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22.02.2026 - Ein Abend und eine Nacht in Venedig
Im Lauf des späten Nachmittags sind wir in unserem Fesselballon vom Gipfel des Monte Baldo aufgestiegen und lassen uns mit dem Wind aus Norden beständig nach Südosten treiben. Vom Korb unserer Montgolfiere aus sehen wir, wie die letzten Ausläufer der Alpen verschwinden und das Land in eine flache Ebene übergeht, durch die sich die Brenta gleich einem silbernen Band zieht, vorbei an manch einem idyllisch anmutenden Landsitz im Grünen. Da uns der Wind kraftvoll und stetig vorantreibt und weder aussetzt noch umschlägt, taucht am Horizont bald das Ziel unserer Reise auf: die über hundert kleinen und winzigen Inseln, durch ebenso viele Brücken und Brückchen miteinander verbunden, aus denen sich die Stadt und Republik Venedig zusammensetzt. Aus der Höhe unserer Montgolfiere zeichnet sich vor unserem Fernrohr die doppelte S-Kurve des Canal Grande ab, die sich als Lebensader durch die Stadt windet, und die kleinen und größeren Seitenkanäle, die von ihr abzweigen. Und schon liegt unser Landeplatz vor uns: der Molo des Bacino di San Marco mit Dogenpalast und Campanile, die Inseln San Giorgio Maggiore und La Giudecca, die dem Molo gegenüberliegen, und die Landzunge, auf der die Dogana und die Kathedrale Santa Maria della Salute steht und die zugleich die südliche Einfahrt in den Canal Grande markiert. Wohin wir auch blicken: Alle Konturen der Landzungen und Vorsprünge, Kathedralen und Paläste heben sich so klar und scharf wie mit dem Winkelmesser gezogen ab; und all dies wirkt so leicht, schwerelos und grazil, als ruhe es nicht auf Pfählen und Fundamenten, sondern treibe in den blaugrünen, goldschimmernden Fluten der Lagune. Als der Korb unseres Fesselballons in sicherer Entfernung zum Hafenbecken auf dem Molo aufsetzt, geht gerade die Sonne unter. Ihr Feuerball taucht Himmel und Meer in loderndes Karmensinrot und Gold, das überall dort aufgleißt, wo der Kiel eines Schiffes oder Bootes eine Spur durch die stille See zieht, während sich die Kathedralen und Paläste als schwarze Silhouetten gegen den feurigen Goldgrund des Abendhimmels abzeichnen. Es wird still, und die Stille bleibt, bis die letzten Strahlen der Sonne im Meer versunken sind. Auf den Einbruch der Dunkelheit hat die ganze Stadt gewartet! In Scharen strömen die Menschen auf die Plätze und Brücken, Straßen und Uferbefestigungen hinaus und drängen sich an den Orten zusammen, die freien Blick über den Canal Grande oder das Hafenbecken gewähren, während sich die blauen und schwarzen Schatten der Nacht herabsenken.


Ein Abend und eine Nacht in Venedig


Im Lauf des späten Nachmittags sind wir in unserem Fesselballon vom Gipfel des Monte Baldo aufgestiegen und lassen uns mit dem Wind aus Norden beständig nach Südosten treiben. Vom Korb unserer Montgolfiere aus sehen wir, wie die letzten Ausläufer der Alpen verschwinden und das Land in eine flache Ebene übergeht, durch die sich die Brenta gleich einem silbernen Band zieht, vorbei an manch einem idyllisch anmutenden Landsitz im Grünen.

Da uns der Wind kraftvoll und stetig vorantreibt und weder aussetzt noch umschlägt, taucht am Horizont bald das Ziel unserer Reise auf: die über hundert kleinen und winzigen Inseln, durch ebenso viele Brücken und Brückchen miteinander verbunden, aus denen sich die Stadt und Republik Venedig zusammensetzt.

Aus der Höhe unserer Montgolfiere zeichnet sich vor unserem Fernrohr die doppelte S-Kurve des Canal Grande ab, die sich als Lebensader durch die Stadt windet, und die kleinen und größeren Seitenkanäle, die von ihr abzweigen. Und schon liegt unser Landeplatz vor uns: der Molo des Bacino di San Marco mit Dogenpalast und Campanile, die Inseln San Giorgio Maggiore und La Giudecca, die dem Molo gegenüberliegen, und die Landzunge, auf der die Dogana und die Kathedrale Santa Maria della Salute steht und die zugleich die südliche Einfahrt in den Canal Grande markiert.

Wohin wir auch blicken: Alle Konturen der Landzungen und Vorsprünge, Kathedralen und Paläste heben sich so klar und scharf wie mit dem Winkelmesser gezogen ab; und all dies wirkt so leicht, schwerelos und grazil, als ruhe es nicht auf Pfählen und Fundamenten, sondern treibe in den blaugrünen, goldschimmernden Fluten der Lagune.

Als der Korb unseres Fesselballons in sicherer Entfernung zum Hafenbecken auf dem Molo aufsetzt, geht gerade die Sonne unter. Ihr Feuerball taucht Himmel und Meer in loderndes Karmensinrot und Gold, das überall dort aufgleißt, wo der Kiel eines Schiffes oder Bootes eine Spur durch die stille See zieht, während sich die Kathedralen und Paläste als schwarze Silhouetten gegen den feurigen Goldgrund des Abendhimmels abzeichnen. Es wird still, und die Stille bleibt, bis die letzten Strahlen der Sonne im Meer versunken sind.

Auf den Einbruch der Dunkelheit hat die ganze Stadt gewartet! In Scharen strömen die Menschen auf die Plätze und Brücken, Straßen und Uferbefestigungen hinaus und drängen sich an den Orten zusammen, die freien Blick über den Canal Grande oder das Hafenbecken gewähren, während sich die blauen und schwarzen Schatten der Nacht herabsenken.

Und dann schießen unter Prasseln und Knattern Feuergarben gen Himmel, in einer einzigen Explosion des Lichtes und der Farben! An den Fondamenti Nuove, über der Rialtobrücke und dem Molo bis nach La Giudecca, überall sprühen Fontänen in Silber, Gold, Granatrot, Smaragdgrün und Saphirblau auf, zeichnen Blumen, Ähren und Baumkronen an den samtblauen Nachthimmel.

Während in luftiger Höhe das Feuerwerk Funken sprüht und Geist und Seele der Menschen mit sich emporreißt, setzt sich an den Fondamenti Nuove alles in Bewegung, was schwimmen und gerudert werden kann. Galeeren und Barkassen, Flöße und Pontons, Barken und Boote gleiten schwerelos, aber ohne Eile in einer feierlichen Prozession den Canal Grande hinunter und dem Molo von San Marco entgegen.

Alles, was schwimmt und gleitet, ist festlich geschmückt, mit Unmengen an Blumen und brennenden Kerzen, mit wehenden Bändern und Standarten, die zwischen Booten oder Gondeln in Dreierformation gespannt sind und von ihren Besatzungen gehalten und gezogen werden.

Die Menschen, die auf den Brücken, Plätzen und Uferbefestigungen stehen und dem Schauspiel beiwohnen, stoßen mit Sekt und Wein an, naschen heißes Spritzgebäck, bewundern das Feuerwerk, winken den Besatzungen der Schiffe, Boote und Gondeln zu. Alles schaut und staunt und jubelt und ruft und winkt, als gäbe es kein Morgen.

Als die Fontänen und Feuergarben erlöschen und das Prasseln und Knattern des Feuerwerks verstummt, setzt auf den Galeeren, Barkassen und Gondeln Musik ein, teils von Bläsergruppen mit Hörnern, Trompeten und Fanfaren, teils von Streichquartetten, die deutlich leiser, aber klar und silberhell ihre Melodien empor senden.

Doch nicht nur draußen auf den Plätzen, Straßen und Brücken wird gefeiert. In den leicht und grazil anmutenden Palästen, die den Canal Grande und das Hafenbecken säumen, sind alle Innenhöfe, Treppen und Säulengalerien von Kerzen- und Fackelschein hell erleuchtet.

Auf den Treppen wimmeln Füße in blendend weißen Strümpfen und weichen Seidenschühchen, steigen unablässig treppauf und treppab und huschen an den Galerien entlang, während Damen in Reifröcken, spitzengesäumten Dekolletés und hoch aufgetürmten Frisuren und Herren in Seidenröcken, Spitzenhemden und Kniehosen sich verneigen, über einen Fächer hinweg lächeln und neugierig-verschmitzte Blicke tauschen.

Alle Räume sind erfüllt von Musik, wohin das Ohr lauscht, und Kerzenschimmer, wohin das Auge blickt. Champagner schäumt in die Sektgläser, begleitet von Lachen und Kichern, und ein Tablett nach dem anderen wandert an den Gästen vorbei, beladen mit Pralinen und Petits fours oder frittierten Knabbereien und Meeresfrüchten.

Unterdessen findet zur selben Zeit auf dem Trapez des Markusplatzes ein Turnier der Kavaliere statt, oder sagen wir eher die Choreographie eines Turniers. In enger Formation kommen die vier besten Reiter und Fechter der Leichten Kavallerie auf ihren Pferden herbeigesprengt. In vollem Galopp und mit wehenden Federhüten, Allongeperücken und Capes stürmen sie den Markusplatz. Während die Linke die Zügel des Pferdes hält, schwingt die Rechte den Degen, so dass die Klingen der Reiterquadrille gegeneinander klirren.

Die vier Herren von der Leichten Kavallerie verkörpern die Gestalten der vier Musketiere; und jeder weiß, dass sie zu Pferde und mit dem Degen nicht zu schlagen sind, solange sie ihrem alten Schwur gemäß vereint reiten und zuschlagen: „Einer für alle und alle für einen!“

Während die Fantasia zu Pferde auf dem Markusplatz mit klappernden Hufen und klirrenden Degen Runde um Runde ihren Lauf nimmt, findet zur selben Zeit im Dogenpalast ein großer Empfang statt.

Auf der obersten Stufe der Scala d’Oro, der Goldenen Treppe steht der Doge in seinem weiß-goldenen Gewand, von seinem Hermelin-Umhang umflossen, und empfängt die Ratsherren des Senats und Botschafter und Gesandte aus aller Herren Länder, die sich auf der Goldenen Treppe aneinanderreihen wie Perlen an einer Schnur, allein um mit dem Dogen ein paar Worte zu wechseln und sich seiner Zuwendung zu versichern.

Während auf den Straßen, Plätzen und Brücken, in den Palästen und Villen das pure Leben braust, brodelt und schäumt, geht es andernorts stiller und verschwiegener zu.

Entlang der kleinen Seitenkanäle, die vom Canal Grande abzweigen bzw. in ihn münden, ist nur das Licht der Straßenlaternen und Kerzenschimmer aus den Fenstern zu sehen, das Mauerwerk und Kanal in ein warmes orangerotes Licht taucht; ein flackernder Schein, der auf dem Grund tiefer Dunkelheit aufflammt.

Nur von diesem warm und intim anmutenden Schein begleitet, zieht eine Gondel auf dem Kanal still und leise ihre Bahn. In einem ruhigen gemessenen Rhythmus führt der Gondoliere sein Ruder, lässt sie lautlos und fast ohne Stoß und Druck durch die Dunkelheit gleiten.

Auf der Sitzbank ruht die Gestalt einer Dame in einer schwarzen, mit golddurchwirkten Rüschen verzierten Robe. Da eine Mantilla aus mit Goldstickerei verbrämter schwarzer Spitze ihr Gesicht verhüllt, ist von ihr nur wenig zu sehen; doch ihr volles lockiges Haar, der tiefe Glanz ihrer Augen und das, was der Schein der Kerzenflammen von ihren Zügen aus der Dunkelheit reißt und aufflammen lässt, ist von edlem Schimmer erfüllt.

Schließlich legt die Gondel an einem der Poller an, die sich vor dem Eingangsportal der Paläste erheben. Der Gondoliere vertäut seine Barke am Poller, wechselt vom Heck auf das Ufer hinüber und reicht der Dame eine Hand als Stütze.

In einer fließenden Bewegung erhebt sie sich von der Sitzbank, schwingt sich zur Uferbefestigung empor und klopft an das Portal. Schon öffnet sich die Eingangstür und hat ihre Gestalt verschlungen. Was mag sie hierher führen? Ein Geheimnis, das sie jemand Bestimmtem in diesem Palast nur zu dieser Stunde anvertrauen kann? Eine Liebe, die nicht sein darf? Niemand wird es erfahren, denn die Kanäle Venedigs sind diskret und bewahren ihr Schweigen…

In der Nacht nach diesem rauschenden Fest haben all jene, die erschöpft aber glücklich in ihre Kissen sinken und einschlafen, diesen einen Traum:

Ihnen ist, als sei die Stadt zum Meeresgrund hinabgesunken und als seien es Algen, Fische und Meerestiere, die nun zwischen den Palästen, Brücken und Kanälen dahintreiben und die Welt unter Wasser mit ihrem wogenden, tanzenden Leben erfüllen…

 

Karneval als Mahnmal der Vergänglichkeit


Anders als in Rio de Janeiro, an den Ufern des Rheins und im alemannischen Raum ist der Karneval in Venedig nicht primär eine lärmende, ausgelassene Angelegenheit. Gewiss sind Lebensfreude und Genuss durchaus geboten und gegeben, doch viele der Masken und Kostüme, die am Auge des Betrachters vorüberziehen, strahlen eher Stille und Verschwiegenheit aus, manche etwas Nachdenkliches, andere zum Teil etwas Melancholisches, fast Tragisches.

Die Starre und das blendende Weiß der Masken, hinter denen die Augen ausnahmslos dunkel und tief wirken, haben etwas Gespenstisch-Spukhaftes an sich, und immer wieder erscheinen Gestalten, die nicht winken, lächeln oder lachen, sondern stumm bleiben und einem nachdenklich oder hintergründig in die Augen sehen, bevor sie sich mit einer Verneigung oder einem Nicken abwenden.

Und ganz gleich, in welch verschwenderischer Fülle all diese Hauben, Hüte, Masken und Kostüme gestaltet und geschmückt sind: Ihrer Schönheit haftet der Schimmer von etwas Zerbrechlichem, Unwirklichem an, das sich in den Schatten der Nacht auflöst und vergeht.

Eine Tatsache lässt sich auch nicht abstreiten: Ganz gleich, wie ausgelassen die Menge getanzt und gejubelt, gezecht und geschmaust und das Leben genossen hat, früher oder später geht dieser rauschhafte Reigen zu Ende.

Am Abend des Faschingsdienstags wird die Figur des Arlecchino zwischen den Säulen von San Marco und San Todaro an einem Seil aufgehängt, und um Mitternacht, wenn die tiefste Glocke des Campanile von San Marco über den Molo und die Piazzetta hallt, wird diese Figur angezündet. Und während der Arlecchino verbrennt und die Glocke tönt, spricht die Menge die Worte: „Vorbei! Vorbei! Der Karneval ist vorbei!“

So ist der Karneval in Venedig nicht zuletzt ein Spiegelbild von Werden und Vergehen, von strahlendem Triumph und unausweichlichem Untergang, von Flüchtig-Vergänglichem und Zeitlos-Ewigem, von Leben und Tod.


 



22.02.2026 - Karneval als Ausdruck der Freiheit des Geistes und der Seele
Seit jeher war und ist der Karneval die „tolle Jahreszeit“, in der die sonst geltenden Gesetze und Spielregeln der Gesellschaft eine kurze rauschhafte Zeit lang aufgehoben sind; in der es den Menschen gestattet ist, einmal nicht zu sein, was das Umfeld sonst unter dem Jahr von einem erwartet, sondern was man gerne einmal wäre. Der ehrbare aber arme Schlucker, der insgeheim vom großen Reichtum träumt, stolziert in Gold- und Silberbrokat, vielleicht sogar hinter der goldenen Strahlenmaske des Sonnenkönigs einher, die Ludwig XIV. auf seinen Hoffesten in Fontainebleau und Versailles trug; die graue und verhuschte Maus, die sich sonst nichts traut, verwandelt sich mit Haube, Maske und Kostüm in eine verführerische Schönheit oder einen leicht, anmutig und schwerelos dahin gaukelnden Schmetterling. Wo früher für alle Stände eines Staatswesens oder einer Stadt strikte Regeln und klar abgesteckte Standesgrenzen galten, war es in der Karnevalszeit rechtens und erlaubt, dass Herren und Diener ihre Rollen tauschten und in die Gestalt des Anderen schlüpften. Und gerade durch die Maske hindurch können Menschen Seelenzustände zeigen, die sie sich im alltäglichen Leben nicht gestatten; können auf ihre Weise einmal ganz sie selbst sein. Gewiss regiert in der Karnevalszeit Lebenslust und Ausgelassenheit; doch die vermummten Gestalten zeigen viel mehr von sich als nur dies. In manchen Masken ist ein bestimmter Gesichtsausdruck für immer festgehalten; und wegen der Augen, die darunter hervorschimmern, sind sie zwar reglos, aber nie ausdruckslos. Der Blick manch einer Gestalt hat etwas so Hintergründiges, als wüsste sie etwas, das sonst niemand weiß. Andere scheinen still zu mahnen: „Überlege dir gut, mit wem du sprichst, was du sagst und wohin du gehst!“ Zuweilen verströmen die Augen unter der Maske wie auch die Haltung des Oberkörpers und die Gesten der Hände eine unendliche Sehnsucht, die genau weiß, dass sie nie Erfüllung finden wird…. Und all dies darf sein, denn all diese Zustände und Befindlichkeiten zählen zu den Facetten und Möglichkeiten der menschlichen Seele und treten gerade durch die Verhüllung hindurch offen zu Tage.


Karneval als Ausdruck der Freiheit des Geistes und der Seele


Seit jeher war und ist der Karneval die „tolle Jahreszeit“, in der die sonst geltenden Gesetze und Spielregeln der Gesellschaft eine kurze rauschhafte Zeit lang aufgehoben sind; in der es den Menschen gestattet ist, einmal nicht zu sein, was das Umfeld sonst unter dem Jahr von einem erwartet, sondern was man gerne einmal wäre.

Der ehrbare aber arme Schlucker, der insgeheim vom großen Reichtum träumt, stolziert in Gold- und Silberbrokat, vielleicht sogar hinter der goldenen Strahlenmaske des Sonnenkönigs einher, die Ludwig XIV. auf seinen Hoffesten in Fontainebleau und Versailles trug; die graue und verhuschte Maus, die sich sonst nichts traut, verwandelt sich mit Haube, Maske und Kostüm in eine verführerische Schönheit oder einen leicht, anmutig und schwerelos dahin gaukelnden Schmetterling.

Wo früher für alle Stände eines Staatswesens oder einer Stadt strikte Regeln und klar abgesteckte Standesgrenzen galten, war es in der Karnevalszeit rechtens und erlaubt, dass Herren und Diener ihre Rollen tauschten und in die Gestalt des Anderen schlüpften.

Und gerade durch die Maske hindurch können Menschen Seelenzustände zeigen, die sie sich im alltäglichen Leben nicht gestatten; können auf ihre Weise einmal ganz sie selbst sein. Gewiss regiert in der Karnevalszeit Lebenslust und Ausgelassenheit; doch die vermummten Gestalten zeigen viel mehr von sich als nur dies.

In manchen Masken ist ein bestimmter Gesichtsausdruck für immer festgehalten; und wegen der Augen, die darunter hervorschimmern, sind sie zwar reglos, aber nie ausdruckslos. Der Blick manch einer Gestalt hat etwas so Hintergründiges, als wüsste sie etwas, das sonst niemand weiß. Andere scheinen still zu mahnen: „Überlege dir gut, mit wem du sprichst, was du sagst und wohin du gehst!“ Zuweilen verströmen die Augen unter der Maske wie auch die Haltung des Oberkörpers und die Gesten der Hände eine unendliche Sehnsucht, die genau weiß, dass sie nie Erfüllung finden wird...

Und all dies darf sein, denn all diese Zustände und Befindlichkeiten zählen zu den Facetten und Möglichkeiten der menschlichen Seele und treten gerade durch die Verhüllung hindurch offen zu Tage.

Allerdings hat diese besondere Freiheit des Geistes und der Seele ihren Preis. Zum einen möchte ich mir nicht vorstellen, was ein komplettes Kostüm einschließlich Kopfputz, Maske, Gewand und dazugehöriger Accessoires kostet, und sei es nur geliehen; und zum anderen bemisst sich der Preis, den man für seine Erscheinung bezahlt, nicht nur in Euro.

Sobald man in seinem Ganzkörperkostüm steckt, will jede Bewegung überlegt sein. Handelt es sich um ein Kleid aus dem Barock- oder Rokoko-Zeitalter mit seinen vielen Lagen an Unterröcken, und trägt man darunter zur Stütze eine Krinoline oder einen Cul de Paris, ist es äußerst schwierig, sich in solch einem Gewand zu setzen oder eine Toilette zu benutzen. Zu vielen Kostümen gehört ein Hut mit einer weiten, ausladenden Krempe oder ein Dreispitz und auch der tabarro, ein wallender schwarzer Umhang.

Eines sollten Kostüm-Mutige, die ihr Rollenspiel ernst nehmen, auch nicht außer acht lassen: Jede Maske engt das Gesichtsfeld nach unten ein, so dass man Gefahr läuft, kleine Abstände oder Stufen zu übersehen und zu stolpern oder im nächstbesten Kanal zu landen. Eine Halb- oder Augenmaske, die nur die obere Gesichtshälfte bis zur Nase verhüllt, gestattet es einem, zu essen und zu trinken, wobei man sich mehr konzentrieren muss als sonst, was die Zielsicherheit angeht. Doch trägt man die ovale volta oder die gnaga-Katzenmaske, die beide das gesamte Gesicht abdecken, ist es mit Essen und Trinken während des gesamten Auftritts vorbei…

Auch sollte die Maske möglichst nur aus Pappmaché bestehen, wenn man unter ihr ausreichend Luft bekommen will. Besteht sie aus Metall oder Porzellan wie jene in den einschlägigen Souvenirläden, die eher für die Wand als zum Tragen bestimmt sind, ist meines Erachtens die Gefahr groß, dass es einem darunter ziemlich rasch heiß wird und sich die Atemluft staut…

Und doch: All diese Menschen in ihren prachtvollen, aufwändig herausgeputzten Kostümen genießen ihren einzigartigen Auftritt, der ihnen nur einmal im Jahr und für begrenzte Zeit möglich ist.

Gönnen wir uns doch einmal den Luxus und stürzen uns einen Abend und eine Nacht lang in den Rausch der Farben, Formen und Klänge im Venedig des 18. Jahrhunderts!



22.02.2026 - Karneval als lebendiges Geschichtsbuch
Der Ursprung des Karnevals in Venedig als Fest für alle Gesellschaftsschichten und die ganze Stadt geht auf die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück. Im Jahr 1162 gelang es der unabhängigen Republik Venedig, sich gegen die drohende Besetzung und Vereinnahmung durch die Heere des Herzogs Ulrich II. von Aquileia zu behaupten und den Kampf zu gewinnen. Um diesen Sieg gebührend zu feiern, ordnete der Doge Vitele Michele II. ein mehrere Tage währendes Straßenfest mit Wein, Gelage, Tanz und Gesang an; und schon damals begannen die Menschen, sich so prachtvoll wie möglich herauszuputzen und zu verhüllen. Durch die Handelsbeziehungen zu anderen Häfen rund um das Mittelmeer, zu den Staaten am Golf von Arabien und später zum Reich des Kublai Khan wuchs der Reichtum und das Ansehen der Serenissima im ausgehenden Mittelalter und in der Renaissance ins Unermessliche, und man sah dies nicht nur an den Palästen, die sich bis heute am Canal Grande und rund um den Molo und den Markusplatz aneinanderreihen. Die Ratsherren, Kaufleute, Reeder und Kapitäne trugen mit Silber- und Goldborten verbrämte Samtgewänder und darüber schwere wallende Pelzumhänge. Um das Wachsen und Gedeihen des unabhängigen Stadtstaates Venedig zu sichern, opferte der Doge – der seinen Rang und sein Amt nicht auf Grund seiner Blutlinie erbte, sondern vom Senat der Stadt auf Lebenszeit gewählt wurde – in einer großen Prozession jedes Jahr einen kostbaren Ring aus Gold, den er vom Bug seines Bucintoro, der vergoldeten Staatsgaleere, vor dem Campanile des Markusdoms in die Fluten des Bacino di San Marco warf. Zwar schwand der Einfluss Venedigs als Seemacht mit der Besetzung Konstantinopels und der Türkei durch die Osmanen und mit der Entdeckung der Neuen Welt auf der anderen Seite des Atlantiks, doch die Unabhängigkeit und der Status eines Stadtstaates blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erhalten. In der Epoche des Barock und des Rokoko verwandelte sich Venedig von einem Handelszentrum in einen Hafen der Musen, in dem sich die darstellenden Künste und das Kunsthandwerk an Prunk, Fülle und Detailreichtum Jahr für Jahr schier überschlugen. Was in diesem Zeitraum an Bauten, Kunstwerken, Kostümen und Dekor entstand, hat Maßstäbe gesetzt, die bis heute kaum zu übertreffen sind!


Karneval als lebendiges Geschichtsbuch
 

Der Ursprung des Karnevals in Venedig als Fest für alle Gesellschaftsschichten und die ganze Stadt geht auf die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück. Im Jahr 1162 gelang es der unabhängigen Republik Venedig, sich gegen die drohende Besetzung und Vereinnahmung durch die Heere des Herzogs Ulrich II. von Aquileia zu behaupten und den Kampf zu gewinnen.

Um diesen Sieg gebührend zu feiern, ordnete der Doge Vitele Michele II. ein mehrere Tage währendes Straßenfest mit Wein, Gelage, Tanz und Gesang an; und schon damals begannen die Menschen, sich so prachtvoll wie möglich herauszuputzen und zu verhüllen.

Durch die Handelsbeziehungen zu anderen Häfen rund um das Mittelmeer, zu den Staaten am Golf von Arabien und später zum Reich des Kublai Khan wuchs der Reichtum und das Ansehen der Serenissima im ausgehenden Mittelalter und in der Renaissance ins Unermessliche, und man sah dies nicht nur an den Palästen, die sich bis heute am Canal Grande und rund um den Molo und den Markusplatz aneinanderreihen. Die Ratsherren, Kaufleute, Reeder und Kapitäne trugen mit Silber- und Goldborten verbrämte Samtgewänder und darüber schwere wallende Pelzumhänge.

Um das Wachsen und Gedeihen des unabhängigen Stadtstaates Venedig zu sichern, opferte der Doge – der seinen Rang und sein Amt nicht auf Grund seiner Blutlinie erbte, sondern vom Senat der Stadt auf Lebenszeit gewählt wurde – in einer großen Prozession jedes Jahr einen kostbaren Ring aus Gold, den er vom Bug seines Bucintoro, der vergoldeten Staatsgaleere, vor dem Campanile des Markusdoms in die Fluten des Bacino di San Marco warf.

Zwar schwand der Einfluss Venedigs als Seemacht mit der Besetzung Konstantinopels und der Türkei durch die Osmanen und mit der Entdeckung der Neuen Welt auf der anderen Seite des Atlantiks, doch die Unabhängigkeit und der Status eines Stadtstaates blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts erhalten.

In der Epoche des Barock und des Rokoko verwandelte sich Venedig von einem Handelszentrum in einen Hafen der Musen, in dem sich die darstellenden Künste und das Kunsthandwerk an Prunk, Fülle und Detailreichtum Jahr für Jahr schier überschlugen. Was in diesem Zeitraum an Bauten, Kunstwerken, Kostümen und Dekor entstand, hat Maßstäbe gesetzt, die bis heute kaum zu übertreffen sind!

Bis Venedig 1797 erst von Napoleon und danach von den Heeren Österreichs besetzt wurde und es seither mit dem Einfluss und dem Selbstverständnis dieser Stadt aus und vorbei war. Wie von einem gewaltigen Schlag betäubt, scheint die Zeit, was das Gesamtbild der Stadt und die darin erlaubten Mittel der Fortbewegung anbelangt, Ende des 18. Jahrhunderts in einem versonnen-versponnenen Traum stehengeblieben zu sein, der allen widrigen Umständen zum Trotz bis heute erhalten blieb...

So sieht man auch heute noch zur Karnevalszeit den Doktor der Pestilenz und die nicht weniger unheimliche Gestalt des Zanni mit seiner kalkweißen Maske, aus der eine lange, scharfe und spitze Nase ragt, die Ratsherren, Kaufleute, Reeder und Kapitäne aus dem späten Mittelalter und der Renaissance.

Man begegnet den Figuren aus der Commedia dell’arte, der italienischen Typenkomödie, die im 17. Jahrhundert entstand und auch während des 18. Jahrhunderts ihren Charakteren treu blieb: dem Doktor und dem Notar, beide von ihrer Gelehrsamkeit eingenommen und ihrem Standesdünkel verhaftet; dem verschwiegenen Kammerdiener Brighella, der im Hintergrund die Fäden zieht; dem armen aber listenreichen Hausknecht Pulcinella und als sein Gegenstück der Dienstmagd Colombina; dem prahlerischen Capitano und als sein Gegenstück dem Arlecchino, der allen auf ironisch-sarkastische Weise den Spiegel vorhält.

Aus dem 18. Jahrhundert sieht man die weiß gepuderte Zopfperücke der Herren, ihre mit Litzen und Borten besetzten Samtjacketts und ihre Spitzenhemden, gegen die sich ihre Kniehosen, Strümpfe und Schnallenschuhe fast schlicht und bescheiden ausnehmen, und die mit Kämmen und Rahmen zu Ungetümen aufgetürmten Frisuren der Damen in ihren von bis zu vier Unterröcken zusätzlich aufgebauschten Reifröcken, die mit Spitzenrüschen reich verziert sind.

Viele dieser Gestalten stehen auf ihren Flößen, Pontons oder Gondeln still und grüßen lediglich mit einem Winken oder einer huldvollen Verneigung. Denn in den Unmengen an Stoff und unter Kopfputz und Maske will jede Bewegung überlegt sein! Auf diesen Punkt gehe ich im folgenden Kapitel noch etwas genauer ein.

Doch manche der kostümierten Ensembles sind Tanzgruppen einer Theatergesellschaft oder des Gran Teatro La Fenice und bringen es fertig, sich auf dem Geviert eines Platzes auf erstaunlich leichten und schnellen Füßen und mit federleicht und graziös anmutenden Gesten im Tanz zu drehen und zu wenden…



22.02.2026 - Der Karneval in Venedig als Kaleidoskop des Menschseins
Über den Link zur WDR-Sendung "Wunderschön! Venedig: Masken, Magie und Mythos (...)" hat eine langjährige Freundin in mir Erinnerungen an das einzigartige, über Jahrhunderte gewachsene Schauspiel wachgerufen, das der Karneval in Venedig Besucherinnen und Besuchern oder auch nur Zuschauerinnen und Zuschauern aus aller Welt bietet. Vom zweiten Weihnachtsfeiertag - in Italien Santo Stefano - bis zum Faschingsdienstag um Mitternacht ist die Serenissima von vermummten Phantasiegeschöpfen bevölkert, die über das alte und krumme Pflaster der Straßen und Gassen huschen, aus einem Portal oder Torbogen spähen und einem hinterher sehen, sich auf dem Hauptplatz eines Sestiere zu lebendigen Tableaus formieren und später auf dem Molo, der Piazzetta oder dem Markusplatz höfische Tänze zeigen: Moulin des Dames, Quadrille, Gigue, Menuett... Zehn Tage vor Faschingsdienstag klettert ein Artist am Vertikalseil zur Spitze des Campanile von San Marco empor und seilt sich in einem einzigen tollkühnen Sprung an einem zweiten Tau ab, so dass er auf dem Molo bei den Säulen von San Marco und San Todaro zu stehen kommt. Der Salt’Angel, der Engelssprung ist der Auftakt zu einer Prozession, die von nun an tage- und nächtelang andauert und in deren Verlauf aus den Docks des Arsenals und des Museo Navale alles herausgeholt und präsentiert wird, was schwimmt und dichthält. Pontons, Flöße, Barkassen, Galeeren und Gondeln, sowohl die schmalen niedrigen Gefährte, die seit den 1960er Jahren im Touristenverkehr unterwegs sind, als auch Modelle aus alter Zeit, die in der Mitte eine sänftenartige Kabine als Aufsatz tragen: Alles strömt und gleitet die Kanäle herauf und hinunter, bevölkert von lächelnden und winkenden oder sich ernst und feierlich verneigenden Gestalten, soweit das Auge reicht. Diesem einzigartigen Schauspiel – denn das ist es, ein Theaterstück, dem die ganze Stadt als Kulisse dient und in dem jede Gruppe und jeder Solist für kurze Zeit Hauptdarsteller sein kann und darf -, in dem die Stadt zu ihrem vollen, ja überquellenden farbenprächtigen Leben erwacht, ist meine neue Artikelreihe gewidmet, als mein kleiner persönlicher Tribut an die Macht und Kraft der Schönheit, Poesie und Phantasie.


Der Karneval in Venedig als Kaleidoskop des Menschseins


Über den Link zur WDR-Sendung Wunderschön! Venedig: Masken, Magie und Mythos (...) hat eine langjährige Freundin in mir Erinnerungen an das einzigartige, über Jahrhunderte gewachsene Schauspiel wachgerufen, das der Karneval in Venedig Besucherinnen und Besuchern oder auch nur Zuschauerinnen und Zuschauern aus aller Welt bietet.

Vom zweiten Weihnachtsfeiertag - in Italien Santo Stefano - bis zum Faschingsdienstag um Mitternacht ist die Serenissima von vermummten Phantasiegeschöpfen bevölkert, die über das alte und krumme Pflaster der Straßen und Gassen huschen, aus einem Portal oder Torbogen spähen und einem hinterher sehen, sich auf dem Hauptplatz eines Sestiere zu lebendigen Tableaus formieren und später auf dem Molo, der Piazzetta oder dem Markusplatz höfische Tänze zeigen: Moulin des Dames, Quadrille, Gigue, Menuett...

Zehn Tage vor Faschingsdienstag klettert ein Artist am Vertikalseil zur Spitze des Campanile von San Marco empor und seilt sich in einem einzigen tollkühnen Sprung an einem zweiten Tau ab, so dass er auf dem Molo bei den Säulen von San Marco und San Todaro zu stehen kommt. Der Salt’Angel, der Engelssprung ist der Auftakt zu einer Prozession, die von nun an tage- und nächtelang andauert und in deren Verlauf aus den Docks des Arsenals und des Museo Navale alles herausgeholt und präsentiert wird, was schwimmt und dichthält.

Pontons, Flöße, Barkassen, Galeeren und Gondeln, sowohl die schmalen niedrigen Gefährte, die seit den 1960er Jahren im Touristenverkehr unterwegs sind, als auch Modelle aus alter Zeit, die in der Mitte eine sänftenartige Kabine als Aufsatz tragen: Alles strömt und gleitet die Kanäle herauf und hinunter, bevölkert von lächelnden und winkenden oder sich ernst und feierlich verneigenden Gestalten, soweit das Auge reicht.

Diesem einzigartigen Schauspiel – denn das ist es, ein Theaterstück, dem die ganze Stadt als Kulisse dient und in dem jede Gruppe und jeder Solist für kurze Zeit Hauptdarsteller sein kann und darf -, in dem die Stadt zu ihrem vollen, ja überquellenden farbenprächtigen Leben erwacht, ist meine neue Artikelreihe gewidmet, als mein kleiner persönlicher Tribut an die Macht und Kraft der Schönheit, Poesie und Phantasie.



22.02.2026 - Der Karneval in Venedig als Kaleidoskop des Menschseins
Über den Link zur WDR-Sendung "Wunderschön! Venedig: Masken, Magie und Mythos (...)" hat eine langjährige Freundin in mir Erinnerungen an das einzigartige, über Jahrhunderte gewachsene Schauspiel wachgerufen, das der Karneval in Venedig Besucherinnen und Besuchern oder auch nur Zuschauerinnen und Zuschauern aus aller Welt bietet. Vom zweiten Weihnachtsfeiertag - in Italien Santo Stefano - bis zum Faschingsdienstag um Mitternacht ist die Serenissima von vermummten Phantasiegeschöpfen bevölkert, die über das alte und krumme Pflaster der Straßen und Gassen huschen, aus einem Portal oder Torbogen spähen und einem hinterher sehen, sich auf dem Hauptplatz eines Sestiere zu lebendigen Tableaus formieren und später auf dem Molo, der Piazzetta oder dem Markusplatz höfische Tänze zeigen: Moulin des Dames, Quadrille, Gigue, Menuett... Zehn Tage vor Faschingsdienstag klettert ein Artist am Vertikalseil zur Spitze des Campaniles von San Marco empor und seilt sich in einem einzigen tollkühnen Sprung an einem zweiten Tau ab, so dass er auf dem Molo bei den Säulen von San Marco und San Todaro zu stehen kommt. Der Salt’Angel, der Engelssprung ist der Auftakt zu einer Prozession, die von nun an tage- und nächtelang andauert und in deren Verlauf aus den Docks des Arsenals und des Museo Navale alles herausgeholt und präsentiert wird, was schwimmt und dichthält. Pontons, Flöße, Barkassen, Galeeren und Gondeln, sowohl die schmalen niedrigen Gefährte, die seit den 1960er Jahren im Touristenverkehr unterwegs sind, als auch Modelle aus alter Zeit, die in der Mitte eine sänftenartige Kabine als Aufsatz tragen: Alles strömt und gleitet die Kanäle herauf und hinunter, bevölkert von lächelnden und winkenden oder sich ernst und feierlich verneigenden Gestalten, soweit das Auge reicht. Diesem einzigartigen Schauspiel – denn das ist es, ein Theaterstück, dem die ganze Stadt als Kulisse dient und in dem jede Gruppe und jeder Solist für kurze Zeit Hauptdarsteller sein kann und darf -, in dem die Stadt zu ihrem vollen, ja überquellenden farbenprächtigen Leben erwacht, ist meine neue Artikelreihe als mein kleiner persönlicher Tribut an die Macht und Kraft der Schönheit, Poesie und Phantasie gewidmet.


Der Karneval in Venedig als Kaleidoskop des Menschseins


Über den Link zur WDR-Sendung Wunderschön! Venedig: Masken, Magie und Mythos (...) hat eine langjährige Freundin in mir Erinnerungen an das einzigartige, über Jahrhunderte gewachsene Schauspiel wachgerufen, das der Karneval in Venedig Besucherinnen und Besuchern oder auch nur Zuschauerinnen und Zuschauern aus aller Welt bietet.

Vom zweiten Weihnachtsfeiertag (in Italien Santo Stefano) bis zum Faschingsdienstag um Mitternacht ist die Serenissima von vermummten Phantasiegeschöpfen bevölkert, die über das alte und krumme Pflaster der Straßen und Gassen huschen, aus einem Portal oder Torbogen spähen und einem hinterher sehen, sich auf dem Hauptplatz eines Sestiere zu lebendigen Tableaus formieren und später auf dem Molo, der Piazzetta oder dem Markusplatz höfische Tänze zeigen: Moulin des Dames, Quadrille, Gigue, Menuett...

Zehn Tage vor Faschingsdienstag klettert ein Artist am Vertikalseil zur Spitze des Campaniles von San Marco empor und seilt sich in einem einzigen tollkühnen Sprung an einem zweiten Tau ab, so dass er auf dem Molo bei den Säulen von San Marco und San Todaro zu stehen kommt. Der Salt’Angel, der Engelssprung ist der Auftakt zu einer Prozession, die von nun an tage- und nächtelang andauert und in deren Verlauf aus den Docks des Arsenals und des Museo Navale alles herausgeholt und präsentiert wird, was schwimmt und dichthält.

Pontons, Flöße, Barkassen, Galeeren und Gondeln, sowohl die schmalen niedrigen Gefährte, die seit den 1960er Jahren im Touristenverkehr unterwegs sind, als auch Modelle aus alter Zeit, die in der Mitte eine sänftenartige Kabine als Aufsatz tragen: Alles strömt und gleitet die Kanäle herauf und hinunter, bevölkert von lächelnden und winkenden oder sich ernst und feierlich verneigenden Gestalten, soweit das Auge reicht.

Diesem einzigartigen Schauspiel – denn das ist es, ein Theaterstück, dem die ganze Stadt als Kulisse dient und in dem jede Gruppe und jeder Solist für kurze Zeit Hauptdarsteller sein kann und darf -, in dem die Stadt zu ihrem vollen, ja überquellenden farbenprächtigen Leben erwacht, ist meine neue Artikelreihe gewidmet, als mein kleiner persönlicher Tribut an die Macht und Kraft der Schönheit, Poesie und Phantasie.