Seit 31 Jahren lebe ich nun schon in und um München und Oberbayern – ursprünglich komme ich aus dem Frankenland – und kann immer noch nicht sagen, dass ich München und das, was sich darin und darum so alles tut, wie meine Westentasche kenne. Zum einen verschlägt es mich immer wieder in neue Münchner Stadtteile, Orte in Oberbayern oder auch im Frankenland, an denen ich noch nicht war, weil sie vorher irgendwie nicht in mein Bewusstsein gerückt sind. Zum anderen gab und gibt es in München und ganz Bayern Bräuche, Feste, Märkte und Besonderheiten, und diese sind entweder

  • uralt und waren schon immer da,
  • uralt, wurden aber erst in unserer Zeit wieder neu zum Leben erweckt oder
  • Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte neu und auf sehr originelle Weise dazugekommen.
Von solchen „Phänomenen“ im weitesten Sinn möchte ich in diesem Bereich erzählen und würde mich freuen, wenn auch Ihr dazu etwas zu erzählen hättet.


22.12.2020 - Die Türkenfelder Bergweihnacht
Jetzt und hier ist für mich die Zeit und Gelegenheit gekommen, um meinen Leserinnen und Lesern nah und fern friedliche, besinnliche und gesegnete Weihnachten und ein gutes, glückliches und vor allem gesundes neues Jahr 2021 zu wünschen. Hoffentlich wird 2021 besser! Was sage ich: Es kann nur besser werden, denn 2020 war für uns alle unter aller Kanone!


Die Tärkenfelder Bergweihnacht

 

Die Türkenfelder Bergweihnacht, mit der ich meine Artikelreihe für dieses Jahr abschließen möchte, ähnelt in ihrer Atmosphäre und ihrem Flair der Waldweihnacht von Halsbach und ist doch wiederum anders.

Die Unterschiede beginnen schon mit der Landschaft: Während der Teil Südostbayerns, in dem Halsbach liegt, fast topfeben ist, endet auf der Höhe von Grafrath die Münchner Ebene, und das Land wölbt sich nach und nach zu sanften Hügeln auf. Diese Gegend ist nicht das Alpenvorland, geschweige denn mit den Alpen zu vergleichen, aber Berg und Tal gibt es hier durchaus.

Auch nähert sich Türkenfeld und die benachbarte Kleinstadt Geltendorf einer Sprachgrenze: Hier hört man sowohl „Boarisch redn“ als auch „Schwäbisch schwätze“, denn hier beginnt das Gebiet der Lechschwaben, die seinerzeit den Heeren des Osmanischen Reiches Widerstand geleistet haben. Somit ist der Ortsname „Türkenfeld“ historisch begründet, denn von hier bis Kaufering, Landsberg und Augsburg lieferten sich die christlichen und islamischen Heere vor langer Zeit heftige Gefechte.

In Türkenfeld ist von dem Schlachtengetümmel von einst heute nichts mehr zu spüren; es ist ein stilles, friedliches Dorf mit einer kleinen aber schmucken Dorfkirche und einem stattlichen Gasthof.

Doch die Türkenfelder Bergweihnacht findet nicht im Ort statt. Wer sie besuchen will, fährt am besten mit der S4 bis Türkenfeld – Achtung, an Sonn- und Feiertagen herrscht zwischen Grafrath und Geltendorf ein 40-Minuten-Takt, so dass man die Abfahrtszeiten der S4 Richtung Innenstadt im Hinterkopf oder auf dem Smartphone behalten sollte – und nimmt den Shuttle-Bus, der neben der S-Bahn-Trasse hält und die Besucherinnen und Besucher einsammelt, mit ihnen den Ort durchquert, in die Prärie hinaus fährt und sie an einem Feldweg abliefert, der laut Wegweiser „Steingassener Weg“ heißt.

Der Feldweg ist so breit, dass der Shuttle-Bus ohne Mühe bis zum Endziel fahren könnte; doch schon der Weg gehört bereits zur Bergweihnacht als Ganzes. Man wandert den sanft ansteigenden Feldweg hinauf, der vom mattschimmernden Licht anmutig geschwungener Laternen erhellt ist, zwischen Wiesen und Feldern hindurch verläuft und am burgunderrot lasierten Forsthaus endet, das sich oben auf dem Hügelkamm im Wald versteckt und zugleich über die Wiesenhänge weit in das stille Land hinausblickt. Hier oben braucht kein Jäger einen Hochsitz, um alles zu sehen, was sich unterhalb des Hügelkammes tut!

Und hier an den Wiesenhängen, die zum Areal des Forsthauses gehören, sieht man Rehe und Rotwild still und friedlich weiden. Unter dem Jahr kann man hier also seinen Braten vom Reh oder Hirsch quasi von der Wiese abholen – oder auch nicht, wenn man sie lebendig sieht und es nicht übers Herz bringt, dass sie ihr Leben lassen sollen…

Bevor Naturschützer an dieser Stelle Alarm schlagen, ein paar Anmerkungen von mir: Die Rehe und das Rotwild sind keine freien Wildpopulationen, sondern werden von der Forstverwaltung gehegt, versorgt und beobachtet. Auch haben sie hier das ganze Jahr hindurch freien Auslauf, natürliches Futter und frische Luft. Doch um zu verhindern, dass sie die Wälder kahlfressen oder sich an neugepflanzten Bäumchen vergreifen, wenn das Futter für sie knapp zu werden beginnt, ist es aus forstwirtschaftlicher Sicht nötig, dass pro Jahr eine bestimmte Anzahl von Rehen und Hirschen geschossen werden.

Doch nun zur Bergweihnacht selbst! Sie entstand als Initiative der Türkenfelder, die mit ihrer Idee bald Verstärkung aus Grafrath und Geltendorf, sogar aus der Kreisstadt Fürstenfeldbruck bekamen. Alle Beteiligten lassen es sich nicht nehmen, ihre Stände selbst aufzubauen, sich an den Herd oder das offene Feuer zu stellen und die Besucher mit Ofenkartoffeln, Würstchen aller Art, Hirsch- und anderem Gulasch und vielem mehr zu versorgen.

Wie Standleute mir erzählten, verlief der erste Tag - ein Freitag – noch recht friedlich und still. Doch der Markt sprach sich in der Nachbarschaft wie ein Lauffeuer herum, so dass nur einen Tag später ein Besucherstrom einsetzte, den die Veranstalter in dieser Stärke nicht erwartet hatten. Schon am Nachmittag gingen ihnen die Vorräte aus, so dass sie nach Fürstenfeldbruck in den großen Supermarkt beim S-Bahnhof ausrücken mussten, der am späten Nachmittag als einziges Geschäft noch geöffnet hatte, um sich mit Nachschub einzudecken, zurückzukehren und ihre Gäste weiter zu beglücken.

Das Besondere an diesem Weihnachtsmarkt ist die Betonung des alpenländischen sowie des waidmännischen Flairs. So formieren sich am frühen Nachmittag Flügel- und Signalhornbläser und lassen in sanften, weichen und vollen Tönen ihre Fanfaren und Waldmelodien in das stille Land hinaus erschallen.

Doch für mich ist es noch eindrucksvoller, wenn hier den Schweizer Traditionen Raum gegeben wird: Jemand nimmt eine große runde Emailschüssel zur Hand, wirft eine Silbermünze hinein und lässt sie mit einem einzigen geschickten Schwung knapp unter dem Rand kreisen. Der auf- und absteigende Klang, den die Silbermünze beim Kreisen in der Schüssel erzeugt, klingt wie fernes Glockenläuten, das an einem Bergmassiv widerhallt. Drei endlos lange Alphörner lassen ihren dunklen, feierlich-getragenen Klang weit in das stille Land hinaus tönen, und darüber steigt hoch, stark und klar eine einzelne Sopran- oder Tenorstimme empor und jodelt.

Wem bei diesem Akkord - dem rieselnden Glockenklang der kreisenden Münze, dem tiefen, ein wenig melancholischen Dröhnen der Alphörner und der hell und klar jubilierenden Solo-Jodelstimme - nicht die Gänsehaut über den Rücken läuft, dessen Gemüt muss hoffnungslos eingerostet sein…

Bei Einbruch der Dunkelheit wird vor dem Forsthaus ein großes prasselndes Feuer entzündet. Hat sich die Nacht über das stille Land gesenkt, erscheinen wilde, in grobe, abgerissene Felle gekleidete Gestalten, deren Gesichter sich hinter Tiermasken mit Hörnern verbergen. Mit rasselnden Ketten und scheppernden Kuhglocken behangen, tänzeln und hüpfen sie um die Feuerstelle, johlen und jauchzen und machen Lärm, so viel und so laut sie können.

Dies ist die Stunde der Perchten, in denen die archaische Angst des Menschen vor Kälte und Finsternis Gestalt geworden ist. Wenn Menschen früher in die Gestalt von Naturgeistern schlüpften, bekämpften sie diese Angst, indem sie sich selbst in eine furchteinflößende Gestalt verwandelten und so viel Lärm und Krach wie möglich schlugen, um die Geister der Kälte und Dunkelheit zu vertreiben und dem Licht zum Sieg zu verhelfen.

In unserer Zeit wurden die Perchtenläufe wieder aufgenommen, doch heute ist es nur noch eine besondere Gaudi, und auch wenn sie wild und schräg aussehen, hat niemand mehr vor ihnen Angst. Zwar heißt es, dass in manchen Gemeinden im alemannischen Raum einige der Perchten ihr Gewand und ihre Rolle missbraucht und Gewalt angewendet haben sollen, doch solche Verstöße wurden rasch geahndet; und für gewöhnlich verläuft ihr Auftritt angst- und gewaltfrei.

Wird es nach Einbruch der Dunkelheit zunehmend kälter, kann man sich gerne ins Forsthaus zurückziehen und sich ein Hirschgulasch oder einen Rehrücken mit Spätzle holen. Allerdings sollte man dies nicht zu spät tun, denn spätestens ab 18:30 Uhr bekommt man leichter und schneller einen Braten als einen Sitzplatz im Festsaal.

Warum? Weil ab 19:30 Uhr das Jugendorchester des Türkenfelder Gymnasiums aufspielt. Ob bayrische Märsche oder Rock- und Pop-Hymnen, die Jungen und Mädchen können beides, und das auf einem für Laien und Schüler hohen Niveau. Der Melodienreigen endet mit einem Potpourri bekannter Weihnachtslieder, die den Abend festlich und stimmungsvoll ausklingen lassen.

Jetzt und hier ist für mich die Zeit und Gelegenheit gekommen, um meinen Leserinnen und Lesern nah und fern friedliche, besinnliche und gesegnete Weihnachten und ein gutes, glückliches und vor allem gesundes neues Jahr 2021 zu wünschen. Hoffentlich wird 2021 besser! Was sage ich: Es kann nur besser werden, denn 2020 war für uns alle unter aller Kanone!



22.12.2020 - Waldweihnacht in Halsbach
Das kleine Dorf Halsbach hat ein ähnliches Schicksal wie Bielefeld. Viele Leute werden wissen, worauf ich mit meiner Anmerkung hinauswill: Seit zu Beginn der 2000er Jahre irgendwelche Spaßvögel die Behauptung in die Welt gesetzt haben, es gäbe Bielefeld gar nicht, mussten Bürgermeister und Stadtrat immer wieder bestätigen und beweisen, dass es diese Stadt sehr wohl gibt. Und sobald ich Halsbach erwähne, lautet die Antwort in neun von zehn Fällen: „Halsbach? Nie gehört! Wo liegt das?“ Nun, Halsbach liegt in Südosten Bayerns, und wie Ober- und Niederbayern und auch Besucher wissen, erstrecken sich im Süden und Südosten unseres Landes dichte Nadelwälder, die nicht geschlagen und gefällt werden dürfen: die vom Ministerium für Land- und Forstwirtschaft und den Forstämtern so genannten Bannwälder, in denen sich hin und wieder Lichtungen mit Weilern, Dörfern und Kleinstädten auftun. Eines dieser kleinen Dörfer ist Halsbach, das zwischen Traunstein, Altötting und Simbach im Bannwald liegt. Anders als in manch einem anderen Ort in Südost- oder Oberbayern gibt es dort weder eine schmucke Kirche oder Kapelle noch eine altehrwürdige Gaststätte zu sehen. Sprich, Halsbach ist ein alltägliches, unauffälliges Dorf, wie es in Deutschland unzählige gibt. Doch seit nunmehr zehn Jahren veranstalten die Bewohner des Ortes und die Anrainer aus Altötting, Traunstein, Simbach etc. die sogenannte Waldweihnacht, die man am besten in der Abenddämmerung besuchen sollte.


Waldweihnacht in Halsbach

 

Da ich in einem stillen kleinen Dorf aufgewachsen bin, das von endlosen Nadelwäldern, weiten Wiesenfluren, Kartoffeläckern und Getreidefeldern geprägt war, und meine Großeltern in meiner frühen Kindheit oft mit mir in den Wald gingen, um Heidel- und Preiselbeeren oder im Herbst Pilze zu sammeln, würde mir in einer Landschaft ohne Bäume und Wälder auf die Dauer etwas fehlen.

Der hohe Saum immergrüner Nadelwälder gleicht einer gezackten Kette, die sich dicht, still und dunkel vor dem Spaziergänger erhebt, der ihr entgegen geht; eine Kette, die schweigend stillsteht und zugleich nie reglos oder gar leblos ist. Denn sobald auch nur ein Hauch Wind durch die Zweige und Äste der Bäume am Waldrand streicht, beginnen sie zu schwingen und zu wogen, und durch die Fichten und Tannen geht ein stetes, gleichmäßiges Rauschen.

Betritt man den Wald auf dem Hauptpfad oder schlüpft - wie wir es oft taten - über einen Graben durch eine Lücke im Unterholz zwischen den Bäumen hindurch, fühlt man sich von Ruhe und kühler, von Tannen- und Fichtennadeln angereicherter Luft umgeben, und solange man unter dem dunkelgrünen Baldachin des Waldes unterwegs ist, setzt sich das leise Rauschen des Windes in den Ästen und Zweigen beständig fort.

Unter den Füßen schwingt und federt der von abgestorbenen Nadeln bedeckte rotbraune Waldboden bei jedem Schritt und Tritt. Im Wald geht man leichter und elastischer, muss aber auf seine Schritte mehr achtgeben als auf einem mit Kies ausgestreuten und festgestampften Feldweg oder einer asphaltierten Straße. Denn ständig ziehen sich die Wurzeln der Bäume über den Pfad, und Mulden oder Höhlungen spürt man eher unter den Füßen, als dass man sie in der dicken Schicht aus Nadeln und Moos sieht, die den Boden überzieht

Überall sind die niedrigen immergrünen Büschel der Heidel- und Preiselbeeren zu sehen. Hinter ihnen erheben sich spitz und stachlig Brombeer- oder Schlehensträucher, und zwischen den Stämmen liegt dürres, nadelloses Reisig für Leute, die Brennmaterial für einen Kamin oder einen Holz-Kohle-Ofen sammeln oder sich einen Besen zum Fegen binden wollen.

Hier und dort stapeln sich entastete und zurechtgesägte Holzblöcke, die für Sägemühlen, Zimmerleute, Schreiner und die Besitzer von Kaminen oder Holz-Kohle-Öfen bestimmt sind, und dazwischen liegen immer wieder gefällte oder gestürzte Stämme neben oder über dem Pfad. Ist ein Baum ungeplant gefallen, und wird er nicht entastet und zersägt, wachsen bald Moos, Farne, Flechten und Pilze auf seinem Stamm. In Kuhlen oder Senken schimmert zuweilen ein kleiner, dunkler, von sattgrünem Moos und Farn umkränzter Tümpel. Dringt hin und wieder die Sonne durch das Dach der Fichten und Tannen, filtern ihre Äste und Zweige das Licht, so dass es in zarten dunstigen Schleiern zum Boden durchdringt.

Am Tag schenkt der Wald uns Menschen Ruhe und Frieden und lässt unsere Seelen und Gemüter aufatmen; doch in der Nacht zeigt uns der Wald sein anderes Gesicht.

Die Reihen der Stämme, das Geäst der Bäume und die Büsche des Unterholzes absorbieren das Licht, vertiefen und betonen die Dunkelheit. Äste und Büsche, die sich im Wind regen und schwingen, wirken in der Nacht viel lebendiger als am Tag, scheinen Umrisse und Gestalten zu formen…

In der Nähe knackst ein Zweig, woanders raschelt ein Ast: Die Tiere des Waldes, die tagsüber stumm blieben und sich vor uns versteckt hielten, sind unterwegs und durchstreifen ihr Revier. Fern oder nah klagt ein Käuzchen, krächzt eine Krähe oder ein Rabe; und dann und wann hört man Füchse bellen, was eher wie ein grässliches Keuchen und Röcheln klingt…

In der Nacht flößt der Wald uns Menschen mit seinem Dunkel und seinem hör- und spürbaren, aber kaum sichtbaren Leben Angst ein; da wird er zum verwunschenen Ort der Spukgestalten.

Was meine Impressionen mit der Waldweihnacht in oder eher zu Halsbach zu tun haben? Für mich alles! Denn die Fichten- und Tannenwälder, mit denen ich aufgewachsen bin, haben auch mein Bild von der Advents- und Weihnachtszeit geprägt. Sobald der erste Schnee auf die Zweige, Äste und Stämme der Bäume fällt, hellt er das immergrüne Dunkel des Waldes sofort auf, und die weiße Decke, die den Boden und die Bäume wie eine Schicht Puderzucker überzieht, lässt den Wald für mich noch verwunschener und märchenhafter wirken, als er sonst unter dem Jahr ist.

Das kleine Dorf Halsbach hat ein ähnliches Schicksal wie Bielefeld. Viele Leute werden wissen, worauf ich mit meiner Anmerkung hinaus will: Seit zu Beginn der 2000er Jahre irgendwelche Spaßvögel die Behauptung in die Welt gesetzt haben, es gäbe Bielefeld gar nicht, mussten Bürgermeister und Stadtrat immer wieder bestätigen und beweisen, dass es diese Stadt sehr wohl gibt. Und sobald ich Halsbach erwähne, lautet die Antwort in neun von zehn Fällen: „Halsbach? Nie gehört! Wo liegt das?“

Nun, Halsbach liegt in Südosten Bayerns, und wie Ober- und Niederbayern und auch Besucher wissen, erstrecken sich im Süden und Südosten unseres Landes dichte Nadelwälder, die nicht geschlagen und gefällt werden dürfen: die vom Ministerium für Land- und Forstwirtschaft und den Forstämtern so genannten Bannwälder, in denen sich hin und wieder Lichtungen mit Weilern, Dörfern und Kleinstädten auftun.

Eines dieser kleinen Dörfer ist Halsbach, das zwischen Traunstein, Altötting und Simbach im Bannwald liegt. Anders als in manch einem anderen Ort in Südost- oder Oberbayern gibt es dort weder eine schmucke Kirche oder Kapelle noch eine altehrwürdige Gaststätte zu sehen. Sprich, Halsbach ist ein alltägliches, unauffälliges Dorf, wie es in Deutschland unzählige gibt.

Doch seit nunmehr zehn Jahren veranstalten die Bewohner des Ortes und die Anrainer aus Altötting, Traunstein, Simbach etc. die sogenannte Waldweihnacht, die man am besten in der Abenddämmerung besuchen sollte.

Auf einer Lichtung im Wald liegt ein großer PKW- und Busparkplatz, wo alles hält, das einen Motor hat. Von dieser Lichtung führt ein breiter, mit rotbraunem Rindenmulch und Häcksel ausgestreuter Hauptpfad auf ein helles, strahlendes Licht zu, das ein großer Weihnachtsstern über einer Blockhütte verströmt. Sowohl der Hauptweg als auch die Seitenwege, die vor der Hütte abzweigen und in geschwungene Bögen übergehen, sind von unzähligen Pechfackeln erhellt, die alle Wege und Pfade in einem sanften orangeroten Licht schimmern lassen und die Luft mit ihrem Duft nach Harz und Holz erfüllen.

Eine weitere Besonderheit der Waldweihnacht zu Halsbach liegt in ihrer Gestaltung. Es gibt roh gezimmerte Holzbuden, kleine Grotten aus Naturstein, Tunnels aus Holz, indianische Tipis, mongolische Jurten und Blockhütten, und jedes dieser kleinen oder großen Gebäude wird von den Betreibern liebevoll gestaltet und geschmückt. In den größeren Tipis, Jurten und Blockhütten gibt es Sitzbänke mit Decken aus Schafwolle und einem Lagerfeuer oder einem kleinen Öfchen in der Mitte, die zum Ausruhen einladen. Und an allen Ständen kann man den Betreibern bei der Herstellung ihrer Erzeugnisse zusehen.

Beim Glasbläser zum Beispiel kann man seine handgefertigte Weihnachtskugel bestellen und wird Zeuge, wie der Künstler einen karmesinroten Glutklumpen auf ein Rohr aus feuerfestem Stahl spießt und bedächtig in das andere Ende des Stahlrohres bläst, bis aus dem rotglühenden Klumpen eine durchsichtige Glaskugel wird, die sich bläht und rundet wie ein Luftballon.

In der Hütte des Glasschleifers erlebt man, dass sich die Kunst am Glas nicht allein in der Form erschöpft: Mit einem Stift, der einem Kugelschreiber ähnelt, dessen rotierende Mine aber mit feinen Diamanten besetzt ist, ritzt er filigrane Wellen, Schleifen und Bänder in ein Wein- oder Sektglas und verleiht ihm dadurch einen nicht alltäglichen Adel.

Anderswo steht ein Schmied in seiner offenen Hütte. Während er den Blasebalg tritt und seine Esse schürt, hält er ein Stück Stahl über die Flamme, bis es rot aufglüht und nachgibt, und hämmert über dem Amboss daran, bis zwischen Hammer und Stahl Funken sprühen und der Stahl sich zum Hufeisen biegt. An der Werkbank zeigt sein Geselle mit Gewindeschneidern, Fräsen und Feilen, wie aus Stahl ein Schlüssel, Schloss oder Schraubgewinde wird.

Währenddessen ertönen in den Gassen die quäkenden, näselnden Stimmen mittelalterlicher Schalmeien und Krummhörner oder der zartere, filigranere Klang von Drehleiern, anderswo raunen und flüstern Pan- und Rohrflöten, während Feen, Trolle und Wichtelmänner durch die Reihen der Besucher tanzen, hüpfen und springen.

Ja, selbst die Leckereien, die hier gekocht, gebraten, gebacken und gebraut werden, sind nicht alltäglich!

So bäckt ein Stand zum Beispiel Schneebälle, kleine Kugeln aus geknetetem und ineinander verschlungenem Mürbteig, die in der Fritteuse herausgebacken, mit heller oder dunkler Schokolade überzogen und noch warm gegessen werden: eine Spezialität, die ich so nur aus Coburg und Umgebung kenne.

Die Bratwurst stammt hier nicht allein vom Rind, auch vom Hirsch oder Wildschwein, und wird mit Wildkräutern gewürzt, so dass es eine Schmach und Schande wäre, sie mit Currysauce oder Ketchup zuzukleistern; diese Art Bratwurst schmeckt pur am besten.

Anstatt Baguette oder Pizza gibt es hier „Seelen“ zu essen: ovale Brötchen aus Hefeteig, die nach dem Backen gefüllt werden, mit Sauerrahm, Speck und Zwiebeln zum Beispiel, oder mit Kräuterquark, oder Chili con und sin Carne…

Und wenn man vom Bummeln und Schauen müde geworden ist, lässt man sich in einer Jurte oder Blockhütte auf einer Sitzbank nieder, die mit kuscheligen Wolldecken oder Lammwolle ausgelegt ist, starrt in die Glut des Lagerfeuers und schlürft in aller Ruhe und Behaglichkeit einen Glögg (schwedische Variante von Punsch), sanften Engel (Eierlikör mit Sahnehäubchen), Bischof oder Jagertee.

Kurz: Wer es liebt, durch den Wald zu spazieren und mit allen Sinnen auf Reisen zu gehen, wird im Bannwald rund um Halsbach reich belohnt und verwöhnt!



22.12.2020 - Ettal - Ein kleines Dorf und ein riesiges Kloster
Neben den Zwiebeltürmen und der Kuppel der Basilika, die sich hinter der kilometerlangen Mauer erheben, welche die Anlage des Klosters nahezu vollständig umschließt, ragt das nicht minder imposante Nobelhotel Ludwig der Bayer gen Himmel, und dort beginnt die Besichtigung: mit dem Mittagessen, Medaillons vom Hirsch und Dunkelbier, beides im Preis für die Tagestour inbegriffen. Nach dem Essen führt der Weg am Nobelhotel vorbei, dann um die Ecke herum und an einer endlosen geraden Mauer entlang, bis man über den Einlass, der nur ein enger Durchschlupf ist, den Innenhof der riesigen hufeisenförmigen Klosteranlage erreicht. Im linken Seitenflügel liegt das Internat, im rechten das Gymnasium, und in den umliegenden Trakten, die die Flügel und den Gebäudekomplex zu einem Ganzen verbinden, die Wirtschaftsgebäude. Auf der Wiese neben und hinter der Mauer und auch im Innenhof des Klosters findet in der Vorweihnachtszeit der Adventsmarkt statt, dessen Schwerpunkt auf bayrisch-alpenländischen Traditionen und bodenständigen Spezialitäten wie Räucherwurst und -schinken, Obstlern und Bränden, Hefebrot und Fladen und vielem anderem mehr liegt. Da ich auf die Atmosphäre von Weihnachtsmärkten in zwei Artikeln, die ganz besonderen Märkten gelten, näher eingehen werde, widme ich diesen Artikel dem Benediktinerkloster Ettal an sich.


Ettal – Ein kleines Dorf und ein riesiges Kloster


Dafür, dass Kloster Ettal neben Benediktbeuern, Andechs und Dießen zu den größten und imposantesten Sakralbauten Bayerns zählt, versteckt es sich geradezu vor der Welt. Zwar liegt das Kloster samt dem kleinen Dörfchen, das seinen Namen trägt, nur ca. zehn Kilometer von Garmisch-Partenkirchen entfernt, doch man erreicht es nur über eine Bundesstraße, die sich in Serpentinen einen Hügelkamm hinauf und auf der anderen Seite in einen tiefen Talkessel hinab windet.

Nur der nicht minder berühmte Passionsspielort Oberammergau ist von Ettal aus ebenerdig und in gerader Linie erreichbar, über einen stillen meditativen Spazierweg, der dem Lauf eines murmelnden Gebirgsbaches folgt, von Erlen und Birken gesäumt ist und direkt in das fromme Dorf Oberammergau führt, das fast nur aus Herrgottsschnitzer-, Votivtafel-, Rosenkranz- und sonstigen Andachtsläden besteht. Ansonsten ist dieses Tal zwischen hochgewölbten Hügeln, seinem Hausberg - dem Ettaler Manndl - und den Ammergauer Alpen eingeschlossen.

Wie die Zisterzienserabtei Fürstenfeld, die Blutenburg in Obermenzing und Schloss Tüssling in Niederbayern nimmt auch Kloster Ettal am Veranstaltungsreigen der Gartentage teil, nur nicht am Pfingstwochenende, sondern um Fronleichnam herum, d.h. rund vier Wochen später. Und es geschah an Fronleichnam vor sechs Jahren  zum ersten Mal und später auch in der Adventszeit, dass ich mit einem bayrischen Busunternehmen, das derzeit ebenso heftig wie viele andere Touristik-Unternehmen von den Auswirkungen der Corona-Pandemie gebeutelt wird, Tagesausflüge nach Ettal unternahm.

Neben den Zwiebeltürmen und der Kuppel der Basilika, die sich hinter der kilometerlangen Mauer erheben, welche die Anlage des Klosters nahezu vollständig umschließt, ragt das nicht minder imposante Nobelhotel Ludwig der Bayer gen Himmel, und dort beginnt die Besichtigung: mit dem Mittagessen, Medaillons vom Hirsch und Dunkelbier, beides im Preis für die Tagestour inbegriffen.

Nach dem Essen führt der Weg am Nobelhotel vorbei, dann um die Ecke herum und an einer endlosen geraden Mauer entlang, bis man über den Einlass, der nur ein enger Durchschlupf ist, den Innenhof der riesigen hufeisenförmigen Klosteranlage erreicht. Im linken Seitenflügel liegt das Internat, im rechten das Gymnasium, und in den umliegenden Trakten, die die Flügel und den Gebäudekomplex zu einem Ganzen verbinden, die Wirtschaftsgebäude.

Auf der Wiese neben und hinter der Mauer und auch im Innenhof des Klosters findet in der Vorweihnachtszeit der Adventsmarkt statt, dessen Schwerpunkt auf bayrisch-alpenländischen Traditionen und bodenständigen Spezialitäten wie Räucherwurst und -schinken, Obstlern und Bränden, Hefebrot und Fladen und vielem anderem mehr liegt. Da ich auf die Atmosphäre von Weihnachtsmärkten in zwei Artikeln, die ganz besonderen Märkten gelten, näher eingehen werde, widme ich diesen Artikel dem Benediktinerkloster Ettal an sich.

Neben den Augustinern zählen die Benediktiner zu den ältesten Orden der westlichen Welt und haben das Schlagwort geprägt, an das jeder sofort denkt, der die Worte „Orden“ und „Kloster“ hört: Ora et labora. Seit jeher waren und sind Benediktinerklöster nicht nur Orte des Gebetes und des Glaubens, sondern auch der Forschung und Lehre und nicht zuletzt funktionierende und florierende Wirtschaftsbetriebe.

Ohne Zweifel zeigen sich Gebet und Glaube am eindrucksvollsten in der Basilika. Mächtig und imposant wirken die beiden Zwiebeltürme mit der riesigen Kuppel dazwischen und zugleich anmutig und leicht. Das Schwere, Gewichtige des Barockzeitalters ist im Rokoko aufgehoben, alles strebt nach oben, will an die frische Luft und ans Licht.

Ein Eindruck von Licht und Leichtigkeit, ja Heiterkeit, der sich im Kirchenschiff fortsetzt: An allen Seiten sind die Wände in Doppelreihen von Fenstern aufgebrochen, selbst die Kuppel wird von einem umlaufenden Doppelkranz aus Fenstern angehoben und auseinandergezogen, so dass das Licht die mächtige Kathedrale geradezu flutet.

Und ich hatte meist das Glück, Kloster Ettal bei strahlendem Sonnenschein zu besuchen. Egal ob im Frühsommer oder in der Vorweihnachtszeit: Wenn man in diesem hochgewölbten, zartrosa, weiß und azurblau getünchten Kirchenschiff steht und durch die vielen Fenster der Himmel blau und golden leuchtet, glaubt man eine kurze, kostbare Zeit lang, dass man wirklich im Himmel bei den Engeln angekommen ist! In der Kathedrale und auch auf der Balustrade des Vorplatzes, die einen Logenblick weit in die Ammergauer Alpen hinein bietet, hat der christliche Glaube für mich nicht den Hauch einer Drohung, geschweige denn die Ausstrahlung von Strenge oder gar Gewalt. Überall gibt es hier für mich Freude, Sonne und Licht!

Angesichts dieser Eindrücke fällt es mir schwer zu glauben, dass sich gerade in diesem Kloster, das zugleich ein Ort der Gelehrsamkeit und des Lernens war und ist, jahrzehntelang und länger Fälle von physischem, psychischem und sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen zugetragen haben. Denn ich habe Ettal in den vergangenen sechs Jahren mehrmals besucht und weder das Kloster noch den Ort als einschüchternd, bedrückend oder in irgendeiner Weise gewalttätig empfunden.

Und ich kenne psychische Drohung und Bedrückung seit früher Kindheit aus meiner Familie. Ich kenne physische Gewalt, seit Klassenkameraden mich im Sport oder im Klassenzimmer pufften und umherstießen, als ich in die Grundschule ging. Ich kenne Psychoterror von Schülerinnen und Schülern, die mich in den ersten zwei Jahren an der Realschule verspotteten und verhöhnten, und von Chefs, die regelmäßig ihre Angestellten beschimpft, sich ihnen gegenüber wie Brüllaffen aufgeführt und so immer wieder die Atmosphäre im Raum vergiftet haben.

Daher habe ich für Gewalt, Bedrückung und Bedrohung feine Antennen und spüre sie, wenn sie an einem Ort umgehen; doch von keinem Raum und keinem der Benediktiner-Patres, die ich im Kloster Ettal erlebt habe, ging dergleichen aus.
In der Kathedrale und in den Betrieben des Klosters verspürte ich immer Heiterkeit, Freundlichkeit und Wohlwollen, wenn ich dort unterwegs war. Und so gehe ich davon aus, dass die Patres, die im Internat und Gymnasium während oder nach dem Unterricht Kinder und Jugendliche misshandelt und missbraucht haben, die Ausnahme und nicht die Regel waren, ohne dass dies ihre Taten in irgendeiner Weise rechtfertigt.

Auch bezweifle ich nicht die Aussagen der Kinder und Jugendlichen, die während ihrer Schul- oder Internatszeit in Ettal misshandelt oder gar missbraucht wurden, und stelle sie keine Sekunde lang in Abrede.

Denn es ist eine traurige Tatsache: Seit es Schule und Unterricht gibt, hat es Lehrerinnen und Lehrer gegeben, die Schülerinnen und Schüler gedemütigt oder misshandelt haben. Und dies nicht nur in christlichen, sondern auch in ganz alltäglichen weltlichen Schulen, in Kinder- und Erziehungsheimen, die von einer Gemeinde oder vom Staat geführt und verwaltet werden, oder in exklusiven, von privaten Trägern geführten Internaten, die einen guten Ruf und hohes Ansehen genießen.

Sprich, es ist überall möglich, wo Erwachsene von ihren Rechten und Befugnissen Gebrauch machen, um ihre (Macht)Gelüste zu befriedigen und ihre Aggressionen und Frustrationen abzureagieren, und die Kinder und Jugendlichen auf Grund ihrer beschränkten Rechts- und Geschäftsfähigkeit ihnen gegenüber in der unterlegenen Position sind.

Und vergessen wir auch nicht: Psychische und physische Gewalt und (Macht)Missbrauch beschränkt sich nicht auf christliche Institutionen und weltliche Bildungseinrichtungen. In der Familie kann sie zwischen Eltern und Kindern, zwischen Geschwistern oder Verwandten auftreten, in der Schule gegenüber Einzelnen oder zwischen feindlichen Cliquen und Gruppen, im Berufsleben am Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.... Es ist wie ein Webfehler, der sich durch die Natur mancher Menschen zieht und sich in der Geschichte der Menschheit immer wieder bemerkbar gemacht hat.

Meines Erachtens beginnt dieser Webfehler immer damit, dass sich Menschen über andere erheben und über sie Macht ausüben, sie in ihre Gewalt bringen wollen.

Wie kann dies am einfachsten geschehen? Indem man Menschen Todesangst einflößt, am besten auf vage, uneindeutige Weise und vor etwas, das man weder sehen noch hören oder greifen kann. So ist (Macht)Missbrauch am leichtesten zu erkennen: jedes Mal, wenn jemand beginnt, mit vagen, unklaren Begriffen und Drohungen, später mit Anordnungen und Einschränkungen Bedrohung, Zwang und Druck aufzubauen.

Nicht selten geschieht dies in guter Absicht: um jemanden oder die Gesellschaft zu schützen, drohenden Schaden für Leib und Leben oder für das Seelenheil eines oder vieler Menschen abzuwenden. Doch wo ein Mittel zu einem guten Zweck ein Übel ist, verkehrt sich die gute Absicht ins Gegenteil und wird zum Unrecht!

Ein Dilemma, aus dem die Menschheit bis heute nicht herausgekommen ist und für das auch ich keine Lösung habe. Doch auch in dieser für uns so schwierigen Zeit muss es zumindest erlaubt sein, dass ich dieses Dilemma zur Sprache bringe…

Doch zurück zum Kloster Ettal und zum Guten und Positiven, das ich dort sehen, spüren und schmecken durfte!

Um sich zu überzeugen, dass neben dem Glauben und der Gelehrsamkeit auch die dritte Säule des mönchischen Lebens – sprich, die Arbeit – dort bis heute funktioniert, lohnt es sich, das Hotel Ludwig der Bayer zu besuchen und dort zum Mittag- oder Abendessen einzukehren. Denn eines muss man den Benediktinern lassen: Von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und Gerichten, sprich, vom Kochen, Braten und Brauen verstehen sie etwas!

Hirschbraten, Sauce und Spätzle schmecken hier noch wie selbstgemacht und nicht wie im Massenbetrieb aufgewärmt. Und das Dunkelbier, das die Ettaler Mönche seit Jahrhunderten nach ihrer Rezeptur brauen (ein Helles gibt es auch), ist rund und gehaltvoll, sowohl im Aroma als auch im Körper, wenn man die Geschmacksnote, die am längsten und nachhaltigsten an Zunge und Gaumen haften bleibt, auch beim Bier so nennen will.

Auch lohnt es sich, die Molkerei und Käserei und die Likördestillerie zu besuchen, alles kleine separate Häuser, die hinter dem Gebäudekomplex des Klosters am Wiesenhang liegen. Denn die Patres stellen bis heute hochwertige Erzeugnisse in Handarbeit her.

Bei den Milchprodukten profitiert Ettal von den sanften Wiesenhängen, die sich hinter dem Gebäudekomplex des Klosters wölben und auf denen sich vom Frühjahr bis zum Almabtrieb im Herbst Kühe, Schafe und Ziegen am saftigen grünen Gras und Wildkräutern gütlich tun. Das Ergebnis schmeckt man im gehaltvollen, würzigen Heumilch- und Kräuterkäse, den das Kloster in kleinen Mengen herstellt und vertreibt, um die hohe Qualität zu gewährleisten.

Und was hochprozentige Genüsse angeht, sind der gelbe und der braune Klosterlikör legendär. Beide gelten bis heute als ergänzende Medizin für Magen, Galle und Leber. Die Wirksamkeit dieser Liköre kann ich weder bestätigen noch abstreiten, da ich sie nicht als Medizin gebrauche. Doch jedes Mal, wenn ich in Ettal bin, versetzt mir sowohl der „gelbe“ als auch der „braune“ Likör einen Tritt, den ich durch sämtliche Eingeweide hindurch spüre!



22.12.2020 - Der Adventsmarkt in Kloster Fürstenfeld
In meiner neuen und – für das Jahr 2020 - letzten Artikelreihe, in der ich München verlasse und ins Umland reise, möchte ich vier weitere besondere Orte bzw. Märkte vorstellen und beginne meinen neuen Reigen mit dem Fürstenfelder Adventsmarkt. Wie die Gartentage am Pfingstwochenende und die einstigen Mittelaltertage im Herbst findet auch dieser Markt im Areal des Klosters statt. Und um nicht nur an unsere vorweihnachtlichen Traditionen, sondern auch an dieses Juwel aus dem frühen Rokoko zu erinnern, hänge ich nachfolgend noch einmal den Artikel an, den ich dem Kloster Fürstenfeld und seiner Basilika gewidmet habe. Im weitläufigen Areal des Barockgartens, den die Gebäudetrakte der ehemaligen Zisterzienser-Abtei umspannen, sehen die Besucher zunächst nur ein kleines Schild mit einem roten Pfeil, der den Weg zum Markt weist. Man muss an der langen Flanke entlang wandern, in der das Bräustüberl und der Klosterladen untergebracht ist, und betritt, wenn man dem Pfeil um die Ecke folgt, durch einen offenen Torbogen den Stadtsaalhof, der einst den Kreuzgang und Innenhof des Klosters bildete.


Der Adventsmarkt im Kloster Fürstenfeld


Im Frühsommer dieses Jahres habe ich in meinem Artikel die Beziehung zwischen mir und dem Kloster Fürstenfeld geschildert, die mit den Mittelalter- und vor allem den Gartentagen zusammenhängt, die bis 2019 jedes Jahr dort stattgefunden haben.

In meiner neuen und – für das Jahr 2020 - letzten Artikelreihe, in der ich München verlasse und ins Umland reise, möchte ich vier weitere besondere Orte bzw. Märkte vorstellen und beginne meinen neuen Reigen mit dem Fürstenfelder Adventsmarkt.

Wie die Gartentage am Pfingstwochenende und die einstigen Mittelaltertage im Herbst findet auch dieser Markt im Areal des Klosters statt. Und um nicht nur an unsere vorweihnachtlichen Traditionen, sondern auch an dieses Juwel aus dem frühen Rokoko zu erinnern, hänge ich nachfolgend noch einmal den Artikel an, den ich dem Kloster Fürstenfeld und seiner Basilika gewidmet habe.

Im weitläufigen Areal des Barockgartens, den die Gebäudetrakte der ehemaligen Zisterzienser-Abtei umspannen, sehen die Besucher zunächst nur ein kleines Schild mit einem roten Pfeil, der den Weg zum Markt weist. Man muss an der langen Flanke entlang wandern, in der das Bräustüberl und der Klosterladen untergebracht ist, und betritt, wenn man dem Pfeil um die Ecke folgt, durch einen offenen Torbogen den Stadtsaalhof, der einst den Kreuzgang und Innenhof des Klosters bildete.

Der Fürstenfelder Adventsmarkt ist auf den Innenhof, den Stadtsaal und die Tenne darüber begrenzt; sprich, im Vergleich mit dem Winter-Tollwood oder dem Weihnachtsmarkt auf der Münchner Freiheit ist er relativ klein. Doch bei den Veranstaltern dieses Marktes geht Qualität sichtlich und spürbar vor Quantität!

Im Innenhof gruppieren sich vier Baumstämme um einen Stapel aus Holzklötzen, der in der Abenddämmerung angezündet wird. Allein das das Prasseln und Knistern des Lagerfeuers, die langen mächtigen Baumstämme mit den Wolldecken darauf und der Duft von Harz und Holz, der aus der Rinde der Bäume emporsteigt, sorgt auf der Stelle für Entschleunigung und lädt den Betrachter ein, zur Ruhe zu kommen, einen Glühwein oder Punsch zu trinken und sich eine Bratwurstsemmel oder vielleicht einen Baumstriezel einzuverleiben.

Ein Baumstriezel entsteht auf ähnliche Weise wie ein Baumkuchen, nur dauert die Prozedur weniger lang. Denn hier wird ein Brandteig um die heiße rotierende Walze aufgestrichen und kein Rührteig; und da der Brandteig auf der Walze geht, wird er so dick, dass man im Gegensatz zum Baumkuchen mit nur einer Schicht Teig auskommt. Doch auch der Baumstriezel wird von der heißen Walze gelöst, auf der er gebacken wird, allerdings nicht mit Schokolade glasiert, sondern mit Hagel- oder Zimtzucker, gerne auch mit Kokos- und Mandelraspeln bestreut und noch heiß gegessen.

Verlässt man das Lagerfeuer und die Baumstämme und schlüpft in den Stadtsaal, weht dem Besucher sofort der Duft von Tannen- und Fichtennadeln, Efeu, Stechpalmenzweigen und Christrosen entgegen. Denn der Stadtsaal ist zum Revier der Floristen geworden, die lebendige Adventskränze und Gestecke flechten und arrangieren.

Zu Beginn des Marktbesuches kann man den Kranz oder das Gesteck bestellen. Hat der Florist sein liebevoll gefertigtes Unikat geflochten und zurechtgesteckt, parkt er es in einem Eimer Wasser, damit es seinen Duft und seine Lebendigkeit behält; und so wartet es geduldig vor sich hin, bis man seine Bestellung bezahlt und abholt. Der Teller, auf dem man den Kranz oder das Gesteck präsentiert, sollte flach sein, aber einen gewölbten Rand haben. Denn um die duftende Pracht die ganze Adventszeit hindurch frisch zu halten, sollte sie einmal am Tag mit der Blumendusche eingesprüht werden. Aber dann hält sie auch!

Nach dem Innenhof und dem Stadtsaal sollte man unbedingt auch die Tenne besuchen. Da sie anders als früher nicht mehr als Speicher für Heu, Stroh und Korn dient, ist die Tenne eigentlich nur ein Dachboden. Doch während ein Dachboden meist eng, niedrig und dunkel ist, so ist er im Kloster Fürstenfeld geräumig und hell; und die Dachbalken wölben sich gute fünf Meter über dem Fehlboden, zwei Lagen Holz mit einer Lage Sand und Kies dazwischen.

Hierdurch ist der Dachboden an sich solide und stabil, wogt und schwingt aber zugleich unter dem Gewicht der Besucher, und die mächtigen Holzbalken knirschen und knarren unter jedem Schritt und Tritt. Man spürt förmlich, dass dieses Dachgeschoss lebt und atmet!

Hat man alle Handwerker und Manufakturen besucht, die in der Tenne und im Stadtsaal ihre Erzeugnisse präsentieren, kann ich nur empfehlen, den Besuch im Bräustüberl abzuschließen: Nach dem Bummel und Einkauf gibt es nichts Besseres als den Sauer- oder Schweinebraten des Hauses, oder auch einen der legendären Windbeutel!

Doch nachfolgend noch einmal zu meinem ursprünglichen Artikel, der dem Kloster Fürstenfeld an sich gewidmet ist.


Brauchtum – Feste – Märkte – Besonderheiten in München und Bayern

Kloster Fürstenfeld – Meine persönliche Pilgerstätte

 

Zu meinen Lieblingsorten außerhalb der Münchner Stadtgrenzen zählt das ehemalige Zisterzienserkloster Fürstenfeld aus dem frühen 18. Jahrhundert. Es beruht auf den Plänen und Entwürfen des italienischen Architekten Giovanni Antonio Viscardi, dem wir u.a. die Theatinerkirche am Odeonsplatz und den Hofgarten der Residenz verdanken.

Leider sorgten die Wirren des französisch-spanischen Erbfolgekrieges zwischen 1697 und 1713 für einen völligen Stillstand der Bauarbeiten, und Viscardi starb 1713, so dass zwar all seine Pläne vorhanden waren, ihre Ausführung indes brachlag.

Es war der bayerische Architekt Johann Georg Ettenhofer, der Viscardis letztes Meisterwerk umgesetzt und vollendet hat; und die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam haben sich u.a. im Kirchenschiff der Basilika und im Ehrensaal des Klosters auf beeindruckende Weise verewigt.

Kennengelernt habe ich Kloster Fürstenfeld im Rahmen der Mittelaltertage, die bis 2010 jedes Jahr im September im weitläufigen Areal des Innenhofes stattfanden.

Zwar entspringt es dem frühen 18. Jahrhundert, d.h. dem Übergang vom Barock ins Rokoko, doch mit ihrer lichten Anmut und Weitläufigkeit, der ein leichter, heiterer, fast verspielter Gesamteindruck innewohnt, haben die Bauten und Gartenanlagen des Klosters den Buden und Ständen der Marketender und Schausteller einen durchaus angemessenen Rahmen verliehen; denn die Mittelaltertage waren einst ein fröhliches, heiteres Spiel für Jung und Alt.

Sobald man am kleinen hölzernen Tor seinen Obolus in Höhe von zwei, später fünf Euro entrichtete, betrat man die weit zurückliegende Welt des Mittelalters, wobei indes ihre Schattenseiten wie Pestilenzen, Hungersnöte, Verfolgungen und Kriege außen vor blieben.

Da waren die Stände und Buden der Handwerker, Krämer und Marketenderinnen, die ihre Ware in der Sprache der damaligen Zeit anpriesen und verkauften: „Kommt herbei, Ihr Herren, Knechte und Bürgersleut‘, und nehmt meine Ware in Augenschein!“ Und beim Bezahlen: „Acht Silberlinge gebt… Seid bedankt, holde Dame!“

Da waren die fremdartigen und doch anheimelnden Klänge der Schalmeien, Krummhörner und Drehleiern, die am Stand des Instrumentenbauers, auf der Hauptbühne oder rund um die große steinerne Feuerstelle in der Mitte des Marktes erklangen.

Und da waren die Tänze der mittelalterlichen Hofleute in ihren schweren Gewändern aus Samt und Brokat, die Kunststücke und wortgewandten Sprüche der Gaukler, und natürlich die Kämpfe der Ritter mit Streitaxt und Morgenstern oder Schwert und Schild auf der großen Hauptbühne. Noch heute habe ich die Aufforderung beim Einzug der edlen Ritter im Ohr: „Erhebt Euch von Euren Afterballen, und begrüßet die Gäste mit Handgeklapper!“

Seit etwa 2010 ist diese Welle abgeflaut, so dass die Mittelaltertage im Hof des Klosters Fürstenfeld nunmehr eingeschlafen sind. Nur noch die Ritterfestspiele auf Schloss Kaltenberg und die Landshuter Fürstenhochzeit, die alle sieben Jahre stattfindet, sind in Bayern davon übrig geblieben, und der Weihnachtsmarkt auf dem Wittelsbacher Platz vor dem Siemens-Palais.

Doch was mich ebenfalls immer wieder nach Fürstenfeldbruck hinausgelockt hat, ist der kleine Weihnachtsmarkt im Stadtsaalhof und in der Tenne an den beiden ersten Wochenenden im Advent, vor allem aber die Gartentage, die bisher immer am verlängerten Pfingstwochenende stattgefunden haben.

Dieses Wochenende war, wie der Name „Gartentage“ vermuten lässt, der Kunst der Gärtner und Winzer sowie der Gartenbauer und Landschaftsarchitekten geweiht, und darüber hinaus auch den vielen kleinen Extras, die einen Garten, eine Terrasse oder einen Balkon sonst noch verschönern; sprich, den Floristen, Dekorateuren und Klein-Manufakturen.

Darüber hinaus gab es selbstgemachte Weine, Gewürze und Marmeladen sowie Naschereien an zahlreichen Buden, Musik und Tänze aus dem 17. und 18. Jahrhundert, Bootsfahrten auf dem kleinen Kanal, der von der Amper abzweigt, und am Samstagabend immer ein großes Brillantfeuerwerk.

Doch dieses Jahr lag an Pfingsten das Klosterareal wie auch das Veranstaltungsforum und der Stadtsaalhof leer und brach, wodurch der Stadt und Gemeinde Fürstenfeldbruck erhebliche Einnahmen verloren gehen.

Ein Los, das auch die anderen Städte und Gemeinden im sogenannten „Speckgürtel“ rund um München trifft. Sie alle haben im Lauf der Jahrzehnte und vor allem in den 2000er Jahren ihre eigene Kultur, d.h. ihre eigenen Seminare, Ausstellungen, Veranstaltungen und Feste erschaffen und aufgebaut und hierdurch mehr und mehr Gäste und Besucher angelockt; d.h. manch eine Gemeindekasse durfte seither einen regen, wachsenden Zufluss registrieren.

Es kann nicht sein, dass die Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie all die Bemühungen der Städte und Gemeinden, ihre Einwohner an sich zu binden und Besucher an sich zu ziehen, jetzt zu Nichte macht, sie verarmen und darben lässt und aufs Neue an den „Tropf“ der Stadt München hängt, von dem sie sich über Jahrzehnte hinweg zunehmend unabhängig gemacht haben! Ganz zu schweigen davon, dass die Städte und Orte im „Speckgürtel“ die überlastete, an den Wochenenden von Menschen überquellende Münchner Innenstadt deutlich entzerrt und entlastet haben.

Doch noch schimmern die weitläufigen Bauten und Gartenanlagen des Klosters Fürstenfeld in ihrer hellen, lichten Pracht, wenn auch ein wenig einsam und verlassen, so dass ich auch dieses Jahr am Pfingstsamstag hinausgepilgert bin und zumindest eine gemütliche Stunde bei Speis und Trank im Biergarten der Gaststätte „Fürstenfelder“ genießen konnte.

Für mich führt der schnellste Weg zum Kloster über die Bahnstation der S4 von und nach Geltendorf. Von der S-Bahn-Unterführung geht es über die große Fußgängerbrücke vorbei an den Kronen der Buchen, Linden und Ahorne und den hohen Holunderbüschen und dann auf einem Schleichweg zwischen dem Hinterhof der Sparkasse und dem großen Park-and-Ride-Platz am Bahnhof hindurch.

Parallel zu der stark frequentierten Kreisstraße, die ins Zentrum der Stadt Fürstenfeldbruck führt, zieht sich ein Fuß- und Fahrradweg an einer weiten ebenen Wiesenfläche entlang, die von einem langgestreckten bewaldeten Hügelkamm gleichsam begrenzt und abgeriegelt wird. Vor dem grünschimmernden Gebäudekomplex der Polizeifachschule zweigt der Gehweg scharf nach links ab und führt direkt auf den hohen weiß-grün getünchten Zwiebelturm und die ovale Apsis der Basilika des Klosters Fürstenfeld zu.

Links davon liegt auf halber Höhe des Hügelkammes ein Mahnmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege, und darunter duckt sich das schlichte halbrunde Tor eines Felsenkellers, das mich oft spekulieren ließ, welche Geheimnisse sich wohl hinter dieser hohen gewölbten Front und dem massiven Bohlentor verbergen.

Der Weg wird schmaler, führt erst zwischen dem kleinen gelben Haus des Klosterpförtners und dem hoch aufragenden vorgewölbten Rumpf der Basilika hindurch und dann durch einen runden offenen Torbogen, der den Blick auf das riesige weite Areal des Klosters und seine Bauten freigibt.

Zur Linken erhebt sich der Trakt des Fürstenfeldbrucker Heimatmuseums, in dem Schätze und Erinnerungen aus der Zeit der Kelten und Römer sowie aus dem Fundus des ehemaligen Zisterzienserklosters aufbewahrt sind.

Dem Betrachter direkt gegenüber liegt das Klosterstüberl, auf das ich gesondert zu sprechen komme, und der Klosterladen mit Andachtsbüchern, Rosenkränzen, Kreuzen und Herzen als Anhänger und anderem Erbaulichem mehr.

Und zur Rechten erhebt sich die mächtige Säulenfront der Kathedrale, die nach Jahrhunderten der Säkularisation – d.h. seit 1803 – erst im Jahr 1979 von Kardinal Joseph Ratzinger, dem heutigen emeritierten Papst Benedikt, erneut als Weihbasilika für Bischöfe und Priester eingesegnet wurde.

Im Kirchenschiff dominieren von den Säulen über das Gurtgesims bis zur hohen lichten Kuppel die Farben Weiß, Rosa, Silber und Gold, wobei Blau- und Grüntöne Akzente setzen. Hierdurch wirkt das Innere dieser gewaltigen Hallenkirche festlich und prachtvoll, aber in keiner Weise dunkel oder gar düster. Und die mächtigen, zum Himmel empor strebenden Säulen sorgen gemeinsam mit der lichten, hochgewölbten Kuppel dafür, dass das reiche Dekor an den Predigtkanzeln, am Hauptaltar und Gurtgesims das Auge des Betrachters nicht überfrachtet oder gar erschlägt.

Überdies birgt diese Kathedrale eine Besonderheit, die viele andere Klöster gerne hätten: die vollständig erhaltenen Ganzkörperreliquien zweier Heiliger, die in einem ovalen gläsernen Schrein vor den Stufen des Hauptaltars ruhen. Jawohl, im linken Schrein ruht das Skelett des Heiligen Hyacintus und im rechten das des Heiligen Clemens, und beide sind in reiche Samt- und Brokatgewänder gehüllt und über und über mit Gold und Juwelen geschmückt.

So prächtig diese Heiligen seinerzeit auch hergerichtet worden sind – etwas gruselig sind die zwei Skelette schon anzuschauen, wenn die leeren Augenhöhlen ihrer Schädel den Betrachter von der Seite her anstieren und ihre Zahnreihen ihn angrinsen…

Doch das Beeindruckendste an dieser Kathedrale ist nicht ihre immense Größe und Höhe, auch nicht ihre Fülle an lichten, strahlenden Farben und Dekor oder jene Gruselkabinette bzw. Heiligenschreine: Was den Besucher wirklich überwältigt, ist die Akustik des Kirchenschiffes.

Wenn in diesem gewaltigen Hallengewölbe die Orgel zu brausen und zu dröhnen beginnt oder die Stimmen des Chores einsetzen, erfüllen diese Klänge das Kirchenschiff mit einer derartigen Wucht und Kraft, als kämen sie aus den Tiefen der Erde emporgestiegen, um zum Gewölbe und zur Kuppel hinaufgerissen zu werden und gleich einer Spirale im gesamten Innenraum zu kreisen.

Ich hatte die Ehre, in dieser Kathedrale sowohl das Requiem von Mozart als auch jenes von Verdi zu hören. Wenn hier das Kyrie oder das Dies Irae ertönt, reißt das Krachen und Donnern der Kesselpauken schier die Erde auf, ja, spaltet sie entzwei; und die Stimmen der Soprane und Tenöre gellen, heulen und toben wie in einer in sich kreisenden Spirale der Vernichtung und Zerstörung.

Wenn man sich vorher unter dem Begriff „Jüngstes Gericht“ nichts vorstellen konnte: Hier in der Basilika des Klosters Fürstenfeld lässt die überwältigende Akustik des Kirchenschiffes und die wuchtige, brausende Musik den Zuhörer derart eindrucksvoll spüren, was dahinter steht, dass er keine weiteren Fragen mehr zu stellen braucht!



27.11.2020 - Unsere Münchner Weihnachtsmärkte - Der Schwabinger Weihnachtsmarkt auf der Münchner Freiheit
Eines vorweg: Christbaumschmuck wie Span- und Holzfiguren, Strohsterne, Miniatur-Krippen oder Tannenzapfen, Glocken und Kugeln aus Blech, Blattgold oder geblasenem Glas, so wie sie in Haidhausen oder auf dem Christkindlmarkt am Marienplatz auf Schritt und Tritt zu haben sind, wird man auf dem großen rechteckigen Tiefplateau der Münchner Freiheit im Herzen Schwabings nicht finden. Dennoch geht es auf dem Schwabinger Weihnachtsmarkt genauso anheimelnd zu wie auf den Märkten in anderen Münchner Stadtteilen, denn die Stimmung ist meist locker, lässig und gut gelaunt. Noch bevor das Winter-Tollwood, auf das ich in meiner Artikelreihe noch zu sprechen komme, von seinen Gründern eröffnet wurde, gab es den Künstler- und Kunsthandwerkermarkt auf der Münchner Freiheit, sprich, auf dem großen Platz, der am Ausgang der gleichnamigen U-Bahn-Station beginnt und sich auf mehrere flache Stufen verteilt, die deutlich tiefer liegen als die Leopoldstraße und der neue Busbahnhof.


Eines vorweg: Christbaumschmuck wie Span- und Holzfiguren, Strohsterne, Miniatur-Krippen oder Tannenzapfen, Glocken und Kugeln aus Blech, Blattgold oder geblasenem Glas, so wie sie in Haidhausen oder auf dem Christkindlmarkt am Marienplatz auf Schritt und Tritt zu haben sind, wird man auf dem großen rechteckigen Tiefplateau der Münchner Freiheit im Herzen Schwabings nicht finden. Dennoch geht es auf dem Schwabinger Weihnachtsmarkt genauso anheimelnd zu wie auf den Märkten in anderen Münchner Stadtteilen, denn die Stimmung ist meist locker, lässig und gut gelaunt.

Noch bevor das Winter-Tollwood, auf das ich in meiner Artikelreihe noch zu sprechen komme, von seinen Gründern eröffnet wurde, gab es den Künstler- und Kunsthandwerkermarkt auf der Münchner Freiheit, sprich, auf dem großen Platz, der am Ausgang der gleichnamigen U-Bahn-Station beginnt und sich auf mehrere flache Stufen verteilt, die deutlich tiefer liegen als die Leopoldstraße und der neue Busbahnhof.

Seit seinen Anfängen Ende der 1980er Jahre war und ist der Markt auf der Münchner Freiheit eine beliebte Anlaufstelle, wenn man individuelle, liebevoll gestaltete Weihnachtsgeschenke sucht und den Geschmack der oder des Beschenkten kennt.

Übrigens findet man hier einen Großteil der Künstler und Kunsthandwerker wieder, die sonst im Frühjahr und Sommer zwischen dem Universitätsgebäude und der Münchner Freiheit ihre Werke auf dem Gehsteig der Leopoldstraße ausstellen: kleine Aquarelle, Sand-Fließbilder, Miniaturen, kleine Skulpturen aus Edelstahl oder Schnitzereien.

Anderswo gibt es Füllfederhalter, Schreibfedern und Haarnadeln aus Murano-Glas, seidene Broschen und Anhänger in Gestalt kleiner Schmetterlinge und Elfen, Tage- und Notizbücher mit Einbänden aus handgemustertem Ebru-Papier oder aus eines Baumes Rinde… Kurz und gut: Dem Ideenreichtum der Aussteller wie auch den Stoffen, Farben, Formen und Mustern sind auf diesem Markt keine Grenzen gesetzt!

Auf einem kleinen Podium an der Stirnseite eines großen überdachten Zeltes, das an einer der beiden Längsseiten der Budenstadt steht, geben Münchner Solisten und Bands Live-Konzerte, die sonst in den Musikkneipen der Occam- oder Feilitzschstraße auftreten, Kabarettisten und Stand-up-Comedians treten auf, oder es findet ein Poetry Slam oder eine Diskussion zu einem gesellschaftlich relevanten Thema statt.

Doch ebenso wie für sein Künstlervolk und seine Live-Veranstaltungen ist der Schwabinger Weihnachtsmarkt für die Leckereien bekannt, die es an seinen Buden und Ständen gibt.

Auf die Vielfalt und Fülle an Genüssen, die das Winter-Tollwood seinen Besuchern bietet, komme ich noch zu sprechen. Doch die Variationen an Baguette- und Flammkuchen oder Reiberdatschi - klassisch mit Apfelmus, bodenständig mit Kräuterquark oder Roquefort, oder de luxe mit Räucherlachs und Sahnemeerrettich -, die man auf der Münchner Freiheit geboten bekommt, spricht genauso für bewährte Qualität!

Besonders urig und gemütlich ist die „Toffel-Lok“: ein kleiner runder gusseiserner Ofen, der wie der Heizkessel einer Dampflokomotive geformt ist und in dem auf glühender Kohle Kartoffeln in Alufolie geröstet werden. Sind sie gar, werden sie aus dem Kanonenöfchen geholt und landen mit Quark oder Guacamole versehen auf dem Teller.

Auch unter den Getränken, die beim Bummel über den Markt zum Aufwärmen angeboten werden, gibt es gerade hier Spezialitäten, die in den Märkten anderer Stadtteile, die für ihren klassischen Glühwein oder Früchtepunsch bekannt und berühmt sind, eher nicht vorkommen.

Eine Bude schenkt zum Beispiel Caipirinha, Saké und Pflaumenwein aus, lauter Sachen, die es von Natur aus in sich haben, aber deutlich mehr Wirkung entfalten, wenn man sie heiß serviert bekommt, genauso wie der weiße Apfel-Glühwein.

An einem anderen großen Stand wiederum, an dem sich die meisten Marktbesucher früher oder später versammeln und eine Bummelpause einlegen, findet man außer dem weithin bekannten Holunder-Glühwein und Früchtepunsch auch Bischof und Jagertee, so wie man ihn im bayrischen und österreichischen Alpenraum seit langem kennt.

Es muss etwa fünfzehn Jahre her sein, als ich auf der Münchner Freiheit zum ersten Mal mit Jagertee Bekanntschaft machte. In seinen Zutaten, im Duft und Geschmack ähnelt er durchaus einem Glühwein: Orangen- und Zitronensaft, Zimtstange, Gewürznelken, Sternanis etc., doch anders als beim Glühwein ist die Basis von Jagertee Strohrum mit einem Alkoholgehalt von 80%.

Und zwischen einem heißen Fruchtwein, der es gerade mal auf 30% bringt, und einem Rum mit 80% liegt ein Unterschied, den man zwar beim Trinken nicht schmeckt, aber hinterher spürt, wenn man nach Hause geht: meist sehr beschwingt, wenn nicht gar in Schlangenlinien!