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Blog

Musik und Emotionen

Im Blog-Bereich „Weggefährten“ schildere ich u.a. meine Begegnungen mit wegweisenden Musikern des 20. Jahrhunderts...



Vorwort zu meinem Blog-Bereich „Musik oder Channeling?“ Im Blog-Bereich „Weggefährten“ schildere ich u.a. meine Begegnungen mit wegweisenden Musikern des 20. Jahrhunderts. Ich hätte sie auch im Bereich „Musik oder Channeling?“ unterbringen können; doch ihr Einfluss ging bei mir tiefer, dauerte länger an und tauchte immer wieder auf.

In „Musik oder Channeling?“ soll es um Musiker-/innen, Sängerinnen und Sänger gehen, die auf ihre ganz besondere Weise mehr waren und sind als musikalische Eintagsfliegen oder Pop- oder Schlager-stars, die man kurz kennt, die aber keine weiteren Hits mehr landen und ebenso schnell wieder in Vergessenheit geraten, wie sie gleich Raketen aus dem Boden senkrecht nach oben geschossen sind.

Eines haben all diese Musiker/-innen, Sängerinnen und Sänger gemeinsam: Wenn sie auf der Bühne stehen, scheinen sie etwas außerhalb ihrer selbst „herunterzuholen“ und durch sich strömen zu lassen, dienen nicht sich selbst, sondern dem, was sich durch sie hindurch ausdrücken will; deshalb die Überschrift „Musik oder Channeling?“.

Wenn auch Ihr solche Leute kennt oder gekannt habt, nur zu! Schreibt mir/uns davon!


22.01.2021 - Cantus Iteratus / In Caelum Fero / Cantus Insolitus
Einmal mehr haben sich die Frauen und Kinder des Dorfes am Strand versammelt. Aus weiter Ferne kommt ein lange und sehnsüchtig erwarteter Besucher mit den Wolken angereist. Er wird nicht bleiben, nicht einmal von den Wolken auf die Erde herabsteigen. Doch er kommt unaufhaltsam näher, denn in dem hellen, fröhlichen Chor der Frauen- und Kinderstimmen steigt die freudige Erwartung. Für mich ist nicht zu erkennen, wer dieser Besucher ist; aber er ist frei, an nichts und niemanden gebunden und von strahlender Schönheit. Und dann ist er da, der Gast auf seiner Wolke, den alle seit langem erwartet haben! Die Frauen und Kinder springen auf, winken ihm zu, lachen und jubeln vor Freude. Doch schon zieht die Wolke vorbei, entrückt den Besucher nach und nach den Blicken der Menschen am Strand, bis sie mit ihm in der Ferne entschwindet. Bedauernd und voll leiser Wehmut winken die Frauen und Kinder ihm zum Abschied hinterher.


Cantus Iteratus

Einmal mehr haben sich die Frauen und Kinder des Dorfes am Strand versammelt.

Aus weiter Ferne kommt ein lange und sehnsüchtig erwarteter Besucher mit den Wolken angereist. Er wird nicht bleiben, nicht einmal von den Wolken auf die Erde herabsteigen. Doch er kommt unaufhaltsam näher, denn in dem hellen, fröhlichen Chor der Frauen- und Kinderstimmen steigt die freudige Erwartung.

Für mich ist nicht zu erkennen, wer dieser Besucher ist; aber er ist frei, an nichts und niemanden gebunden und von strahlender Schönheit.

Und dann ist er da, der Gast auf seiner Wolke, den alle seit langem erwartet haben! Die Frauen und Kinder springen auf, winken ihm zu, lachen und jubeln vor Freude.

Doch schon zieht die Wolke vorbei, entrückt den Besucher nach und nach den Blicken der Menschen am Strand, bis sie mit ihm in der Ferne entschwindet. Bedauernd und voll leiser Wehmut winken die Frauen und Kinder ihm zum Abschied hinterher.

Doch schon zieht aus der Ferne der nächste Besucher auf der nächsten Wolke heran, frei und atemberaubend schön. Wieder zieht die Wolke über die Menschenmenge am Strand hinweg, und wieder freuen sich alle, tanzen, singen, jubeln und lachen.

Und wieder entschwindet er nach und nach auf seiner Wolke, und wieder blicken die Menschen auf der Erde ihm wehmütig und sehnsüchtig hinterher. Doch schon naht auf der nächsten Wolke der nächste Gast...

Vielleicht huldigen die Frauen und Kinder auch nur dem Himmel und den Wolken; sprich, dem Element Luft.
Doch wieso bin ich mir so sicher, dass auf jeder Wolke ein flüchtiger, aber beliebter und gern gesehener Gast
über den Himmel reist, auch wenn ich mir nicht einmal seine Gestalt vorstellen kann?

Vielleicht sind damit die Freuden gemeint, die das Leben für uns bereit hält, die kurz, flüchtig und vergänglich, aber auch unbeschreiblich schön sind und unserer Seele wohl tun...

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In Caelum Fero


Grell und scharf fallen die Violinen und eine Harfe ein. Dumpf und schwer rumoren die Celli und Kontrabässe hinterher.

Auf der polynesischen Insel im Pazifik ist ein Vulkan ausgebrochen! Feuergarben sprühen über dem Gipfel gen Himmel, rotglühende Lavamassen quellen aus dem Schlund des Kraters und wälzen sich an seinen Hängen herab! Grollend stößt der Vulkan schwarzgraue Rauch- und Aschewolken aus und lässt um sich herum die Erde beben.

Die Frauen des Dorfes versammeln sich, knien am Fuß des Vulkankegels nieder und bemühen sich, ihn mit ihrem Gesang zu besänftigen. Doch zugleich liegt in den hoch emporschießenden roten Fontänen und der unaufhaltsam talwärts strömenden Lava eine faszinierende, überwältigende Macht und Kraft.

Denn dieselbe Lava, deren erstickende, versengende Glut Verderben und Vernichtung über alles bringt, was an den Hängen des Vulkans wächst und gedeiht, lässt zugleich die Insel wachsen. Und später wird sie dafür sorgen, dass auf der Erde das Gras, die Blumen und alle Bäume und Sträucher in überquellender, ja verschwenderischer Fülle und Vielfalt wachsen und gedeihen; denn nur wenige Bodenarten sind so fruchtbar und bringen so vielfältige und reiche Erträge wie die schwarze Lavaerde, aus der die meisten Inseln im Pazifik entstanden sind.

Die Frauen am Fuß des Berges bemühen sich weiter, den Zorn der grollenden Erde zu beschwichtigen und zu lindern. Doch zugleich geschieht es ihnen, dass die überwältigende, unwiderstehliche Kraft und Macht der Erde und des Feuers sie mitreißt und ihre eigenen Herzen und Seelen erfüllt, so dass sie nicht anders können, als die vernichtende und zugleich erschaffende Kraft der Elemente zu feiern und zu preisen.

Aus der Mitte der Frauen erhebt sich wieder die Hohepriesterin und streckt ihre Arme dem Vulkan entgegen.
Mit machtvoller, gebietender Stimme verkündet sie die Botschaft, die sie von ihm empfängt und sendet sie hoch und weit in die Welt hinaus.

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Cantus Insolitus

Dunkel und verhalten setzen Celli und Kontrabässe ein. Sie erschaffen eine Novembernacht ohne Mond und Sterne, erfüllt von Nebel und Kälte.

“Wi....i....i...”

Sanft, leise und verhalten, aber rein und klar steigt die Stimme einer Frau aus den Schatten der Nacht empor.

Ich sehe sie in einem steinernen, gemauerten Landhaus vor einem Kamin am Boden knien, in die Dunkelheit wie in ein dichtes Tuch gehüllt. Nur das lodernde Feuer und die Flamme einer Kerze, die vor ihr steht, erhellen die Dunkelheit und tauchen ihr Gesicht und ihre Gestalt in einen weichen warmen Schimmer.

In dieser Nacht gedenkt sie in stillem Gebet ihrer verstorbenen Ahnen. Trauer und Wehmut schwingen in ihrer leisen, tiefen Stimme mit. Manchmal wallt Schmerz in ihr auf, schwillt aber nie zur Verzweiflung an.

Mit ihrem Gesang ehrt sie jene, die von ihr gegangen sind, für das Vermächtnis an Erinnerungen, die sie ihr hinterlassen haben. Der Verlust geliebter Menschen darf schmerzen, und Trauer ist erlaubt.

Doch dann gesellt sich das helle, klare Solo einer Querflöte zu der dunklen, weichen Altstimme der Trauernden, und leise, wie aus der Ferne, antwortet ihr eine Sopranstimme als Echo der Melodie, die sie singt.

Gehört die Sopranstimme etwa einer Ahne, die ihr Lied vernommen hat und für sie auf dem Grund tiefster Nacht ein Licht aufgehen lässt, das der Einsamen Hoffnung, Trost und Zuversicht spendet? Auf jeden Fall endet das Lied im Licht und nicht in der Dunkelheit, und die Querflöte sendet eine letzte, bestätigende Gewissheit hinterher.



01.10.2020 - Whitney Houston - One Moment in Time
Mehr als viele andere Sängerinnen und Sänger ihrer Zeit verkörperte Whitney Houston die Grundstimmung und das Lebensgefühl, das von 1985 bis zum Ausbruch des Golfkrieges im Jahr 1991 meine Generation begleitet hat: eine Zuversicht und ein Selbstvertrauen, das zu ihren Glanzzeiten nichts und niemand zu erschüttern oder auch nur zu trüben vermochte. Was ihr Können als Sängerin, ihr Aussehen und ihre Ausstrahlung anging, so war es, als hätte sie bei der Verteilung nicht nur einmal, sondern gleich zehnmal „Hier!“ geschrien. Und genau das führt zu den Eigenschaften und Qualitäten, die ihren Absturz und frühen Tod für mich bis heute ganz und gar widersinnig und unbegreiflich machen.


Whitney Houston –One Moment in Time
 

Es gibt tragische Todesfälle, die mich noch nach Jahren und Jahrzehnten nicht loslassen; sei es, weil ein Mensch, der noch viel zu geben und große Ziele gehabt hätte, jäh und plötzlich aus dem Leben gerissen wurde (wie Janis Joplin, John Lennon oder Jeff Buckley); oder weil sein Untergang und Ende grausam und gnadenlos war (wie bei Freddie Mercury, Michael Jackson oder Amy Winehouse); oder weil der Verfall und Tod einer Persönlichkeit ihr Können und ihr ganzes Sein zu verhöhnen scheint.

In die dritte Kategorie gehört für mich der Untergang und Tod von Whitney Houston. Neben Queen, U2, Phil Collins, Sting und Michael Jackson war es ihre einmalige, unverwechselbare Stimme, die meine Generation und mich durch die 1980er und 1990er Jahre begleitet hat. Seit 1985, als sie erstmals mit Saving All My Love for You, How Will I Know und I Wanna Dance with Somebody von sich hören ließ, war sie aus dem Soundtrack meiner Jugend ebenso wenig wegzudenken wie die anderen vorgenannten Sänger und Musiker.

Mehr als viele andere Sängerinnen und Sänger ihrer Zeit verkörperte Whitney Houston die Grundstimmung und das Lebensgefühl, das von 1985 bis zum Ausbruch des Golfkrieges im Jahr 1991 meine Generation begleitet hat: eine Zuversicht und ein Selbstvertrauen, das zu ihren Glanzzeiten nichts und niemand zu erschüttern oder auch nur zu trüben vermochte.

Was ihr Können als Sängerin, ihr Aussehen und ihre Ausstrahlung anging, so war es, als hätte sie bei der Verteilung nicht nur einmal, sondern gleich zehnmal „Hier!“ geschrien. Und genau das führt zu den Eigenschaften und Qualitäten, die ihren Absturz und frühen Tod für mich bis heute ganz und gar widersinnig und unbegreiflich machen.

Whitney Houston war weder ein austauschbares, beliebiges, geistloses Schlagersternchen noch hat sie sich in ihrer Glanzzeit je unter ihrem Wert verkauft. Sie schien zu leben, wovon sie sang: Kraft, Würde und Integrität. In ihrem Gesicht und ihren Augen lag Tiefe und Wärme, ihre Haltung war aufrecht. Bevor sie ihren Ehemann Bobby Brown kennenlernte, seine Karriere den Bach hinunter ging und er sie in diesen Strudel mit hineinzog, war ihr Leben frei von Skandalen oder Exzessen. Sie war das, was man eine vollendete Dame nennt.

Und dann war da ihre Stimme, die an Reichweite, Fülle und Strahlkraft kaum ihresgleichen kannte. Was ihren Tonumfang, ihren Reichtum an Nuancen und Schattierungen und ihre Reinheit und Kraft angeht, gibt es nach meiner Meinung nur zwei Sängerinnen unserer Zeit, die ihr das Wasser reichen können: Celine Dion und Mariah Carey. Wobei ich finde, dass in der Stimme von Whitney Houston noch etwas mehr Fülle und Wärme liegt.

Kurz und gut, als Sängerin hatte und konnte sie alles, und für sie gab es kaum Grenzen.

Was war es, das sie Ende der 1990er/Anfang der 2000er Jahre unaufhaltsam den Drogen und dem Alkohol verfallen ließ, bis sie sich 2008 einer monatelangen Entziehungskur unterzog, 2009 auf die Konzertbühnen dieser Welt zurückkehrte und sogar noch einen Film drehte, bis sie eines Nachmittags jäh und unerwartet in ihrem Hotelzimmer in der Badewanne starb?

Viele, die sie gekannt und über Jahre hinweg aufmerksam beobachtet haben, sind der Meinung, Whitney Houston sei nie darüber hinweggekommen, dass ein Großteil der Afro-Amerikaner sie als Verräterin betrachtete, weil sie Erfolg in der Welt der Weißen hatte.

Hierzu möchte ich nur Folgendes sagen:

Auf die Art und Weise, wie ihre Karriere verlief, hat ihr allernächstes Umfeld sie vorbereitet und ihr Schicksal bewusst und gezielt in diese Bahn gelenkt

Ihre Mutter Cissy Houston, die in ihrer Gemeinde in Detroit eine anerkannte Gospel-Interpretin und in der Welt des R’n’B und Soul eine geschätzte und begehrte Background-Sängerin war, hat sie von Kindesbeinen an als Sängerin ausgebildet, gefordert und gefördert. Und Aretha Franklin hat die Patenschaft für Whitney Houston übernommen und sie in die Musikwelt eingeführt. Das heißt, es war durchaus im Sinne ihrer Mutter und ihrer Patentante, dass der weiße Musikproduzent Clive Davis ihr stimmliches und musikalisches Können entdeckte und sie unter ihre Fittiche nahm.

Eigentlich hat Whitney Houston alles richtig gemacht. Sie hatte eine solide, gründliche Gesangsausbildung, lernte die richtigen Kreise kennen und geriet mit Clive Davis an einen ebenso einflussreichen wie seriösen Mann, der ihre Persönlichkeit schätzte, ihre Songs und Arrangements gemeinsam mit ihr erarbeitete und sie zu der Künstlerin aufbaute, die wir einst kannten. Erstmals hatte eine schwarze Sängerin in der Welt der Weißen Erfolg, oder eher einen Erfolg nach dem anderen!

War es ihr Fehler, dass sie versuchte, zu ihren Wurzeln zurückzukehren, indem sie 1990 versuchte, auch in der R’n’B-Welt Fuß zu fassen? Weshalb wurde sie auf der Bühne vom schwarzen Publikum gnadenlos ausgebuht, als sie auf ihren Bühnen und Festivals auftrat? Ihre afro-amerikanischen Landsleute haben ihr damals vorgeworfen, sie selbst und ihre Musik sei „zu weiß“.

Es ist bitter, wenn sich Menschen gegen eine Frau wenden und ihr Verrat vorwerfen, die das Ansehen ihrer eigenen Leute mehr fördert, als sich vorher einer von ihnen hätte träumen lassen.

Aber dies ist das undankbare Los einer Wanderin zwischen den Welten, die die Welt verlässt, aus der sie stammt, wenn sie eines Tages dorthin zurückkehren will: In ihrer früheren Welt wird sie nicht als ausgleichende, versöhnende Vermittlerin wahrgenommen, sondern als Verräterin.

Und so ist Whitney Houston in den ewig schwelenden, unerbittlichen und immer wieder aufs Neue aufflackernden Kampf zwischen dem weißen und dem schwarzen Amerika geraten. Wenn sie zu Beginn und während der Glanzzeit ihrer Karriere an das geglaubt hat, wovon sie sang; wenn ihr Herzensanliegen, ihre tiefste Hoffnung ein Ausgleich, eine Annäherung zwischen Schwarz und Weiß war, dann haben ihre eigenen Leute sie mit ihrer Ablehnung zu Fall gebracht.

Andere, die Whitney Houston und ihre Geschichte kennen, meinen, ihr Ehemann Bobby Brown sei die falsche Wahl gewesen und habe sie ruiniert. Allerdings gelten auch folgende Tatsachen: Als Whitney Houston und Bobby Brown einander kennenlernten, war er in der R n’B-Welt ein anerkannter Star. Und die ersten Jahre ihrer Ehe verliefen glücklich und zufrieden; beide fanden und hatten ineinander genau das, wonach sie suchten.

Der Wendepunkt kam im Jahr 1992 mit dem Film Bodyguard, der Whitney Houston von einer erfolgreichen Sängerin in einen Weltstar verwandelte. Mit ihrem neuen Ruhm, der mit Bodyguard einher ging, stellte sie ihren Mann Bobby Brown weit in den Schatten. Doch es gibt nur wenige Männer, die es ertragen können und unbeschadet überstehen, wenn ihre Lebenspartnerin oder Ehefrau erfolgreicher und berühmter ist als sie.

Whitney Houston hat dies rasch bemerkt und sich auch hier um Ausgleich bemüht. Zuerst nahm sie sich zurück, wenn ihr Mann als Sänger auftrat. Dann, als es mit seiner Karriere bergab ging, versuchte sie ihn zu retten, indem sie mit ihm Duette sang und ihn bei ihren Konzert-Auftritten in den USA als Background-Sänger beschäftigte.

Doch dies half weder ihm noch ihr. Im Zuge seiner Alkohol- und Drogenexzesse wurde Bobby Brown immer ausfälliger und zügelloser, und sie stürzte mit ihm ab. Als er sie schließlich wahllos mit anderen Frauen betrog, ließ sie sich schließlich von ihm scheiden.

Das ist alles, was die Öffentlichkeit von ihr und ihrem Mann weiß; und auch, dass sie sich ab 2006 bemüht hat, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Nach ihrer Entziehungskur drehte sie wieder einen Film, der ihr vom Thema und Inhalt durchaus angemessen war – er handelt von einer Sängerin, die abstürzt und wieder in ihrer früheren Welt Fuß zu fassen versucht -, aber ihr keinen kommerziellen Erfolg brachte.

Da sie Geld brauchte, um ihre Schulden zu tilgen, ging sie ab 2009 wieder als Sängerin auf Tournee; doch infolge ihrer Drogen – und Alkoholexzesse hatte sie nicht mehr die Stimme, die die Welt einst gekannt hatte, was das Publikum ihr bitter übelnahm und mit Pfiffen und Buhrufen quittierte.

Was genau an jenem Nachmittag in ihrem Hotelzimmer geschehen ist? Ein goldener Schuss? Ein Versehen? Schlicht und einfach ein Herzstillstand? Millionen von Menschen, darunter auch ich, waren nicht dabei!

Was von Whitney Houston bleiben wird?

Gewiss nicht ihr trauriges, jähes Ende. Es werden ihre Songs sein: One Moment in Time, The Greatest Love of All, und vor allem ihr Meisterwerk, das bis heute niemand auf die gleiche Weise gesungen hat oder singen kann, wie einst nur sie es konnte: I Will Always Love You.

 



01.10.2020 - Michael Jackson - Zwei Seiten einer Medaille
Von Juni 2009 bis Februar 2020 konnte man rund um das Orlando di Lasso-Denkmal, das am Promenadeplatz dem Bayerischen Hof direkt gegenüber steht, ein Phänomen beobachten, das für eher wertkonservative Münchner etwas Befremdendes, ja Irritierendes hatte. An der Säule waren Bilder und Porträtfotos des Sängers, Tänzers und Musikers Michael Jackson nebst Grußkarten und kleinen Denkschriften angebracht. Auf dem Sockel, der das Denkmal trägt, brannten stets ein paar Kerzen und Teelichter, und frische Blumen fehlten auch nie. Diese kleine improvisierte Gedenkstätte haben zwei weibliche Fans spontan eingerichtet und sich seither jeden Tag liebevoll um die Kerzen und Blumen und das Arrangement der Bilder, Fotos und Denkschriften gekümmert.


Michael Jackson –Zwei Seiten einer Medaille
 

Von Juni 2009 bis Februar 2020 konnte man rund um das Orlando di Lasso-Denkmal, das am Promenadeplatz dem Bayerischen Hof direkt gegenüber steht, ein Phänomen beobachten, das für eher wertkonservative Münchner etwas Befremdendes, ja Irritierendes hatte.

An der Säule waren Bilder und Porträtfotos des Sängers, Tänzers und Musikers Michael Jackson nebst Grußkarten und kleinen Denkschriften angebracht. Auf dem Sockel, der das Denkmal trägt, brannten stets ein paar Kerzen und Teelichter, und frische Blumen fehlten auch nie. Diese kleine improvisierte Gedenkstätte haben zwei weibliche Fans spontan eingerichtet und sich seither jeden Tag liebevoll um die Kerzen und Blumen und das Arrangement der Bilder, Fotos und Denkschriften gekümmert.

Doch seit dem Corona-Lockdown sind all diese kleinen Devotionalien sang- und klanglos verschwunden. Warum eigentlich? Fotos, Karten, Kerzen und Blumen haben nichts mit Aerosolen zu tun, die vom Atem potentieller Patienten ausgehen und das Risiko einer Ansteckung bergen!

Tatsache ist, dass neben der Musik von Queen, U2, Phil Collins und The Police bzw. Sting zwei Solo-Künstler den Sound der 1980er und 1990er Jahre ebenso nachhaltig und dauerhaft geprägt haben wie die Vorgenannten: Michael Jackson und Whitney Houston.

Und so erscheint es mir als angemessen, dass ich in meiner Rubrik Musik und Emotionen an beide erinnere und mit Michael Jackson beginne.

Schon in den 1970er Jahren war er auf den Konzertbühnen dieser Welt aktiv, allerdings noch nicht allein, sondern gemeinsam mit seinen vier älteren Brüdern. Von den Jackson Five habe ich als Kind nicht viel mitbekommen, denn zum einen traten sie nur selten in den deutschen Musiksendungen der damaligen Zeit auf, und zum anderen klang die Soul- und Funk-Musik, die sie machten, für meine zehn- bis zwölfjährigen Ohren noch zu schräg und zu wirr, als dass ich mit ihr etwas hätte anfangen können.

Steil nach oben ging Michael Jacksons Karriere, als er sich aus seinem Jackson Five-Brüderbund löste und, unterstützt von dem in der R’n’B-, Soul- und Funkszene einflussreich agierenden Musikproduzenten Quincy Jones, seine Ideen und Konzepte von Musik, Tanz, Arrangements, Licht-, Laser- und Spezialeffekten auf die Welt losließ.

Der erste Song, der uns in Deutschland aufhorchen ließ, war Billie Jean, denn er brachte einen Sound mit, der für unsere Ohren damals völlig neu war.

Schon in Billie Jean ist alles enthalten, was die Musik von Michael Jackson ausmacht: ein treibender, pumpender und dabei einzigartiger, unverwechselbarer Rhythmus, der selbst das letzte Landei in das flirrende, mondäne New Yorker Nachtleben versetzt.

Und die ebenso einzigartige, unverwechselbare Art, wie Michael Jackson sang. Mal hat er Wörter und Sätze gnadenlos zerhackt und zerpflückt, mal sie bis zur Unverständlichkeit zusammengepresst; und dazu kam sein ständiges Fiepen, Glucksen, Kieksen und Keuchen, während er den Text und die Melodie sang.

Kaum ein anderer Sänger bekommt solche Töne heraus und zieht diese Klangcollage konsequent durch den kompletten Song durch! Ich zumindest nicht. Das einzige, was ich hinbekomme - und auch nur, wenn ich im Rhythmus mitgehe -, ist sein „Au!“, das in Billie Jean immer wieder auftaucht.

Doch mein Lieblingsong von Michael Jackson ist Beat It. Vorher gab es ein ehernes Musikgesetz, nach dem Rock und Funk zwei Welten sind, die nicht zusammen gehören; aber Beat It bringt genau diese zwei Welten zusammen.

Die wuchtigen, metallischen Glockenschläge, mit denen der Song beginnt, können es locker mit den Hell’s Bells von AC/DC aufnehmen; doch der Rhythmus, der dann einsetzt, stammt eindeutig aus Funkytown. Und wenige Takte später kracht das unverwechselbare, beinharte Riff der E-Gitarre von Slash herein.

Und dann erzählt die Stimme von Michael Jackson – nur in Bad klingt sie noch schärfer, härter und aggressiver als hier, und anders als in vielen seiner Songs kiekst und gluckst er hier nur selten -  vom Kampf wandelnder Adrenalin- und Testosteron-Bomben in den Straßenschluchten der Bronx, der darauf beruht, dass keiner kneifen, keiner weichen, keiner abhauen mag, obwohl genau das den Jungen, die sich auf der Straße duellieren, das Leben retten würde:

„You wanna stay alive?

Better do what you can, and beat it!

But you wanna be dead, just beat it!

Beat it! 

No-one wants to beat, beat it!“

Und dann kam der legendäre Video-Clip zu Thriller heraus.

Heute, im Jahr 2020, sind wir von unzähligen Horror- und Zombie-Filmen derart abgebrüht, dass sich nicht einmal mehr ein Hund hinter dem Ofen verkriecht, der diesen nur fünfzehn Minuten dauernden Film sieht.

Damals, im Jahr 1984, haben die Moderatoren der Sendung Live aus dem Alabama, als der Thriller-Clip erstmals im Fernsehen gezeigt wurde, Kinder und Jugendliche ausdrücklich davor gewarnt!

Denn damals, als Michael Jackson seine Freundin vom Kino nach Hause begleitete, zum Vollmond empor sah und gerade noch „Geh weg!“ schrie, bevor er begann, sich unter grässlichem Heulen, Kreischen und Knurren und in schaurigen Details in einen Werwolf zu verwandeln, hielten sich Scharen von vierzehn- bis sechzehnjährigen Mädchen, darunter meinereine, die Ohren zu und mochten nur mit halbem Auge hinsehen!

Oder die Szene auf dem Friedhof, wenn all diese Zombies in schaurig-ekligen Stadien der Verwesung aus den Gräbern gekrochen kommen und Michael Jackson sich ebenfalls in einen Zombie verwandelt! Iiiiiiiiiihhhh!

Und dann gegen Ende die tiefe, unheilvolle Grabesstimme von Vincent Price:

„Darkness falls across the land.

Midnight hour’s close at hand.

Ghouls in search of human blood

will terrorize your neighbourhood…“

und sein Lachen, mit dem der Song endet. Niemand konnte so irre, so wahnsinnig lachen wie Vincent Price!

Doch was Michael Jackson bei den Video-Clips und auf seiner Welt-Tournee zum Thriller-Album an Showideen, an Licht- und Soundeffekten, vor allem aber an tänzerischem und darstellerischem Können zeigte, war erst der Anfang!

Bei den Tanzsequenzen, Kamera- und Lichteinstellungen zum Album Bad legte er noch eine Schippe drauf, ob in Smooth Criminal, das im Chicago der 1930er Jahre spielt, oder in Bad, das zwar munter von Cool aus West Side Story klaut, aber weit rasanter, eleganter und zugleich aggressiver herüberkommt.

Oder ein paar Jahre später das Video zu They Don’t Care About Us, in dem Michael Jackson gegen das Wettrüsten und die Kriegshetze der Militär-Streitkräfte Stellung bezieht; oder der Film zum Earth Song, den er als seinen wichtigsten und bedeutsamsten bezeichnet hat. Dieser Film zeigt den Regenwald am Amazonas, ein grünes, üppiges Paradies voller Schönheit und überquellender Lebensfülle, und dann gleich darauf seine grausame, gnadenlose Zerstörung und Vernichtung durch den Menschen…

Man mag zu Michael Jackson stehen, wie man will: Dass er sein Leben lang für die Rechte und den Schutz von Kindern in aller Welt, für Versöhnung und Frieden zwischen den Menschen, für die Bewahrung und den Erhalt unserer Erde und aller Lebewesen, die darauf leben, plädiert hat, und dass seine Clips und Shows überwältigende, ausgefeilte und präzise Meisterwerke waren, ist unbestritten!

Wie sieht es mit seinem Privatleben aus? Was ist an den Begebenheiten und Vorfällen dran, die sich auf seiner Neverland-Ranch, vor allem in seinem Haus zugetragen haben sollen?

Im Grunde kann ich genauso wenig mitreden wie die Millionen und Milliarden anderer Menschen, die weder in Neverland noch in Michael Jacksons Haus zu Besuch waren oder ihn auch nur annähernd kannten.

Außer seinen engsten Familienangehörigen und Assistenten wissen alle anderen, wissen wir doch nur folgende Tatsachen über ihn:

  • dass er sein Privatleben unter Verschluss hielt und nur wenige Menschen nahe an sich herankommen ließ;
     
  • dass er sein Leben lang still und schüchtern, um nicht zu sagen menschenscheu war;
     
  • dass er von Kindesbeinen an kaum etwas anderes getan hat als arbeiten, erst mit seinen Brüdern, dann allein;
     
  • und dass er seine Neverland-Ranch sowohl für die Kinder, die ihn dort besuchten, als auch für ihn selbst als einen Ort der Freiheit und der Träume, als einen Ort ohne Sorge, Not und Leid erdacht hatte.

Und dann, Anfang der 2000er Jahre, begann gegen ihn der lang andauernde, zermürbende Prozess wegen des mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs von Kindern, den ich seinerzeit anhand der U.S.-Nachrichtenmagazine Time und Newsweek aufmerksam verfolgt habe. Ich erinnere mich noch an die Berichte der Presse, wie lange und akribisch Ermittler, Staatsanwälte und Untersuchungsrichter nach Spuren und Indizien suchten, und dass sie Michael Jacksons Leben, alles, was er tat und wann und wie, bis ins Kleinste ans Licht gezerrt und zerpflückt haben.

Damals wurde mir eines klar: In einem Land, das einen Präsidenten vor Gericht zerren und darauf plädieren kann, dass er seines Amtes enthoben wird, weil er eine Affäre mit einer erwachsenen, volljährigen Praktikantin hatte (wer erinnert sich an den Fall Bill Clinton / Monica Lewinsky?) wird kaum ein Verbrechen so streng, gnadenlos und unnachgiebig verfolgt, geächtet und bestraft wie ein Sexualdelikt.

Entsprechend wurde Michael Jackson behandelt und durch die Mangel gedreht, doch Tatsache ist und bleibt, dass er aus Mangel an Beweisen freigesprochen und für nicht schuldig erklärt wurde. Wäre dies geschehen, wenn die Ermittler auch nur für einen Fall von sexuellem Missbrauch stichhaltige, handfeste Beweise erbringen hätten können?

Wenn 2018, neun Jahre nach Michael Jacksons Tod, Kronzeugen auftreten und zu Protokoll geben, sie seien von ihm in seinem Haus missbraucht worden, dann frage ich mich:

Wenn es so war, warum haben sich diese Kinder seinerzeit ihren Eltern oder anderen Erziehungsberechtigten nicht anvertraut? Wären ihre Aussagen wahr gewesen, hätten ihre Eltern Michael Jackson vor aller Welt zu Fall bringen und richten können, ohne dass es sie große Mühe gekostet oder dass ihnen von irgendeiner Seite Gefahr gedroht hätte.

Es wäre nicht einmal notwendig gewesen, dass diese Kinder direkt im Prozess gegen ihn ausgesagt hätten und ihm Auge in Auge gegenübergetreten wären. Hätten die Ermittler und Untersuchungsrichter jene, die heute ausgesagt haben, damals befragt und ihre Aussagen protokolliert, wären sie diesen Aussagen nachgegangen und hätten stichhaltige Beweise gefunden, dann hätten sie im Prozess gegen Michael Jackson zu einem klaren, eindeutigen Schuldspruch geführt.

Aber Aussagen und ein nachträglicher Prozess neun Jahre nach seinem Tod? Ganz gleich, wer über ihn aussagt und was er ihm vorwirft, ein Toter kann es weder bestätigen noch abstreiten. Und schließlich ist auch dieser neu aufgerollte Prozess ohne Ergebnis und damit ohne ein klares Urteil im Nichts verlaufen. Er hat nur erreicht, was er wohl bezwecken sollte: Michael Jacksons Ruf und Ansehen weltweit ein für alle Mal zu ruinieren.

Seinen Geist und seine Seele hat bereits der erste Prozess gebrochen; auch wenn er als freier Mann und unschuldig daraus hervorging. Denn nach den gnadenlosen, unerbittlichen Mühlen, durch die er gegangen war, blieb von ihm nur noch ein nachhaltig und dauerhaft geschwächter Schatten der Persönlichkeit übrig, die er vorher gewesen war.

Wie ich selbst zu Michael Jackson stehe? Ich kann und will mir über diesen Mann kein Urteil anmaßen, schon allein, weil ich ihn nicht persönlich gekannt habe.

Ich erinnere mich nur an den Film This is It, der ein Jahr nach seinem Tod in die Kinos kam und von den Proben und Vorbereitungen zu seinem Konzert in der Londoner O2-Arena berichtete; ein Konzert, das nie stattfand, weil er in der Nacht vor dem ersten Konzert an einer Überdosis des ihm verabreichten Narkosemittels Propofol starb.

Wie so viele Zuschauer habe ich Michael Jackson im Film beobachtet und sah:

  • einen Mann, der in musikalischer Hinsicht in jedem Augenblick bis ins kleinste Detail und bis in die Bruchteile von Tönen und Harmonien hinein wusste, wovon er sprach und was er wollte;
     
  • einen Mann, der in seinen Anforderungen und Anweisungen präzise, um nicht zu sagen penibel war, aber zugleich jeden Sänger, Tänzer und Musiker in seinem Team mit Sanftmut, Respekt und Liebe behandelte;
     
  • einen Mann, der für den Frieden, für die Gleichwertigkeit aller Hautfarben, für die Rechte aller Kinder auf dieser Welt und für den Erhalt unserer Erde aufstand und eintrat, mit allen Mitteln und allen Kräften, die ihm zur Verfügung standen;

    und nicht zuletzt
     
  • einen Mann, der selbst mit fünfzig Jahren immer noch die Stimme und Ausstrahlung eines an Geist und Seele reinen, hochsensiblen jungen Mannes hatte, der noch am Anfang seines Lebens stand.
     

Und so sage ich abschließend nur eines:

Kann es sein, dass es auf dieser Welt nun einmal Menschen gab und gibt, deren Leben, Schaffen und Sein nicht alltäglich ist, die man mit herkömmlichen Begriffen und Schubladen weder erklären noch definieren und schon gar nicht beurteilen kann?



17.09.2020 - Aretha Franklin - Ein bisschen R-E-S-P-E-K-T !
Aretha Franklins Patentante war keine Geringere als Mahalia Jackson, und zu ihren Förderern zählten die Reverends C.L. Franklin – ihr Vater – und James Cleveland, der außer seiner Baptistengemeinde in L.A. auch den berühmten Southern California Community Choir leitete. Reverend C.L. Franklin sagte einmal über seine berühmte Tochter, sie sei die Synthese ihrer Patentante und ihrer Mentoren. Ich finde, Aretha Franklin ist mehr als nur eine Synthese. Zum einen hat sie den Spagat zwischen der spirituellen Gospel-Welt und der erdhaften, eher als „sündhaft“ betrachteten Welt des Soul geschafft und so gut hinbekommen, dass ganze Generationen von Soul-Sängerinnen und Sängern auf ihrer Art zu singen aufgebaut haben. Und zum anderen hat Aretha Franklin mit ihrer Präsenz und Persönlichkeit für die Rechte ihrer afro-amerikanischen Mitbürger und der Frauen, egal ob schwarz oder weiß, eine Menge bewegt und vorangetrieben.


Aretha Franklin - Ein bisschen R-E-S-P-E-K-T  !
 

In der Bürgerrechtsbewegung gab es Führer bzw. eher schon Lichtgestalten wie Martin Luther King, Jesse Jackson und Malcolm X; doch wie ich bereits ausgeführt habe, zählten auch viele Frauen dazu, und zu den einflussreichsten gehört ohne Zweifel Aretha Franklin.

Wie Nina Simone war auch sie die Tochter eines Baptistenpredigers, stammte aber nicht aus den Südstaaten, sondern aus der „Soul City“ Detroit in Michigan (wer hat noch den Motown-Sound im Ohr, der für Gruppen wie die Supremes oder Ronelles den Grundton und Rhythmus angab und dem Phil Collins in You Cant Hurry Love nachträglich noch einmal die Ehre erwiesen hat?). Um sie herum wurde nicht nur in den Gottesdiensten, sondern auch in ihrer Familie und Nachbarschaft gesungen und musiziert, was das Zeug hielt.

In der Welt der Gospels und Spirituals gibt es Dynastien mit Königinnen und Königen, die zwar nicht in einem Gotha-Register verzeichnet sind, aber innerhalb der schwarzen Community so betrachtet werden und die für ihre „Thronerben“ in Gestalt sanges- und rhythmusbegabter Kinder die Patenschaft, sprich, ihre musikalische Ausbildung und Förderung übernehmen.

Aretha Franklins Patentante war keine Geringere als Mahalia Jackson, und zu ihren Förderern zählten die Reverends C.L. Franklin – ihr Vater – und James Cleveland, der außer seiner Baptistengemeinde in L.A. auch den berühmten Southern California Community Choir leitete.

Reverend C.L. Franklin sagte einmal über seine berühmte Tochter, sie sei die Synthese ihrer Patentante und ihrer Mentoren. Ich finde, Aretha Franklin ist mehr als nur eine Synthese.

Zum einen hat sie den Spagat zwischen der spirituellen Gospel-Welt und der erdhaften, eher als „sündhaft“ betrachteten Welt des Soul geschafft und so gut hinbekommen, dass ganze Generationen von Soul-Sängerinnen und Sängern auf ihrer Art zu singen aufgebaut haben.

Und zum anderen hat sie mit ihrer Präsenz und Persönlichkeit für die Rechte ihrer afro-amerikanischen Mitbürger und der Frauen, egal ob schwarz oder weiß, eine Menge bewegt und vorangetrieben.

Wenn sie Chain of Fools sang, schwang darin die Warnung mit, sich nicht zur Närrin eines Mannes zu machen, der Frauen herumkriegt, vernascht und dann zur nächsten weiter wandert (entkommt genau diesem Mann, dem Klang ihrer Stimme nach zu schließen, aber trotzdem nicht).

In Think rät sie Männern und Frauen, sich sein Gegenüber erst einmal genau anzusehen und darüber nachzudenken, was für einen Charakter, was für eine Persönlichkeit man vor sich hat, bevor man sich Hals über Kopf in ein Verhältnis, unter Umständen ins Verderben stürzt. (Sie wusste nur zu gut, wovon sie singt, ist sie doch selbst mit ihren Partnern mehr als einmal hereingefallen.)

Vor allem aber kann ich mir eines bei ihr lebhaft vorstellen: Wenn sich eine große, mächtige Gestalt aufbaut und einem mit voller Kraft und Wucht entgegenschmettert:

„WHAT YOU WANT, BABY, I’VE GOT!

ALL I’M ASKING IS A BIT OF RESPECT OF YOU!“

gibt man ihr besser, was sie verlangt oder geht ihr aus dem Weg, bevor sie einen über den Haufen rennt und man platt wie eine Briefmarke auf der Strecke bleibt…

Der größte Triumph war für Aretha Franklin ohne Zweifel, dass sie zur Amtseinführung von Barack Obama singen durfte, dem ersten afro-amerikanischen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Gab es während seiner achtjährigen Amtszeit im Weißen Haus oder anderswo einen Festakt, war sie stets ein gern gesehener Gast und wurde bis zum Ende ihres Lebens wie eine Königin gefeiert und bejubelt, wenn sie auftrat und die Hymnen ihrer Zeit und ihrer Landsleute in den Raum schmetterte und donnerte.

Doch sie, ihre schwarzen Landsleute und alle, die Barack Obamas Amtszeit mitverfolgt haben, mussten in den folgenden acht Jahren entsetzt und machtlos mit ansehen, was man ihm antat.

Hier war ein junger, dynamischer Präsident, so begabt und mitreißend, wie es vor ihm nur John F. Kennedy und dessen Bruder Robert gewesen waren. In der ersten Zeit nach seiner Einführung war Barack Obama ein brillanter, inspirierender Redner, der wie die beiden Kennedy-Brüder große Pläne und Reformen vorhatte; zumindest hat er sie mit seinem Kabinett im Oval Office geplant, und der demokratische Flügel im Senat unterstützte sie.

Doch er und sein Kabinett hatten ein Problem: Ihnen stand als undurchdringliche Mauer die Front der Republikaner gegenüber, die im Repräsentantenhaus saß; sprich, reiche weiße Amerikaner angelsächsischer Herkunft. Und diese Mauer torpedierte so gut wie jeden Gesetzesentwurf und jede Reform, die Obama mit seinem Kabinett aufsetzte.

Es grenzt an ein Wunder, dass es Barack Obama während seiner Amtszeit gelang, das Obamacare-Programm einzuführen, das erste Kranken- und Sozialversicherungssystem, das es in den USA überhaupt gab und den Armen, Schwachen und Kranken zu Gute kommen sollte. Leider, und vor allem für uns Deutsche unbegreiflich, hat sein Nachfolger Donald Trump das Obamacare-Programm kurz nach seiner Amtseinführung sofort wieder beseitigt.

Und ganz unter uns: Ich finde, es ist noch ein größeres Wunder, dass Barack Obama während seiner Amtszeit keinem Attentäter zum Opfer gefallen ist und erschossen wurde wie JFK oder Robert Kennedy.

Dafür aber hat die Welt seiner Machtlosigkeit, seinem zermürbenden und vergeblichen Kampf gegen diese unüberwindliche Mauer acht Jahre lang zugesehen. In seiner jetzigen Funktion hat Barack Obama hoffentlich mehr Einfluss und kann voranbringen, was ihm und seiner Frau Michelle am Herzen liegt.

Vielleicht war es die Ohnmacht „ihres“ Präsidenten, die dazu führte, dass Aretha Franklin 2018 ihrem Krebsleiden erlag, gegen das sie acht Jahre lang tapfer gekämpft hat; vielleicht auch der Untergang ihres Patenkindes Whitney Houston, auf die ich in einer anderen Artikelreihe gesondert zu sprechen kommen werde. Über Whitney Houstons Verfall und frühen Tod mit nur achtundvierzig Jahren wollte sie sich sich nie äußern; vielleicht, weil sie deutlicher als andere erkannte, was ihr Patenkind wirklich umgebracht hat. Denn Drogen und Alkohol sind nur die äußeren Anzeichen für das, was einen Menschen zu Grunde richtet.

Ein bleibendes Vermächtnis ist von Aretha Franklin geblieben, das der Nachwelt beinahe entgangen wäre, weil sie sich gegen die Veröffentlichung dieses Vermächtnisses zeit ihres Lebens gesträubt hat; denn hier handelte es sich um etwas Persönliches, das sie weder für die Öffentlichkeit noch den Kommerz vorgesehen hat.

Im Jahr 1972 gab sie in der Baptistenkirche von Los Angeles ein privates Gospel- Konzert, das sie produzierte, mit ihren eigenen Mitteln finanzierte und von dem damals noch nicht berühmten Regisseur Sydney Pollack filmen ließ.

Nach ihrem Tod kam der Film unter dem Titel Amazing Grace heraus, und wer ihn sieht, dem wird eines klar: Mag ihr erster Titel auch „First Lady of Soul“ sein, nie ist sie besser und überzeugender, als wenn sie die Gospels und Spirituals ihrer Kindheit singt!

Diese Eigenschaft hat sie mit ihrer großen Patentante Mahalia Jackson gemeinsam. Aretha Franklin hat nicht ganz so viel Wärme und Herzensgüte, vor allem nicht ihre Demut und Bescheidenheit, doch ihr Glaube an Gott und Jesus ist nicht weniger tief als der ihrer Vorgängerin.

Wenn sie aus der ganzen Kraft ihres Herzens und der Tiefe ihrer Seele singt, strahlt sie wie eine Tausend-Watt-Glühbirne und hat in den Augenblicken, wenn sie die Augen schließt und der Welt zu entgleiten scheint, die Unschuld eines Kleinkindes, das sich im Licht und in der Geborgenheit Gottes sonnt und sich rundherum und durch und durch wohlfühlt.

Und wenn der Heilige Geist diese Frau bewegt, um nicht zu sagen erschüttert, dann bringt jene voluminöse, mächtige Stimme die Wände um sich herum und die Decke über sich zum Wackeln, fast zum Einstürzen, wenn sie ihren Urschrei loslässt: „IIAAAAAAAAAaaaaaaarrrhhh!“



17.09.2020 - Nina Simone - Die andere Seite des Spektrums
Welchen Weg geht eine junge Frau, die genau weiß, dass ihre Fähigkeiten und Leistungen sie zu dem befähigen, wonach sie strebt; und dass der einzige Grund, weshalb es ihr verweigert wird, in ihrer Hautfarbe liegt? Sie hat zwei Möglichkeiten: Entweder beugt sie sich den Gesetzen und den gesellschaftlichen Spielregeln ihrer Zeit und tut, was ihre Umgebung von ihr verlangt und erwartet. Dann ist ihr Leben weder erfüllt noch glücklich, aber sicher und unspektakulär. Oder sie stellt fest, dass ein System, das einer Bevölkerungsschicht alle Rechte gewährt und der anderen allein auf Grund ihrer Hautfarbe verweigert, ungerecht und widersinnig ist, und stellt sich ihm entgegen. Nina Simone ging in ihrem Leben und Wirken den letzteren Weg. Bis zum Ende ihres Lebens hat sie für ihre unterdrückten und entrechteten Landsleute in ihren Konzertauftritten gesprochen und gekämpft; und sie hat diesen Kampf als ihre Pflicht betrachtet, ganz gleich, wieviel es sie persönlich kostete.


Nina Simone – Die andere Seite des Spektrums

Auch die Sängerin und Pianistin Nina Simone, zu der mich meine Suche nach authentischer schwarzer Musik auf Youtube geführt hat, wurde wie Mahalia Jackson in den Südstaaten geboren, genau gesagt, in Georgia. Auch ihr musikalischer Grundstock liegt in den Gospels und Spirituals, wofür sie als Tochter eines Baptistenpredigers prädestiniert war.

Doch ihr Können als Pianistin – sie spielte seit ihrem vierten Lebensjahr Klavier – führte dazu, dass sie an der renommierten Juillard School in New York eine klassische Ausbildung in Klavier und Komposition absolvierte.

In ihrem neuen Umfeld stürzte Nina Simone sich fortan auch in Literatur und Philosophie – am meisten hat sie Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir verehrt, deren Namen sie für sich selbst und ihre Künstlerlaufbahn übernahm -, und entwickelte einen wachen Geist und einen scharfen, klugen Verstand, der von den Strömungen ihrer Zeit gespeist und genährt wurde.

Sie erwies sich als begabte Studentin und erbrachte hervorragende Leistungen, die sie dazu befähigt hätten, ihr Studium am ebenfalls renommierten Curtis Institute in Philadelphia fortzusetzen. Doch das Curtis Institute lehnte es ab, Nina Simone zu den Prüfungen zuzulassen und sie aufzunehmen; und der einzige Grund hierfür war ihre Hautfarbe.

Ihre prompte Reaktion war, dass sie sich der Bürgerrechtsbewegung anschloss und bald zu deren machtvollsten Aktivisten zählte. Viel hat sie gemeinsam mit ihren Mitstreitern bewegt; und doch erlebte sie auf ihren Tourneen durch die USA, dass an einer Universität auf 18.000 eingeschriebene Studenten nur 300 Schwarze kamen, wie sie am Ende eines ihrer Konzerte sagte.

Welchen Weg geht eine junge Frau, die genau weiß, dass ihre Fähigkeiten und Leistungen sie zu dem befähigen, wonach sie strebt; und dass der einzige Grund, weshalb es ihr verweigert wird, in ihrer Hautfarbe liegt?

Sie hat zwei Möglichkeiten:

Entweder beugt sie sich den Gesetzen und den gesellschaftlichen Spielregeln ihrer Zeit und tut, was ihre Umgebung von ihr verlangt und erwartet. Dann ist ihr Leben weder erfüllt noch glücklich, aber sicher und unspektakulär.

Oder sie stellt fest, dass ein System, das einer Bevölkerungsschicht alle Rechte gewährt und der anderen allein auf Grund ihrer Hautfarbe verweigert, ungerecht und widersinnig ist, und stellt sich ihm entgegen.

Nina Simone ging in ihrem Leben und Wirken den letzteren Weg. Bis zum Ende ihres Lebens hat sie für ihre unterdrückten und entrechteten Landsleute in ihren Konzertauftritten gesprochen und gekämpft; und sie hat diesen Kampf als ihre Pflicht betrachtet, ganz gleich, wieviel es sie persönlich kostete.

Am Ende eines Konzerts wendete sie sich an die schwarzen Studenten im Publikum und sagte: „Eines weiß ich gewiss: Wenn ich eines Tages von dieser Welt gehen werde, weiß ich, dass ich ein Fundament hinterlasse, auf dem ihr bauen könnt. Dieses Konzert und alles, was ich tue, ist für euch (…) Denn ihr braucht Inspiration dringend, hundert Mal am Tag.“

In ihrem Kampf hatte Nina Simone weder den tiefen, unerschütterlich zuversichtlichen Glauben von Mahalia Jackson noch die elementare Kraft und Wucht von Aretha Franklin, auf die ich ebenfalls gesondert zu sprechen komme. Ihr Geist war zu gebildet und kritisch, um gläubig zu sein; und um im Kampf zu siegen, war ihr Gemüt zu feinfühlig, zu verwundbar und verwundet. Doch ihre unbestechliche, aufrechte Haltung und die Integrität, Einheit und Ganzheit im Denken, Fühlen und Handeln hat Nina Simone ihr Leben lang behalten und bewiesen.

Und was für ein Fundament hat Nina Simone der Nachwelt hinterlassen?

Da ist zum Beispiel der Song Sinnerman mit seinem unruhig vibrierenden, dahineilenden, flackernden und flirrenden Rhythmus, der von der atemlosen, gehetzten Flucht eines Verfolgten erzählt, der am Ende seiner Kräfte in höchster Not um Hilfe und Schutz bittet, aber von den Elementen der Erde und sogar von Gott zurückgewiesen wird; eine Anklage gegen Selbstgerechtigkeit.

In Four Women stellt Nina Simone das Schicksal von vier afro-amerikanischen Frauen vor, die stellvertretend für vier typische Schicksale stehen:

Aunt Sarah ist die geduldig Leidende und Schuftende, die klaglos die ihr aufgebürdeten Arbeiten verrichtet und ihre Lasten trägt.

Saffronia ist die Tochter einer Schwarzen, ihr Vater ein Weißer, der ihre Mutter mit Gewalt genommen hat. Als Mischling ist sie eine Wanderin zwischen der Welt der Weißen und der Schwarzen, gehört also zu beiden Welten, wird aber von keiner anerkannt und akzeptiert.

Sweet Thing ist eine Prostituierte, die sich für Geld verkauft. Ihr Job ist es, stupide, lieb und gefügig zu sein, wofür sie von den Weißen gut bezahlt wird und auch gut lebt, aber für sie keinerlei Wert hat außer Sex.

Und Peaches ist eine Verbrecherin, die ohne Skrupel, Hemmungen und Erbarmen zu den Waffen greift und sich mit Gewalt gegen die Sklaverei wehrt, die ihren Eltern angetan wurde.

Eine besondere Stellung in Nina Simones Schaffen nehmen für mich die Lieder Blackbird und Take Me to the Water ein.

Der Text von Blackbird warnt in abgrundtiefer, rabenschwarzer Verzweiflung davor, für die Freiheit aufzustehen und zu kämpfen:

„Blackbird, why d’ya try flying? You’re never gonna fly…“

„Your mama’s name is Lonely, your daddy’s name is Pain, and your name is Little Sorrow…“

Doch die Melodie des Liedes ist hell und fast heiter, die Stimme von Nina Simone klingt sanft, klar und ätherisch, und der federleichte, schwebende Trommelrhythmus ist nicht amerikanischen, sondern afrikanischen Ursprungs.

Und so besagen Melodie und Rhythmus im Gegensatz zu dem düsteren, hoffnungslosen Text, dass die Amsel dennoch abhebt und fliegt, weil sie als Vogel gar nicht anders kann. Solang sie noch fliegt, solang sie noch lebt, gibt es auch Hoffnung. Mit anderen Worten: Aufgeben ist für die Amsel nie eine Option!

Und in Take Me to the Water verlässt Nina Simone sowohl die USA als auch das Christentum und kehrt zu ihren afrikanischen und animistischen Wurzeln zurück. Sie singt, dass ihr Sternzeichen Fisch und ihr Gott der Wassermann ist, und sie verlangt, zum Wasser gebracht zu werden, zu ihrem Element, in dem sie Geborgenheit, Heimat und Erlösung findet. Nicht der Text dieses Liedes ist so bemerkenswert, eher das, was mit dieser Frau mitten im Lied passiert.

Sie beginnt in winzigen, trommelnden Trippelschritten zu tanzen, durch ihren Oberkörper laufen kleine rhythmische Wellen, ihre Arme zucken an ihrem Körper empor wie in einer Trance, als hätte das Element Wasser bzw. dessen Elementargeist von ihr Besitz ergriffen und zeige sich durch ihren Körper hindurch.

Das Phänomen der Trance und Besessenheit – oder sagen wir eine tiefe psychisch-spirituelle Versenkung, die ein Verhalten auslösen kann, das auf uns Europäer erschreckend wirkt - ist im Voodoo- und Yoruba-Kult, der in Westafrika, auf den Inseln der Karibik und im ländlichen Louisiana und Florida bis heute verbreitet und bekannt ist, gang und gäbe.
Ich halte mich da heraus und sage nur wie Shakespeares Hamlet: Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich unsere Schulweisheit nichts träumen lässt.

Bemerkenswert an Nina Simona als Sängerin und Pianistin ist, dass sie nie laut, wild und explosiv wird. Leise, verhalten, beinahe in sich zurückgezogen klingt ihre Stimme und dabei so weich und sanft wie Karamell, der auf einer glühenden Herdplatte seine feste Konsistenz verliert und in den flüssigen Zustand übergeht; und so ist auch ihr Klavierspiel.

Und gerade ihre sanfte, weiche, feine Stimme ist fähig, in Wild is the Wind eine Leidenschaft spürbar zu machen wie kaum eine andere Sängerin ihres Genres. Es ist keine Leidenschaft, die tobt und wütet, vorwärtsstürmt und alle Grenzen einreißt; aber sie erbebt und glüht bis ins Tiefste, bis ins letzte bisschen Knochenmark hinein.

Und diese Leidenschaft, das Unbezwingliche, Unauslöschliche, durch und durch Echte ist es, das Nina Simones Schaffen und Sein bis ans Ende ihres Lebens geprägt hat.