Informationen zum Datenschutz
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Wir nutzen auf Wunsch nur technisch erforderliche Cookies die nach dem Schließen des Browsers wieder gelöscht werden. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung .  
Nur essentielle Cookies erlauben    Essentielle und Analysecookies erlauben

Impressum | Datenschutzerklärung
Blog

Besonderheiten aus München und Oberbayern

Seit 31 Jahren lebe ich nun schon in und um München und Oberbayern...



Vorwort zu meinem Blog-Bereich „Brauchtum, Feste, Märkte und Besonderheiten in München und Bayern“

Seit 31 Jahren lebe ich nun schon in und um München und Oberbayern – ursprünglich komme ich aus dem Frankenland – und kann immer noch nicht sagen, dass ich München und das, was sich darin und darum so alles tut, wie meine Westentasche kenne. Zum einen verschlägt es mich immer wieder in neue Münchner Stadtteile, Orte in Oberbayern oder auch im Frankenland, an denen ich noch nicht war, weil sie vorher irgendwie nicht in mein Bewusstsein gerückt sind. Zum anderen gab und gibt es in München und ganz Bayern Bräuche, Feste, Märkte und Besonderheiten, und diese sind entweder

  • uralt und waren schon immer da,
  • uralt, wurden aber erst in unserer Zeit wieder neu zum Leben erweckt oder
  • Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte neu und auf sehr originelle Weise dazugekommen.
Von solchen „Phänomenen“ im weitesten Sinn möchte ich in diesem Bereich erzählen und würde mich freuen, wenn auch Ihr dazu etwas zu erzählen hättet.


25.01.2026 - Eine kleine Gedenkminute für eine echte Münchner Institution
​​​​​​​Obwohl das Neue Rathaus am Marienplatz mit seinen 158 Jahren – es wurde von 1865 bis 1909 von dem begnadeten Architekten Georg von Hauberrisser und seinem Bauteam errichtet – im Vergleich zu den Rathäusern von Augsburg, Nürnberg, Frankfurt oder Lübeck ein relativ „junges“ Rathaus ist, wäre der Marienplatz ohne jene feinziselierte neugotische Fassade mit ihrem hoch aufragenden Spitzturm in der Mitte, der das weltberühmte Glockenspiel birgt, und auf dessen Balkon das Münchner Kindl jedes Jahr zu Beginn der Adventszeit die Stadt segnet und der Oberbürgermeister die Fußballspieler des FC Bayern München empfängt, wenn sie eine Champions League oder Europameisterschaft gewonnen haben und den Pokal nach Hause mitbringen, nicht der Marienplatz. Ich denke, ich gehe nicht zu weit in der Einschätzung, dass mir einheimische Münchnerinnen und Münchner, unzählige „Zuagroaste“ (Eingewanderte für Nicht-Bayern) und viele Besucherinnen und Besucher in diesem Punkt ohne zu zögern zustimmen würden. Und direkt unter dem Neuen Rathaus erstreckt sich das gewaltige Gewölbe, das seit 1874 – also bereits seit 149 Jahren – unter seiner ausgeklügelten Dachkonstruktion mit ihren halben Kuppeln und gotischen Spitzen den Ratskeller barg. Barg? Ja, denn Architekten und Restauratoren haben festgestellt, dass sowohl das Neue Rathaus als auch das Kellergewölbe, das sein immenses Gewicht trägt und abfängt, gründlich saniert und restauriert werden muss, wenn es auf Dauer fortbestehen soll. Und dies hatte zur Folge, dass der Ratskeller am Ende des Jahres 2025 nach 149 Jahren Dienstzeit schließen und das Gewölbe räumen musste.


Eine kleine Gedenkminute für eine echte Münchner Institution


Obwohl das Neue Rathaus am Marienplatz mit seinen 158 Jahren – es wurde von 1865 bis 1909 von dem begnadeten Architekten Georg von Hauberrisser und seinem Bauteam errichtet – im Vergleich zu den Rathäusern von Augsburg, Nürnberg, Frankfurt oder Lübeck ein relativ „junges“ Rathaus ist, wäre der Marienplatz ohne jene feinziselierte neugotische Fassade mit ihrem hoch aufragenden Spitzturm in der Mitte, der das weltberühmte Glockenspiel birgt, und auf dessen Balkon das Münchner Kindl jedes Jahr zu Beginn der Adventszeit die Stadt segnet und der Oberbürgermeister die Fußballspieler des FC Bayern München empfängt, wenn sie die Champions League oder Europameisterschaft gewonnen haben und den Pokal nach Hause mitbringen, ganz einfach nicht der Marienplatz.

Ich denke, ich gehe nicht zu weit in der Einschätzung, dass mir einheimische Münchnerinnen und Münchner, unzählige „Zuagroaste“ (Eingewanderte für Nicht-Bayern) und viele Besucherinnen und Besucher in diesem Punkt ohne zu zögern zustimmen würden.

Und direkt unter dem Neuen Rathaus erstreckt sich das gewaltige Gewölbe, das seit 1874 – also bereits seit 149 Jahren – unter seiner ausgeklügelten Dachkonstruktion mit ihren halben Kuppeln und gotischen Spitzen den Ratskeller barg.

Barg? Ja, denn Architekten und Restauratoren haben festgestellt, dass sowohl das Neue Rathaus als auch das Kellergewölbe, das sein immenses Gewicht trägt und abfängt, gründlich saniert und restauriert werden muss, wenn es auf Dauer fortbestehen soll. Und dies hatte zur Folge, dass mit dem Neuen Rathaus auch der Ratskeller am Ende des Jahres 2025 nach 149 Jahren Dienstzeit schließen und das Gewölbe räumen musste.

Obwohl der Grund für die Räumung des Rathauses und des Ratskellers naheliegend und vernünftig ist, konnten und wollten die einheimischen Münchnerinnen und Münchner sowie langjährige Einwohner und auch gerne anreisende Besucherinnen und Besucher nicht so recht glauben, dass es sein musste.

Meine Ex-Kollegin und ich, die wie alle anderen gebildeten und informierten Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt davon erfuhren, wollten in der Adventszeit noch einmal in den Ratskeller essen gehen und uns von dem riesigen, verschachtelten Gewölbe mit seinen unzähligen Winkeln, Nischen und chambres séparées, seiner ausnahmslos hervorragenden bayerisch-gutbürgerlichen Küche und seinen immer freundlichen Kellnern verabschieden.

Keine Chance! Ab dem ersten Adventswochenende war der Ratskeller restlos ausgebucht!

Keine gute Idee war der Vorschlag der Grünen im Rathaus, in diesem Gewölbe einen modisch-schicken Partykeller mit „Bällebad“ einzurichten.

Ich bitte zu bedenken, dass der Ratskeller keine x-beliebige Gaststätte unter vielen und auch keine billige Kneipe ist, sondern das erste Restaurant in München und eine echte Institution, die über Jahrzehnte hinweg Millionen an Gästen besucht und die Winkel, Nischen und chambres séparées gefüllt haben!

Aus meiner Sicht und auch aus der meiner Ex-Kollegin muss der Ratskeller als erste Adresse und echte Institution Münchens ebenso erhalten bleiben wie das Neue Rathaus mit seiner neugotischen Fassade und seinem nicht weniger fein gestalteten Innenhof, in dem man/frau im Sommer so lauschig und gemütlich sitzt.

Als im Jahr 2020 die weltberühmte Kathedrale Notre Dame de Paris brannte – inzwischen ist sie dank des unermüdlichen Einsatzes des Architekten- und Restauratorenteams soweit hergestellt, dass man sie wieder betreten kann –, hat dieses Ereignis seinerzeit die ganze Stadt mobil gemacht.

Denn auch wenn es recht wenige Dinge gibt, die den sehr weltlich gesinnten Bürgerinnen und Bürgern von Paris heilig sind: Notre Dame ist es. Sie bildet den Mittelpunkt ihrer Stadt und gehört genauso zur Seine-Metropole wie der Eiffelturm und der Invalidendom, wie der Place de l’Etoile mit dem Arc de Triomphe, wie der Louvre und die Brücken über die Seine. Und dies um ein paar Jahrhunderte länger als alle anderen Wahrzeichen.

Und so kamen seinerzeit im Jahr 2020 Pariserinnen und Pariser und postierten sich Tag und Nacht als Mahnwache rund um die mächtige Kathedrale, um sie buchstäblich mit Leib und Leben gegen jedes weitere Unheil zu beschützen. Und welch ein Aufatmen ging durch die Menge, als das Expertenteam erklärte, dass beide Türme samt dem Bauwerk als Ganzes gerettet werden konnten und erhalten bleiben würden!

Hm. Wenn jetzt, im Jahr 2026, die Bau- und Restaurationsarbeiten am Neuen Rathaus und seinem Gewölbe beginnen, empfiehlt es sich vielleicht, dass wir ein wachsames Auge darauf haben, was am Marienplatz vor sich geht. Auch wenn es aus meiner Sicht nicht notwendig ist, dass wir das Neue Rathaus umstellen, sollten wir das für Münchner und Bayern leider oft typische Phlegma überwinden und für seinen Erhalt und auch den seines Gewölbes einschließlich des Ratskellers einstehen!


 



25.01.2026 - Ein Münchner "Wellnesstag", der wenig kostet
Womöglich geht es jedem von uns nach oder auch während einer anstrengenden, fordernden Zeit so, dass man sich nach einer Auszeit sehnt, um zur Ruhe zu kommen und ein wenig Kraft und Freude zu tanken. Vor dem Jahr 2020 mit seinen Aus- und Nachwirkungen und allem, was sich bis Ende 2025 in unserem Land und weltweit ereignet hat, war es geraume Zeit Mode, sich für ein verlängertes Wochenende oder ein, zwei Wochen einen Wellness-Aufenthalt in einem behaglich eingerichteten Hotel zu gönnen, das in einer gesundheitsfördernden Landschaft liegt, etwa im Gebirge oder an der Nord- bzw. Ostsee. Dort trank man morgens und nachmittags von Heilquellen, ließ sich von Kopf bis Fuß durchwalken und danach in Fango oder anderen Schlamm packen, ging dazwischen spazieren und probierte sich durch die ebenso gesunde wie ausnahmslos wohlschmeckende Speisekarte des Hauses. Solche Wellness-Aufenthalte wie auch Reisen an sich sind seit 2022/23 deutlich teurer geworden und kommen für viele Menschen auf Grund der drastisch gestiegenen Lebenshaltungskosten, oder weil ihre Arbeitsstelle in Gefahr ist oder gestrichen wurde, nicht mehr in Frage. Doch für mich hat sich an jenem Samstag in Januar, den ich im Zusammenhang mit dem Schäfflertanz erwähnt habe, ein kleiner Wellnesstag ergeben, der mich erstaunlich wenig gekostet, aber mich von einem Wohlbefinden zum nächsten geführt hat. Mein „Wellnesstag made in Munich“ begann in einem Café, in das ich bei einem meiner Streifzüge geriet: das kleine aber feine „Café Wiener“ nahe beim Gärtnerplatztheater, genau gesagt am Reichenbachplatz, wo sich die Reichenbachstraße mit der Rumfordstraße kreuzt.


Ein Münchner "Wellnesstag", der wenig kostet
 

Womöglich geht es jedem von uns nach oder auch während einer anstrengenden, fordernden Zeit so, dass man sich nach einer Auszeit sehnt, um zur Ruhe zu kommen und ein wenig Kraft und Freude zu tanken.

Vor dem Jahr 2020 mit seinen Aus- und Nachwirkungen und allem, was sich bis Ende 2025 in unserem Land und weltweit ereignet hat, war es geraume Zeit Mode, sich für ein verlängertes Wochenende oder ein, zwei Wochen einen Wellness-Aufenthalt in einem behaglich eingerichteten Hotel zu gönnen, das in einer gesundheitsfördernden Landschaft liegt, etwa im Gebirge oder an der Nord- bzw. Ostsee. Dort trank man morgens und nachmittags von Heilquellen, ließ sich von Kopf bis Fuß durchwalken und danach in Fango oder anderen Schlamm packen, ging dazwischen spazieren und probierte sich durch die ebenso gesunde wie ausnahmslos wohlschmeckende Speisekarte des Hauses.

Solche Wellness-Aufenthalte wie auch Reisen an sich sind seit 2022/23 deutlich teurer geworden und kommen für viele Menschen auf Grund der drastisch gestiegenen Lebenshaltungskosten, oder weil ihre Arbeitsstelle in Gefahr ist oder gestrichen wurde, nicht mehr in Frage.

Doch für mich hat sich an jenem Samstag in Januar, den ich im Zusammenhang mit dem Schäfflertanz erwähnt habe, ein kleiner Wellnesstag ergeben, der mich erstaunlich wenig gekostet, aber mich von einem Wohlbefinden zum nächsten geführt hat.

Mein „Wellnesstag made in Munich“ begann in einem Café, in das ich bei einem meiner Streifzüge geriet: das kleine aber feine Café Wiener nahe beim Gärtnerplatztheater, genau gesagt am Reichenbachplatz, wo sich die Reichenbachstraße mit der Rumfordstraße kreuzt.

Das Café Wiener erinnert mit der dunkel- und hellgrün gemusterten Rauhfasertapete an den Wänden, dem großen Spiegel in seinem edlen schweren Holzrahmen mit der alten venezianischen Maske und dem Dreispitz mit Straussenfeder darüber, der alten mechanischen Standuhr und dem großen Lüster an der Decke an ein Wiener Kaffeehaus. Die dreistöckige Vitrine bietet sechs mehrstöckige, liebevoll dekorierte Torten, vier nicht weniger großzügig bemessene und gefüllte Kuchen und eine Spezialität, die keine andere Münchner Konditorei serviert: Apfel-Reis-Auflauf.

Wenn mir der Duft gehobelter Äpfel in die Nase steigt, die mit Zimtzucker vermengt sind, sich mit dem milden Aroma von Milchreis vereinen und gemeinsam mit ihm noch warm auf den Tisch kommen, gibt es für mich kaum eine gemütlichere Art, den Tag zu beginnen. Eine Wiener Melange bzw. ein Cappuccino dazu genügt!

Nach meinem Frühstücks-Abstecher folgte ich der Reichenbachstraße weiter geradeaus, bis sie in die Frauenstraße mündet und am Viktualienmarkt endet.

Hier stößt man auf die dunkelgrüne Blockhütte des St. Michaelshofs, ein Betrieb aus Oberbayern, dessen Erzeugnisse im Einklang mit den Phasen des Mondes und dem Einfall des Sonnenlichts angebaut werden und auch sonst das Wirken der Kräfte der Natur berücksichtigen. Ob das Wachsen der Saaten und Steckzwiebeln in bestimmten Nächten mit Gesang, Tanz und Räucherwerk begleitet wird, weiß ich nicht; doch einfach ausgedrückt ist der St. Michaelshof ein antroposophisch-esoterisch angehauchter, aber auf jeden Fall ökologischer Landwirtschaftsbetrieb.

In dieser Blockhütte, die man übrigens auch auf der Auer Dult findet, gibt es Essig-, Öl-, Honig- und Sirupsorten aus verschiedenen gesundheitsfördernden Kräutern, auch Teesorten, Gewürzmischungen, Müslis, Kekse, Heiledelsteine und was der biologisch-dynamischen Dinge mehr sind.

Von den vielen verlockenden Varianten, die sich auf dem Regalbrett vor meinen Augen aneinander reihten, nahm ich ein Fläschchen Sirup mit Fichtenspitzen-Extrakt zur Theke mit. Hierfür werden die äußersten Nadeln an den Ästen junger Fichten in Wasser, Zitronensaft und etwas Honig eingekocht.

Und dann entspann sich zwischen der Verkäuferin und mir ein Dialog, der aus einem Einakter von Karl Valentin und Liesl Karlstadt hätte stammen können:

„Möchten Sie gerne einen von unseren Keksen probieren? Ich habe hier welche mit Haselnuss und Cashew.“

„Mit Haselnuss, bitte.“

Wir wurden von einem Besucher aus den USA unterbrochen, der eine Frage stellte, auf welche die Verkäuferin auf Englisch antwortete. Dann wandte sie sich wieder mir zu.

„Was für einen Keks darf ich Ihnen als Versucherli anbieten? Mit Haselnuss oder Cashew?“

„Haselnuss, bitte“, wiederholte ich meinen Wunsch.

Im Hintergrund war ein anderer Besucher drauf und dran, mit einem Beutel in der Hand ohne zu bezahlen zur Tür hinaus zu verschwinden. „Sorry, Sir; but you have to pay if you take something with you. Please come to my desk!“ rief ihn die Verkäuferin an, worauf er den Beutel ins Fach zurück legte, aber nicht zu ihr kam, sondern die Hütte endgültig verließ.

„Leute gibt’s, die meinen, unsere Ware ist umsonst zur Selbstbedienung… Entschuldigen Sie, ich weiß schon wieder nicht mehr, was Sie mögen. Haselnuss oder Cashew?“

Inzwischen betrachtete ich diese Szene als einen Wink von oben und sagte: „Jetzt möchte ich Cashew.“ Und diesen Keks bekam ich dann auch zum Probieren, obwohl die Dose mit den Haselnuss-Keksen direkt daneben stand und ebenso gefüllt war wie die andere.

Und so zog ich mit meinem Fichtenspitzen-Sirup und meinem Cashew-Keks in der Tüte von dannen.

Wenn ich sonst auf einem Markt im Freien unterwegs bin, gehöre ich hauptsächlich zur Süßschnabel-Fraktion. Wie bereits erwähnt, wäre für mich ein Besuch der Auer Dult ohne eine Tüte Kokoswürfel und eine Marzipankartoffel zum Mitnehmen nicht komplett.

Doch auf dem Viktualienmarkt zieht es mich in andere Richtungen, wie z.B. zur Münchner Suppenküche und zu einem herzhaften, reichhaltigen und für das örtliche Preisniveau erstaunlich günstigen Eintopf mit einer großzügig bemessenen Scheibe Brot dazu. Da ich indes an diesem Samstag um 13:30 anderswo zum Mittagessen verabredet war, packte mich auf einmal die Lust auf einen kleinen herzhaften Bissen, den man nur auf dem Viktualienmarkt findet; und so steuerte ich den Stand mit den Essiggurken an.

Eine Gurke kostet 80 Cent, und man bekommt dafür ein großes dickes Exemplar in nicht alltäglichen Geschmacksnoten wie Chili, Honig-Senf oder Blaukraut. Mit einer Blaukraut-Gurke zog ich mich auf eine Bank am unteren Ende des Viktualienmarktes zurück, wo die Straße vorbei führt, auf der man zum Marienplatz kommt.

Meine Gurke war schön saftig und sauer, so wie es sich gehörte, und mir fiel auf einmal ein alter Spruch meiner Großmutter ein: „Sauer macht lustig. Lustig macht Beutel leer. Beutel leer macht Kopf schwer.‘ An diesem Tag und in diesem Moment hielt ich mich allein an den Satz: „Sauer macht lustig“...

Noch ein wenig besser, da garantiert nicht sauer, mundete mir danach der gehaltvolle, bissfeste und zugleich weiche Keks vom St. Michaelshof mit den Cashew-Nüssen darin.

Da mir vor meiner Verabredung noch ein großzügiges Zeitfenster zur Verfügung stand, kam ich auf die Idee, bei Ludwig Beck vorbei zu schauen, ob dort wieder ein informelles Gratiskonzert ins Haus stand.

Und meine Erwartung wurde nicht enttäuscht: Am nächsten Freitagabend würde das Pianisten-Duo Yaara Tal/Andreas Groethuysen zu Gast sein, das seit 40 Jahren sowohl vierhändig zusammen musiziert als auch zusammen lebt; nach Aussage der Autorin, die über dieses Paar eine Biographie verfasst hat, das beste Klavier-Duo unserer Zeit. Übrigens wurde ich an jenem Freitagabend nicht enttäuscht: Dieses Paar ist sowohl am Flügel als auch im Gespräch eine Klasse für sich!

Am Ausgang des Ludwig Beck hüpfte mir noch eine Kugel aus Lakritze hinterher, die von einer dicken Schicht Schokolade mit zwei ungewöhnlichen Zutaten umhüllt war: Erdbeere und Matcha. Klingt schräg, aber die Mischung aus süß und frisch einerseits und mild und herb andererseits hat sich aus meiner Sicht gelohnt!

Und wie zuvor erwähnt: Als ich das Kaufhaus verließ, empfingen mich draußen auf dem Marienplatz die Schäffler…

Dann aber war es Zeit, dass ich mich auf den Weg zu meiner Mittags-Verabredung machte: zum Bohemia ins Haus des Deutschen Ostens, in das ich meine Ex-Kollegin führte, die diesen Ort noch nicht kannte.

Ob meine geneigten Leserinnen und Leser mir glauben mögen oder nicht: Meine Tischgenossin, die sonst mit dem Essen so heikel ist und solch hohe Maßstäbe an die Küche eines Restaurants anlegt, war mit ihrem Gulasch samt der Sauce und den Knödeln auf Anhieb zufrieden. Sogar der Rotwein aus Mähren sagte ihrem anspruchsvollen Gaumen zu, wenn auch mit der Anmerkung: „Er war ordentlich, aber die Rotweine von Geisels Vinothek sind einfach von niemandem zu schlagen.“ Dieser Aussage muss ich leider zustimmen; aber gegen dieses Kaliber hat es jede andere Münchner Gaststätte schwer….

An diesem Samstag gab es für mich Hirschragout. Wenn man bedenkt, in welch astronomischen Sphären sich derzeit das Preisniveau mancher Münchner Gaststätten bewegt, und sich vergegenwärtigt, dass vor 2020 ein ordentliches Wildgericht an die € 28,-- gekostet hat und heute kaum mehr bezahlbar ist, sind € 21,-- für eine großzügige Portion vom Hirsch mit viel Sauce und reichlich Knödeln ein Schnäppchen! Und das Bohemia hat einen neuen Fan, was mich noch mehr freut!

Allerdings muss ich nun auf den Wermutstropfen zu sprechen kommen, den ich in meiner Einleitung erwähnt hatte. Denn dass wir beide dort essen gingen, hängt damit zusammen, dass wir nicht mehr dorthin gehen können, wo wir früher den Auftakt eines neuen Jahres nach dem Ende des Weihnachtsurlaubs gefeiert hätten...



25.01.2026 - Ein besonderer Jahresanfang und eine kleine Gedenkminute
Nach Weihnachten hat es fast den ganzen Januar gedauert, bis ich die Zeit und Muße gefunden habe, um mich zum neuen Jahr zu Wort zu melden. Zum einen hatte ich einige für mein Leben essentiell wichtige Dinge in die richtigen Wege zu leiten, und zum anderen nagte ich an einer Artikelreihe, die ein ernstes aber hoffnungsvolles Thema zum Gegenstand hat, das sich für den Beginn eines Jahres nicht recht eignet, zu dem ich aber mein Konzept aufsetzen und zumindest auf die Reihe bringen musste, bevor ich guten Gewissens mit meiner ersten Artikelreihe das Jahr 2026 willkommen heißen konnte und wollte. Der Anstoß hierzu ist ein Ereignis, das ich nicht auf dem Schirm hatte und in das ich unverhofft geriet, als ich im Rahmen eines „Wellnesstages“ in München unterwegs war, den ich für mein Wohlbefinden dringend nötig hatte. Daher beginnt meine erste Artikelreihe in diesem Jahr mit diesem Ereignis, bevor ich mich ein wenig darüber auslasse, wie bei mir ein optimaler „Wellnesstag“ auf Münchner Art aussieht. Denn das neue Jahr hat für mich recht vielversprechend und positiv begonnen, was ich an meine geneigten Leserinnen und Leser weitergeben möchte. Doch leider komme ich nicht um einen Wermutstropfen herum, den ich nicht unerwähnt lassen kann, weil dieser Wermutstropfen ein Stück echtes München ist, „aus der guten Zeit vor Anno 14. Damals hat noch Seine Königliche Hoheit der Prinzregent regiert“, wie es im Vorspann zu der seit Ende der 1970er Jahre beliebten Vorabendserie Königlich Bayrisches Amtsgericht immer heißt.


Ein besonderer Jahresanfang und eine kleine Gedenkminute
 

Nach Weihnachten hat es fast den ganzen Januar gedauert, bis ich die Zeit und Muße gefunden habe, um mich zum neuen Jahr zu Wort zu melden. Zum einen hatte ich einige für mein Leben essentiell wichtige Dinge in die richtigen Wege zu leiten, und zum anderen nagte ich an einer Artikelreihe, die ein ernstes aber hoffnungsvolles Thema zum Gegenstand hat, das sich für den Beginn eines Jahres nicht recht eignet, zu dem ich aber mein Konzept aufsetzen und zumindest auf die Reihe bringen musste, bevor ich guten Gewissens mit meiner ersten Artikelreihe das Jahr 2026 willkommen heißen konnte und wollte.

Der Anstoß hierzu ist ein Ereignis, das ich nicht auf dem Schirm hatte und in das ich unverhofft geriet, als ich im Rahmen eines „Wellnesstages“ in München unterwegs war, den ich für mein Wohlbefinden dringend nötig hatte.

Daher beginnt meine erste Artikelreihe in diesem Jahr mit diesem Ereignis, bevor ich mich ein wenig darüber auslasse, wie bei mir ein optimaler „Wellnesstag“ auf Münchner Art aussieht. Denn das neue Jahr hat für mich recht vielversprechend und positiv begonnen, was ich an meine geneigten Leserinnen und Leser weitergeben möchte.

Doch leider komme ich nicht um einen Wermutstropfen herum, den ich nicht unerwähnt lassen kann, weil dieser Wermutstropfen ein Stück echtes München ist, „aus der guten Zeit vor Anno 14. Damals hat noch Seine Königliche Hoheit der Prinzregent regiert“, wie es im Vorspann zu der seit Ende der 1970er Jahre beliebten Vorabendserie Königlich Bayrisches Amtsgericht immer heißt.


 



23.11.2025 - 40 Jahre Gasteig - Ein Jubiläum im Gasteig HP8
Seit dem Sommerfest "Wolke 8" im Juni 2023 war ich nicht mehr im Gasteig HP8 gewesen, und nun bot sich mir die Zeit und Gelegenheit, mich an dem angekündigten Mittwoch im November dort einmal mehr bewusst umzusehen. Das erste, was mir ins Auge fiel, war, dass der Bereich zwischen der Straße und dem Campus mit seinen Gebäuden auf der tiefgelegten Ebene deutlich aufgeräumter und bereinigter wirkte als vor fast zweieinhalb Jahren, und dass er im wahren Sinn des Wortes erleuchtet war: Große Flutlichtscheinwerfer tauchten das gesamte Areal und auch die einzelnen Gebäude in ein strahlendes, fast gleißendes Licht. Wer vom Straßenniveau über die Rampe zum Campus-Gelände hinabsteigt, geht direkt auf den neu errichteten Saal X zu. Inzwischen ist er kein düsterer anthrazitgrauer Klotz mehr wie bei seiner Einweihung; das gesamte Gebäude wurde erweitert und ist nun in heller Sandstein-Optik gehalten. Doch da man leider nicht an ein paar Fenster mehr gedacht hat, ist es dennoch ein in sich geschlossener Quader geblieben.  Auch an der Außenansicht des Zentralgebäudes, der Halle E, hat sich nichts geändert. Nach wie vor hat man die rotbraunen Backstein- und die grauen Betonwände samt der hohen Laderampe gelassen, wie sie waren. Doch wenn man heute die Halle E durch den Haupteingang betritt, wirkt sie ganz anders als vor drei Jahren bei ihrer Einweihung! Über allem schwebt ein riesiger Stroboskop-Globus an der Decke, der vor Gold und Silber flirrt und die ganze Halle mit seinem Licht flutet. Nach wie vor sind Weiß, Blau und Gold die dominierenden Farben und Elemente, doch die umlaufenden Galerien werden jetzt von gemauerten und reinweiß getünchten Balustraden gestützt, über denen sich royalblau getönte Fensterfronten erheben, wo es vor drei Jahren noch schwarze Stahlgerüste und -geländer gegeben hatte. 


40 Jahre Gasteig - Ein Jubiläum im Gasteig HP8

 

Noch heute erledige ich meine Wocheneinkäufe hin und wieder im Motorama, so dass der alte Gasteig über der Isar meinem Bewusstsein nie ganz entschwunden ist; und als ich einmal mehr im Motorama-Untergeschoss unterwegs war, stieß ich auf Plakate an den Wänden, die verkündeten, dass es am 12. November von 17:00 bis 21:00 Uhr eine Geburtstagsfeier mit Live-Aktionen, Workshops, Musik und Torte gab: Der Gasteig feierte sein 40jähriges Jubiläum!

Als ich mich im alten Gasteig-Gebäude umsah, stellte ich fest, dass alle Veranstaltungen nur im HP8-Ausweichquartier an der Brudermühlstraße stattfinden sollten und das "Fat Cat"-Kollektiv sich an den Jubiläums-Feierlichkeiten gar nicht beteiligte, mit keinem Konzert, keinem Vortrag, keinem Workshop, nichts. Schon eigenartig, denn vor seiner Stilllegung im Jahr 2019 war der alte Gasteig über 34 Jahre hinweg ein existierender und funktionierender Kulturbetrieb gewesen!

Doch zu den Jubiläumsfeierlichkeiten im Gasteig HP8 waren alle Münchnerinnen und Münchner bei freiem Eintritt eingeladen, auch das Münchner Kammerorchester (MKO) würde sich daran beteiligen, und im Saal X sollte es eine Zusammenführung von Musik, Literatur und darstellender Kunst geben. 

Seit dem Sommerfest "Wolke 8" im Juni 2023 war ich nicht mehr im Gasteig HP8 gewesen, und nun bot sich mir die Zeit und Gelegenheit, mich an dem angekündigten Mittwoch im November dort einmal mehr bewusst umzusehen.

Das erste, was mir ins Auge fiel, war, dass der Bereich zwischen der Straße und dem Campus mit seinen Gebäuden auf der tiefgelegten Ebene deutlich aufgeräumter und bereinigter wirkte als vor fast zweieinhalb Jahren, und dass er im wahren Sinn des Wortes erleuchtet war: Große Flutlichtscheinwerfer tauchten das gesamte Areal und auch die einzelnen Gebäude in ein strahlendes, fast gleißendes Licht.

Wer vom Straßenniveau über die Rampe zum Campus-Gelände hinabsteigt, geht direkt auf den neu errichteten Saal X zu. Inzwischen ist er kein düsterer anthrazitgrauer Klotz mehr wie bei seiner Einweihung; das gesamte Gebäude wurde erweitert und ist nun in heller Sandstein-Optik gehalten. Doch da man leider nicht an ein paar Fenster mehr gedacht hat, ist es dennoch ein in sich geschlossener Quader geblieben. 

Auch an der Außenansicht des Zentralgebäudes, der Halle E, hat sich nichts geändert. Nach wie vor hat man die rotbraunen Backstein- und die grauen Betonwände samt der hohen Laderampe gelassen, wie sie waren.

Doch wenn man heute die Halle E durch den Haupteingang betritt, wirkt sie ganz anders als vor drei Jahren bei ihrer Einweihung! Über allem schwebt ein riesiger Stroboskop-Globus an der Decke, der vor Gold und Silber flirrt und die ganze Halle mit seinem Licht flutet. Nach wie vor sind Weiß, Blau und Gold die dominierenden Farben und Elemente, doch die umlaufenden Galerien werden jetzt von gemauerten und reinweiß getünchten Balustraden gestützt, über denen sich royalblau getönte Fensterfronten erheben, wo es vor drei Jahren noch schwarze Stahlgerüste und -geländer gegeben hatte. 

Sowohl die Stadtbibliothek zur Rechten als auch die Volkshochschule gegenüber zur Linken nimmt inzwischen drei stattliche Stockwerke ein, wobei es im Campus-Gelände noch einen sechsstöckigen Gebäudeblock gibt, der ebenfalls der VHS vorbehalten ist. 

Nur dass die Ausleihe und Rückgabe von Büchern in der neuen Bibliothek heute nur noch elektronisch vonstatten geht, es im Erdgeschoss keine Information und Anmeldung mehr gibt, an der Menschen von Menschen empfangen und bedient werden, und dass man nicht mehr direkt auf die weitläufigen lichten Bibliothekssäle voller Bücherregale blickt, lässt mich die alte Zentralbibliothek immer noch schmerzlich vermissen... 

Auch eine Caféteria gibt es wieder. Sie nimmt auf der rechten Seite gut zwei Drittel des Erdgeschosses ein, ist mit Speisen und Getränken gut bestückt und blitzt vor Ordnung und Sauberkeit. 

Als ich kurz nach 17:00 Uhr eintraf, stand auf dem Podium an der Stirnseite der Halle E ein Volksmusik-Ensemble, das mir vom "Wolke 8"-Sommerfest von 2023 bekannt vorkam, und brachte neugierigen und willigen Gästen zuerst die Anfänge des Schuhplattelns und danach einen Jodler bei, nicht einen mit dem schlagartigen Wechsel zwischen Brust-, Kehlkopf- und Kopfregister, der für Anfänger kaum zu schaffen ist, sondern einen sanften Andachtsjodler, der gesungen und getönt wird, aber mit Kehlkopfakrobatik nichts zu tun hat.

Zur linken Hand waren bereits die Brandschutztore zur Isarphilharmonie geöffnet, aber noch nicht die Flügeltüren aus schlichtem hellen Holz dahinter. Auch diese zusätzlichen Holztüren vor dem Saal hatte es beim Besuch des "Wolke 8"-Sommerfestes vor zweieinhalb Jahren noch nicht gegeben. 

Ich trat auf die Saalordner in Uniform zu, die vor den Toren Wache hielten, und fragte, ab wann man eintreten dürfe."Voraussichtlich ab 18:15", antwortete eine Dame in Uniform. "Aber Sie wissen auch: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!"
"Übrigens" fiel eine Kollegin von ihr ein, "um 18:00 Uhr wird hier im Erdgeschoss die Geburtstagstorte angeschnitten." 

Jetzt war es 17:20 Uhr,, so dass mir noch genügend Zeit blieb, um ins Obergeschoss hinauf zu gehen, wo Musiker der Münchner Philharmoniker kleine Soli spielen und für Fragen interessierter Gäste zur Verfügung stehen würden. 

Die rau und schmucklos gehaltene, von schwarzen Stahlgeländern gesäumte Betontreppe, der ich nun folgte, schien in meinen Augen eher zu einer Fertigungs- oder Lagerhalle zu führen als zu den Rängen eines Konzertsaals; und in dem schmalen, langgezogenen, ebenso rauen und schmucklosen Korridor wirkten die beiden Musiker, die einander an seinen Enden gegenüber standen, ein wenig einsam und verloren.

Doch mitteilsam waren beide, der hochgewachsene stattliche Herr am Kontrabass am rechten Ende des Ganges wie auch der kleine schmächtige mit seiner Violine am linken; und jeder widmete sich den Neugierigen, die zu ihnen heraufgekommen waren, mit einem freundlichen Lächeln. 

Vom Jazz und Swing kenne ich den Kontrabass hauptsächlich als gezupftes Rhythmus-Instrument; doch dieser Musiker der Münchner Philharmoniker strich mit einem Bogen über seine Saiten, so dass er sanft, samten und glutvoll wie ein Cello klang. Als ich den Bassisten fragte, ob es möglich sei, bestimmte Stücke, die dem Cello vorbehalten sind, auch auf dem Kontrabass zu spielen, bejahte er. Auf meine Frage, wer sein Lieblingskomponist sei, nannte er Gustav Mahler. Bei seiner Spielweise und dem Klang seines Instruments hätte ich eher auf Schumann oder Brahms getippt...

Eine andere Zuschauerin fragte ihn nach dem Alter und Wert seines Instruments. Dieser Kontrabass mit seinem dunkel, fast schwarz schimmernden Holz stammte aus dem 18. Jahrhundert und war gut € 250.000,-- wert; ein Eigentum der Münchner Philharmoniker, das gewiss sorgsam gehegt und bewacht wird. Auf meine Frage hin erklärte der Kontrabassist, dass es ähnlich aufwändig und kostspielig ist, sein Instrument zu transportieren wie bei einer Harfe, und obwohl ein Kontrabass nicht so zart und fein gebaut ist wie eine Harfe, verträgt auch sein Korpus und vertragen auch seine Saiten Transporte und Umzüge nicht gut.

Die Violine des Geigers am anderen Ende des Korridors hingegen war erst 40 Jahre alt - sie gehörte ihm seit seinem achten Lebensjahr -, und stammte aus New York. Anders als das Instrument seines Gegenübers ist sie leicht zu tragen und kann überall hin mitgenommen werden. 

Doch ganz gleich, wie "jung" oder "alt" es sein mag, teuer und kostbar ist jedes Instrument, das ein Orchestermusiker sein eigen nennt und mit dem er beinahe verwachsen ist, wenn er sein Leben lang als Berufsmusiker spielt und jeden Tag acht Stunden probt bzw. am Abend mit seinem Ensemble auftritt...

Genau in der Mitte des Korridors stand ein Klavier aus schwarzem Ebenholz, an dem um 18:15 Uhr ebenfalls ein Solist spielen und Auskunft geben sollte. Doch ich fürchte, sein Auftritt auf der Galerie der Isarphilharmonie ging ein wenig unter, denn um 18:00 Uhr tönte aus dem Erdgeschoss die Ankündigung über alle Ebenen der Halle hinweg: "Liebe Gäste, es ist soweit: Wir schneiden die Geburtstagstorte an! Wenn Sie sich bitte an der rechten Seite anstellen und dann mit der Torte auf der linken Seite weggehen würden..." Wenn ich mich rechtzeitig für das Münchner Kammerorchester anstellen wollte, um mir einen Platz auf der Bühne der Isarphilharmonie zu sichern, würde mein Zeitfenster für die Torte knapp werden! 

Als ich ins Erdgeschoss hinabstieg und an die Schlange zur Rechten aufschloss, reichte der Vorrat an Tellern und Servietten noch, doch Gabeln wurden bereits zur Mangelware. Immerhin rückte die Schlange erstaunlich rasch vorwärts, so dass ich gute Chancen auf mein Gratisstück hatte! Einen Teller und eine Serviette hatte ich bald in der Hand, und dann stand ich auch schon vor der Anrichte.

Im Urzustand hatte die Geburtstagstorte einen Umfang von über einem Quadratmeter eingenommen; doch keine Viertelstunde nach dem offiziellen Anschnitt sah sie aus, als sei ein Termitenheer über sie hergefallen. Gleichwohl balancierte ich nur eine Minute später mein Stück auf dem Teller!

Es war mit Himbeersirup und Puderzucker glasiert und mit einer weißen Wellenlinie aus Zuckerguss versehen, bestand aus drei Schichten Biskuit-Nussboden, und an der bayerischen Creme zwischen den Böden hatte die Konditorei nicht gespart. Kurz, sie sah professionell aus und versprach einen sündhaft-köstlichen Genuss! Leider waren die Gabeln inzwischen endgültig ausgegangen, so dass ich mir mit meiner Serviette zu helfen versuchte.

Das Konditor-Meisterwerk schmeckte ebenso köstlich wie es aussah. Nur: Wer schon einmal versucht hat, eine Cremetorte mit Hilfe einer Serviette zu essen, weiß, wofür und wozu man die Gabel erfunden hat... Immerhin habe ich mir mein Stück einverleibt, ohne auf meinem Beistelltisch oder meiner Kleidung für eine Schweinerei zu sorgen!

Kaum war ich meinen Teller auf der Anrichte der Caféteria losgeworden, war es auch schon Zeit, um sich für das Konzert des Münchner Kammerorchesters anzustellen; und um 18:20 Uhr stießen die Saalordner die Tore auf. Schon zum zweiten Mal marschierte ich mit den anderen Gästen durch das Parkett nach vorne zur Rampe und betrat nach Unterzeichnung des Haftungsausschlusses die Bühne der Isarphilharmonie.

An diesem Abend waren die Stühle für die Gäste nicht neben denen mit den Notenständern und den aufgeschlagenen Partituren platziert, sondern in drei Reihen hinter ihnen. Offenbar war es für die Musikerinnen und Musiker des MKO beim "Wolke 8"-Sommerfest doch ein wenig irritierend gewesen, auf einmal wildfremde Laien direkt neben sich sitzen zu haben, während sie auf ihre Noten und Musikerkollegen achtzugeben hatten...

Wenn es erlaubt wäre, würde ich klassische Musik gern immer auf diese Weise hören: auf dem hell erleuchteten Parkettboden mit seinen kreisrunden Segmenten, die nach den Erfordernissen eines Stückes angehoben oder gesenkt werden können, während ich von meinem Sitz aus die Bögen der Streicher über den Steg ihrer Instrumente eilen sehe und der Holzboden unter mir unter den Schallwellen der Töne leise vibriert. In Momenten wie diesen möchte ich nichts als dasitzen und mich in den Wohlklang der Streicher hüllen wie in ein weiches kostbares Tuch...

Leider ist der Zuschauerraum einschließlich der Ränge und der Decke unverändert kohlrabenschwarz, so dass ich immer noch an Kreuz, Gruft und Grabesluft denken muss, wenn ich den Blick zufällig einmal von den Instrumenten wende und nach oben und in die Runde richte...

Der Abend mit dem MKO begann mit der 1. Symphonie in C-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach, nach Friedemann der zweite begabte Musikersohn von Johann Sebastian Bach, der von Leipzig nach Hamburg wechselte und dort sowohl die Stücke seines Vaters als auch seine eigenen mit Erfolg aufführte.

C.P.E. Bach hat durchaus seinen eigenen Stil; frischer, anmutiger und zugleich gefühlvoller als der seines berühmten Vaters, dessen Kompositionen - vor allem seiner geistlichen Musik - nach meinem Empfinden etwas Herbes und Strenges innewohnt, das der klaren, unerbittlichen Logik seiner Harmonielehre folgt. Bei J.S. Bachs Sohn kann man die Figuren, Verneigungen und Compliments des Rokoko förmlich sehen, während er zugleich auf deutliche Kontraste in der Dynamik und den Wechsel zwischen rasch dahineilenden und bedächtig atmenden Passagen setzt.  

Es hilft, den Melodiebögen genauer zu folgen, wenn ein Experte wie Ulrich Habersetzer von BR Klassik die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf bestimmte Tempiwechsel, Einsätze und Dialoge der Streichergruppen lenkt und besondere Feinheiten der Komposition hervorhebt.

Auch - zumindest mir -, wenn ein junger Dirigent wie Xandi van Dijk sichtlich für die Musik und die Stücke brennt, die sein Orchester spielt, und die Gewohnheit hat, jede musikalische Phrase mit den Bewegungen seines ganzen Körpers und leisem, aber deutlich hörbarem Raunen und Flüstern wiederzugeben. Hat Xandi van Dijk seine Technik von Sir Simon Rattle übernommen? War er irgendwann bei ihm in einem Meisterkurs gewesen?

Nach dem Ausflug in die Generalbasszeit stand auch an diesem Abend ein modernes Stück eines lebenden zeitgenössischen Komponisten auf dem Programm, "Wald" von Enno Poppe. Einfach nur ein Wald? Wohl eher der verbotene Wald von Hogwarts in der Walpurgisnacht oder in den Rauhnächten!

Da waren Gnome, Kobolde und Trolle, die brummend und grummelnd durch das Unterholz polterten; Hexen, die Tränke brauten und über dem Kessel tuschelnd und kichernd ihre Zaubersprüche raunten; mittendrin das Gejaule und Geschrei zweier liebestoller Kater, die einander im Streit um eine Favoritin in die Wolle gerieten; und zwischendurch das Jammern und Wimmern unerlöster Seelen... Kurz, ein Wald, dessen Lauten man in einem Konzertsaal aufmerksam und gespannt lauscht, in dem man aber nicht um Mitternacht oder in der frühen Dämmerung unterwegs sein möchte!

Doch dann war die Zeit auf der Bühne der Isarphilharmonie leider auch schon wieder zu Ende. 

Es stand der letzte Programmpunkt dieses Abends an; der Versuch, Musik, Literatur und darstellende Kunst zu einem Gesamtkunstwerk zu verschmelzen, der im Saal X stattfinden sollte. Ich war gespannt, auf welche Weise dies vonstatten gehen würde; denn genau jene drei Elemente - die Welt der Klänge, des Wortes und der bildhaften Darstellung - haben in meinem Bewusstsein und meiner Vorstellungswelt seit jeher zusammengehört.

Also verließ ich die Halle E, überquerte den Campus und hielt auf die sandsteinfarbene Front des Saales X zu. Wie ich es bereits bei seiner Einweihung für richtig gehalten hatte, waren heute im Parkett gepolsterte Stühle dicht aneinandergereiht, damit das Publikum nicht nur Rock- und Pop-Konzerte, sondern auch Vorträge und Stücke anhören konnte, die Stille und Konzentration erforderten. Die schlichten schwarzen Wände und der kompakte, in sich geschlossene Raum erinnern mich stark an die Black Box im alten Gasteig; und wie dort gibt es auch an der Stirnseite des Saales X eine erhöhte, erstaunlich geräumige, im Gegensatz zum Zuschauerraum hell erleuchtete Bühne.

Über der Bühne war das Motto und der Inhalt der Vorstellung an die Wand projiziert: "Über Tyrannei - Zwanzig Lektionen für den Widerstand", ein Graphic Novel, dessen Worte und Texte Timothy Snyder verfasst und Nora Krug in Zeichnungen umgesetzt hat. In diesem Graphic Novel geht es um den Widerstand, den Menschen gegen die NS-Diktatur geleistet haben, und auch um die Regeln bzw. Verhaltensweisen, mit deren Hilfe man gegen ein totalitäres Regime oder System Widerstand leisten kann. Während Bilder an die Wand projiziert wurden, sollte jemand Passagen aus diesem Werk vorlesen und danach ein Streichquartett das Gelesene ins Gemüt sinken lassen. 

Da die zwanzig Lektionen - eher Leitsätze - für den Widerstand vor Beginn der Veranstaltung ebenfalls an der Wand zu lesen standen, nahm ich an, dass die Vorleserin auf diese zwanzig Punkte nach und nach eingehen würde; und auch, dass Vortrag, Bild und Musik zu einer fließenden Collage verschmelzen würden, die Verstand, Gemüt und Sinne gemeinsam ansprachen und mitnahmen.

Doch leider kam es anders. Die Zeichnungen, die im Lauf der Veranstaltung über der Bühne erschienen, erschienen mir so nüchtern und trocken wie die Graphiken und Leitsätze, die ein Overhead-Projektor in der Schule oder in einem Workshop an die Wand warf.

Es wurde kaum von Episoden aus dem Widerstand gegen das NS-Regime erzählt und auf keine der angekündigten zwanzig Lektionen eingegangen. Nur aus dem Prolog und Epilog trug die Vorleserin einige Passagen vor: zum einen, wie wichtig es ist, sich ein Bewusstsein für Geschichte zu bewahren, und dass Geschichte nicht vergessen und abgetan werden darf, wenn sich die Fehler vergangener Generationen nicht wiederholen sollen; und zum anderen, dass es gilt, sich der Sprache und Rhetorik von Diktatoren bewusst zu widersetzen. 

Und zwischen den gelesenen Textpassagen spielte das Streichquartett ausnahmslos Stücke, die von bleischwerem Gram erfüllt waren.

Trocken-moralisierende Abhandlungen und brütende Trauermusik sind nicht gerade etwas, das Gemüt und Sinne anspricht und mitnimmt; sie wirken wie die gewichtige Rede des Rektors einer Schule bei einer offiziellen Feier in der Aula, der man sich nicht entziehen kann und die man über sich ergehen lässt. Ich kann es jenen, die sich im Zuge der Veranstaltung erhoben und den Saal verließen - und es waren ihrer einige -, nicht verdenken und wäre vielleicht auch gegangen, wenn die Worte und ihr Sinn nicht richtig und wichtig gewesen wären. 

Die gesamte Veranstaltung setzte meinem Gemüt und auch dem anderer Zuschauer einen Dämpfer auf, so dass wir, als sie zu Ende ging, den Saal X in stiller, beklommen-bedrückter Stimmung verließen. 

Hiermit endete auch der offizielle Teil der Jubiläumsfeier "40 Jahre Gasteig". In der Halle E hätte es jetzt noch anderthalb Stunden Musik von einem DJ gegeben, aber danach war mir nicht zu Mute; also verließ ich das Gelände und ging zur U-Bahn-Station Brudermühlstraße, um nach Hause zu fahren. 

Bis zu diesem Gesamtkunstwerk im Saal X war der Abend für mich eine kurzweilige, anregende und auch lehrreiche Zeit gewesen, die ich genossen und gerne mitgenommen habe. 

Doch muss es sein, dass man Menschen, die eine Feier besuchen und sie genießen, einen Abend lang ihre Sorgen und Nöte hinter sich lassen wollen, mit Moralpredigten Gesinnung beibringt und sie mit beschwertem Sinn und Gemüt in die Nacht entlässt? 
 



23.11.2025 - München leuchtet immer noch - Das Münchner Behördenorchester in der Ludwig-Maximilian-Universität
Vielleicht wäre ich über das Kreativquartier am Leonrodplatz nicht so empört, wenn es nicht überall in München sichtbare und eindeutige Beweise dafür gäbe, welch hohen Stellenwert Kunst und Wissenschaft einst bei uns hatten: in Gestalt der Bayerischen Staatsoper, des Gärtnerplatz- und Prinzregententheaters, in den Pinakotheken und anderen bedeutenden Kunstgalerien, in der Bayerischen Staatsbibliothek und in der Ludwig-Maximilian-Universität, von Ludwig I. und Maximilian II. ins Leben gerufen und von Friedrich von Gärtner erbaut, die ich am Samstag vor einer Woche zum ersten Mal betreten habe. Da ich München als Berufsanfängerin und nicht als Studentin kennengelernt habe, sind mir die Buchstaben LMU und die Fassade des Universitätsgebäudes an der Ludwigstraße zwar durchaus ein Begriff. Doch da ich nie in einem Studiengang immatrikuliert war und nicht einmal auf den Gedanken gekommen wäre, dort nach Veranstaltungen für Nicht-Studierende zu suchen, hätte ich diese ehrwürdige Institution wohl nie betreten, wenn mich nicht Freunde auf ein Konzert des Münchner Behördenorchesters aufmerksam gemacht hätten, das in der Großen Aula stattfand und gratis veranstaltet wurde (um freiwilige Spenden für die Arbeit dieses Orchesters wurde gebeten). Das Konzert sollte um 18:00 Uhr stattfinden; und da bei einem Gratis-Event gleich welcher Art mit regem Zulauf zu rechnen ist, auch wenn die Einladungen nur über Mundpropaganda verbreitet werden, war ich schon um 17:00 Uhr an unserem Treffpunkt an der überdachten Oberfläche der U-Bahn-Station "Universität".  Und so schritt ich an dem kreisrunden neubarocken Springbrunnen vorbei und betrat an diesem Abend erstmals jenes langgestreckte dreistöckige Gebäude aus weißgetünchtem Sandstein mit seinen runden Arkadenbögen, dessen Eingangsbereich hell erleuchtet war - und bin meinen Freunden für die Einladung bis heute dankbar.


München leuchtet immer noch - 

Das Münchner Behördenorchester in der Ludwig-Maximilian-Universität


Vielleicht wäre ich über das Kreativquartier am Leonrodplatz nicht so empört, wenn es nicht überall in München sichtbare und eindeutige Beweise dafür gäbe, welch hohen Stellenwert Kunst und Wissenschaft einst bei uns hatten: in Gestalt der Bayerischen Staatsoper, des Gärtnerplatz- und Prinzregententheaters, in den Pinakotheken und anderen bedeutenden Kunstgalerien, in der Bayerischen Staatsbibliothek und in der Ludwig-Maximilian-Universität, von Ludwig I. und Maximilian II. ins Leben gerufen und von Friedrich von Gärtner erbaut, die ich am Samstag vor einer Woche zum ersten Mal betreten habe.

Da ich München als Berufsanfängerin und nicht als Studentin kennengelernt habe, sind mir die Buchstaben LMU und die Fassade des Universitätsgebäudes an der Ludwigstraße zwar durchaus ein Begriff. Doch da ich nie in einem Studiengang immatrikuliert war und nicht einmal auf den Gedanken gekommen wäre, dort nach Veranstaltungen für Nicht-Studierende zu suchen, hätte ich diese ehrwürdige Institution wohl nie betreten, wenn mich nicht Freunde auf ein Konzert des Münchner Behördenorchesters aufmerksam gemacht hätten, das in der Großen Aula stattfand und gratis veranstaltet wurde (um freiwilige Spenden für die Arbeit dieses Orchesters wurde gebeten).

Das Konzert sollte um 18:00 Uhr stattfinden; und da bei einem Gratis-Event gleich welcher Art mit regem Zulauf zu rechnen ist, auch wenn die Einladungen nur über Mundpropaganda verbreitet werden, war ich schon um 17:00 Uhr an unserem Treffpunkt an der überdachten Oberfläche der U-Bahn-Station "Universität". 

Und so schritt ich an dem kreisrunden neubarocken Springbrunnen vorbei und betrat an diesem Abend erstmals jenes langgestreckte dreistöckige Gebäude aus weißgetünchtem Sandstein mit seinen runden Arkadenbögen, dessen Eingangsbereich hell erleuchtet war - und bin meinen Freunden für die Einladung bis heute dankbar.

Ohne sie hätte ich niemals die marmorweiße Reinheit des Lichthofes mit seinen säulengestützten Arkaden auf drei Stockwerken gesehen und nicht den Balkon unter der Uhr mit dem großen römischen Zifferblatt, von dem einst Hans und Sophie Scholl und Alexander Schmorell von der Weißen Rose ihre Flugblätter in den Lichthof hinunter warfen, um zum Widerstand gegen die NS-Diktatur aufzurufen, und dabei ertappt und verhaftet wurden.

Und ohne die Einladung meiner Freunde hätte ich auch nie die Große Aula gesehen, die das erste und zweite Obergeschoss des Kuppelgewölbes einnimmt, in der nach dem Ersten Weltkrieg über die erste Verfassung des Freistaates Bayern abgestimmt wurde und die heute als Rahmen für besondere Vorträge, Auszeichnungen und - wie an diesem Abend - Konzerte dient. 

Auch dieser Raum ist von Säulen gestützt. Über der Stirnseite prangt ein Wandgemälde in Blau, Gold und Weiß, halb Fresko, halb Mosaik, das den Gott Helios in seinem Sonnenwagen zeigt, zur Linken von den Göttern der Weisheit und Gerechtigkeit und zur Rechten von jenen der Stärke und Souveränität flankiert. Eine marmorweiße Galerie säumt und trägt das mächtige Gewölbe. 

Die Bühne, das Parkett samt der Stuhlreihen und die sorgfältig getäfelte Kassettendecke, alles ist in massivem, hellem, sorgsam gefirnisstem Holz gehalten und reichlich von Deckenstrahlern erhellt. 

Und alles in diesem Zentralgebäude ist himmelhoch: die Decken und Gewölbe, die Säulen und Balkone, selbst die massiven Türen aus schwarzem Holz, hinter denen sich die Dekanatsbüros und Vorlesungssäle verbergen. 
Manche der langen Raumfluchten im ersten und zweiten Obergeschoss sind hell erleuchtet; andere, die an diesem Abend nicht "in Gebrauch" sind, liegen in Dunkel und Dämmerung. Die oberen Stockwerke dieses riesigen Gebäudes sind ein weitverzweigtes Labyrinth an Korridoren, Abzweigungen, Nischen und Ausbuchtungen. 

Dieses Gebäude wurde von 1909 bis 1911 vom Architekten German Bestelmeyer mit der Errichtung der Großen Aula zu seiner Vollendung geführt und zeigt seither eindrucksvoll, was Lehre und Forschung, Kultur und Kunst in Bayern und auch anderswo in Deutschland einst bedeutete: etwas Großes, nach dem der Mensch streben soll; etwas Weihevolles, das in erhabener Schönheit strahlt und leuchtet, nach dem sich Geist und Seele ausstrecken und dem sie dienen sollen. 

Und heute schiebt man Kultur und Kunst als belanglose, unwichtige Nebensächlichkeiten in alte, heruntergekommene Industriebauten ab, für die kein Geld da ist, um sie in Stand zu halten oder gar zu restaurieren. Einst hat man ihnen die höchste Priorität eingeräumt, das zeigen Münchens große Theater und Museen, die Bayerische Staatsbibliothek und auch die Ludwig-Maximilian-Universität bis auf den heutigen Tag!

Doch schließlich und endlich dürfen und sollen ein paar Worte zum Konzert des Münchner Behördenorchesters nicht fehlen. Auf dem Programm standen die Helios-Ouvertüre op. 17 von Carl Nielsen, Lieder von Edvard Grieg, Hugo Wolf und Richard Strauss mit Orchester, und Ludwig van Beethovens 5. Symphonie in c-moll.

Während sich die Orchestermusiker um die fünfzig Jahre und darüber bewegten, war die junge Sopranistin, die für diesen Abend engagiert worden war, und der Dirigent, den das Behördenorchester seit zwei Jahren unter seine Fittiche genommen hat, nicht älter als Mitte bis maximal Ende zwanzig. Vom Anfang bis zum Ende spielte das Behördenorchester ebenso klar, präzise und sauber, wie der junge Dirigent ihnen die Einsätze, Tempi- und Dynamikwechsel vorgab, und die Stimme der Solistin klang weich, rund und voll.

Nur fand ich die Sopranistin in ihrem Ausdruck recht verhalten, ja zurückhaltend, wo nach meiner Ansicht etwas mehr Ausdruck und Gefühlsstärke angebracht gewesen wären, handeln die Lieder von Grieg, Wolf und Strauss doch von eindringlichen Bildern und Seelenstimmungen. Auch dem Dirigenten, so korrekt und tadellos er sich auch hielt, hätte ich bei allen Stücken etwas mehr Nachdruck und Vorwärts gewünscht.

Andererseits: Traut man sich als junger Mensch, vorwärts und aus sich heraus zu gehen, wenn man allein einem Kollektiv von Beamten gegenübersteht, die alle gesetzten Alters und sich ihrer Würde und ihres Amtes bewusst sind; vor allem, wenn es von ihrem Wohlwollen abhängt, ob man seinem Beruf weiter nachgehen kann in einer Zeit, in der es alle Künste überall so schwer haben? Ich fürchte nicht. 

Und die Orchestermusiker für sich und als Ganzes? Wie schon erwähnt, gab es bei ihnen keine Fehler oder unklaren Töne, auch keine vom Untergang im Klangraum bedrohten Instrumente; alle Phrasen und Melodiebögen und alle Instrumentengruppen kamen rein und deutlich herüber. Doch zum einen klangen die Instrumentengruppen ein wenig voneinander isoliert und nicht nach einem Gesamtklang; und zum anderen fehlte es vor allem in Beethovens Fünfter an Kraft und Feuer, an Dynamik und Vorwärtsdrängen, kurz, an den prägenden Elementen, die sich durch sein musikalisches Schaffen ziehen, allem voran durch die "Schicksalssymphonie".

Andererseits: Gerade in unserer Zeit wird der Fortbestand der Musik, ja der Künste an sich von jenen getragen, die sich aus Überzeugung und Begeisterung dafür einsetzen und sie aktiv betreiben. 

Wenn dies auf solch eine solide, für Laien erstaunlich professionelle Weise und in einem so würdevollen Rahmen wie an diesem Abend geschieht, sollten wir dafür dankbar sein und - wie meine Freunde und ich an diesem Abend - ihren Einsatz auch mit unseren Spenden weiter ermöglichen!