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Blog

Meine kulinarische Reisen

er mein Buch „EUROPRISMA – Meine Seelenreisen“ kennt, weiß, dass ich...



Vorwort zu meinem Blog-Bereich „Kulinarische Reisen in München, Bayern und Europa“

Wer mein Buch „EUROPRISMA – Meine Seelenreisen“ kennt, weiß, dass ich in den letzten zehn Jahren ein wenig in Europa herumgekommen bin. Und da einem „auf der Walz“ durch Orte, Gegenden und Städte ab und zu der Magen knurrt und einem auch die Zunge ganz gerne mal am Gaumen kleben bleibt, geht man irgendwo hin und lässt sich zum Essen und Trinken nieder.

Doch in einer so großen Stadt wie München oder in einer sowohl quicklebendigen als auch uralten Stadt wie z.B. Nürnberg, Rosenheim oder Passau ist es gar nicht nötig, sein eigenes Land zu verlassen, um mit dem Magen auf Reisen zu gehen. Sowohl die gutbürgerliche bayrische und fränkische Küche als auch Gaumenfreuden aus aller Herren Länder warten an manch einer Ecke, um zu zeigen, was sie so alles können.

Für die Gourmets unter uns, denen mehrmals aus gegebenem Anlass das Wasser im Munde zusam-mengelaufen ist, möchte ich von Gaststätten, Cafés und Bars erzählen, die mir über den Weg gelaufen sind und in denen ich hocherfreut hängengeblieben bin.

Ich würde mich freuen, wenn auch Ihr über das schreibt, was Euch das Wasser im Munde zusammen-laufen lässt.


28.08.2020 - Noch ein Refugium für kleine Sünderlein - Die Confiserie Beluga
Den alteingesessenen und langjährigen Münchnerinnen und Münchnern dürfte das Eisenwarengeschäft Kustermann ein Begriff sein. Neben feinem Porzellangeschirr steht es für die Tradition des gepflegten Küchen- und Tafelbestecks - auf gut Deutsch für alles aus Edelstahl, das schneidet, zertrennt, hobelt und püriert. Und genau in diese schmale enge Passage, die den Viktualienmarkt über ein paar Treppenstufen mit dem Marienplatz verbindet, haben sich zwei junge Damen mit ihrer Confiserie Beluga gequetscht, die die Kunst der belgischen Praline und Schokolade feiert.


Noch ein Refugium für kleine Sünderlein – Die Confiserie Beluga

Neben der von mir in dieser Rubrik bereits erwähnten Confiserie Elly Seidl möchte ich mit diesem Beitrag ein klitzekleines „Pralinen- und Schokoladencafé“ würdigen, das gegenüber dem Viktualienmarkt in der Kustermann-Passage liegt.

Den alteingesessenen und langjährigen Münchnerinnen und Münchnern dürfte das Eisenwarengeschäft Kustermann ein Begriff sein. Neben feinem Porzellangeschirr steht es für die Tradition des gepflegten Küchen- und Tafelbestecks - auf gut Deutsch für alles aus Edelstahl, das schneidet, zertrennt, hobelt und püriert.

Und genau in diese schmale enge Passage, die den Viktualienmarkt über ein paar Treppenstufen mit dem Marienplatz verbindet, haben sich zwei junge Damen mit ihrer Confiserie Beluga gequetscht, die die Kunst der belgischen Praline und Schokolade feiert.

Im Herbst und Winter wird kleinen Sünderlein (wie mir) ein besonderes Vergnügen geboten, denn wer hier eine heiße Schokolade bestellt, bekommt sie auf die belgische Art: ein großes Glas heiße Milch und einen mächtigen Schokoladenwürfel auf einem Holzstäbchen.

Man taucht den Schokoladenwürfel – übrigens bietet die Confiserie Beluga mehr als 30 Sorten zur Auswahl an, so dass die Wahl wirklich zur Qual werden kann – mit dem Stäbchen tief in die Milch ein und rührt etliche Male langsam und bedächtig um, bis sich die Schokolade in der Milch aufgelöst hat.

Das heißt, für die Schokoladenzeremonie sollte man ein wenig Zeit mitbringen, aber es lohnt sich. Denn die in der heißen Milch aufgelöste echte Schokolade sorgt mit ihrem Schmelz und Aroma für ein rundes, vollmundiges Geschmackserlebnis, zu dem ich nur sagen kann:

Das, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist „heiße Schokolade“, kein angerührtes Kakaopulver!

Doch auch im Sommer wartet die Confiserie Beluga mit einem Eiskaffee oder einer Eisschokolade aus eigener Herstellung auf; der sowohl auf der Zunge zergeht und auch erfrischt, und nicht zuletzt mit dem ebenso saftigen wie gehaltvollen Mandel-Feigenkuchen, dem heißen Apfelkuchen mit Vanilleeis oder mit dem Schokoladen-Muffin des Hauses, der gar nicht so schwer, mächtig und süß ist, wie man meinen könnte, sondern erfreulich leicht und locker - , und ebenfalls eine Klasse für sich ist.

 



28.08.2020 - Britischer geht es nicht - The Victorian House
Wenn ich einmal wieder in den „British Way of Life“ eintauchen will, gibt es für mich keinen besseren Ort als The Victorian House in der Frauenstraße oberhalb des Viktualienmarktes, denn außerhalb Großbritanniens selbst könnte es nirgendwo „viktorianischer“ zugehen als hier. Das Holz der Tische und herrlich bequemen Polstersitzgruppen ist altersschwarz, solide und schwer, so wie man es aus britischen Pubs und Restaurants kennt. Die Tapeten an den Wänden zeigen jenes eigentümliche Grün, das so kühl und gruselig anmutet, dass es schon wieder schön zu nennen ist. Der gesamte Innenraum besteht aus lauter verschwiegenen Winkeln, Ecken und Nischen, die teils von Mauervorsprüngen und teils von mannshohen Bücherregalen gebildet werden, die hier alle Wände und Raumteiler zieren und auf denen man die großen Werke der angelsächsischen Literatur einschließlich aller Bände der Encyclopedia Britannica findet, wenn man nur lange genug sucht.


Britischer geht es nicht – The Victorian House

Durch mein Sprachstudium in Coburg und Erlangen, in dessen Verlauf wir von unseren Dozenten intensiv mit der britischen Kultur- und Zeitgeschichte und auch mit dem „British Way of Life“ – sprich der Landeskunde – vertraut gemacht wurden, habe ich mir eine lebenslange Affinität zu den britischen Inseln bewahrt – zuerst zu England, ab der 2000er Jahre zunehmend zu Irland.

Wer mich als Gourmet kennt, wird daher verstehen, dass es weniger die britische Küche als die Mentalität und Lebensart der Briten ist, die mich seit jeher fasziniert.

Doch andererseits ist die britische Küche besser als ihr Ruf. So zum Beispiel schmecken Fish and Chips mit Essig anstatt Ketchup und Mayonnaise gar nicht schlecht, und in der Tat verleiht die Druckerschwärze der Zeitung, in die sich die Fish and Chips eingewickelt gehören, diesem Gericht eine solide, erdige Note.

Oder man stelle sich ein Sandwich mit Gurkenscheiben, frischen Krabben und Thousand-Islands-Dressing vor: Alles schmeckt leicht und frisch. Oder der magere Frühstücksspeck, den es dort zum Rührei oder Benedict  (zum pochierten Ei) - gibt: herzhaft im Geschmack und unwiderstehlich knusprig, wenn man ihn genau richtig anbrät!

Wenn ich einmal wieder in den „British Way of Life“ eintauchen will, gibt es für mich keinen besseren Ort als The Victorian House in der Frauenstraße oberhalb des Viktualienmarktes, denn außerhalb Großbritanniens selbst könnte es nirgendwo „viktorianischer“ zugehen als hier. Das Holz der Tische und herrlich bequemen Polstersitzgruppen ist altersschwarz, solide und schwer, so wie man es aus britischen Pubs und Restaurants kennt. Die Tapeten an den Wänden zeigen jenes eigentümliche Grün, das so kühl und gruselig anmutet, dass es schon wieder schön zu nennen ist.

Der gesamte Innenraum besteht aus lauter verschwiegenen Winkeln, Ecken und Nischen, die teils von Mauervorsprüngen und teils von mannshohen Bücherregalen gebildet werden, die hier alle Wände und Raumteiler zieren und auf denen man die großen Werke der angelsächsischen Literatur einschließlich aller Bände der Encyclopedia Britannica findet, wenn man nur lange genug sucht.

Und an den Wänden zwischen den Regalen hängen die Porträts der großen britischen Autoren, die ich während meines Studiums und danach kennengelernt und gelesen habe: die Schwestern Brontë, Charles Dickens, Wilkie Collins, Thomas Hardy, D.H. Lawrence… Und so fühle ich mich, wenn ich mich im Victorian House mit dem Five-o-Clock-Tea verabrede, in bester Gesellschaft!

Neben der immensen geistigen Anregung, die ich von diesem Ort mitnehme, locken mich neben der riesigen Auswahl an Teesorten zwei ganz bestimmte Dinge:

Zum einen sind es die Scones mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade. Scones sind kleine runde Kuchen aus Mürbteig, die man in der Mitte aufschneidet und mit der besagten Clotted Cream füllt; eine sehr reichhaltige, aufgeschlagene Butter an der Grenze zur Schlagsahne. Und ein großzügiger Teelöffel Erdbeermarmelade (selbstgemacht) krönt das Ganze.

Zum anderen ist es der Lavendelkuchen, den es nur hier gibt: ein locker-leichter Biskuitteig, verrührt mit geriebenen Nüssen und geraspelten Karotten, der an sich schon hervorragend schmeckt. Doch das Besondere ist der Zuckerguss mit Lavendelsirup und einigen kleingehäckselten Lavendelblüten darin. Der Sirup schmeckt sehr leicht und lieblich, und die echten Lavendelblüten sorgen für einen herben, markanten Kontrapunkt.

Ich finde, dass genau in diesem Lavendelkuchen der British Way of Life recht gut eingefangen ist: ein wenig herb und bitter, zugleich aber auch romantisch und irgendwie skurril – so wie die feine englische Art eben ist!



14.08.2020 - Das Café Richter in Planegg
Insgesamt ist man zu Fuß etwa zwei Stunden von Gauting nach Planegg unterwegs, und dann bietet das Café Richter eine willkommene Gelegenheit für eine kleine Pause. Wie das Bräustüberl ist auch diese Gaststätte eine echte Planegger Institution und befindet sich seit fünf Generationen in Familienbesitz. Dieser Familie gehört auch ein kleines Hotel, das in der Seitenstraße schräg gegenüber liegt. An die große, geräumige Bäckerei mit ihrer riesigen Auswahl an Pralinen aus der eigenen Manufaktur und ihrer hervorragenden Saisonware  rund um die Erdbeere, im Spätsommer und Herbst rund um die Zwetschge schloss sich früher eine große Aussichtsterrasse an, auf der die Planegger Honoratioren und auch meinereine gerne saßen und über die Bahnhofstraße hinweg bis hinunter zur Würm blickten.


Das Café Richter in Planegg


Während meiner Zeit in Gauting hat es für mich noch einen anderen „Wanderweg“ gegeben, auf dem ich nach Planegg gelangte: Wenn es meine Zeit erlaubte, marschierte ich von der S-Bahn-Station stadteinwärts an den letzten Häusern vorbei und in den Kreuzlinger Forst hinein, an den diese Häuser unmittelbar grenzen.

Lange war der Kreuzlinger Forst ein Wald mit einem dichten, imposanten Baumbestand; gehört er doch zu den Bannwäldern, die sich rund um München bis weit ins Voralpenland erstrecken und per Gesetz nicht gefällt werden dürfen.

Doch die heftigen Orkane, die nach der Jahrtausendwende Oberbayern und auch München immer wieder heimgesucht haben, scheren sich nicht um menschliche Gesetze und Schutzvorschriften; erst recht nicht Tornados, die 2014 bis 2016 diese Gegend heimgesucht haben. Auch den Kreuzlinger Forst hat es damals schwer erwischt, so dass man die reihenweise geknickten Bäume entfernen musste; und jetzt ist der einst so dichte Wald ein einziger Kahlschlag. Im Vergleich zu früher wirkt er fast leer.

Theoretisch sollte man meinen, dass es für einen Wanderer nichts Einfacheres gäbe, als dem Trampelpfad zu folgen, der neben dem Schienenstrang der S-Bahn fast durchgehend bis Stockdorf verläuft; und dies ist auch möglich.

Praktisch wird dieser Trampelpfad von niemandem in Stand gehalten, so dass er selbst für einen Radfahrer eng und schmal ist und nicht gerade angenehm für einen Fußgänger; auch ist ein großer Teil des Pfades von Wildgräsern überwuchert, durch die man sich kämpfen muss, wenn man weiterkommen will. Lange Zeit wuchsen hier auch Herkulesstauden; und wer sich keine Verbrennungen zweiten Grades holen will, tut gut daran, sich nicht gerade durch sie hindurch zu kämpfen. (Alles Weitere hierzu im ebenso interessanten wie skurrilen Genesis-Song „The Return of the Giant Hogweed“.)

Ich kann also Wanderern oder Radfahrern nur raten, lieber den offiziellen Kiesweg durch den Kreuzlinger Forst zu nehmen. Mitten in diesem ausgedehnten Waldstück kommt eine größere Kreuzung ohne Wegweiser; an dieser Stelle empfiehlt es sich, stehen zu bleiben und auf die nächste S6 zu warten. Folgt man ihrem Heulen und Jaulen in die Richtung, in die es sich von einem entfernt, ist man auf der sicheren Seite und kommt nach etwa einer halben Stunde aus dem Wald heraus, wo der Weg sich zur S-Bahn-Unterführung von Stockdorf hinabsenkt.

Ab Stockdorf führt der Weg – wie schon vorher gehabt – weiter an der S-Bahn-Trasse vorbei, durch die Unterführung und den Planegger Höhenweg entlang.

Insgesamt ist man zu Fuß etwa zwei Stunden von Gauting nach Planegg unterwegs, und dann bietet das Café Richter eine willkommene Gelegenheit für eine kleine Pause. Wie das Bräustüberl ist auch diese Gaststätte eine echte Planegger Institution und befindet sich seit fünf Generationen in Familienbesitz. Dieser Familie gehört auch ein kleines Hotel, das in der Seitenstraße schräg gegenüber liegt.

An die große, geräumige Bäckerei mit ihrer riesigen Auswahl an Pralinen aus der eigenen Manufaktur und ihrer hervorragenden Saisonware  rund um die Erdbeere, im Spätsommer und Herbst rund um die Zwetschge schloss sich früher eine große Aussichtsterrasse an, auf der die Planegger Honoratioren und auch meinereine gerne saßen und über die Bahnhofstraße hinweg bis hinunter zur Würm blickten.

Im Jahr 2016 fand ein großer Umbau statt, und die Aussichtsterrasse wurde durch eine riesige verglaste Front ersetzt. Dies hatte vor allem einen triftigen Grund: Hinter diesem Wall lassen einen im Herbst, gerade zur Zwetschgendatschi- und Apfelkuchenzeit, die Wespen in Ruhe. Saß man früher mit seinem Stück Kuchen auf der Aussichtsterrasse, kam zuerst eine Wespe…dann eine zweite…dann eine dritte, als würde die erste ihre Kameraden heranpfeifen: „Auf! Das Kuchenbuffet ist eröffnet!“

Nur im Hochsommer, gerade bei den aktuellen Temperaturen um die 30°C, heizt sich die riesige gläserne Front mit ihrer schwarzen Holzverkleidung ziemlich auf.

Für mich ist allerdings die wahre Spezialität des Hauses, mit der mich das Café Richter immer wieder anlockt, der finnische Nusskuchen. Gerade diese Nussfüllung ist so leicht und zugleich so rund und ausgewogen im Geschmack, wie man sie bei Nüssen selten findet!



17.07.2020 - Zwei Starnberger Institutionen - Die Kaffeemühle und das Blumencafé


Zwei Starnberger Institutionen – Die Kaffeemühle und das Blumencafé

 

Besuchen Sie mich in meinem Blog

Es war einmal eine Zeit, in der Finanzämter und Versicherungen noch direkt mit ihren Steuerzahlern und Versicherten kommuniziert und in gewisser Weise zusammengearbeitet haben, während man heute in der Regel nur noch Online-Masken und Formulare ausfüllt und sich überwiegend selbst bedient und verwaltet. Nur wenn es um Steuern und Beiträge geht, die man zu entrichten hat, wird man noch direkt angesprochen oder sogar aufgesucht.

In jenen Tagen gab es noch Finanzbeamte in den Ämtern, bei denen man die Steuererklärung direkt abgeben und gleich vor Ort sichten lassen konnte, und so hatte ich, als ich noch in Gauting wohnte, einmal im Jahr meinen Pflichttermin in Starnberg, bei dem ich das Notwendige mit dem Angenehmen verband.

Mein Schnellweg zum Finanzamt führte mich immer über den Kirchplatz und am Tutzinger Hof vorbei und dann über eine Reihe kleiner eiserner Treppen und Stege, die sich in Serpentinen um die kleine aber steile Anhöhe zur Starnberger Burg hinauf wanden. Inzwischen sind die verwinkelten Treppen und Stege abmontiert worden, weil man sie wohl als zu gefährlich befand.

Hatte ich dem zuständigen Finanzbeamten meine Steuerunterlagen vorgelegt und er genug darin herumgestrichen und -korrigiert, verließ ich den klobigen grauen Klotz der Starnberger Burg, erleichtert, dass ich meinen Pflichttermin hinter mir hatte und alles in Ordnung war, und ging zum angenehmen Teil meines Aufenthalts über:

Über den Höhenkamm von der Burg durch den stillen, anmutig und grazil gestalteten Rosengarten hinüber zu der kleinen aber schmucken Josefskirche, die gemeinsam mit der alten Raubritterburg den höchsten Punkt der Stadt Starnberg bildet. Der Rosengarten ist von einer hohen überdachten Mauer umgeben, zu der eine kleine Treppe hinaufführt - und damit zu dem Grund, weshalb ich mir die Steuererklärung Jahr für Jahr persönlich antat: Diese Mauerkrone, auch „Himmelsleiter“ genannt, bietet einen großartigen Blick über den Starnberger See hinweg, weit in die Alpen hinein, deren Bergketten sich vor dem Auge auffalten wie ein Fächer.

Hinter der Josefskirche mit ihrem ummauerten Friedhof schwingt sich die einstige Burgrampe, die heute „Am Ölberg“ heißt, in einem großzügigen Bogen talwärts, und wenn man der Burgrampe bis zu ihrem letzten Ausläufer folgt, steht man fast direkt vor der Unterführung an der Segelschule.

Theoretisch könnte ich gleich hier zum Starnberger See durchgehen; praktisch ist diese Unterführung so niedrig, dass ich jedes Mal Kopf und Schultern einziehen muss, wenn ich nicht an der Tunneldecke anstoßen will. Und wenn man den Tunnel genau in dem Augenblick durchquert, da eine S-Bahn oder ein Nahverkehrszug über das Gleis rauscht, scheint sich die Decke noch ein Stück tiefer herabzusenken…

Meist blieb ich auf der Stadtseite und ließ meinen Pflichttermin mit einem Besuch in dem Lokal ausklingen, das die Starnberger Bürger seit Jahrzehnten besuchen: in der Kaffeemühle im oberen Drittel der Maximilianstraße.

Der hellen, modern eingerichteten Kuchentheke sieht man nicht an, dass die Starnberger Kaffeemühle zu einer denkwürdigen Institution gehört: der Privatbäckerei der Familie Lidl, deren Zentrale seit 1973 in Berg residiert, genau in der Bäckerei, die einst den Eltern und später dem älteren Bruder des weltweit bekannten und berühmten Schriftstellers Oskar Maria Graf gehörte. Daneben unterhält die Bäckerei Lidl auch Filialen in Ambach und Aufhausen, ist also eine echte Starnberger Marke.

Es muss 2009 gewesen sein, als die Besitzer ihre Starnberger Dependance von Grund auf renovierten. Sowohl die Innen- als auch die Außenwand wurde aufgerissen, um mehr Platz zu schaffen, die große Fensterfront direkt an die Terrasse angeschlossen, und alle Wände in gedämpfte Zimt- und Rosétöne getaucht. Nur die beiden Kaffeemühlen mit ihren großen Kurbelrädern, die dem Café ihren Namen verliehen, ließen die Besitzer und Betreiber, wie und wo sie ursprünglich waren.

Die Neueröffnung wurde mit einem „historischen Grammophon-Abend“ gefeiert, an den ich mich noch gut erinnere. Vom späten Nachmittag bis in die Nacht hinein thronte ein altes Kurbelgrammophon auf einem Mauersims, und aus seinem anmutig geschwungenen Kupfertrichter tönten weich, voll und zugleich ein wenig gedämpft und eiernd die Chansons und Couplets der Comedian Harmonists und ihrer Erben, sprich, Max Raabe und sein Palastorchester. Doch leider ist dieses Grammophon nach dem Umbau verschwunden und ward nicht mehr gesehen…

So modern sich das Ambiente der „Kaffeemühle“ heute auch präsentiert, fühlt man sich schlagartig in die 1970er Jahre versetzt, wenn man die ledergebundene Speisekarte liest: „Hawaii-Toast“, „Strammer Max“, „Club-Sandwich“ sowie alles, was „Zwetschge“ heißt: Knödel, Rohrnudeln und natürlich „Datschi“ mit und ohne Streusel oder Sahnehäubchen. Auch das hauseigene Kaffeehaferl verströmt geradezu Gemütlichkeit und Nostalgie…