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01.08.2020 - Der Olympiapark und das "Tollwood"-Festival
Natürlich kenne ich die feine spitze Nadel mit der Diode, die sich Olympiaturm nennt, und das hoch und weit gespannte, federleicht anmutende Spinnennetz des Ensembles Olympia-Schwimmhalle - Olympiahalle - Olympiastadion, seit ich in und um München lebe, und war hin und wieder dort. Allerdings muss ich zugeben, dass es mich selten in den Zentralbereich des Olympiaparks gezogen hat; denn die Fußballspiele, die vor der Errichtung der Allianz-Arena in Fröttmaning im Olympiastadion stattfanden, und die Leichtathletik-Meisterschaften, die ebenfalls regelmäßig dort und in den umliegenden Sportanlagen veranstaltet wurden, haben mich nicht interessiert. Die Rock- und Pop-Festivals und -Konzerte sowie die „Special Events“ in der Olympiahalle hingegen hätten mich sehr wohl interessiert; allerdings haben mich hier die Ticketpreise abgeschreckt, die bei € 80,-- aufwärts anfangen. Denn für mich ist leider in Bezug auf Konzerte und Veranstaltungen die absolute Schmerzgrenze bei € 50,-- erreicht. Anders sieht es mit dem „Sommer-Tollwood“ aus, das bisher jedes Jahr von Ende Juni bis Mitte Juli im südlichen Teil des Olympiaparks veranstaltet wurde; denn dort war ich jedes Jahr wenigstens einmal zu finden. Doch da „Tollwood“ für mich ein ganz besonderes Kapitel ist, komme ich darauf noch separat und ausführlich zu sprechen.


Der Olympiapark und das „Tollwood“-Festival

 

Natürlich kenne ich die feine spitze Nadel mit der Diode, die sich Olympiaturm nennt, und das hoch und weit gespannte, federleicht anmutende Spinnennetz des Ensembles Olympia-Schwimmhalle - Olympiahalle - Olympiastadion, seit ich in und um München lebe, und war hin und wieder dort.

Allerdings muss ich zugeben, dass es mich selten in den Zentralbereich des Olympiaparks gezogen hat; denn die Fußballspiele, die vor der Errichtung der Allianz-Arena in Fröttmaning im Olympiastadion stattfanden, und die Leichtathletik-Meisterschaften, die ebenfalls regelmäßig dort und in den umliegenden Sportanlagen veranstaltet wurden, haben mich nicht interessiert.

Die Rock- und Pop-Festivals und -Konzerte sowie die „Special Events“ in der Olympiahalle hingegen hätten mich sehr wohl interessiert; allerdings haben mich hier die Ticketpreise abgeschreckt, die bei € 80,-- aufwärts anfangen. Denn für mich ist leider in Bezug auf Konzerte und Veranstaltungen die absolute Schmerzgrenze bei € 50,-- erreicht.

Anders sieht es mit dem „Sommer-Tollwood“ aus, das bisher jedes Jahr von Ende Juni bis Mitte Juli im südlichen Teil des Olympiaparks veranstaltet wurde; denn dort war ich jedes Jahr wenigstens einmal zu finden. Doch da „Tollwood“ für mich ein ganz besonderes Kapitel ist, komme ich darauf noch separat und ausführlich zu sprechen.

Doch da in diesem Jahr ein Teil der Schausteller, die sonst auf der Theresienwiese Quartier bezogen und ab August ihre Fahrgeschäfte aufgebaut hätten, in den Olympiapark verwiesen wurden, habe ich mich vor Ort, d.h. rund um den Coubertinplatz, einmal umgesehen und mich vom Stand der Dinge überzeugt. Normalerweise würde dort im August das „Sommer im Park“-Festival stattfinden; ein Angebot der Stadt München und der Olympiapark-Betreiber für jene, die in den Sommerferien in München und Umgebung bleiben und nicht verreisen.

Mein erster Eindruck war, dass sich, was die Auswahl an Fahrgeschäften angeht, wenigstens am „Sommer im Park“ nicht viel verändert hat: Es gibt ein großes Riesenrad, zwei Kinder-Karusselle, eine Autoscooter-Bahn, eine Kombination aus Irrgarten und Kuriositäten-Kabinett und eine Wildwasserbahn, die in ihren grellen Farben gleißen, mit ihren tausend Lämpchen blinken und aus ihren Lautsprecherboxen tröten und hupen wie eh und je.

Ein paar Imbissbuden gibt es auch, wenn auch kleiner und in weit geringerer Zahl als sonst.

Und hier werden sowohl die Absperrungen als auch die Maskenpflicht weit weniger streng gehandhabt als auf den Plätzen in der Innenstadt, so wie ich es im Zusammenhang mit dem diesjährigen Ersatz für die Auer Dult geschildert habe.

Das heißt, der „Sommer im Park“ sah auf den ersten Blick erstaunlich normal aus.

Zwei große Unterschiede gab es für mich allerdings in diesem Jahr:

  1. Zwischen den Fahrgeschäften und Imbissbuden gab es früher immer Stände mit Schals, Taschen, Hüten und Oberbekleidung, auch mit einigen (Klein-)Kunstwerken, Glücksbringern und -symbolen in jeglichem Material. Es waren wohl jene Händler, die nach dem „Sommer-Tollwood“ noch eine Weile im Olympiapark blieben, um zu sehen, was sie noch von ihrer Ware loswerden konnten.

    Doch heuer war von all diesen Händlern und Anbietern bisher kein einziger rund um den Coubertinplatz zu sehen.
     
  2. Obwohl in Bayern die Sommerferien bereits begonnen haben und es in diesem Jahr Corona-bedingt kaum möglich bzw. absolut nicht ratsam ist, im Urlaub zu verreisen, habe ich tagsüber kaum Familien mit Kindern oder Freundescliquen gesehen, wo sie sonst in Scharen in den Olympiapark hinaus ziehen.

    Möglicherweise kommen sie erst am Abend und halten sich tagsüber an allem auf, was sich „See“ nennt.

    Doch als ich um die Mittagszeit etwa zwei Stunden lang auf dem Gelände unterwegs war und schließlich im Restaurant am Olympiasee eine Kleinigkeit aß, herrschte an den Fahrgeschäften, Ständen und Buden gähnende Leere. Und so blinkten und tröteten sie in dieser Zeit einsam und verlassen vor sich hin…

 

Das Sommer-Tollwood

 

Dieses Sommerfestival, das – wie von mir bereits erwähnt – bisher jedes Jahr von Ende Juni bis Mitte Juli im südlichen Teil des Olympiaparks stattgefunden hat, kenne ich, seit mich eine Kommilitonin, mit der ich im Jahr 1994 gemeinsam im Rahmen des „Telekolleg“-Programms die staatlich anerkannte Fachhochschulreife erworben habe, zum ersten Mal untergehakt und hingeschleppt hat.

Damals gab es weder die Direkt-Busverbindung noch die „Parkharfe“ für Autofahrer, denn der Olympiapark war für Kraftfahrzeuge nicht zugelassen. Grundsätzlich hatte man zwei Möglichkeiten, um auf das „Tollwood“-Festivalgelände zu kommen:

Entweder fuhr man mit dem Bus bis zur Haltestelle „Spiridon-Louis-Ring“, trabte etwa fünfhundert Meter die sanft ansteigende Asphaltschleife hinauf und kam an dem Häuschen und der kleinen Kapelle vorbei, die Väterchen Timofei sich in den 1950er Jahren in diesem Teil des Olympiaparks eingerichtet hat.

Hier hat dieser Einsiedler aus Russland, der nie preisgegeben hat, wie und warum es ihn in den Wirren des Zweiten Weltkrieges genau in diese Ecke von München verschlagen hat, still, friedlich und bescheiden vor sich hin gelebt, erst mit seiner Frau, nach ihrem Tod allein.

Erst kurz vor seinem eigenen Tod mit 101 Jahren hat Väterchen Timofei sein Häuschen samt Kapelle verlassen, weil er altersbedingt pflegebedürftig wurde; aber sein Vermächtnis steht noch heute an seinem alten Platz.

Oder man nahm die 12er-Tram oder den 53er-Bus bis zur Haltestelle „Infanteriestraße“, bog an der Schwere-Reiter-Straße rechts ab und schlich sich von hinten an -es gab einmal eine Trambahnstation, die noch heute hier steht, deren Betrieb aber mangels Rentabilität eingestellt wurde –, dann schräg am Wiesenhang hinunter, und schlüpfte durch die Lücke beim Andechser-Zelt ins Gelände.

Von seinem Grundkonzept her ist „Tollwood“ ein riesiger „Welt-Basar“ für nahezu alles: Kleidung, Besteck, Geschirr, Artefakte, kleine Gebrauchs- und Kultgegenstände aus Marokko und Algerien, aus Kenia, dem Senegal und Swaziland, aus der Karibik, aus Indien und Nepal, aus China und Japan, ja sogar aus Reservaten der Navajo oder der Aborigines.

Und natürlich gab es auch immer Kostproben aus der Küche aller Herren Länder! Wenn ich an all die Currygerichte, Eintöpfe, Wok-Pfannen und sonstige Brutzeleien denke, durch die ich mich im Lauf der Jahre probiert habe, bin ich in kulinarischer Hinsicht gewiss einmal um die ganze Welt gereist…

Man könnte sagen, „Tollwood“ war und ist seit jeher eine „Welt-Dult“!

Nach der Vision der Gründer und Betreiber steht „Tollwood“ auch für das auf Verständnis und Aufgeschlossenheit beruhende Miteinander aller Menschen auf dieser Erde, wobei alle Nationen ihr kulturelles Erbe und ihre Traditionen bewahren und voller Stolz zeigen und zugleich friedlich und harmonisch an einem Ort zusammenkommen.

Und das hat von seiner Gründung im Jahr 1988 bis 2018 reibungslos funktioniert. Immer sind die Münchnerinnen und Münchner gekommen und haben sich neugierig und zwanglos, fast spielerisch auf der Welt umgesehen, die zu ihnen in diese Ecke des Olympiaparks zu Besuch kam.

Bis etwa 2001 haben die Gründer und Betreiber viel improvisiert und ausprobiert, und alle Standbetreiber und Besucher ließen sich Zeit, waren gelassen, hatten gute Laune.

Leider ist seit 2001 das Festival ein wenig zu sehr perfektioniert, zu sehr dem Kommerz untergeordnet worden, so dass die Stände und Essbereiche zwar tadellos aussehen und der Betrieb reibungslos funktioniert, aber die Gelassenheit und Unbeschwertheit der frühen Jahre nachgelassen hat.

Doch die gute Laune der Besucher und die ruhige Beschaulichkeit der Zelt-und-Buden-Stadt ist über all die Jahre hinweg geblieben.

Was ist heute aus unserer offenen, unbefangenen Neugier auf andere Kulturen geworden?

Wo ist unser Verständnis für die Tatsache hingekommen, dass auf einem Erdball mit fünf Kontinenten und einer riesigen Vielfalt an Völkern, Nationen und Kulturen, die auf ihm leben, nicht alle Menschen gleich aussehen, gleich denken, sich gleich kleiden, das Leben und seine Gesetze auf die gleiche Weise betrachten?

Wieso funktionieren Akzeptanz und Toleranz des Anders-Seins hinten und vorne nicht mehr, weder bei sich selbst noch bei anderen, egal, wohin man sieht, egal, worum es geht?

Corona hin, Sicherheitsregeln her: Für mich wäre es kein gutes Zeichen, wenn „Tollwood“-nach dem Ende dieses Alptraums einfach sang- und klanglos verschwinden würde!



01.08.2020 - Die Trauer-Dult
Im Zusammenhang mit dem vom Untergang bedrohten „Russen-Rad“ der Familie Schmidt aus dem Jahr 1925 habe ich die Auer Dult, die bisher immer drei Mal im Jahr am Maria-Hilf-Platz stattgefunden hat, am Anfang dieses Jahres ausführlich gewürdigt. Um den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu begegnen, konnte und kann in diesem Jahr keines der Festivals unter freiem Himmel stattfinden, die schon seit Jahrzehnten bzw. sogar seit Jahrhunderten in München stattfinden: das Frühlingsfest, auch „Kleine Wies’n“ genannt, und das Oktoberfest; das Stadtgründungsfest, das sonst immer Anfang Juni fällig ist, und das „Tollwood“-Festival, das sich sonst immer von Ende Juni bis Mitte Juli im südlichen Teil des Olympiaparks abspielt, und eben die Auer Dult, die es schon seit dem Mittelalter gibt.


Die Trauer-Dult

Im Zusammenhang mit dem vom Untergang bedrohten „Russen-Rad“ der Familie Schmidt aus dem Jahr 1925 habe ich die Auer Dult, die bisher immer drei Mal im Jahr am Maria-Hilf-Platz stattgefunden hat, am Anfang dieses Jahres ausführlich gewürdigt.

Um den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu begegnen, konnte und kann in diesem Jahr keines der Festivals unter freiem Himmel stattfinden, die schon seit Jahrzehnten bzw. sogar seit Jahrhunderten in München stattfinden:

  • Das Frühlingsfest, auch „Kleine Wies’n“ genannt, und das Oktoberfest;
     
  • Das Stadtgründungsfest, das sonst immer Anfang Juni fällig ist, und das „Tollwood“-Festival, das sich sonst immer von Ende Juni bis Mitte Juli im südlichen Teil des Olympiaparks abspielt,

und eben

die Auer Dult, die es schon seit dem Mittelalter gibt.

Wie es bei so vielen Wirtschaftszweigen der Fall ist, die vorher jahrzehntelang funktioniert und floriert haben, bringen die Verbote und Einschränkungen, die mit der Corona-Pandemie einher gehen, die fahrenden Schausteller und Händler, die mit dem Reigen der Volksfeste, Jahrmärkte und Kirchweihen durch die Lande ziehen, an den Rand des existentiellen Ruins.

Um den Standbetreibern und -händlern wenigstens die Möglichkeit auf Verdienst zu eröffnen, hat die Münchner Stadtverwaltung den Markt-Händlern und Schaustellern folgende Plätze zugewiesen:

  • den Orleansplatz gegenüber dem Ostbahnhof,
  • den Weißenburger Platz zwischen dem „Kaufring“ und dem Rosenheimer Platz,
  • den Maria-Hilf-Platz als ursprüngliches Dult-Stammgelände

und

  • den Wittelsbacher Platz nahe der Theatinerkirche.

Im Zuge der Schutzbestimmungen und Einschränkungen gelten auf diesen Plätzen folgende Regeln und Gegebenheiten:

  1. Der Dult-Bereich auf dem Platz ist von Metallgittern eingezäunt.
     
  2. Vor jedem einzelnen Stand befindet sich ein separates Absperrgitter. Man nähert sich dem Händler innerhalb des Gitters von rechts, gibt seine Bestellung auf, bezahlt die Ware und nimmt sie entgegen, und verlässt den Stand innerhalb des Gitters nach links.
     
  3. Die Laufrichtung ist von rechts ausgehend gegen den Uhrzeigersinn; d.h. rechts durch die Absperrung hinein und an den Buden vorbei, links wieder aus der Absperrung heraus.
     
  4. Auch unter freiem Himmel gilt im abgetrennten Bereich die Maskenpflicht, solang man sich auf der Fläche des Marktes bewegt; nicht, wenn man im Biergarten auf dem Platz sitzt.
     

Die vorgenannten Gegebenheiten haben dazu geführt, dass es auf den für die Dult-Leute vorgesehenen Plätzen wie folgt aussieht:

  1. Auf dem Orleansplatz befindet sich ein kleiner Biergarten mit einer Imbissbude, einem Getränke-Ausschank und einigen Biertischen und -bänken. Sonst gibt es nur einen Stand mit gebrannten Mandeln und Nüssen und einen mit selbstgefertigten Seifen. Der Rest des Orleansplatzes, der groß und geräumig ist, steht leer.
     
  2. Auf dem Weißenburger Platz steht eine Bude mit Crêpes, Slush-Eis, Zuckerwatte und Popcorn, ein Stand mit Kartoffel-, Gemüse- und Champignonpfanne, und ein kleines schlichtes Kinderkarussell. Der gesamte äußere Ring des Weißenburger Platzes, auf dem sich die 1,5-m-Abstandsregel gut einhalten ließe, steht leer.
     
  3. Auf dem Wittelsbacher Platz befinden sich: ein Trachten- und ein Sockenstand, eine Bude mit Holz-Brandmalereien, zwei Süßwaren-Stände sowie eine Imbissbude, ein Getränkestand und ein paar Biertische und -bänke. Gut, man kann sagen: Mehr bietet dieser kleine quadratische Platz auch nicht, und trotzdem erscheint einem die Auswahl recht mager.
     
  4. Und auf dem Maria-Hilf-Platz, auf den die Auer Dult eigentlich gehört, nimmt der einst riesige Markt, auf dem man Stunden mit Schauen, Suchen, Finden und Genießen verbringen konnte, derzeit höchstens ein Viertel der Freifläche ein, die sich rund um die Maria-Hilf-Kirche erstreckt.

Vor Ort sind neben der Steckerlfisch-Braterei und dem Getränke-Ausschank der Fischer-Vroni ein Imbiss-Stand zu finden, das Waffel- und Dampfnudel-Haus, das alte nostalgische Kinderkarussell sowie der schöne alte „Wellenflug“ und eine Wurf-Losbude.

Von den alteingesessenen Markthändlern stehen dort nur: der Stand mit den Korb- und Flechtwaren, die Töpferei mit den Auer-Dult-Haferln im Bunzlauer Verfahren und Design, ein Stand mit Tee und Gewürzen und einer mit Einlegesohlen und Socken.

Das ist alles.

Wo sind die Händler mit den Wachstuch- und Stoffdecken, den Blechschildern und Räucherstäbchen, den Pullovern, den Messern, den Küchengeräten, den Töpfen und Pfannen, dem Porzellangeschirr in tausend Variationen, den hilfreichen „Neuheiten“ für Gesundheit, Haushalt und Garten, den Antiquitäten und Raritäten, den alten Büchern, Zeitschriften und Schallplatten?

Wo sind die Marktleute mit ihren Dampf- und Rohrnudeln, ihren Kokosstangen, Marzipankartoffeln und Mandelbarren, ihren Suppen und Eintöpfen? Wo ist die Käs-Alm mit ihren gegrillten und gebackenen Käsevariationen?

Wo ist das Russenrad mit der riesigen mechanischen Jahrmarktorgel, wo ist der Fotoladen Anno 1900 mit den schönen alten Porträtfotos in Schwarz-Weiß?

Einerseits möchte ich angesichts der Tatsache, dass sich momentan nur wenige Besucher an den Ständen blicken lassen, die sich momentan über die ganze Stadt verteilen, am liebsten mit dem Megaphon durch die Straßen ziehen und rufen:

Leute, kommt und kauft etwas von den Markthändlern und Budenbesitzern, damit wenigstens die, die noch da sind, überleben!

Andererseits tragen die Metallzäune, die die Buden und Stände umgeben und vor jedem einzelnen Stand stehen, und die Tatsache, dass man auch im Freien Maske tragen muss, dazu bei, dass man sich an jedem Marktort fühlt wie im Ghetto. Wohin man auch geht, wo man sich auch mit seinem Getränk und Imbiss niederlässt: Der Eindruck kalter, freudloser Sterilität lässt sich ganz einfach nicht ausblenden.

Das wissen die Marketender und Wirtsleute, die tapfer lächeln und gute Miene zum unguten Spiel machen, da ihnen die Einnahmen nach wie vor in Strömen durch die Lappen gehen, und das weiß der harte Kern der treuen Gäste - einschließlich meinereine – die kommen und sich aus Solidarität bei ihnen an den Biertischen niederlassen.

Bitte!!! Die Auer Dult, die seit Menschengedenken zu den echten Wahrzeichen Münchens zählt, kann und darf nicht auf diese Weise zu Grunde gehen!

Deshalb hänge ich nachfolgend noch einmal meinen ursprünglichen Artikel zur Auer Dult als Würdigung an:

Seit dem Mittelalter gibt es die Auer Dult am Maria-Hilf-Platz, und seit es diesen bunten quirligen Markt gibt, sogar dreimal im Jahr:

  •  die Maidult in der Woche Ende April – Anfang Mai,
  • die Jakobidult gegen Ende Juli, aber noch vor dem ersten August
    und
  • die Kirchweihdult, die eine Woche nach dem Oktoberfest, aber noch vor Allerheiligen stattfindet.

Auf der Auer Dult habe ich im Lauf von dreißig Jahren meinen gesamten Bestand an (Koch-) Geschirr, Besteck und Küchenwerkzeugen zusammengehamstert, denn sie ist einer der größ-ten Geschirrmärkte in Deutschland unter freiem Himmel.

Daneben gibt es Wachstuchdecken, Socken, Strickwaren, Kleidung, Gewürze, Tee, Kräuter und Räucherstäbchen in Hülle und Fülle.

Und die Jäger und Sammler unter uns dürften in den Kuriositäten- und Antiquitätengassen bestimmt das eine oder andere Liebhaberstück gefunden haben.

Einmal stand dort ein voll funktionstüchtiges Kurbelgrammophon mit Kupfertrichter, der für einen unvergleichlich runden, satten, weichen Klang sorgte; doch leider hat es sich jemand unter den Nagel gerissen. Thront dieses Grammophon heute vielleicht in der Starnberger „Kaffeemühle“ oder im „Café Frischhut“ am Marienplatz?

Eine wunderschöne alte Nähmaschine mit mechanischem Trittbrett und einem großen Transmissionsrad sowie ein schwarzes Abendkleid mit einer dutzendreihigen Perlenkette, deren Stränge bis auf den Boden reichen, haben dagegen noch heute keine Abnehmer gefunden. Aber ich glaube, sie wären auch mit Geld nicht mehr zu bezahlen…

Mich dagegen konnte nichts und niemand von den alten Ausgaben der Zeitschrift GEO fern-halten, so dass ich inzwischen von den Jahrgängen seit 1978 eine nette kleine Sammlung besitze.

Und die Auer Dult wäre für mich ohne drei Dinge ganz einfach nicht vollständig:

  • eine Marzipankartoffel und eine Scheibe Früchtebrot an einem der entsprechenden Stände;
  • eine Pause in der „Käse-Alm“ hinter der Maria-Hilf-Kirche
    und
  • dem Weg vorbei an dem kleinen alten „Russenrad“ aus dem Jahr 1925 in der hinter-sten Ecke des Maria-Hilf-Platzes.

Dieses winzige „Riesenrad“ dreht sich dort schon, seit ich denken kann in einem derart gemächlichen Tempo, dass es wohl kaum jemandem übel wird, der damit fährt (ok, man sollte vielleicht in Fahrtrichtung sitzen und nicht unbedingt rückwärtsfahren).

Seit 1925 – d.h. seit drei Generationen – befindet es sich schon im Besitz der Schausteller-familie Schmidt, die damit über die Märkte Deutschlands zieht und auf der Auer Dult ihren Stammplatz hat.

Das Anrührendste an diesem Russenrad ist nicht das alte Fahrgestell oder der liebevoll mit tausend Glühlämpchen verzierte Eingangsbereich, sondern die riesige mechanische Orgel, die danebensteht und noch heute über Drehwalzen funktioniert, in die quasi die Melodien für die Orgelpfeifen eingestanzt sind.

Da steht nun also dieses barock verschnörkelte Riesending von einer Orgel, und sobald sich das Russenrad dreht, flötet und dudelt, scheppert und rasselt sie ihre fröhlichen Melodien herunter, und zwei Engel hauen dazu ebenso mächtig wie gemessen auf die Pauke. Ich weiß nicht, weshalb mich gerade dieser heitere, sorglose Klang jedes Mal fast zu Tränen rührt, so dass ich zwar jedes Mal stehen bleibe, aber schnell wieder weiter-gehen muss… Doch seit der letzten Kirchweihdult gibt es für mich einen triftigen Grund:

Auf Grund irgendwelcher EU-Richtlinien – wohl, weil die technischen Einrichtungen wohl nicht mehr den Sicherheitsnormen entsprechen – darf die Familie Schmidt ab 2020 ihr Mini-Riesenrad nicht mehr betreiben! Was die Sicherheitsrisiken daran sind, weiß ich nicht, dazu kenne ich mich mit den DIN- und ISO-Normen zu wenig aus. Doch was, bitte, soll an diesem liebenswerten kleinen Ding gefährlich sein??? 

An alle Techniker, Experten und TÜV-Sachverständigen, die mich hören: Schaut es euch an! Sagt, was an dem Russenrad gefährlich ist und wieviel die Generalüberholung kosten würde!



30.07.2020 - Das Café im Müllerschen Volksbad
Nach meinen "Katastrophenmeldungen" der letzten Tage über Feste und Märkte, die schon seit langem sowohl zu den Besonderheiten als auch zum Brauchtum der Stadt München gehören, aber in diesem Jahr Corona-bedingt auf einem sehr kritischen Pfad sind, habe ich beschlossen, meine Artikel-Reihe für diese Woche mit einer "Institution" abzuschließen, auf die das Wort "Totgesagte leben länger" in besonderem Maß zutrifft: mit dem Café im Müllerschen Volksbad, das schon mehr als einmal auf der Kippe stand, aber bis heute existiert.


 

Das Café im Müllerschen Volksbad


Besuchen Sie mich in meinem Blog

 

Es gibt nur wenige Gaststätten in und um München, auf die das Prädikat „altehrwürdig“ so sehr zutrifft wie auf das Café im Müllerschen Volksbad.

Den Weg vorbei an dem goldschimmernden Mauerwall mit der mächtigen Kuppel und dem weißen Uhrturm und die geradezu „königliche“ Jugendstil-Schwimmhalle habe ich im Blog-Bereich „Brauchtum, Feste und Besonderheiten in München und Bayern“ in meinem Bericht „Unten am Fluss“ bereits erwähnt; doch auch das Café im linken Flügel dieses Kolossalbaus verdient eine angemessene Würdigung, denn es ist genauso Teil dieses imposanten Gesamtkunstwerks wie die Schwimmhallen selbst.

Hoch, weit und sanft schwingen sich die Bogengänge empor und ziehen den Blick des Betrachters sofort zu dem mächtigen Hallengewölbe empor, sobald er es durch das hölzerne Portal betritt.

Gemalte Gitter und Girlanden in hellen Grüntönen zieren die Gurtgesimse, die die mächtigen Kuppeln und die niedrigeren Seitennischen tragen. Und das dunkle, geschwungene, liebevoll polierte Holz der Sitzgruppen erweckt den Eindruck, als seien die Tische und Stühle für die Ewigkeit gefertigt worden.

Dennoch gab es Zeiten, in denen das Café im Müllerschen Volksbad dem Untergang nahe schien; doch jedes Mal meldeten sich die Anrainer an beiden Ufern der Isar und setzten sich mit Nachdruck dafür ein, dass es blieb, so dass gerade diese Gaststätte als Paradebeispiel für das Sprichwort „Totgesagte leben länger“ dient. Nach meiner Ansicht zu Recht.

Denn seit jeher setzen sich die Betreiber und Köche dieser Gaststätte für eine gesunde Küche auf Bio-Basis ein, ob bei ihren Salatvariationen, ihren Gemüsepfannen oder der legendären Bouillabaisse des Hauses, in der nicht einfach Fischreste zusammengekocht, sondern sorgsam ausgewählte Edelfische und Meeresfrüchte verwendet werden.

Auch die Limonaden und Cocktails und die selbstgemachten Kuchen und Torten laden dazu ein, es sich in dem hohen Hallengewölbe oder auf der Terrasse vor den Stufen des Portals gemütlich zu machen.

Denn da der Außenbereich des Cafés quasi „tiefgelegt“ ist, sitzt man in einer Nische, die aus dem Verkehr auf der stark frequentierten Zweibrückenstraße herausgelöst ist. Das heißt, man sieht und spürt durchaus die Großstadt, und doch bilden die Brückenpfeiler gemeinsam mit den Uferbefestigungen der Isar einen Wall, der einen hier unten sowohl vom Lärm als auch von den Abgasen erstaunlich gut abschirmt.



29.07.2020 - Die nicht stattfindende Wies’n
Normalerweise würden schon ab Mitte/Ende Juli die Schwertransporter, Sattelschlepper, Monteure und Bauarbeiter auf der Theresienwiese erscheinen, und nach und nach beginnen, die Festzelte und Fahrgeschäfte aufzubauen, damit am zweiten Wochenende im September alles für den Anstich des ersten Fasses durch den Oberbürgermeisters und für die Besucher aus aller Welt bereitsteht.


Die nicht stattfindende Wies’n

Normalerweise würden schon ab Mitte/Ende Juli die Schwertransporter, Sattelschlepper, Monteure und Bauarbeiter auf der Theresienwiese erscheinen, und nach und nach beginnen, die Festzelte und Fahrgeschäfte aufzubauen, damit am zweiten Wochenende im September alles für den Anstich des ersten Fasses durch den Oberbürgermeisters und für die Besucher aus aller Welt bereitsteht.

Zur Wies’n habe ich ein zwiespältiges Verhältnis. Von 1989 bis 2001 war ich jedes Jahr draußen. Die Bierzelte und -gärten, Fahrgeschäfte, Spaß- und Imbissbuden waren vor der Jahrtausendwende noch längst nicht so rettungslos überlaufen wie in den 2000er-Jahren, und das ganze Fest war eher noch für Einheimische und Leute aus dem Umland als für  die ganze Welt.

In die Bierzelte hat es mich nie gezogen, denn ich trinke zwar dann und wann ein Gläschen, wenn ich ausgehe; aber für mich ist schon eine Maß eine langwierige Prozedur; und eine, die im Dusel auf der Bank tanzt, schunkelt und grölt, bin ich eigentlich auch nicht.

Für mich gehörten zur wahren Gaudi immer bestimmte Fahrgeschäfte: der „Breakdance“ und der „Polyp“, das Überschlag-Karussell „Moonlift“, die Riesen-Schiffschaukel „Pirat“ und  die „Fünfer-Looping“-Achterbahn.

Doch ab etwa 2000 hatte ich den Eindruck, dass das Tempo und die Fahrweise der Karussells und Bahnen immer extremer wurden, dass sie die Menschen immer rauer und wilder beutelten und durch die Luft wirbelten, so dass man entweder ein Schleudertrauma in den Nackenwirbeln oder anderswo in der Wirbelsäule riskierte, oder dass man sich nach einer, höchstens zwei Fahrten auf diesen Höllenmaschinen noch einmal ansah, was man zuvor auf der Wies’n gegessen und getrunken hatte.

Als ich es einmal nach fünf Minuten permanentem Wechsel zwischen Kopfstand und Salto im „Skyracer“ gerade noch zum nächsten Abfalleimer schaffte und ein andermal nach vier Minuten Püriertwerden in einer Art Mixer die S-Bahn-Strecke von der Hackerbrücke bis nach Hause nur in Unterbrechungen schaffte, weil ich sonst in der vollen S-Bahn ein Malheur angerichtet hätte, musste ich mir leider sagen, dass ich offensichtlich aus dem Alter für solch wilde Vergnügungen heraus war; und seither sah mich die Wies’n kaum noch.

Dafür wurden ab 2002 die Preise für Bier und Speisen in den Festzelten immer teurer, der Ausflug auf die Wies’n primär zu einem Laufsteg für Trachtenmode, und trotzdem nahmen die Menschenmassen von Jahr zu Jahr zu, und zum Teil hatten die Leute schon ein gehöriges Quantum Bier intus, bevor sie überhaupt auf dem Festzelt ankamen.

Natürlich wusste und weiß ich, dass das Oktoberfest zu den wichtigsten Einnahmequellen der Stadt München überhaupt zählt; dass es uns kulturelle Ereignisse, Straßenbau-Projekte, neue Wohnviertel etc. etc. beschert hat; und so verbrachte ich die drei tollen Wochen Mitte September bis Anfang Oktober wie so viele andere einheimische oder langjährige Münchner auch: mit Kopfeinziehen und Luftanhalten in der U- und S-Bahn angesichts der Menschenmassen und „Bierleichen“.

Was für eine immense Lücke die nicht stattfindende Wies’n reißen wird, habe ich gesehen, als ich in dieser Woche die Theresienwiese aufsuchte.

Da ich für gewöhnlich nur zum „Afrika-Fest“ oder „Winter-Tollwood“ dort bin, kannte ich die Theresienwiese bisher nicht, wie sie sonst das ganze Jahr über aussieht: eine riesige Wüste aus Sand, Kies und Asphalt. Selten sind auf diesem Platz Menschen unterwegs, hier ein Fußgänger, dort ein Radfahrer; aber sonst steht er ganz und gar leer.

Die Stadt München hat in den großen Tageszeitungen versprochen, dass es stattdessen in diesem Jahr Sport und Spiel und eine Art Palmenhain mit Sand, Liegestühlen und einer Bar geben soll. Doch als ich auf der Theresienwiese unterwegs war, sah ich ein paar kleine Palmen irgendwo ganz hinten im Gelände, und sonst nur vier verschwindend kleine Imbiss- und Getränke-Büdchen auf diesem weiten, riesengroßen Platz!

Paradoxerweise muss man, wenn man wenigstens ein bisschen Wies’n-Feeling abbekommen will, zum Königsplatz fahren; denn vor den Propyläen steht derzeit das traditionelle alte Riesenrad, das für mich das eigentliche Wahrzeichen der Wies’n ist.

Vor der staatlichen Antikensammlung befindet sich ein Kinderkarussell.

Zwischen den Propyläen und der Glyptothek drängen sich ein paar Imbissbuden und -stände, nach der Glyptothek folgt eine Art „Zugspitz-Bahn“.

Und mitten auf dem Königsplatz steht ein Kettenkarussell.

Mein Fazit:

Auf der Theresienwiese tut sich so gut wie gar nichts, und auf dem Königsplatz, der dem antiken Griechenland und der hehren Kunst der Skulptur geweiht ist, dudelt jetzt Kirmes-Musik und stehen Fahrgeschäfte und Buden mit ihrer typischen grell-bunten Jahrmarkt-Beleuchtung.

Einen Puristen, der den Königsplatz gerade wegen der klaren, schnörkellosen Strenge seiner Bauten und der Reinheit des weißen Marmors geliebt und geschätzt hat, trifft womöglich bei solch einem Anblick der Schlag.

Jemand, der den Königsplatz sonst eher mied, weil das Ensemble der klassischen Antike ihm zu hart, zu streng, zu marmorn war, könnte meinen, dass in dieses Mausoleum endlich mal Leben und Lebensfreude einkehrt.

Aber verkehrt und verdreht erscheint einem einheimischen oder langjährigen Münchner seine Stadt derzeit irgendwie schon!



29.07.2020 - Die nicht stattfindende Wies’n
Normalerweise würden schon ab Mitte/Ende Juli die Schwertransporter, Sattelschlepper, Monteure und Bauarbeiter auf der Theresienwiese erscheinen, und nach und nach beginnen, die Festzelte und Fahrgeschäfte aufzubauen, damit am zweiten Wochenende im September alles für den Anstich des ersten Fasses durch den Oberbürgermeisters und für die Besucher aus aller Welt bereitsteht.


Die nicht stattfindende Wies’n

Normalerweise würden schon ab Mitte/Ende Juli die Schwertransporter, Sattelschlepper, Monteure und Bauarbeiter auf der Theresienwiese erscheinen, und nach und nach beginnen, die Festzelte und Fahrgeschäfte aufzubauen, damit am zweiten Wochenende im September alles für den Anstich des ersten Fasses durch den Oberbürgermeisters und für die Besucher aus aller Welt bereitsteht.

Zur Wies’n habe ich ein zwiespältiges Verhältnis. Von 1989 bis 2001 war ich jedes Jahr draußen. Die Bierzelte und -gärten, Fahrgeschäfte, Spaß- und Imbissbuden waren vor der Jahrtausendwende noch längst nicht so rettungslos überlaufen wie in den 2000er-Jahren, und das ganze Fest war eher noch für Einheimische und Leute aus dem Umland als für  die ganze Welt.

In die Bierzelte hat es mich nie gezogen, denn ich trinke zwar dann und wann ein Gläschen, wenn ich ausgehe; aber für mich ist schon eine Maß eine langwierige Prozedur; und eine, die im Dusel auf der Bank tanzt, schunkelt und grölt, bin ich eigentlich auch nicht.

Für mich gehörten zur wahren Gaudi immer bestimmte Fahrgeschäfte: der „Breakdance“ und der „Polyp“, das Überschlag-Karussell „Moonlift“, die Riesen-Schiffschaukel „Pirat“ und  die „Fünfer-Looping“-Achterbahn.

 

Doch ab etwa 2000 hatte ich den Eindruck, dass das Tempo und die Fahrweise der Karussells und Bahnen immer extremer wurden, dass sie die Menschen immer rauer und wilder beutelten und durch die Luft wirbelten, so dass man entweder ein Schleudertrauma in den Nackenwirbeln oder anderswo in der Wirbelsäule riskierte, oder dass man sich nach einer, höchstens zwei Fahrten auf diesen Höllenmaschinen noch einmal ansah, was man zuvor auf der Wies’n gegessen und getrunken hatte.

Als ich es einmal nach fünf Minuten permanentem Wechsel zwischen Kopfstand und Salto im „Skyracer“ gerade noch zum nächsten Abfalleimer schaffte und ein andermal nach vier Minuten Püriertwerden in einer Art Mixer die S-Bahn-Strecke von der Hackerbrücke bis nach Hause nur in Unterbrechungen schaffte, weil ich sonst in der vollen S-Bahn ein Malheur angerichtet hätte, musste ich mir leider sagen, dass ich offensichtlich aus dem Alter für solch wilde Vergnügungen heraus war; und seither sah mich die Wies’n kaum noch.

Dafür wurden ab 2002 die Preise für Bier und Speisen in den Festzelten immer teurer, der Ausflug auf die Wies’n primär zu einem Laufsteg für Trachtenmode, und trotzdem nahmen die Menschenmassen von Jahr zu Jahr zu, und zum Teil hatten die Leute schon ein gehöriges Quantum Bier intus, bevor sie überhaupt auf dem Festzelt ankamen.

Natürlich wusste und weiß ich, dass das Oktoberfest zu den wichtigsten Einnahmequellen der Stadt München überhaupt zählt; dass es uns kulturelle Ereignisse, Straßenbau-Projekte, neue Wohnviertel etc. etc. beschert hat; und so verbrachte ich die drei tollen Wochen Mitte September bis Anfang Oktober wie so viele andere einheimische oder langjährige Münchner auch: mit Kopfeinziehen und Luftanhalten in der U- und S-Bahn angesichts der Menschenmassen und „Bierleichen“.

Was für eine immense Lücke die nicht stattfindende Wies’n reißen wird, habe ich gesehen, als ich in dieser Woche die Theresienwiese aufsuchte.

Da ich für gewöhnlich nur zum „Afrika-Fest“ oder „Winter-Tollwood“ dort bin, kannte ich die Theresienwiese bisher nicht, wie sie sonst das ganze Jahr über aussieht: eine riesige Wüste aus Sand, Kies und Asphalt. Selten sind auf diesem Platz Menschen unterwegs, hier ein Fußgänger, dort ein Radfahrer; aber sonst steht er ganz und gar leer.

Die Stadt München hat in den großen Tageszeitungen versprochen, dass es stattdessen in diesem Jahr Sport und Spiel und eine Art Palmenhain mit Sand, Liegestühlen und einer Bar geben soll. Doch als ich auf der Theresienwiese unterwegs war, sah ich ein paar kleine Palmen irgendwo ganz hinten im Gelände, und sonst nur vier verschwindend kleine Imbiss- und Getränke-Büdchen auf diesem weiten, riesengroßen Platz!

Paradoxerweise muss man, wenn man wenigstens ein bisschen Wies’n-Feeling abbekommen will, zum Königsplatz fahren; denn vor den Propyläen steht derzeit das traditionelle alte Riesenrad, das für mich das eigentliche Wahrzeichen der Wies’n ist.

Vor der staatlichen Antikensammlung befindet sich ein Kinderkarussell.

Zwischen den Propyläen und der Glyptothek drängen sich ein paar Imbissbuden und -stände, nach der Glyptothek folgt eine Art „Zugspitz-Bahn“.

Und mitten auf dem Königsplatz steht ein Kettenkarussell.

Mein Fazit:

Auf der Theresienwiese tut sich so gut wie gar nichts, und auf dem Königsplatz, der dem antiken Griechenland und der hehren Kunst der Skulptur geweiht ist, dudelt jetzt Kirmes-Musik und stehen Fahrgeschäfte und Buden mit ihrer typischen grell-bunten Jahrmarkt-Beleuchtung.

Einen Puristen, der den Königsplatz gerade wegen der klaren, schnörkellosen Strenge seiner Bauten und der Reinheit des weißen Marmors geliebt und geschätzt hat, trifft womöglich bei solch einem Anblick der Schlag.

Jemand, der den Königsplatz sonst eher mied, weil das Ensemble der klassischen Antike ihm zu hart, zu streng, zu marmorn war, könnte meinen, dass in dieses Mausoleum endlich mal Leben und Lebensfreude einkehrt.

Aber verkehrt und verdreht erscheint einem einheimischen oder langjährigen Münchner seine Stadt derzeit irgendwie schon!