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~ Auszug aus meinen Blogs ~




08.06.2024 - Im großen Stil - Oldtimer-Korso und Brilliantfeuerwerk
Beim Überlegen. was es in München sonst noch umsonst gibt, kam mir ein Phänomen in den Sinn, das man beobachten kann, wenn man am ersten Wochenende, genau gesagt, am Sonntag nach dem Beginn das Frühlingsfest auf der Theresienwiese besucht. Aus dem Münchner Umland, Ober- und Niederbayern präsentieren die stolzen Besitzer und - so muss man sie mit Fug und Recht nennen - Pfleger von Oldtimern auf vier oder zwei Rädern ihren liebevoll gehegten Schatz auf der großen Freifläche zu Füßen der Bavaria-Statue, LIebhaber alter Automobile finden auf einem Streifzug durch die Reihen der Museumsstücke aus Stahl und Chrom von einer Tin Lizzy aus dem Jahr 1916 - ein Wunder, dass ihr Motor nach emsigem Kurbeln immer noch anspringt - über einen Horch von 1936 (bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hieß der Autobauer Audi tatsächlich so) und ein paar Buick- und Chevrolet-Cabrios aus den 1960er und 1970er Jahren, so lang und breit, dass sie nur auf ausgesuchten Land- und Bundesstraßen fahren können, bis hin zu Borgwarts und Maybachs, deren Bau zu Beginn der 1980er Jahre eingestellt wurde. Wer auf Motorräder steht, kann sich über nach wie vor fahrtaugliche NSUs und DVUs, Maschinen von BMW und Honda und manch eine selbstfrisierte und aufpolierte Custom- oder Fat Boy-Harley freuen, die aus der Easy Rider-Zeit bis heute überlebt hat. Ja, und die Besitzer solcher Kleinodien auf zwei oder vier Rädern freuen sich wiederum über die Auswahl an Ersatz- und Reparaturteilen, die man anderswo kaum mehr, häufig eher gar nicht mehr bekommt. Es ist ein skurriler und zugleich eindrucksvoller Anblick, wenn sich zuerst die Tin Lizzy nach etlichen Umdrehungen der Anlasserkurbel knatternd und qualmend in Bewegung setzt, gefolgt von den formschönen und mit liebevollen Details ausgestatteten Straßenkreuzern von 1930 bis 1980, die langsam und gravitätisch über den hinteren Abschnitt aus dem Festgelände der Theresienwiese rollen und in einem langgezogenen Korso die Schwanthaler Straße hinauf und die Sonnenstraße entlang defilieren. Ein ganz anderes Spektakel, das die Münchnerinnen und Münchner ebenfalls keinen Cent kostet - nur das, was sie bei diesem Anlass essen und trinken - findet immer am Freitagabend vor dem Ende des Frühlingsfestes und der Wiesn sowie Mitte Juli im Olympiapark statt.


III. Im großen Stil - Oldtimer-Korso und Brilliantfeuerwerk
 

Beim Überlegen. was es in München sonst noch umsonst gibt, kam mir ein Phänomen in den Sinn, das man beobachten kann, wenn man am ersten Wochenende, genau gesagt, am Sonntag nach dem Beginn das Frühlingsfest auf der Theresienwiese besucht.

Aus dem Münchner Umland, Ober- und Niederbayern präsentieren die stolzen Besitzer und - so muss man sie mit Fug und Recht nennen - Pfleger von Oldtimern auf vier oder zwei Rädern ihren liebevoll gehegten Schatz auf der großen Freifläche zu Füßen der Bavaria-Statue,

LIebhaber alter Automobile finden auf einem Streifzug durch die Reihen der Museumsstücke aus Stahl und Chrom von einer Tin Lizzy aus dem Jahr 1916 - ein Wunder, dass ihr Motor nach emsigem Kurbeln immer noch anspringt - über einen Horch von 1936 (bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hieß der Autobauer Audi tatsächlich so) und ein paar Buick- und Chevrolet-Cabrios aus den 1960er und 1970er Jahren, so lang und breit, dass sie nur auf ausgesuchten Land- und Bundesstraßen fahren können, bis hin zu Borgwarts und Maybachs, deren Bau zu Beginn der 1980er Jahre eingestellt wurde.

Wer auf Motorräder steht, kann sich über nach wie vor fahrtaugliche NSUs und DVUs, Maschinen von BMW und Honda und manch eine selbstfrisierte und aufpolierte Custom- oder Fat Boy-Harley freuen, die aus der Easy Rider-Zeit bis heute überlebt hat.

Ja, und die Besitzer solcher Kleinodien auf zwei oder vier Rädern freuen sich wiederum über die Auswahl an Ersatz- und Reparaturteilen, die man anderswo kaum mehr, häufig eher gar nicht mehr bekommt.

Es ist ein skurriler und zugleich eindrucksvoller Anblick, wenn sich zuerst die Tin Lizzy nach etlichen Umdrehungen der Anlasserkurbel knatternd und qualmend in Bewegung setzt, gefolgt von den formschönen und mit liebevollen Details ausgestatteten Straßenkreuzern von 1930 bis 1980, die langsam und gravitätisch über den hinteren Abschnitt aus dem Festgelände der Theresienwiese rollen und in einem langgezogenen Korso die Schwanthaler Straße hinauf und die Sonnenstraße entlang defilieren.

Ein ganz anderes Spektakel, das die Münchnerinnen und Münchner ebenfalls keinen Cent kostet - nur das, was sie bei diesem Anlass essen und trinken - findet immer am Freitagabend vor dem Ende des Frühlingsfestes und der Wiesn sowie Mitte Juli im Olympiapark statt.

Nein, man sollte nicht literweise Qualm, Schwefel- und Phosphorverbindungen in die Atmosphäre blasen.

Und ja, das Geld, das für Feuerwerkskörper und Böller buchstäblich in den Himmel geballert wird, könnte man besser und sinnvoller in Einrichtungen investieren, die sich um Kinder oder Kranke kümmern.

Und dennoch: Seit meiner Kindheit und Jugend bis heute verspüre ich jedes Mal ein ganz eigenes Gefühl, das mit  einem leisem Erschauern einhergeht, wenn unter Zischen, Knattern und Prasseln Feuergarben zum Himmel emporsteigen und sich zu Blumen, Fontänen, Schleiern und anderen Formen auffalten, die am schwarzen Nachthimmel glitzern und sprühen wie abertausend Diamanten, Saphire, Rubine und Smaragde.

Wenn es in München Sommer ist, geschieht dies, sobald die Sonne endgültig und vollständig untergegangen ist.

Vor allem beim Sommernachtstraum im Olympiapark begnügen sich die Veranstalter heute nicht mehr damit, abstrakte Figuren zum Nachthimmel emporzusenden. Mittlerweile ist das Können der Pyrotechniker so weit gediehen, dass sie mit Feuerwerkskörpern ganze Geschichten in konkreten Bildern erzählen können, die ein Symphonieorchester mit Melodien und Motiven untermalt, die sich dem Rhythmus der aufsteigenden und explodierenden Raketen anpassen und ihn zugleich stützen und betonen.

Dies ist nicht unbedingt etwas Neues. Schon Georg Friedrich Händel hat, als er im 18. Jahrhundert offizieller Hofkompositeur König Georgs III. von Großbritannien und Irland war und für ihn und seinen Hofstaat wirkte, für ein sommerliches Feuerwerk die dazu passende Musik als Auftragsarbeit komponiert und aufgeführt; und bis heute vermögen nur wenige Instrumentalwerke der klassischen Musik solch ein nächtliches Spektaktel am Himmel so feierlich, strahlend und majestätisch zum Leben zu erwecken wie eben Händels Feuerwerksmusik, auf Englisch Music for the Royal Fireworks.

Doch die Faszination am und Begeisterung für das Feuerwerk ist über Jahrhunderte und Kontinente hinweg weder erloschen noch ist die Kunst der Pyrotechnik je eingeschlafen und in Vergessenheit geraten..

Eine flüchtige, kostbare Zeitspanne lang hebt das Feuerwerk gemeinsam mit den triumphierenden, sphärischen oder verträumten Klängen der Streicher, Blech- und Holzbläser alle Erdenschwere auf und reißt Geist und Seele mit den sprühenden, glitzernden Fontänen und Traumgebilden unendlich hoch und weit bis zu den Sternen empor...

Leicht, zart und filigran wie ein Spinnennetz und zugleich machtvoll, gewaltig und unaufhaltsam wie ein Gewitter präsentiert sich diese Explosion von Farben und Klängen am Nachthimmel.

Doch ganz gleich, wie eindrucksvoll und mitreißend diese Figuren und Gestalten auf das Gemüt wirken, sie sind immer nur einige flüchtige Augenblicke lang zu sehen, bevor sie im Dunkel der Nacht verglühen und erlöschen...

Doch man hat diese Pracht und Herrlichkeit klar und deutlich gesehen; so groß und mächtig war sie, dass sie keinen Zweifel daran gelassen hat, dass es sie wirklich gab, bevor sie in der Schwärze des Alls aufgegangen ist...



08.06.2024 - In stilvollem Ambiente - Musik bei Ludwig Beck am Rathauseck
Angesichts des offenkundigen Niedergangs der Galeria-Karstadt-Kette, den ich des Langen und Breiten beklagt habe, erscheint es mir fast als ein kleines Wunder, dass sich das inhabergeführte Kaufhaus Ludwig Beck, das sich seit 1861 direkt neben dem Neuen Rathaus am Marienplatz erhebt, nie einer Kette oder einem Konzern angeschlossen hat und sich dennoch bis heute zu behaupten vermag. Eine Ex-Kollegin von mir, mit der mich hin und wieder treffe - diejenige, welche stets hohe Ansprüche an das gastronomische Niveau eines Restaurants stellt - schwört auf das Angebot an Handtaschen und Sonnenbrillen im Erdgeschoss, mag die Bademode dieses Hauses und hat mir vor kurzem ihren neuen Sommermantel präsentiert, den sie ebenfalls hier fand. Und was mich angeht, übt die große Musikabteilung, die sich auf die fünfte Etage und eine tiefer liegende Zwischenebene verteilt - diese Zwischenebenen sind seit jeher eine Besonderheit dieses Hauses -, eine geradezu magnetische Anziehungskraft auf mich aus. Seit dem Siegeszug des WWW haben Youtube und Spotify den Markt für CDs, Schallplatten und DVDs zum Einsturz gebracht und fast eliminiert; das erkennt man allein an dem Nischenangebot in unseren Drogerie- und Media-Märkten, das auf einige wenige Regale geschrumpft ist. Doch nach wie vor gibt es Fans, die unermüdlich nach den Alben von Musikern suchen, die zum immateriellen Erbe der Menschheit zählen, und die seinerzeit ihre Werke mit Ernst und Hingabe im Studio aufgenommen haben. Allen, die auf der Suche nach dieser Art Musik sind und Wert auf qualitativ hochwertige Aufnahmen legen, kann ich die Musikabteilung des Kaufhauses Ludwig Beck wärmstens empfehlen, ganz gleich, ob Klassik, Jazz, Ethno-Folk oder seit der Jahrtausendwende auch Rock auf hohem Niveau. Noch vor etwa zehn Jahren fanden in diesem Haus auf dem erhöhten, mit hellem Holz verschalten Podium an der Stirnseite des tiefgelegten Zwischengeschosses am Freitag- und Samstagnachmittag kleine kostenlose Konzerte statt, in denen Musikerinnen und Musiker aus dem Bereich Klassik oder Jazz ihr neues Album vorstellten und einige Stücke daraus spielten; doch seit etwa 2010 war von diesen informellen Konzerten zum Nulltarif nichts mehr zu sehen und zu hören. Doch seit Anfang Januar dieses Jahres hat Ludwig Beck zu meiner Freude diese Tradition wieder aufleben lassen! Eine Stunde vor Konzertbeginn bauen die Betreiber und Mitarbeiter der Musikabteilung fünf Stuhlreihen auf der kleinen Freifläche vor der Bühne auf. Beginnt das Konzert um 16:00 Uhr, genügt es, wenn man sich um 15:30 dort einfindet. Doch dann sollte man sich so rasch wie möglich auf einem Stuhl einquartieren, denn zu Beginn des jeweiligen Konzerts sind die Stuhlreihen ebenso wie die Mauervorsprünge und Fensternischen an der rechten Längsseite des Zwischengeschosses jedes Mal bis auf den letzten Platz besetzt.


II. In stilvollem Ambiente - Gehobene Musik bei Ludwig Beck am Rathauseck
 

Angesichts des offenkundigen Niedergangs der Galeria-Karstadt-Kette, den ich des Langen und Breiten beklagt habe, erscheint es mir fast als ein kleines Wunder, dass sich das inhabergeführte Kaufhaus Ludwig Beck, das sich seit 1861 direkt neben dem Neuen Rathaus am Marienplatz erhebt, nie einer Kette oder einem Konzern angeschlossen hat und sich dennoch bis heute zu behaupten vermag.

Eine Ex-Kollegin von mir, mit der mich hin und wieder treffe - diejenige, welche stets hohe Ansprüche an das gastronomische Niveau eines Restaurants stellt - schwört auf das Angebot an Handtaschen und Sonnenbrillen im Erdgeschoss, mag die Bademode dieses Hauses und hat mir vor kurzem ihren neuen Sommermantel präsentiert, den sie ebenfalls hier fand.

Und was mich angeht, übt die große Musikabteilung, die sich auf die fünfte Etage und eine tiefer liegende Zwischenebene verteilt - diese Zwischenebenen sind seit jeher eine Besonderheit dieses Hauses -, eine geradezu magnetische Anziehungskraft auf mich aus.

Seit dem Siegeszug des WWW haben Youtube und Spotify den Markt für CDs, Schallplatten und DVDs zum Einsturz gebracht und fast eliminiert; das erkennt man allein an dem Nischenangebot in unseren Drogerie- und Media-Märkten, das auf einige wenige Regale geschrumpft ist.

Doch nach wie vor gibt es Fans, die unermüdlich nach den Alben von Musikern suchen, die zum immateriellen Erbe der Menschheit zählen, und die seinerzeit ihre Werke mit Ernst und Hingabe im Studio aufgenommen haben. Allen, die auf der Suche nach dieser Art Musik sind und Wert auf qualitativ hochwertige Aufnahmen legen, kann ich die Musikabteilung des Kaufhauses Ludwig Beck wärmstens empfehlen, ganz gleich, ob Klassik, Jazz, Ethno-Folk oder seit der Jahrtausendwende auch Rock auf hohem Niveau.

Noch vor etwa zehn Jahren fanden in diesem Haus auf dem erhöhten, mit hellem Holz verschalten Podium an der Stirnseite des tiefgelegten Zwischengeschosses am Freitag- und Samstagnachmittag kleine kostenlose Konzerte statt, in denen Musikerinnen und Musiker aus dem Bereich Klassik oder Jazz ihr neues Album vorstellten und einige Stücke daraus spielten; doch seit etwa 2010 war von diesen informellen Konzerten zum Nulltarif nichts mehr zu sehen und zu hören.

Doch seit Anfang Januar dieses Jahres hat Ludwig Beck zu meiner Freude diese Tradition wieder aufleben lassen!

Eine Stunde vor Konzertbeginn bauen die Betreiber und Mitarbeiter der Musikabteilung fünf Stuhlreihen auf der kleinen Freifläche vor der Bühne auf. Beginnt das Konzert um 16:00 Uhr, genügt es, wenn man sich um 15:30 dort einfindet. Doch dann sollte man sich so rasch wie möglich auf einem Stuhl einquartieren, denn zu Beginn des jeweiligen Konzerts sind die Stuhlreihen ebenso wie die Mauervorsprünge und Fensternischen an der rechten Längsseite des Zwischengeschosses jedes Mal  bis auf den letzten Platz besetzt.

Beim ersten Konzert Anfang Januar 2024 trat der koreanische Pianist Willam Youn am hauseigenen Flügel auf. Schon seit einigen Jahren lebt und wirkt er in München; und neuerdings haben es ihm die Werke der französischen Impressionisten angetan.

Auf seinem aktuellen Album hat William Youn Sonaten von Gabriel Fauré, Rainaldo Hahn und Nadia Boulanger eingespielt. Wie er in seinen kurzen Einführungen zu diesen Komponisten erklärte, liebt er die Feinheit, den Reichtum an Klangfarben und Schattierungen und das Träumerische, Fließende, das der impressionistischen Musik zu eigen ist.

Und fürwahr verstand es der junge, einfühlsam auf die von ihm erwählte Musik reagierende Pianist, seine Melodien gleich Regenbogenschleiern aus vielfarbigem Licht zu entfalten, über dem Raum schweben zu lassen und das Publikum, darunter auch meinereine, ins Reich der Träume zu entführen.

Eine kostbare, viel zu kurze Dreiviertelstunde lang war alles Laute, Grobe und Hässliche aus der Welt entschwunden; es gab nur noch perlende, teils heitere, teils leicht melancholische Klänge. Was durch das gesamte Konzert hindurch blieb, war der Eindruck lichter, heller Anmut, ohne dass es grelle oder schroffe Töne gegeben hätte oder das sensible, höchst aufmerksame Spiel des Pianisten jemals ins Seichte und Oberflächliche abgedriftet wäre.

Zwei Wochen später war seine Kollegin Claire Huangci bei Ludwig Beck zu Gast. Ihre Eltern stammen ursprüng-lich aus Hongkong, haben sich aber lange vor ihrer Geburt in Philadelphia niedergelassen. Schon mit dreizehn Jahren studierte sie am renommierten Curtis Institute und erzählte wie nebenbei: "Juja Wang war damals eine Klassenkameradin von mir; ich habe sie gut gekannt", und: "Ach ja, Lang Lang kenne ich seit damals auch recht gut."

Genau diese beiden, Juja Wang und Lang Lang, sind aktuell die Star-Pianisten schlechthin, die u.a. bei Klassik am Odeonsplatz oder bei den weltweit ausgestrahlten Silvesterkonzerten auftreten; und Claire Huangci spricht von ihnen wie eine kleine Schülerin, die zwischen den beiden auf der Schulbank sitzt und mit ihnen das Pausenbrot teilt...

Wie William Youn lebt auch sie schon seit Jahren in Deutschland, allerdings nicht in München, sondern in Hannover, wo sie ihr Klavierstudium abgeschlossen hat. Dort ist sie auch verheiratet und seit etwas über einem Jahr stolze Mutter einer kleinen Tochter.

Während sich ihr koreanischer Kollege von den französischen Impressionisten angezogen fühlt, hat sich Claire Huangci auf Schuberts späte Klaviersonaten gestürzt. Offenbar ist dies durchaus wörtlich zu nehmen, denn wie die Feuilletonistin der Münchner Abendzeitung in ihrem kurzen Interview mit der Pianistin berichtete, gelang es ihr am Abend vor ihrem Gastspiel bei Ludwig Beck, im Herkulessaal der Residenz mit ihrem Temperament und ihrer Spielfreude ihr Publikum zu packen und mitzureißen.

Da auch dieser jungen Pianistin leider nicht mehr als eine Dreiviertelstunde zur Verfügung stand, spielte sie nur einige Auszüge aus drei Sonaten und der Fantaisie in C-Dur. Doch in dieser knapp bemessenen Zeit gelang es ihr durchaus, die Freude und Begeisterung herüberzubringen, die ihr die Musik von Franz Schubert bereitet. 

Das jüngste Live-Konzert, das am Samstag nach meiner Entlassung aus der Klinik stattfand - so ergab sich für mich die Gelegenheit, meine Rückkehr nach Hause zu feiern -, war von ganz anderem Kaliber. Diesmal hatten sich die Blues-, Country- und Folk-Gitarristen Oliver Mally und Peter Schneider mit vier Gitarren, einer Mundharmonika und ihrem neuen Album bei Ludwig Beck eingefunden.

Auch dieses Nachmittagskonzert habe ich keine Sekunde lang bereut. Die Stücke bzw. Songs, die Oilver Mally singt und gemeinsam mit seinem Kompagnon Peter Schneider spielt, lassen die späten 1960er bzw. frühen 1970er Jahre wieder aufleben. Zum Teil ähneln sie der Musik von Eric Clapton, Eric Burdon mit oder ohne Animals und der Doors; zum Teil der Art Folk, die man mit der Westküste der USA zwischen San Francisco und Monterey assoziiert, sprich mit The Moody Blues, The Mamas and the Papas, The Eagles etc.

Wenn eine Frau den Blues singt und spielt, handeln ihre Songs meist davon, dass sie von ihrem Partner schlecht behandelt oder verlassen wurde, oder dass sie unter tristen, perspektivenlosen Bedingungen lebt und arbeitet.

Wenn ein Mann den Blues singt und spielt, fährt er entweder einen Monster-Truck tausend Meilen weit quer durch den Kontinent oder ist zu einer Reise ins Ungewisse aufgebrochen, hat sein Mädchen und sein Zuhause verlassen oder in einer Autobahnraststätte eine interessante Zufallsbekanntschaft kennengelernt, weiß aber genau, dass er sie nicht wiedersehen wird.  

Während Toni Braxton einmal gesagt hat, der Blues fühle sich so an, wie man sich fühlt, wenn man gerade aufgehört hat zu weinen, schieben Männer den Blues eher lässig und ein wenig mürrisch aus dem Mundwinkel heraus, und der Rhythmus ihrer Gitarre entspricht dem Donnern und Wummern eines schweren LKW-Motors..

Im Folk der 1960er/frühen 1970er Jahre wiederum - vor allem, wenn er von der Westküste der USA stammt -, schwingt immer ein wenig die Brandung des Pazifik mit, die teils voller Kraft und Wucht gegen die Klippen der Steilküste donnert, teils sanft und gleichmäßig schwingt und fließt, vor und zurück, vor und zurück. Dieses Wogende, Fließende und zugleich Kraftvolle hört man z.B. in Songs wie Nights in White Satin, California Dreaming oder auch in Waiting for the Sun und End of the Night von den Doors.

Genau die Mischung dieser beiden Lebensgefühle bringen Oliver Mally und Peter Schneider herüber. Für die Songs, die in Richtung Folk gehen, nehmen sie einfache Konzertgitarren her. Für ihre Blues-Nummern verwenden sie Western-Gitarren mit Stahlsaiten und verstärktem Korpus, wobei Peter Schneider es fertigbringt, allein mit seinem Slide-Kapodaster, den er über dem Ringfinger trägt, die Saiten wie die einer elektrischen Leadgitarre heulen und jaulen zu lassen; eine Spieltechnik, die Ry Cooder im Soundtrack des Films Paris, Texas und bei der Son de Cuba-Musik des Buena Vista Social Club eingesetzt hat. 

Alles in allem sorgten diese beiden Sanges- und Spielbrüder für eine schwerelos-entspannte Reise ins Reich der Träume, die einmal mehr viel zu früh endete.

Was alle Programme bei Ludwig Beck miteinander gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass diese Mini-Konzerte nach wie vor keinen Cent kosten; es sei denn, man möchte das neue Album des Musikers gleich mitnehmen und von ihm mit seinem Autogramm signieren lassen.                      



08.06.2024 - Was man in München (fast) umsonst bekommt
Leider hat mich eine Infektion, die ich vor sechs Jahren schon einmal in schwerer Form hatte, zehn Tage lang in die dermatologische Klinik Thalkirchen befördert, wo die für meine Station zuständigen Ärzte mich untersuchten, behandelten und mir erklärten, wie diese Art Wundinfektion zu Stande kommt und wie ich mich vor ihr schützen kann. Am ersten Mai, als ich in meinem Krankenzimmer noch allein war, drang um 12:00 Uhr Mittags durch das geöffnete Fenster Blasmusik zu mir herein, die aus dem Patientengarten im Innenhof stammen musste; denn auf dem alten Münchner Südfriedhof, der dem Gebäudekomplex der Klinik direkt gegenüber liegt (was manch einem Patienten schon etwas makaber vorkommt), wird außer bei Trauerfeiern keine Blasmusik gespielt. Es handelte sich weder um die bei Paraden üblichen Märsche noch war es die in Bierzelten und auf Volksfesten übliche Humbatäterä-Musik; eher waren es traditionelle Weisen aus dem süddeutschen Raum, die von draußen an mein Ohr heranwehten. Da ich einen Tag nach meiner Ankunft unter dem Einfluss meiner Antibiotika-Infusion zu kaum mehr fähig war, als im Bett zu liegen und belämmert aus der Wäsche zu schauen, empfand ich den hellen, klaren und zugleich weichen Klang der Trompeten, Posaunen und Flügelhörner als wohltuend und aufheiternd; er schien mich in meinem Bett einzuhüllen, anzuheben und zu tragen. Ein Platzkonzert, das mich obendrein keinen Cent gekostet hat! Während meines zehntägigen stationären Aufenthalts - ja, ich bin wieder heil und wohlauf aus dem Krankenhaus herausgekommen - hatte ich vor allem nachmittags und abends Zeit, ein wenig darüber nachzusinnen, was man in und um München umsonst geboten bekommt; und nun, da ich zu Hause und auch im Arbeitsleben wieder angekommen bin, möchte ich einige dieser Veranstaltungen hervorheben.


I. In der grünen Idylle - Gans woanders und Gans am Wasser
 

Zu meiner Freude hat seit Mitte April im grün und schattig gelegenen Anbau meines Hexenhäuschens an der Pilgersheimer Straße die Open Air-Konzertsaison begonnen.

Bei selbstgebackenen Kuchen und Pizzen finden jetzt wieder an jedem Samstag und Sonntag von 14:00 bis 17:00 und von 19:30 bis 22:00 auf der kleinen Bühne an der Stirnseite des windschiefen Innenhofes Konzerte von Musikerinnen und Musikern aus München und Umgebung statt, während zugleich eine Dame, die in der Nähe ihr kleines "Körperatelier" betreibt, am Nachmittag vorbei kommt, kostenlos Kinder schminkt und sie je nach Wunsch in Löwen, Superhelden, Schmetterlinge oder Paradiesvögel verwandelt.

Im Hinblick auf die musikalische Richtung hat sich das Kulturcafé Gans woanders hauptsächlich dem Jazz und Swing verschrieben. Meist engagieren die Betreiber eine Band, die mindestens aus einem Gitarristen, einem Kontrabassisten und einem Schlagzeuger besteht; und meist singt eine Solistin.

So war im Gans woanders in diesem Frühling die Malis Swing Connection zu Gast, die ich seit ihrem Auftritt beim Jazz-Brunch an Bord der M.S. Utting Anfang Januar 2023 kenne und in guter Erinnerung habe.

Und an jenem Sonntag im April trat dort Tricia Leonard aus London mit ihrer Band auf und rückte die Songs von Cole Porter, Irving Berlin und George Gershwin in den Mittelpunkt. Ihre helle, bewegliche, britisch und nicht amerikanisch klingende Stimme passt erstaunlich gut zu der anmutigen, unbeschwerten Leichtigkeit, die von der Musik dieser Komponisten ausgeht.

Auch ihre drei männlichen Bandkollegen an der E-Gitarre, am Schlagzeug und Kontrabass verstanden es, ein Rhythmusgerüst und einen Klangteppich aufzubauen, der die Stimme der Solistin und ihr Publikum an diesem von keinem Wölkchen getrübten, ungewöhnlich warmen Sonntag im Frühling sicher und zugleich federleicht durch den Nachmittag trug.

An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass es in der entgegengesetzten Ecke Münchens einen Ableger des Gans woanders gibt, der mit seinen Schäfer- und Bauwägelchen als Imbissbuden und seinen unterschiedlich hohen Holzklötzen als Sitzgelegenheiten auf seine Art ebenso schräg herüberkommt wie sein "Schwesterunternehmen" in Giesing: das Gans am Wasser am Mollsee im westlichen Teil des Westparks.

Für mich ergibt sich im Zusammenhang mit dem Gans am Wasser ein kleines Manko: Während ich "meine" vertraute östliche Hälfte des Westparks mit den öffentlichen Verkehrsmitteln recht schnell erreiche, ist es für mich etwas umständlicher, in den Teil zu gelangen, der auf der anderen Seite der Garmischer Autobahn liegt; dafür brauche ich gut eine halbe Stunde länger.

Schade, denn auch dieser Abschnitt, der sich zwischen dem Heimeranplatz und der Garmischer Straße erstreckt, ist auf seine Art schön und stimmungsvoll. Zwar gibt es hier nicht die spektakulären Pagoden und Gartenanlagen aus dem Fernen Osten und auch nicht die weitläufigen Terrassenstufen des Rosengartens; aber neben dem Sardenhaus, einem mittelalterlich anmutenden Aussichtsturm und dem wuchtigen, vierschrötigen Bayerwaldhaus gibt es auch hier Baum-, Ziergräser- und Blumeninseln, sanft gewölbte Aussichtshügel - und den schmalen, aber langgezogenen Mollsee, an dessen rechtem Ufer die Hütten und Buden des Freiluftlokals Gans am Wasser liegen.

Man bekommt dort Bratwurst- und Steaksemmeln, Pizzaschnitten oder gleich ganze Pizzen, Crepes und Kuchen, Eis und Getränke... Kurz, während im Wirtshaus am Rosengarten auf der Ostseite gähnende Leere herrscht und vom Betrieb dieses riesigen Gebäudes nur eine Getränkebude übrig geblieben ist, wird man jenseits der Fußgängerbrücke, sprich auf der anderen Seite der Garmischer Autobahn, mit fast allem, was der Magen begehrt, bestens versorgt.

Auch hier finden von Ende April bis Anfang Oktober an jedem Samstag und Sonntag von 14:00 bis 17:00 Uhr und von 19:30 bis 22:00 Uhr auf der kleinen Bühne des Gans am Wasser Open Air-Konzerte statt. Im Grunde handelt es sich bei der Bühne nur um eine kreisrunde Fläche direkt am Mollsee, um die herum sich die erwähnten Holzklötze als Sitzgelegenheiten in einem Halboval wie Orgelpfeifen aneinanderreihen.

Auch beim Konzept des Gans am Wasser stammen die Musikerinnen und Musiker aus München und Umgebung; nur fokussiert man sich am Mollsee teils auf Folk- und Chanson-Interpreten, die bekannte Songs aus den 1960er bis 1970er Jahren covern, teils auf Liedermacher, die ihre Stücke selbst schreiben, komponieren, spielen und singen.

Löblich finde ich es, dass sowohl beim Gans am Wasser als auch beim Gans woanders der Eintritt zu den Konzerten grundsätzlich frei ist; man zahlt nur das, was man freiwillig einlegt, wenn in einer Pause jemand mit dem Instrumentenkoffer durch die Reihen der Zuhörerinnen und Zuhörer geh



08.03.2024 - Leonardo - Der dem Menschen Wohlgesonnene
Natürlich wäre ein Streifzug durch die Meisterwerke der italienischen Renaissance nicht komplett ohne den einen, der nicht nur Raffael, Sebastiano und Michelangelo den Weg bereitet, sondern die Mannigfaltigkeit des menschlichen Schöpfergeistes verkörpert hat wie kaum ein anderer: Leonardo da Vinci. Und das, obwohl er gar nicht so viel malte, sondern sowohl die Tier- und Pflanzenwelt als auch die Proportionen und die Anatomie des Menschen und nicht zuletzt die Gesetze der Mechanik studierte. Studien, deren Ergebnisse er in seiner legendären Proportionsstudie nach Vitruv, seinen Aufzeichnungen über die Entwicklung des menschlichen Fötus in der Gebärmutter und seinen Skizzen zu Artilleriegeschützen und Flugapparaten verewigt hat. Einräumen muss ich an dieser Stelle, dass Leonardo aus meiner Sicht Farben längst nicht so zum Strahlen und Leuchten bringt wie Raffael, nicht so subtil und eindrucksvoll mit Licht und Schatten spielt wie Sebastiano und nicht solch gewaltige Szenen erschafft wie Michelangelo. Aber dafür ist Leonardo fähig, Gesichter zum Leben zu erwecken und allein mit der Mimik, Gestik und Haltung seiner Gestalten Geschichten zu erzählen wie kaum ein anderer seiner Kollegen, die zeitlich nach ihm kamen. 


Leonardo - Der dem Menschen Wohlgesonnene

Natürlich wäre ein Streifzug durch die Meisterwerke der italienischen Renaissance nicht komplett ohne den einen, der nicht nur Raffael, Sebastiano und Michelangelo den Weg bereitet, sondern die Mannigfaltigkeit des menschlichen Schöpfergeistes verkörpert hat wie kaum ein anderer: Leonardo da Vinci.

Und das, obwohl er gar nicht so viel malte, sondern sowohl die Tier- und Pflanzenwelt als auch die Proportionen und die Anatomie des Menschen und nicht zuletzt die Gesetze der Mechanik studierte. Studien, deren Ergebnisse er in seiner legendären Proportionsstudie nach Vitruv, seinen Aufzeichnungen über die Entwicklung des menschlichen Fötus in der Gebärmutter und seinen Skizzen zu Artilleriegeschützen und Flugapparaten verewigt hat.

Einräumen muss ich an dieser Stelle, dass Leonardo aus meiner Sicht Farben längst nicht so zum Strahlen und Leuchten bringt wie Raffael, nicht so subtil und eindrucksvoll mit Licht und Schatten spielt wie Sebastiano und nicht solch gewaltige Szenen erschafft wie Michelangelo.

Aber dafür ist Leonardo fähig, Gesichter zum Leben zu erwecken und allein mit der Mimik, Gestik und Haltung seiner Gestalten Geschichten zu erzählen wie kaum ein anderer seiner Kollegen, die zeitlich nach ihm kamen. 

Anders als Raffael, Sebastiano und Michaelangelo hatte Leonardo mit Rom, dem Papst und der Kurie wenig zu tun; er lebte und wirkte hauptsächlich in Florenz und Mailand, bis ihn Franz I. von Frankreich nach Schloss Chambord an der Loire berief, dessen Architektur er maßgeblich mitgestaltet hat; und auf Schloss Amboise, seinem letzten Wohnsitz, ist er unter dem Schutz seines letzten Mäzens friedlich und hochgeachtet gestorben.

In den Jahren seines Wirkens in Florenz und Mailand hat er sich vorwiegend der Damenwelt gewidmet. Vom Blick und von den Zügen der Frauen, die er porträtiert hat, geht ein Selbstbewusstsein und eine geistige Wachheit und Reife aus, die seine Kollegen entweder nicht wahrgenommen haben oder nicht darstellen wollten, weshalb auch immer.

Im Rahmen dieser Ausstellung erwartete mich eine Überraschung, von der ich bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts wusste. 
Wohl die ganze Welt kennt die Mona Lisa, die im Louvre hängt und um die sich tagein, tagaus ganze Massen an Touristen scharen. Zwar ist es das erste, quasi das Originalbild, das von der Mona Lisa entstand; doch es ist nicht das einzige!

In Wahrheit war Leonardo weder mit seiner Gesamtkomposition noch mit den Zügen und der Miene der von ihm porträtierten Dame zufrieden, so dass er sie noch einmal verewigte, mit weicheren, zarteren Zügen als in seiner Erstfassung, aber mit einer deutlich reduzierten Farbpalette im Hintergrund. Diese Version der Mona Lisa hängt in der Galerie von Islewood in Großbritannien.

Doch - es war schier zum Verzweifeln - Leonardo war mit dem Resultat seiner Bemühungen immer noch nicht zufrieden. Also ging er ein drittes Mal an dasselbe Porträt, stattete den Hintergrund mit mehr Farben und Licht aus, hüllte seine Dame in ein helleres, leichteres Gewand und verlieh ihren Zügen mehr Lebendigkeit und Heiterkeit als bei seinen Vorgängerversionen.
Und die dritte Mona Lisa, die heute im Prado von Madrid hängt, betrachtete er selbst als als die gelungene, so, wie er sie letzten Endes haben wollte.

Somit können sich drei Galerien rühmen, die Mona Lisa zu beherbergen; aber jede hat eine andere...

Natürlich darf in dieser Ausstellung das Letzte Abendmahl nicht fehlen, jenes auf eine Leinwand gebannte, aus einem einzigen Akt bestehende Drama, das seit seiner Entstehung für einen ganzen Reigen abenteuerlicher Legenden und Spekulationen gesorgt hat. 

Ob der deutlich sichtbare Abstand zwischen Jesus und Johannes wirklich einen Querverweis auf die wahre Bedeutung des Heiligen Grals darstellt, und ob es in Wahrheit nicht Johannes, sondern Maria Magdalena ist, die Jesus am nächsten sitzt - jene These, die Dan Brown in Sakrileg aufgestellt hat -, sei dahingestellt; auf jeden Fall ist das Letzte Abendmahl ein Werk, dessen Dramatik und Ausdruckskraft nicht seinesgleichen hat.

Auch im Saal auf der zweiten Etage, der Leonardos Schaffen gewidmet ist, sind mir zwei Werke besonders aufgefallen:

Auf einem Ölgemälde stellt Leonardo anders als die meisten seiner Zeitgenossen Jesus nicht als Baby auf dem Arm seiner Mutter Maria oder als Schmerzensmann am Kreuz dar, sondern als Salvator Mundi, den Retter und Erlöser der Welt. Mit gelöster, beinahe heiterer Miene hält Jesus die Welt, die sich in seinem Gewand und seiner Gestalt spiegelt, leicht und mühelos in der Hand als Zeichen, dass er sowohl die Welt überwunden hat als auch die Welt in all ihren Erscheinungen und Gestalten verkörpert.

Und es gibt von ihm einen Christuskopf als gezeichnete Skizze, in der das Angesicht Jesu eine Reinheit, Güte und Liebe ausstrahlt, die man in anderen Gemälden dieser Art selten findet; so als habe Leonardo nach so vielen Schreckensbildern von der Marter Jesu am Kreuz und bedrohlichen bis furchteinflößenden Visionen vom Jüngsten Gericht ausnahmsweise einmal der Liebe, Güte und Vergebung Raum geben wollen. 

Vielleicht war Leonardo in dieser Hinsicht von allen Malern der Renaissance den Menschen am freundlichsten und wohlwollendsten gesonnen...
 



08.03.2024 - Michelangelo - Der Gewaltige
Rund sieben Jahre früher als Raffael begann Michelangelo Buonarotti mit seinen Werken Aufsehen zu erregen, da er sowohl bei den Medici in Florenz als auch bei Papst Julius II. in Rom begehrt und gefragt war. Allerdings hat sich Michelangelo hauptsächlich als Bildhauer verstanden und die Malerei als Nebensache betrachtet, bis Papst Paul III. ihn 1538 nach Rom beorderte, wo er für den Rest seines Lebens blieb und mit den Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle sein Alterswerk beendete.  Vielleicht wurde ihm die Bildhauerei mit zunehmendem Alter zu anstrengend, so dass er sich auf die Malerei verlegte, die ihm weniger Kraftanstrengung und körperlichen Verschleiß abverlangte als das Hämmern und Meißeln an Marmorblöcken. Doch die Art, wie er seine Fresken schuf, halb im Hängen, halb im Liegen unter der Decke der Sixtinischen Kapelle "aufgehängt" und bei miserabler Beleuchtung, raubte ihm nach und nach seine Sehkraft und zehrte den Rest seiner Lebenskraft auf, die ihm noch blieb... Auch wenn sich die Münchner Ausstellung auf den Bilderzyklus der Sixtinischen Kapelle und sein "Jüngstes Gericht" fokussiert, hat man als Michelangelos bedeutendste Werke wohl bis ans Ende der Zeit seinen "Moses" und seine "Pietà" im Petersdom wie auch seinen "David" und seine "Sklaven"  in Florenz im Hinterkopf. Umgekehrt findet jeder, der die vor Kraft schwellenden Muskeln und Sehnen und die dynamische, imposante Körpersprache von Michelangelos Skulpturen vor Augen hat, diese auch in seinen Gemälden wieder.


Michelangelo - Der Gewaltige


Rund sieben Jahre früher als Raffael begann Michelangelo Buonarotti mit seinen Werken Aufsehen zu erregen, da er sowohl bei den Medici in Florenz als auch bei Papst Julius II. in Rom begehrt und gefragt war.

Allerdings hat sich Michelangelo hauptsächlich als Bildhauer verstanden und die Malerei als Nebensache betrachtet, bis Papst Paul III. ihn 1538 nach Rom beorderte, wo er für den Rest seines Lebens blieb und mit den Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle sein Alterswerk beendete. 

Vielleicht wurde ihm die Bildhauerei mit zunehmendem Alter zu anstrengend, so dass er sich auf die Malerei verlegte, die ihm weniger Kraftanstrengung und körperlichen Verschleiß abverlangte als das Hämmern und Meißeln an Marmorblöcken.

Doch die Art, wie er seine Fresken schuf, halb im Hängen, halb im Liegen unter der Decke der Sixtinischen Kapelle "aufgehängt" und bei miserabler Beleuchtung, raubte ihm nach und nach seine Sehkraft und zehrte den Rest seiner Lebenskraft auf, die ihm noch blieb...

Auch wenn sich die Münchner Ausstellung auf den Bilderzyklus der Sixtinischen Kapelle und sein Jüngstes Gericht fokussiert, hat man als Michelangelos bedeutendste Werke wohl bis ans Ende der Zeit seinen Moses und seine Pietà im Petersdom wie auch seinen David und seine Sklaven in Florenz im Hinterkopf. Umgekehrt findet jeder, der die vor Kraft schwellenden Muskeln und Sehnen und die dynamische, imposante Körpersprache von Michelangelos Skulpturen vor Augen hat, diese auch in seinen Gemälden wieder. 

Besonders eindrucksvoll finde ich Michelangelos erstes Gemälde der Schöpfungsgeschichte, in dem Gott auf dem Rücken liegt, von dunklen Quellwolken umgeben, die Arme an den Körper herangezogen, die Fäuste geballt. Er erscheint als eine ebenso elementare, unbändige Gewalt wie die Wolken, auf denen er liegt; eine Macht, die aus einem finsteren, gestaltlosen Chaos etwas zu formen beginnt.

Später stellt Michelangelo Gott in aufrechter, imposanter Haltung und nicht mehr allein dar. Ob bei der Trennung von Himmel und Meer oder der Erschaffung von Sonne und Mond, stets begleiten ihn mindestens drei, manchmal auch vier kleine Engel, die ihm neugierig und aufgeregt bei seinem Schaffen zusehen. 

Bei diesen Schöpfungsakten liegt in der Haltung, der Miene, dem Blick Gottes etwas so Machtvolles und Gewaltiges, dass sich selbst dem flüchtigsten Betrachter der Eindruck aufdrängt, dass man einem solchen Schöpfergott lieber nicht in die Quere kommen sollte.

Sowohl die Haltung als auch der Gesichtsausdruck Gottes ändert sich, als er Adam und Eva erschafft. Die Art, wie er Adam einen seiner ausgestreckten Finger hinreicht, um ihm etwas von seinem Geist einzuflößen, und wie er Eva ansieht, als sie aus Adams Seite steigt und ihm entgegengeht, hat etwas Väterliches, Liebevolles, als hätte er mit den beiden, die er nach seinem Bild erschaffen hat, etwas Besonderes vor. Alles in allem zeigt er sich in weit menschlicherer Gestalt, nicht mehr als elementare, furchteinflößende Macht wie zu Beginn der Schöpfung.

Dennoch endet die Schöpfungsgeschichte, wie allgemein bekannt, mit dem Sündenfall von Adam und Eva und ihrer Vertreibung aus dem Paradies. Von diesem Moment an führen sie ihr Leben auf dieser Erde getrennt von Gott und bekommen ihn nie mehr direkt zu sehen...

Auch auf Michelangelos berühmtes Fresko Das Jüngste Gericht möchte ich noch genauer eingehen. Bei genauer Betrachtung fiel mir auf, dass zwar der gesamte Hintergrund in einem klar und tief leuchtenden Blau gehalten und Jesus und Maria auf ihrem gemeinsamen Thron in ein strahlend helles Licht gehüllt sind; doch sowohl die Heiligen und Märtyrer, die zur Himmelssphäre emporsteigen, als auch die Sünder und Frevler, die zur Hölle fahren, sind von Dunkelheit und Schatten umhüllt und von Leid und Strapazen gezeichnet.

Jene, die wissen, dass sie der ewigen Verdammnis überantwortet sind, sehen so verzagt, entsetzt oder verzweifelt drein, dass niemand zu fragen braucht, was Heulen und Zähneklappern bedeutet; sie oder er muss nur die Gesichter dieser Menschen und ihre von Qualen gekrümmten Körper sehen. 

Doch jene, die den Aufstieg zum Himmel geschafft haben, sind von den Leiden und Martern, die sie vor und bei ihrem leiblichen Tod auf Erden erdulden mussten, noch erschöpft und mitgenommen. Manche von ihnen schleppen sich mühsam zum Thron von Jesus und Maria hin; anderen, denen das letzte bisschen Kraft abhanden gekommen ist, werden von helfenden Armen emporgezogen oder -gehoben.

Auch wenn die Offenbarung des Johannes mit dem Sieg Jesu und des himmlischen Heers endet und die Erschaffung eines neuen Himmels, einer neuen Erde und einer heiligen Stadt verkündet, ist in Michelangelos Jüngstem Gericht der erbitterte Kampf zwischen den Mächten des Lichtes und der Finsternis in vollem Gange und ein Ende noch nicht abzusehen.

Immerhin: Als in einem separaten Gemälde der Erzengel Michael mit seinem Speer Satan den Garaus macht, leuchten die Farben seines Gewandes und erstrahlt der gesamte Hintergrund in einem hellen, ungetrübten Schein, der den endgültigen Sieg des Guten über das Böse verkündet!