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14.02.2024 - Die Leistung des Romans bzw. Films
Seine Bedeutung und Relevanz gewinnt Picknick am Valentinstag dadurch, dass sowohl der Roman als auch der Film sich nicht darauf beschränkt, eine legenden- oder märchenhafte Mystery-Geschichte zu erzählen. Die Qualität eines literarischen Werks erkennt man daran, dass es lange im Bewusstsein nachklingt, weil es bohrende, durchaus auch unbequeme Fragen aufwirft. Im Fall von "Picknick am Valentinstag" liegt die zeitlos gültige Leistung der Autorin Joan Lindsay darin, dass sie schildert, „was für ein Muster das Geschehen webt“, sprich, welche Auswirkungen das spurlose Verschwinden von Miranda und Marion Quade und das Wiederauftauchen von Irma Leopold auf ihr unmittelbares Umfeld hat. Da ist als erstes der Schock und die Beklemmung, die das Geschehen in den Gemütern der Schülerinnen am Appleyard College auslöst. Man kann das Gedankenkarussell förmlich sehen, das sich in den Köpfen der Mädchen in Gang setzt, die Vermutungen und Phantastereien, die sich immer weiter fortspinnen und verbreiten, je länger sich die Angelegenheit ohne ein konkretes, eindeutiges, erlösendes Ende hinzieht. Und die Art, wie Mrs. Appleyard der Situation begegnet und versucht, das Aufbrodeln der Gerüchteküche zu unterbinden, hilft den Mädchen ganz und gar nicht: Sie verordnet strengstes Stillschweigen, und das nicht allein in der Öffentlichkeit. Nicht einmal untereinander dürfen sich die Mädchen über das Geschehen austauschen, weder bei ihrem täglichen Spaziergang noch auf den Korridoren oder sonstwo im Haus.


Die Leistung des Romans bzw. Films
 

Seine Bedeutung und Relevanz gewinnt Picknick am Valentinstag dadurch, dass sowohl der Roman als auch der Film sich nicht darauf beschränkt, eine legenden- oder märchenhafte Mystery-Geschichte zu erzählen. Die Qualität eines literarischen Werks erkennt man daran, dass es lange im Bewusstsein nachklingt, weil es bohrende, durchaus auch unbequeme Fragen aufwirft.

Im Fall von Picknick am Valentinstag liegt die zeitlos gültige Leistung der Autorin Joan Lindsay darin, dass sie schildert, „was für ein Muster das Geschehen webt“, sprich, welche Auswirkungen das spurlose Verschwinden von Miranda und Marion Quade und das Wiederauftauchen von Irma Leopold auf ihr unmittelbares Umfeld hat.

Da ist als erstes der Schock und die Beklemmung, die das Geschehen in den Gemütern der Schülerinnen am Appleyard College auslöst. Man kann das Gedankenkarussell förmlich sehen, das sich in den Köpfen der Mädchen in Gang setzt, die Vermutungen und Phantastereien, die sich immer weiter fortspinnen und verbreiten, je länger sich die Angelegenheit ohne ein konkretes, eindeutiges, erlösendes Ende hinzieht.

Und die Art, wie Mrs. Appleyard der Situation begegnet und versucht, das Aufbrodeln der Gerüchteküche zu unterbinden, hilft den Mädchen ganz und gar nicht: Sie verordnet strengstes Stillschweigen, und das nicht allein in der Öffentlichkeit. Nicht einmal untereinander dürfen sich die Mädchen über das Geschehen austauschen, weder bei ihrem täglichen Spaziergang noch auf den Korridoren oder sonstwo im Haus.

Vielleicht liegt in dieser Maßnahme der Grund, weshalb die Mädchen auf Irma als Betroffene losgehen: Man erzählt ihnen nichts, und sie dürfen einander nichts erzählen. Nun ist eine Augenzeugin, eine Überlebende zurückgekehrt, die Licht in das Dunkel bringen könnte, das alle umgibt - und es dennoch nicht kann, weil ihr die Erinnerung daran fehlt.

Leider ist die Nachricht in die Nachbarschaft durchgesickert, bevor Mrs. Appleyard das Schweigegebot offiziell verkündet hat. Nicht nur, dass Polizeibeamte im College ein und aus gehen, immer wieder Fragen stellen und sogar vor Ort ermitteln, ohne dass ihre Bemühungen zu einem Ergebnis führen; auf Grund der Polizeiberichte weiß bald die regionale und überregionale Presse und letzten Endes die Provinz Queensland von dem rätselhaften Verschwinden zweier Mädchen und einer Lehrerin.

Sprich, es geschieht genau das, was Mrs. Appleyard verhindern wollte: Alle Welt spricht über den Vorfall, und in Windeseile schießen die Spekulationen ins Kraut. Und wie immer wissen genau die Leute am besten Bescheid, die am weitesten vom Geschehen entfernt leben. 

Gleichzeitig gewinnt das Geschehen nach und nach Einfluss auf das Leben vieler Menschen:

* Die Hilfslehrerin Dora Lumley quittiert den Dienst, wird von ihrem Bruder Reg abgeholt und übernachtet mit ihm im Hotel. Weil beide vergessen, die Kerze zu löschen, bevor sie zu Bett gehen, fängt ihr Zimmer Feuer. Noch bevor die Feuerwehr eintrifft, brennt das Hotel bis auf die Grundmauern nieder, und man findet nur noch Doras und Regs verkohlte Leichen.

* Michael Fitzhubert, ein junger Adeliger aus einer alten britischen Familie, der erst vor kurzem in Australien eingetroffen ist, um seinen Onkel und seine Tante in ihrer Sommerresidenz Lake View zu besuchen, bekommt Miranda nur kurz zu sehen, als sie mit ihren drei Gefährtinnen den Fluss am Fuß des Hanging Rock überquert. Doch allein der flüchtige Anblick ihrer Erscheinung genügt, dass er Miranda nicht mehr aus dem Kopf bekommt; sie erinnert ihn an einen Schwan, der mit einem einzigen Flügelschlag über einen Flussarm hinweg setzt.

Michael oder Mike, wie ihn sein Freund Albert Crundall nennt, kommt über Mirandas Verschwinden nicht hinweg und zieht gemeinsam mit Albert los, um nach ihr und den anderen verschwundenen Mädchen zu suchen. Weder von Alberts mahnenden Worten noch von dessen Entschluss, nach Lake View zurückzukehren, lässt sich Mike von seiner Suche abbringen. 

Während er in den Felsen des Hanging Rock umherirrt, wird Mike immer wieder von Mirandas Erscheinung gepeinigt und meint, sie lachen und flüstern zu hören. Doch es ist nicht Miranda, sondern Irma, die er findet. Als er unbesonnen loseilt, um Hilfe zu holen, rutscht er ab und bleibt bewusstlos am Fuß eines Basalt-Felsblocks liegen.

Albert Crundall, der Kutscher und Stallknecht des Ehepaares Fitzhubert, der Mike in aufrichtiger Freundschaft zugetan ist, findet sowohl ihn als auch Irma und holt den Arzt von Macedon zur Hilfe. Gemeinsam bringen beide Mike und Irma sicher nach Lake View.

Für sein entschlossenes, beherztes Handeln wird Albert später von Irma Leopolds Vater reich belohnt, mit einem Scheck über 10.000 Pfund, der es ihm ermöglicht, im nördlichen Territorium ein paar Morgen Land und ein paar Pferde zu kaufen und sich als Pferdezüchter niederzulassen.

* Während ihres Genesungsurlaubs auf Lake View kommen Michael Fitzhubert und Irma Leopold einander näher. 
Doch während Irma sich schon beim Überqueren des Flusses am Fuß des Hanging Rock beim flüchtigen Hinsehen unsterblich in Mike verliebt hat, bleibt jener unauflöslich in seine unerfüllte Liebe zu Miranda verstrickt.

Mike erkennt die Chance auf einen Neuanfang nicht, der sich ihm in Irmas Gestalt auftut, und verabschiedet sich in Freundschaft von ihr. Dann zieht auch er nach Nordaustralien, um ein Gut und Ländereien zu übernehmen und zu verwalten, die ein anderer Onkel von ihm gekauft hat, der plötzlich und unerwartet verstorben ist.

* Ein Aspekt soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben: Wenn Mike und Irma an den Ufern des Sees verweilen, dem Lake View seinen Namen verdankt, taucht hin und wieder ein Schwan auf, der beide zu beobachten scheint, dann mit einem einzigen eleganten Flügelschlag den Fluss überquert und im Unterholz verschwindet - so wie damals, als Miranda über den Fluss hinweg sprang und mit ihren Freundinnen im Gehölz des Waldes am Fuß des Hanging Rock verschwand. 

* Für Sara Waybourne wiederum verschlechtert sich ihre Lage nach dem Vorfall am Hanging Rock zusehends. Als wäre es nicht genug, dass sie mit Miranda das einzige bisschen Glück und Freude verliert, das ihr in ihrem bisherigen Leben vergönnt war, bleibt der Besuch und die Zahlung ihres reichen Vormunds für Saras Kost und Logis im College aus.

Hat Mrs. Appleyard Sara bereits vorher gedemütigt und drangsaliert, sieht sie jetzt ihre Chance gekommen, die lästige Bürde in Gestalt dieses unbequemen Kindes loszuwerden, dessen Geist und Seele sich ihrer Autorität nicht beugt, ja, sich ihren Erziehungsmaßnahmen entschieden entgegenstellt.

Als Mrs. Appleyard ankündigt, dass sie Sara wieder in das Waisenhaus zurückschicken wird, das für sie die Hölle auf Erden war, ist diese Nachricht für Sara buchstäblich schlimmer als der Tod. In der Nacht zum Palmsonntag stürzt sie sich vom Turm des College-Gebäudes.

Am Gründonnerstag will der Gärtner Mr. Whitehead seine Hortensien gießen. Er nimmt einen seltsamen, widerwärtigen Geruch wahr und stellt fest, dass einer der Büsche schwer beschädigt ist. Erst beim näheren Hinsehen entdeckt er Saras Leiche, die seit vier Tagen unter dem Blätterdach der Hortensie begraben liegt.

* Trotz der Entschlossenheit, mit der sich Mrs. Appleyard dem Geschehen entgegenstellt, zieht das Verschwinden der Mädchen am Hanging Rock den Niedergang ihres Instituts wie auch ihres eigenen Lebens nach sich.

Zum einen nehmen die Eltern ihre Kinder von der Schule und ziehen ihr in finanzieller Hinsicht den Boden unter den Füßen weg. Zum anderen ertragen die Lehrerinnen auf Dauer die düstere, bedrückende Atmosphäre nicht, die seit dem Unglück über dem Anwesen liegt und alle belastet, und auch nicht die rigide, unbarmherzige Politik ihrer Chefin, so dass eine nach der anderen den Dienst quit-tiert und das College verlässt, erst Henrietta de Valance, dann Dora Lumley und schließlich Dianne de Poitiers.

Und dann trifft am Gründonnerstag - am gleichen Tag, an dem Sara Waybourne tot aufgefunden wird - völlig unerwartet ein Brief von Saras Vormund ein. Er teilt Mrs. Appleyard mit, dass er von einer langen Reise zurückgekehrt ist und sich mit Sara und ihr in seinem Hotel in Melbourne treffen möchte, um Einkäufe für das bevorstehende Osterfest zu machen; es sei an der Zeit, dass Sara ihr erstes Abendkleid bekommt. 

Man kann ohne Übertreibung sagen, dass dieser Brief von Saras Vormund Mrs. Appleyard zu Grunde richtet. 

Unfähig, ihm ins Gesicht zu sehen und mitzuteilen, dass sich sein Mündel aus Verzweiflung in den Tod gestürzt hat, fährt sie am gleichen Tag mit der Kutsche zum Hanging Rock hinaus und steigt allein zu den Zacken und Blöcken der Basalt-Felsformation hinauf. 

Auf demselben Plateau, auf dem einst vier Mädchen standen, die Welt von oben betrachteten und dann in Schlaf versanken, steht auch Mrs. Appleyard. In einer Felsspalte entdeckt sie eine Spinne mit langen schwarzen Beinen, vor der ihr graut. Um die Spinne zu vertreiben, will sie nach einem Stecken suchen.

Als sie sich umdreht, steht Sara in ihrem weißen Nachthemd vor ihr und sieht ihr direkt in die Augen.

Mit einem Ruck tritt Mrs. Appleyard an die Kante des Abgrunds und stürzt sich hinab in die Tiefe...
 



14.02.2024 - Details, die Fragen aufwerfen
Soweit der Kern der Geschichte. Nun die vielen Fragen, die sich mir beim Sehen des Films und Lesen des Romans aufdrängen: 1. Was hat es zu bedeuten, dass bei allen, die eine Uhr bei sich hatten, diese um 12:00 Uhr mittags stehen blieb?  2. Nachdem die vier Mädchen die Basalt-Felsformation ausgiebig erkundet und von einem flachen Plateau unterhalb der obersten Zacken und Blöcke die Welt von oben betrachtet haben, überkommt alle mit einem Mal eine derartige Müdigkeit, dass sie sich zu Boden sinken lassen, wo sie gerade stehen, und eine Weile tief und fest schlafen.  Hat irgendetwas an oder in diesen Felsen diese Müdigkeit und den Schlaf bewirkt? Elektromagnetische Anomalien? Anteile radioaktiver Mineralien im Gestein? Oder giftige Gase, die, bedingt durch den vulkanischen Ursprung des Hanging Rock, dann und wann aus einer der Höhlen oder Felsspalten aufsteigen? 3. Eine dieser drei Möglichkeiten wäre eine Erklärung dafür, dass sich Miranda, Marion und Irma nach dem Erwachen benehmen, als seien sie in einer Art Trance, in der sie nicht wahrnehmen, was um sie herum geschieht, und wortlos weiter und weiter die Felsen emporsteigen. Sie hören und reagieren nicht auf Ediths verzweifelte Rufe: "Wann gehen wir wieder nach Hause? (...) Kommt zurück! (...) Miranda!! Geht nicht da rauf!!!", ja, scheinen nicht einmal wahrzunehmen, dass sie überhaupt noch da ist. 4. Weshalb reagiert Edith auf das, was geschieht, als einzige mit klarem Bewusstsein und panischer Angst, während Miranda, Irma und Marion etwas oder jemandem wie ferngesteuert zu folgen scheinen?


Details, die zu denken geben und Fragen aufwerfen
 

Soweit der Kern der Geschichte. Nun die vielen Fragen, die sich mir beim Sehen des Films und Lesen des Romans aufdrängen:

1. Was hat es zu bedeuten, dass bei allen, die eine Uhr bei sich hatten, diese um 12:00 Uhr mittags stehen blieb? 

2. Nachdem die vier Mädchen die Basalt-Felsformation ausgiebig erkundet und von einem flachen Plateau unterhalb der obersten Zacken und Blöcke die Welt von oben betrachtet haben, überkommt alle mit einem Mal eine derartige Müdigkeit, dass sie sich zu Boden sinken lassen, wo sie gerade stehen, und eine Weile tief und fest schlafen. 

Hat irgendetwas an oder in diesen Felsen diese Müdigkeit und den Schlaf bewirkt? Elektromagnetische Anomalien? Anteile radioaktiver Mineralien im Gestein? Oder giftige Gase, die, bedingt durch den vulkanischen Ursprung des Hanging Rock, dann und wann aus einer der Höhlen oder Felsspalten aufsteigen?

3. Eine dieser drei Möglichkeiten wäre eine Erklärung dafür, dass sich Miranda, Marion und Irma nach dem Erwachen benehmen, als seien sie in einer Art Trance, in der sie nicht wahrnehmen, was um sie herum geschieht, und wortlos weiter und weiter die Felsen emporsteigen. Sie hören und reagieren nicht auf Ediths verzweifelte Rufe: "Wann gehen wir wieder nach Hause? (...) Kommt zurück! (...) Miranda!! Geht nicht da rauf!!!", ja, scheinen nicht einmal wahrzunehmen, dass sie überhaupt noch da ist.

4. Weshalb reagiert Edith auf das, was geschieht, als einzige mit klarem Bewusstsein und panischer Angst, während Miranda, Irma und Marion etwas oder jemandem wie ferngesteuert zu folgen scheinen? Edith gilt als dumm und albern, doch ihre instinktive Reaktion, sich abzuwenden und davonzulaufen, rettet sie in diesem Moment.

5. Was hat die nüchterne, rational-mathematisch denkende Greta McCraw dazu gebracht, sich ihrer Röcke zu entledigen und in ihren langen Unterhosen den Berg hinaufzusteigen? Wollte sie nach den Mädchen sehen, die so lange fortblieben, oder hat etwas auch sie den Berg hinauf getrieben? Ist sie zur gleichen Zeit aufgebrochen, als Miranda, Marion und Irma schweigend und in Trance losmarschiert sind?

6. Die naheliegende Lösung des Rätsels wäre, dass Miranda und Marion an einer Riffkante abgerutscht und vom Berg oder in eine Felsspalte gestürzt oder in einer der nicht allzu großen und tiefen Höhlen verunglückt sind. Doch weshalb finden weder die Polizeistaffeln noch die Suchhunde, die wochenlang den Berg und seine Umgebung abgesucht und keinen Block oder Stein unbeachtet gelassen haben, ihre Leichen nicht? Auch nicht nach Irmas Rückkehr, auch nicht nach wochen- und monatelanger Suche? 

Denn der Hanging Rock ist ein begrenztes, nicht allzu hohes und ausgedehntes Gebiet; wenn die beiden Mädchen abgestürzt oder in einer der Höhlen an Dehydrierung gestorben wären, hätte man sie finden müssen!

7. Warum taucht Irma Leopold nach einer Woche vergeblicher Suche, nachdem das gesamte Gelände durchkämmt wurde, plötzlich an einer Stelle wieder auf, an der die Suchtruppen vorher schon oft vorbeigekommen sind, zwar mit einer Platzwunde an der Stirn und zer-kratzten Händen, doch weder ernsthaft verletzt noch dehydriert? Was hat sie zurückge-bracht und von woher?

8. Weshalb gehen die anderen Mädchen vom College, als Irma sie nach ihrer Genesung ein letztes Mal besucht, um sich von ihnen zu verabschieden, in einer Aufwallung von hysterischer Wut und Verzweiflung auf sie los und hätten ihr Gewalt angetan, wenn Dianne de Poitiers ihr nicht zur Hilfe geeilt wäre? Hegen sie im Hinterkopf den Gedanken, Irma könnte an Mirandas und Marions Verschwinden schuld sein? Oder nehmen sie es ihr übel, dass sie zurückgekehrt ist und von Miranda und Marion jede Spur fehlt? 
Dann hätten sie, als Edith allein und aufgelöst vom Hanging Rock zurückkehrte, auch sie angreifen müssen, weil Edith davongelaufen ist und wie Irma ebenfalls keine Erinnerung daran hat, was mit den anderen Mädchen geschehen ist und wo sie geblieben sind.

9. Hat Edith außer dem wortlosen Aufstieg von Miranda, Irma und Marion noch etwas anderes wahrgenommen, das sie durchdrehen und davonlaufen ließ? Bevor die vier Mädchen in Schlaf versanken, war aus dem Tal oder vom Horizont - genau ließ es sich nicht orten - ein Donnergrollen zu hören wie zu Beginn eines Gewitters. Hatte die "widerwärtige rote Wolke am Himmel" damit zu tun, die Edith aufgefallen ist?

Als die vier Mädchen aus ihrem Schlaf erwachen, nimmt Edith als einzige ihre Umgebung bewusst wahr und sagt, dass sie sich "scheußlich, richtig scheußlich" fühlt und nur noch nach Hause möchte. Außerdem klagt sie schon während des Aufstiegs, als mit Miranda, Marion und Irma noch alles in Ordnung ist, über Unwohlsein und Übelkeit.

Hat sich die Atmosphäre oder der Luftdruck am Hanging Rock verändert? Vor dem Ausbruch eines schweren Gewitters oder Wirbelsturms, der mit extrem niedrigem Luftdruck einher geht, empfinden viele Menschen Mattigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. 

10. Wie kommt es, dass außer der Rektorin Mrs. Appleyard, die eine rational und nüchtern denkende und handelnde Mitarbeiterin betrauert, niemand nach Miss Greta McCraw fragt, niemand sie zu vermissen scheint? War sie bei den Schülerinnen und beim Personal so unbeliebt oder unbedeutend? Als sie mit achtzehn Jahren Schottland verließ und nach Australien ging, hat ihr Vater ihr nie geschrieben, sich praktisch nie mehr um sie gekümmert. Hat sie damals etwas angestellt, so dass sie für ihn als Schande galt und fort musste? 
 



14.02.2024 - Hintergrund und Kern der Handlung
Der Roman "Picknick am Valentinstag" und der gleichnamige Film von Peter Weir, der sich in seiner Handlung und der Darstellung und Entwicklung seiner Charaktere eng an die literarische Vorlage hält, spielt im Jahr 1900 in der südaustralischen Provinz Queensland.  Im Mittelpunkt steht das Appleyard College, ein Institut, in dem heranwachsende Mädchen - wie es bei wohlhabenden Familien in Großbritannien und den Kolonien der britischen Krone üblich war und heute noch ist - von ihrem dreizehnten bis achtzehnten Lebensjahr zu gebildeten Damen erzogen werden, die neben Mathematik, Aufsatz- und Briefeschreiben, Geschichte und Französisch auch Tanzen, Zeichnen und Malen, Handarbeit und Konversation erlernen. Zu Beginn des Jahres 1900 sind im Appleyard College zwanzig Schülerinnen untergebracht.  Die jüngste von ihnen ist die dreizehnjährige Sara Waybourne, die in einem Waisenhaus aufwuchs, dessen Erziehungsstil selbst seinem ärgsten Feind niemand wünschen würde, und die mit zehn Jahren von einem wohlhabenden Vormund adoptiert wurde, der ihre Ausbildung an Mrs. Appleyards Institut veranlasst hat, einmal im Jahr persönlich nach Sara sieht und bei dieser Gelegenheit Kost und Logis im Voraus für das kommende Schuljahr in bar bezahlt. Nur deshalb duldet Mrs. Appleyard Sara in ihrem Internat. Auf Grund ihres scheu-verschreckten und zugleich trotzig-rebellischen Wesens ist sie ihr ein Dorn im Auge, und sie erkennt nicht Saras Begabung für Poesie und Malerei, während sie für Dianne de Poitiers und Henrietta de Valance auf der Hand liegt. Dann ist da die vierzehnjährige Edith Horton, mit nicht viel Geist und Verstand gesegnet, aber mit ständigem Appetit auf Süßes und ansonsten so nörgelig und launisch, wie es manch eine Vierzehnjährige nun einmal ist. Es gibt ein paar Mitläuferinnen im Mittelfeld wie Blanche, Fanny, Rosamund und die "Zwillinge aus Neuseeland", die nie mit Namen genannt werden, und die sich weder in positiver noch negativer Hinsicht besonders hervorheben. Und dann sind da die drei Stars und auf Grund des Vermögens ihrer Eltern tragenden Säulen des Instituts, die ihr letztes Schuljahr absolvieren und das College verlassen werden, wenn gegen Ende März die Sommerferien beginnen: die mathematisch begabte, an Geometrie und Geographie interessierte, stets etwas altkluge und schnippische Marion Quade; die quirlige, ebenso attraktive wie modebewusste Irma Leopold, eine "kleine Erbin", die aber von freundlicher, unverdorbener Wesensart ist und vom Reichtum ihrer Eltern nie ein Wesen macht; und die ätherisch schöne Miranda, die auf Grund ihres reifen, gütigen Wesens bei den Schülerinnen und Lehrerinnen gleichermaßen beliebt ist.  Sara Waybourne, die mit ihr das Zimmer teilt, himmelt Miranda geradezu an, weil sie sich neben dem Haus- und Stubenmädchen Minnie als einzige um sie kümmert und mit liebevoller Zuwendung behandelt. Dies ist die Ausgangssituation am 14. Februar des Jahres 1900, dem Valentinstag, an dem viele australische Familien Feste, Ausflüge und Picknicks im Freien unternehmen; und einen Picknickausflug hat sich in diesem Jahr auch Mrs. Appleyard für ihre Schülerinnen ausgedacht. Es wird eine Kutschfahrt zum Hanging Rock (eigentlich Mount Diogenes, aber diesen Namen gebraucht kaum ein Australier) geben, eine Felsformation aus Basaltsäulen und Blöcken, die sich in einer weiten Ebene erhebt und hinter der sich am Horizont der Gipfel des Mount Macedon abzeichnet. 


Hintergrund und Kern der Handlung

Der Roman Picknick am Valentinstag und der gleichnamige Film von Peter Weir, der sich in seiner Handlung und der Darstellung und Entwicklung seiner Charaktere eng an die literarische Vorlage hält, spielt im Jahr 1900 in der südaustralischen Provinz Queensland. 

Im Mittelpunkt steht das Appleyard College, ein Institut, in dem heranwachsende Mädchen - wie es bei wohlhabenden Familien in Großbritannien und den Kolonien der britischen Krone üblich war und heute noch ist - von ihrem dreizehnten bis achtzehnten Lebensjahr zu gebildeten Damen erzogen werden, die neben Mathematik, Aufsatz- und Briefeschreiben, Geschichte und Französisch auch Tanzen, Zeichnen und Malen, Handarbeit und Konversation erlernen.

Geleitet wird dieses Institut von Mrs. Appleyard, einer Witwe von Stand, die sowohl die Schule als auch die Mädchen mit strenger Hand leitet und sie in Literatur unterrichtet (oder in dem, was der zeitgenössische Geschmack darunter versteht).
Neben ihr gehören zum Lehrpersonal die trocken-sachliche, etwas schrullige Mathematiklehrerin Greta McCraw, die hausbackene, fast immer sauertöpfische Hilfslehrerin Dora Lumley, und die junge, wegen ihres heiteren Wesens und stilsicheren Modegeschmacks bei den Schülerinnen beliebte Dianne de Poitiers, Lehrerin für Französisch, Tanz und Gymnastik. (Zum Ende des Schuljahres kommt Henrietta de Valance für ein paar Wochen vorbei und gibt ein paar Unterrichtsstunden im Zeichnen und Malen.)

Um das Anwesen kümmern sich Minnie, das Haus- und Stubenmädchen, ihr Verlobter Tom, der als Stallknecht arbeitet, die Köchin, ihr Küchenmädchen Alice und der Gärtner Mr. Whitehead. Bei feierlichen Anlässen wie auch zu Beginn und Ende des Schuljahres werden Dora Lumley und Dianne de Poitiers von Mrs. Appleyard zum Aufräumen der Zimmer und Herrichten der repräsentativen Räume rekrutiert, zuweilen aber auch am Abend in ihr Büro zitiert und zu Kaffee, Wein und Cognac eingeladen.

Zu Beginn des Jahres 1900 sind im Appleyard College zwanzig Schülerinnen untergebracht. 

Die jüngste von ihnen ist die dreizehnjährige Sara Waybourne, die in einem Waisenhaus aufwuchs, dessen Erziehungsstil selbst seinem ärgsten Feind niemand wünschen würde, und die mit zehn Jahren von einem wohlhabenden Vormund adoptiert wurde, der ihre Ausbildung an Mrs. Appleyards Institut veranlasst hat, einmal im Jahr persönlich nach Sara sieht und bei dieser Gelegenheit Kost und Logis im Voraus für das kommende Schuljahr in bar bezahlt.

Nur deshalb duldet Mrs. Appleyard Sara in ihrem Internat. Auf Grund ihres scheu-verschreckten und zugleich trotzig-rebellischen Wesens ist sie ihr ein Dorn im Auge, und sie erkennt nicht Saras Begabung für Poesie und Malerei, während sie für Dianne de Poitiers und Henrietta de Valance auf der Hand liegt.

Dann ist da die vierzehnjährige Edith Horton, mit nicht viel Geist und Verstand gesegnet, aber mit ständigem Appetit auf Süßes und ansonsten so nörgelig und launisch, wie es manch eine Vierzehnjährige nun einmal ist.

Es gibt ein paar Mitläuferinnen im Mittelfeld wie Blanche, Fanny, Rosamund und die "Zwillinge aus Neuseeland", die nie mit Namen genannt werden, und die sich weder in positiver noch negativer Hinsicht besonders hervorheben.

Und dann sind da die drei Stars und auf Grund des Vermögens ihrer Eltern tragenden Säulen des Instituts, die ihr letztes Schuljahr absolvieren und das College verlassen werden, wenn gegen Ende März die Sommerferien beginnen:

die mathematisch begabte, an Geometrie und Geographie interessierte, stets etwas altkluge und schnippische Marion Quade; die quirlige, ebenso attraktive wie modebewusste Irma Leopold, eine "kleine Erbin", die aber von freundlicher, unverdorbener Wesensart ist und vom Reichtum ihrer Eltern nie ein Wesen macht; und die ätherisch schöne Miranda, die auf Grund ihres reifen, gütigen Wesens bei den Schülerinnen und Lehrerinnen gleichermaßen beliebt ist. 

Sara Waybourne, die mit ihr das Zimmer teilt, himmelt Miranda geradezu an, weil sie sich neben dem Haus- und Stubenmädchen Minnie als einzige um sie kümmert und mit liebevoller Zuwendung behandelt.

Dies ist die Ausgangssituation am 14. Februar des Jahres 1900, dem Valentinstag, an dem viele australische Familien Feste, Ausflüge und Picknicks im Freien unternehmen; und einen Picknickausflug hat sich in diesem Jahr auch Mrs. Appleyard für ihre Schülerinnen ausgedacht. Es wird eine Kutschfahrt zum Hanging Rock (eigentlich Mount Diogenes, aber diesen Namen gebraucht kaum ein Australier) geben, eine Felsformation aus Basaltsäulen und Blöcken, die sich in einer weiten Ebene erhebt und hinter der sich am Horizont der Gipfel des Mount Macedon abzeichnet. 

Der Tag beginnt mit strahlendem Sonnenschein, und bereits am Morgen ist es fast schon heiß. (In Australien stehen für unsere Begriffe die Jahreszeiten auf dem Kopf; wo bei uns der Februar noch als Wintermonat gilt, fällt er am anderen Ende der Erde in den Hochsommer und ist von den Temperaturen her mit unseren Hundstagen im August vergleichbar.)
Mit Hähnchenpastete, Biskuittorte, Limonade und Tee versehen, rollt der Planwagen von Mr. Ben Hussey beladen mit zwanzig Mädchen und den Lehrerinnen Greta McCraw und Dianne de Poitiers hinaus ins Hinterland, dem bewaldeten, grünen Fuß des Hanging Rock und dem dort angelegten Picknick-Gelände entgegen.

Pünktlich zur Mittagszeit erreicht die Ausflugsgesellschaft das Ziel ihrer Fahrt. Die Mädchen lassen sich im Schatten hoher uralter Bäume nieder, die Vorräte werden ausgepackt und auf den Picknickdecken verteilt. 

Mr. Hussey stellt fest, dass seine Taschenuhr stehen geblieben ist. Miss McCraw, die als einzige der Anwesenden auch eine dabei hat, sieht nach und stellt verblüfft fest, dass sich auch die Zeiger ihrer Uhr nicht mehr rühren, obwohl die Uhr ihres Vaters bisher noch nie stehen geblieben ist. Anhand des Standes der Sonne schätzt Mr. Hussey, dass es 12:00 Uhr Mittag sein muss. Er rät, mit dem Planwagen spätestens um 17:00 Uhr nach Hause aufzubrechen, wenn die Mädchen bis 20:00 Uhr im College zum Abendessen eintreffen sollen.

Die Zeit vergeht zunächst mit Mittagessen. Selbst im Schatten der Bäume ist es heiß und schwül, und die ungewohnt üppigen Speisen liegen schwer im Magen, so dass sich unter den Schülerinnen bald Trägheit und Schläfrigkeit breit macht.

Still und zäh schleicht die Zeit dahin. Während die meisten Mädchen und auch die Lehrerinnen untätig und benommen vor sich hin dösen, beschließen Marion, Irma und Miranda, die unteren Hänge rund um den Hanging Rock näher zu erkunden, und holen sich von den Lehrerinnen die Erlaubnis, sich eine Weile dort umzusehen. Edith Horton schließt sich ihnen an, die ihr gnädig erlauben mitzukommen, solange sie sich das Mosern und Nörgeln verkneift.

Als die vier Mädchen aufbrechen, verspricht Miranda Mlle. de Poitiers, dass sie nicht lange fortbleiben werden. Doch von der Wanderung zum Hanging Rock kehrt als einzige Edith zurück, die panisch und aufgelöst berichtet, dass Miranda, Irma und Marion "irgendwo da droben" in den Gipfelregionen der Basalt-Felsformation geblieben sind. 

Obwohl sich zahlreiche Freiwillige und alle Einsatzkräfte der Polizei sofort mit Suchhunden auf den Weg machen, sind und bleiben die drei Mädchen und die Mathematiklehrerin Greta McCraw, die ihnen später folgte, spurlos verschwunden - bis eine Woche später Irma am Fuß eines Felsens bewusstlos, aber abgesehen von einer Platzwunde an der Stirn unversehrt aufgefunden wird. 

Doch als Irma das Bewusstsein wiedererlangt, gelingt es ihr nicht, sich zu erinnern, was in der Gipfelregion des Hanging Rock mit ihr, Miranda und Marion geschehen ist. Auch als unmittelbar Betroffene weiß und versteht Irma vom Geschehen nicht mehr als die "College-Idiotin" Edith Horton; und dies bleibt trotz all ihrer Bemühungen und Anstrengungen bis zum Ende ihres Lebens so. 
 



14.02.2024 - Picknick at Hanging Rock / Picknick am Valentinstag von Joan Lindsay bzw. Peter Weir
Seit an der Ecke Plinganserstraße/Johann-Clanze-Straße ein Paar aus Melbourne sein Café eröffnet hat und uns mit Kreationen der britischen und australischen Back- und Kochkunst verwöhnt, ist ein Werk in meine Erinnerungen zurückgekehrt, das sowohl zum kollektiven Bewusstsein der Australier von Brisbane über Melbourne und Sydney bis Perth gehört als auch von ihnen mit Recht als ihr Beitrag zur Kulturgeschichte der Menschheit betrachtet wird. Es hat mit einem Valentinstag zu tun, der heiter und sonnig begann und in einem Verhängnis endete, das nie abschließend und endgültig aufgeklärt wurde. Ein unorthodoxer Beitrag zum Valentinstag; und doch erzählt auch er vom Wirken der Liebe:  Drei Mädchen scheinen sich in einen Berg zu "verlieben", auf jeden Fall seiner Faszination und Ausstrahlung derart zu erliegen, dass sie dort bleiben und nicht mehr herunterkommen (einem vierten Mädchen geht es nicht so). Ein junger Mann sieht eines der Mädchen nur flüchtig, verliebt sich aber unsterblich in sie und will sie retten, bekommt aber ein anderes Mädchen "angeboten", das für ihn leider kein Ersatz ist. Jenes andere Mädchen ist ebenso unsterblich in ihn verliebt, weiß aber, dass er ihre Gefühle nie erwidern wird...


Picknick at Hanging Rock / Picknick am Valentinstag von Joan Lindsay bzw. Peter Weir


Seit an der Ecke Plinganserstraße/Johann-Clanze-Straße ein Paar aus Melbourne sein Café eröffnet hat und uns mit Kreationen der britischen und australischen Back- und Kochkunst verwöhnt, ist ein Werk in meine Erinnerungen zurückgekehrt, das sowohl zum kollektiven Bewusstsein der Australier gehört als auch von ihnen mit Recht als ihr Beitrag zur Kulturgeschichte der Menschheit betrachtet wird.

Es hat mit einem Valentinstag zu tun, der heiter und sonnig begann und in einem Verhängnis endete, das nie abschließend und endgültig aufgeklärt wurde. Ein unorthodoxer Beitrag zum Valentinstag; und doch erzählt auch er vom Wirken der Liebe: 

Drei Mädchen scheinen sich in einen Berg zu "verlieben", auf jeden Fall seiner Faszination und Ausstrahlung derart zu erliegen, dass sie dort bleiben und nicht mehr herunterkommen (einem vierten Mädchen geht es nicht so). Ein junger Mann sieht eines der Mädchen nur flüchtig, verliebt sich aber unsterblich in sie und will sie retten, bekommt aber ein anderes Mädchen "angeboten", das für ihn leider kein Ersatz ist. Jenes andere Mädchen ist ebenso unsterblich in ihn verliebt, weiß aber, dass er ihre Gefühle nie erwidern wird...

Konkret geht es mir um den Film und das Buch Picknick at Hanging Rock, das mir im englischen Original in die Hände fiel und bei uns unter dem Titel Picknick am Valentinstag bekannt ist.

Seit ich diesen Film und dieses Buch kenne, gehen mir bestimmte Bilder und Szenen und die dazugehörige Musik - das vom Klavier getragene Ascent Theme und das Panflötensolo Doina sus Pé Dealului von Gheorghe Zamfir - dann und wann durch den Kopf; und wie schon öfters in meinem Leben ist mir zu Mute, als wolle die Geschichte von mir und mit meinen Worten erzählt werden, was ich jetzt und hiermit tue.

Dass Peter Weirs Film von 1975 zehn Jahre nach seiner Erstausstrahlung von der australischen Filmbehörde auf den Index gesetzt wurde und mehrere Jahre lang nicht gezeigt werden durfte, ist Wasser auf die Mühlen jener, die behaupten, dass Picknick am Valentinstag auf einer wahren Begebenheit beruht und sich tatsächlich so zugetragen hat; und dass bei dem Versuch, das Geschehen aufzuklären, viele Aussagen und Indizien auf Veranlassung der ermittelnden Behörden, letzten Endes der australischen Regierung unter den Teppich gekehrt worden seien.

Allerdings hat die Autorin Joan Lindsay und auch der Sprecher ihres Verlages immer wieder betont, dass es sich bei ihrer Erzählung um einen Roman und reine Fiktion handelt. Doch ob wahre Begebenheit oder bloße Erzählung: Allein die Tatsache, dass Picknick am Valentinstag noch heute in ganz Australien lebhaft diskutiert wird, spricht für die Relevanz dieses Werks. 

Und da sich dieser Roman und seine Verfilmung zu den Kunstwerken und Künstlern hinzugesellt hat, deren  Bedeutung für mich nie verlorengehen werden, verdient er es aus meiner Sicht, dass auch ich zur Sprache bringe, was ich darüber denke und meine.
 



02.02.2024 - Wie Mensch und Tod einander begegnen
Über den Himmel und über Gott hat sich Jacques Brel mokiert und Bigotterie und Frömmelei scharf aufs Korn genommen; er hatte zu beidem durchweg eigenwillige Ansichten. Und doch hat ihn schon in seinen jungen Jahren, lange bevor er von seiner Krebserkrankung erfuhr und ihr mit neunundvierzig Jahren erlag, der Gedanke an den Tod immer wieder beschäftigt; oder eher die Frage, wie man ihm als Mensch am besten begegnet. Viele berühmte Künstler, die jung gestorben sind, hat der Tod jäh und plötzlich aus dem Leben gerissen, so schnell, dass sie nicht damit gerechnet haben, wie Buddy Holly oder Aaliyah, die mit dem Flugzeug abgestürzt sind; oder sie wurden erschossen wie Sam Cooke, Marvin Gaye oder John Lennon. Andere aber scheinen früh zu ahnen, dass ihr Leben kurz sein wird; und zu ihnen hat wohl auch Jacques Brel gehört. Nach seinen Aussagen in den Chansons "Le Moribond" und "Vieillir" ist der Tod zwar ernst zu nehmen, aber nicht zu fürchten; eine saubere, anständige Angelegenheit, der man als Mensch mit Stil und Haltung zu begegnen hat. Schlimmer und furchtbarer als der Tod ist für Jacques Brel ein Altern, das mit schleichendem, unaufhaltsamem Verfall einhergeht, das dem Menschen die Freude am Leben raubt und ihn von der Welt und den Menschen verlassen zurücklässt, so wie er es in "Les Vieux" schildert. Dann wird das Schnurren des Pendels der Uhr im Salon zur ewigen, in seiner Einförmigkeit und Gleichgültigkeit unerbittlichen Mahnung: “Ich warte auf dich!”


Wie Mensch und Tod einander begegnen
 

Über den Himmel und über Gott hat sich Jacques Brel mokiert und Bigotterie und Frömmelei scharf aufs Korn genommen; er hatte zu beidem durchweg eigenwillige Ansichten.

Und doch hat ihn schon in seinen jungen Jahren, lange bevor er von seiner Krebserkrankung erfuhr und ihr mit neunundvierzig Jahren erlag, der Gedanke an den Tod immer wieder beschäftigt; oder eher die Frage, wie man ihm als Mensch am besten begegnet.

Viele berühmte Künstler, die jung gestorben sind,  hat der Tod jäh und plötzlich aus dem Leben gerissen, so schnell, dass sie nicht damit gerechnet haben, wie Buddy Holly oder Aaliyah, die mit dem Flugzeug abgestürzt sind; oder sie wurden erschossen wie Sam Cooke, Marvin Gaye oder John Lennon.

Andere aber scheinen früh zu ahnen, dass ihr Leben kurz sein wird; und zu ihnen hat wohl auch Jacques Brel gehört. Nach seinen Aussagen in den Chansons Le Moribond und Vieillir ist der Tod zwar ernst zu nehmen, aber nicht zu fürchten; eine saubere, anständige Angelegenheit, der man als Mensch mit Stil und Haltung zu begegnen hat.

Schlimmer und furchtbarer als der Tod ist für Jacques Brel ein Altern, das mit schleichendem, unaufhaltsamem Verfall einhergeht, das dem Menschen die Freude am Leben raubt und ihn von der Welt und den Menschen verlassen zurücklässt, so wie er es in Les Vieux schildert.

Dann wird das Schnurren des Pendels der Uhr im Salon zur ewigen, in seiner Einförmigkeit und Gleichgültigkeit unerbittlichen Mahnung: “Ich warte auf dich!”

In Mon Dernier Repas hat sich Jacques Brel seinen Abschied vom Leben als ein Fest vorgestellt:

Von seinem Fenster aus hat er eine Ebene und eine Hügelkuppe im Blick, die sich im Wind wiegt und tanzt. Um sich herum versammelt er seine Brüder und Cousins, seine Freunde und Geliebten und seine Tiere. Es wird noch einmal vorzüglich gegessen und getrunken, Fasan aus dem Périgord und Muskatellerwein.

Nach dem Festmahl verabschiedet er seine Gefährten, will, dass sie ihn allein lassen. Dann, während er ein letztes Mal Angst hat, schwebt sein Geist über die Ebene zur Hügelkuppe hinüber, die im Wind wogt und tanzt...

In Le Moribond klärt er mit seinem Freund, seinem Beichtvater, seinem Nebenbuhler und seiner Frau die letzten Angelegenheiten, die es nach seinem Ableben zwischen ihnen zu regeln gibt. Bei der Beerdigung will er, dass alles lacht und tanzt und sich wie verrückt amüsiert, während er in die Grube fährt...

Seine letzten Lebensjahre und sein Abschied von dieser Welt verliefen doch ein wenig anders.

In den letzten Jahren gab er seine Gesangskarriere auf und auch die Filme, die er drehte, hatte vom Trubel und Zirkus des Konzert- und Tourneelebens und vom hektischen, gereizten Leben in Paris und anderen Großstädten dieser Welt die Nase voll. Mit einer kleinen Segelyacht, seiner Tochter und seiner letzten Lebensgefährtin reiste er quer über den Atlantik und durchquerte den Panama-Kanal, wo seine Tochter im wahrsten Sinne des Wortes ausstieg.

Jacques Brel segelte mit seiner Lebensgefährtin weiter und ließ sich mit ihr auf Hiva Oa nieder, einer Insel im Pazifik, die zum Archipel der Marquesas gehört. Hier zog er mit ihr in ein schlichtes weißgetünchtes Haus mit Blick auf Strand und Meer. Selten hatten die beiden Gäste, doch sobald sich gute Freunde und Bekannte auf seine Insel verirrten, wartete ein Galadiner auf sie, mit allem, was dazu gehört.

Daneben kümmerte er sich um die Eingeborenen, ließ auf Hiva Oa das erste Kino bauen und einrichten, gab hin und wieder mit seiner Gitarre kleine Privatkonzerte für sie und sorgte mit seinem kleinen einmotorigen Flugzeug persönlich dafür, dass die Bewohner der Insel mit dem versorgt waren, was sie zum Leben brauchten, und dass ihre Verbindung zur Welt und zur Zivilisation erhalten blieb.

Und das genügte Jacques Brel und seiner Lebensgefährtin; sie waren auf Hiva Oa glücklich. Ruhm, Ansehen, Hektik und Trubel brauchten, suchten und wollten sie nicht; was sie wollten und hatten, war ihr Leben als Insulaner unter Insulanern.

Doch dann verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, so dass er nach Paris zurück musste, um sich behandeln zu lassen.

Als er nach Orly zurückkehrte, hielt er sich sich in einer Toilette auf dem Flughafen versteckt, während seine Lebensgefährtin sich bemühte, die zudringliche Meute der Paparazzi, die ihm auflauerten, von ihm fernzuhalten und zu verscheuchen. Nach zwei Stunden hatten sie endlich genug und ließen von ihm ab. Doch in dieser Zeitspanne zog er sich auf der kalten, zugigen Toilette eine Lungenentzündung zu, die sein geschwächter Körper nicht mehr abzuwehren vermochte, so dass er schließlich an den Folgen seines Krebsleidens starb.

Gemäß seinem letzten Wunsch brachte man ihn zurück nach Hiva Oa, wo er neben dem Maler Paul Gauguin bestattet wurde. Bis heute kann man beide Gräber und ein kleines Jacques Brel-Museum besichtigen, das sein Leben auf der Insel in den Mittelpunkt rückt.

Und wer weiß? Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass seine Seele bis heute über Hiva Oa schwebt, frei und im Frieden mit sich, dem Himmel  und der See...