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Blog

Weggefährten

Von jenen, die mich in meiner Entwicklung am stärksten geprägt haben, möchte ich in meinen Beiträgen erzählen...



Vorwort zu meinem Blog-Bereich „Weggefährten“

Es gibt Neues von mir! Zwischen dem 16. und 31. Dezember 2019 ist mein neues Buch „Weggefährten – Eine kleine Dankmusik“ erschienen, dessen Kapitel zugleich die Beiträge dieses Blog-Bereiches sind.

„Weggefährten“ entspringt einem ähnlichen Bedürfnis wie mein Vorgängerwerk „EUROPRISMA – Meine Seelenreisen“, nur möchte ich diesmal nicht Städten und Ländern danken, in denen ich zu Gast war. Diesmal geht es mir um Persönlichkeiten und Phänomene des 20. Jahrhunderts – einige gehen noch ein bisschen weiter zurück -, die mich zu der gemacht haben, die ich heute bin.

Natürlich kann man sagen: Was man wird und was man aus sich und seinem Leben macht, liegt in der eigenen Verantwortung. Gewiss. Doch zur geistig-seelischen Entwicklung eines Menschen gehören ebenso inspirierende oder gar entscheidende Anstöße und Impulse von außen.

Von jenen, die mich in meiner Entwicklung am stärksten geprägt haben, möchte ich in meinen Beiträgen erzählen und würde mich freuen, wenn auch IIhr mit einsteigen und von euren entscheiden-den Impulsgebern oder Wegweisern erzählen würdet.


21.12.2025 - Zwei Kinder gehen verloren und werden gefunden
Einmal mehr ist Heiligabend. Konrad und Sanna sind inzwischen elf und neun Jahre alt, und in diesem Jahr sollen beide ihre Großeltern zum ersten Mal alleine besuchen. Der Tag verspricht klar aber kalt zu werden, und die Mutter schärft ihren beiden Kindern ein, dass die Sonne früh untergehen wird. Deshalb sollen sie bei ihren Großeltern nicht lange verweilen und auf dem Rückweg nicht trödeln, damit sie vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause sind. Als Konrad und Sanna zu ihrer Wanderung aufbrechen, herrscht strahlender Sonnenschein und klares Wetter; doch gegen Mittag überzieht sich der Himmel mit einer milchweißen durchscheinenden Schicht. Da die beiden Geschwister oft genug mit ihrer Mutter über den Hals gegangen sind und den Weg ebenso wie die Gegebenheiten der Natur kennen, marschieren sie zügig und unbeschwert voran und erreichen nach drei Stunden wie geplant um die Mittagszeit Millsdorf und das Haus ihrer Großeltern. Doch kaum sind Konrad und Sanna in der warmen Stube angekommen, mahnt ihre Großmutter, dass sie nach dem Mittagessen gleich aufbrechen müssen, weil es heute noch schneien wird.  Als die Färberin ihren Enkelkindern den Sack mit den Weihnachtsgeschenken überreicht, weist sie auf eine Thermoskanne mit starkem Kaffee hin, der für ihre Tochter bestimmt ist, damit sie über die Feiertage einmal diesen besonders stärkenden und wärmenden Tropfen genießen kann. Beim Abschied von ihren Großeltern bekommt Konrad noch eine schnee- und regenabweisende Winterjacke und Sanna ein großes Tuch aus dicker weicher Wolle angezogen, dann ziehen sie los. Konrad und Sanna wissen, dass sie von Millsdorf ein gutes Stück bergauf gehen müssen, bis sie den Hals erreichen und auf der anderen Seite ins Tal nach Gschaid hinunter gelangen, und kennen den Weg. Bald beginnt es zu schneien, erst in einzelnen kleinen Flocken, die bald größer werden und schließlich unablässig vom Himmel auf sie niederrieseln...


Zwei Kinder gehen verloren und werden gefunden


Einmal mehr ist Heiligabend. Konrad und Sanna sind inzwischen elf und neun Jahre alt, und in diesem Jahr sollen beide ihre Großeltern zum ersten Mal alleine besuchen. Der Tag verspricht klar aber kalt zu werden, und die Mutter schärft ihren beiden Kindern ein, dass die Sonne früh untergehen wird. Deshalb sollen sie bei ihren Großeltern nicht lange verweilen und auf dem Rückweg nicht trödeln, damit sie vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause sind.

Als Konrad und Sanna zu ihrer Wanderung aufbrechen, herrscht strahlender Sonnenschein und klares Wetter; doch gegen Mittag überzieht sich der Himmel mit einer milchweißen durchscheinenden Schicht. Da die beiden Geschwister oft genug mit ihrer Mutter über den Hals gegangen sind und den Weg ebenso wie die Gegebenheiten der Natur kennen, marschieren sie zügig und unbeschwert voran und erreichen nach drei Stunden wie geplant um die Mittagszeit Millsdorf und das Haus ihrer Großeltern.

Doch kaum sind Konrad und Sanna in der warmen Stube angekommen, mahnt ihre Großmutter, dass sie nach dem Mittagessen gleich aufbrechen müssen, weil es heute noch schneien wird. 

Als die Färberin ihren Enkelkindern den Sack mit den Weihnachtsgeschenken überreicht, weist sie auf eine Thermoskanne mit starkem Kaffee hin, der für ihre Tochter bestimmt ist, damit sie über die Feiertage einmal diesen besonders stärkenden und wärmenden Tropfen genießen kann.

Als sie sich von ihren Großeltern verabschieden, bekommt Konrad noch eine schnee- und regenabweisende Winterjacke und Sanna ein großes Tuch aus dicker weicher Wolle angezogen, dann ziehen sie los.

Konrad und Sanna wissen, dass sie von Millsdorf ein gutes Stück bergauf gehen müssen, bis sie den Hals erreichen und auf der anderen Seite ins Tal nach Gschaid hinunter gelangen, und kennen den Weg. Bald beginnt es zu schneien, erst in einzelnen kleinen Flocken, die bald größer werden und schließlich unablässig vom Himmel auf sie niederrieseln... Doch es ist und bleibt windstill, so dass sich der Schnee mild und nicht wirklich kalt anfühlt. Im Gegenteil; dadurch, dass er sich dicht und gleichmäßig auf den Mänteln und Tüchern der Kinder niederlässt, sorgt er für ein kleines kälteisolierendes Polster.

Doch bald deckt der Schnee sowohl den Weg als auch die vertrauten Wahrzeichen zu, die sonst ihren Weg begleiten. Konrad und Sanna wissen, dass sie bergauf gehen müssen, sehen aber in der dichten weißen Schicht, die alles überzieht, nicht den Wegweiser, dem sie folgen müssen, um an der richtigen Stelle über den Hals ins Tal hinunter zu gelangen. 

Und so kommen die beiden Geschwister vom Weg ab und gelangen über die Baumgrenze hinaus und ins ewige Eis des Gletschers unter dem Gipfel des Bergmassivs.

Auf ihrem Weg über die Eisbrocken und -blöcke bricht bald die Dunkelheit herein, und Konrad bemerkt, wie still seine Schwester auf einmal wird und wie langsam und mühselig ihre Schritte sind. Ihm wird klar, dass sie in der Dunkelheit bald nicht mehr weitergehen können und die Nacht auf dem Berg verbringen müssen. Weiterzugehen wäre zu gefährlich, weil sie etwaige Felsspalten und Riffkanten, die sich unter ihren Füßen auftun, dann nicht mehr sehen. 

Also müssen sie auf dem Berg übernachten und warten, bis der Morgen kommt, weil sie sich bei Tageslicht orientieren und vor allem sehen können, wohin sie treten. Nur wo?

Zu ihrem Glück stoßen Konrad und Sanna auf eine große offene Gletscherhöhle, in der sie vor weiterem Schneefall und ein Stück weit auch gegen die nächtliche Kälte geschützt sind. Die beiden Kinder schütteln den Schnee von ihren Kleidern und lassen sich für die Nacht in dieser Höhle nieder.

Konrad bemerkt, dass Sanna neben ihm immer stiller wird, und er weiß: Sie darf auf keinen Fall einschlafen! Denn der Schlaf ist der Vorbote des Todes durch Erfrieren... Einige Male gelingt es ihm, Sanna wachzurütteln, bis sie mit Nachdruck erklärt, dass sie nicht mehr kann und nur noch schlafen will..

Ihm fällt ihm Thermoskanne mit dem Kaffee ein, den ihre Großmutter ihnen heute Mittag mitgegeben hat. Es gelingt Konrad, Sanna zuzureden und sie zu bewegen, ein paar Schlucke von dem heißen starken Kaffee zu trinken, und sie erwärmt und belebt sich zusehends. Beide stehen auf und stampfen und reiben ihre Glieder warm, so gut es gehen mag.

Und so halten sich die beiden Geschwister mit dem Kaffee aus ihrer Thermoskanne wach. Dennoch hätte es geschehen können, dass Konrad und Sanna in dieser Nacht eingeschlafen und erfroren wären, wenn das beständig wandernde und sich dabei vom Grat lösende Eis des Gletschers nicht hin und wieder heftige Knallgeräusche von sich gegeben hätte, die sie jedes Mal aus dem Dämmerschlaf rissen, und wenn der aufklarende Nachthimmel mit dem Schauspiel seiner Polarlichter sie völlig nicht in ihren Bann gezogen hätte.

Um Mitternacht hören beide aus den tiefen Tälern Kirchenglocken läuten. Und so erleben sie die Heilige Nacht beim Klang der Glocken und umweht von den grünen Schleiern der Polarlichter am Himmel, der für sie zum Greifen nahe herangerückt ist. Eine Nacht, einsamer und zugleich heiliger als alle Heiligen Abende, die sie bisher erlebt haben, fern von den Menschen, allein mit dem Berg und der schweigenden, übermächtigen Natur, in der sie gestrandet sind..

Als der Tag anbricht und die Sonne aufgeht, sehen Konrad und Sanna sich um. Auf einmal meinen sie, unten im Tal ein Licht zu sehen. Von einer Fackel? Oder ist es nur die Reflektion eines Sonnenstrahls? 

Nein, dort drunten tanzt  und zuckt eindeutig das Licht einer Fackel! Und zu diesem Licht gesellen sich  mehrere!

Die beiden Kinder beginnen zu schreien, um sich bemerkbar zu machen. Sie schreien, was ihre Kehlen und Lungen hergeben, wieder und wieder.

Und dann antworten ihnen von unten die Stimmen von Menschen. Menschen, die sich ihnen nähern, die auf dem Weg zu ihnen sind! Bald werden sie zu ihnen heraufkommen und sie von diesem Berg herunterholen...

Während Konrads und Sannas Eltern in Gschaid festgestellt haben, dass ihre Kinder nach Einbruch der Dunkelheit noch nicht zurück sind, regte sich in ihren Großeltern in Millsdorf angesichts des Schneefalls, der früher eingesetzt hat als erwartet, die Befürchtung, dass Konrad und Sanna im Schneetreiben vom Weg abkommen und die Orientierung verlieren könnten.

Ohne lange zu überlegen, trommeln die Eltern in Gschaid und die Großeltern in Millsdorf alles zusammen, was mobil ist und Erfahrung im Bergsteigen hat. Mit Leitern, Seilen und Fackeln versehen ziehen die Bewohner beider Dörfer los, um nach den Kindern zu suchen.

Auf Höhe des Halses treffen die Gschaider und Millsdorfer zusammen. Ohne Getue und Gehabe besprechen sie sich und stimmen ihre Vorgehensweise ab:

Jedes Dorf soll seine Seite des Berges absuchen, und der Suchtrupp, der die Kinder findet, soll sie zur Hütte auf der Süderalpe bringen und dort seine Fackel entzünden. Sobald vor der Hütte die Fackel auflodert, sollen sich alle Gschaider und Millsdorfer dort  versammeln.

Keiner übt sich mehr in Zurückhaltung oder zeigt Standes- oder Gelddünkel. Es geht um zwei Kinder, die verloren gegangen sind und die alle lebend zurück haben wollen!

Als nach dieser langen Nacht am frühen Morgen eine der Suchmannschaften die Schreie der Kinder hört, sie aus ihrer Gletscherhöhle holt und in die Hütte auf der Süderalpe bringt; als die Eltern ihre Kinder und die Großeltern ihre Enkel wieder haben und feststellen, dass sie die Nacht auf dem Berg lebend überstanden und keine Schäden davongetragen haben; als sich die Suchtruppen aus Gschaid und Millsdorf in und an der Hütte versammeln, zieht der Färber aus Millsdorf im Namen aller sein Fazit:

Konrad und Sanna sind Kinder aus Gschaid und Millsdorf und gehören in beide Dörfer!

Und so geschieht es an diesem Weihnachtsmorgen, der zu einem guten Ende geführt hat, dass nicht nur Eltern und Schwiegereltern, sondern die Bewohner zweier Dörfer zueinander finden. 

Alle, die diese Heilige Nacht und diesen Weihnachtsmorgen erlebt haben, haben bewiesen, dass sie fähig sind, sich einander von Mensch zu Mensch anzunehmen und nach den Gesetzen der Menschlichkeit zu handeln.

In diesem Sinne wünsche ich all meinen Leserinnen und Lesern nah und fern frohe und gesegnete Weihnachten und ein gesundes, gutes  und glückliches neues Jahr!
 



21.12.2025 - Zwei Welten nähern sich einander an und bleiben doch voneinander getrennt
In Gschaid gelingt es Konrad, dem Sohn eines Schusters, dass sich die Qualität seiner von ihm in Handarbeit gefertigten Schuhe und Stiefel nicht nur in seinem Dorf, sondern auch auf den Hochebenen und in den Tälern der Nachbarschaft herumspricht. Denn im Hochgebige sind qualitativ hochwertige Bergwanderschuhe eine Notwendigkeit, auf die niemand verzichten kann, ob arm oder reich.  Bald geht Konrads Vater in den Ruhestand und übergibt die Schusterei seinem Sohn; und so ergibt es sich, dass der junge Meisterschuster öfters über den Hals nach Millsdorf wandert, um dort seine Schuhe an die Frau, den Mann und das Kind zu bringen.  Auf einer seiner Verkauftouren lernt er Susanna kennen, deren Eltern in Millsdorf eine Färberei besitzen und führen. Bald funkt es zwischen Konrad und Susanna, und beiden wird rasch klar, dass sie einander und niemand anderen zum Mann bzw. zur Frau haben wollen. Da Konrad wie Susannas Vater Besitzer und Geschäftsführer seines eigenen Unternehmens ist und der Tochter des Färbers einen soliden, dauerhaften Lebensunterhalt zu bieten vermag, erklären sich die Färbersleute bereit, ihre Tochter dem jungen aufstrebenden Meisterschuster zur Frau zu geben; und so zieht Susanna nach der Hochzeit zu ihrem Mann nach Gschaid. Dort fällt Susanna mit ihrer besseren und schöneren Kleidung und auch mit ihrer feinen, im Vergleich zu den rauen Dörflern vornehm anmutenden Art auf... Auch hier ist es anders als im Film nicht so, dass die Gschaider Susanna ablehnen oder ihr gar feindselig gesonnen sind. Eher trauen sie sich wegen ihrer feinen, vornehmen Art und Erscheinung nicht an sie heran; und die stille, häusliche Susanna bleibt lieber zu Hause und kümmert sich um den Haushalt und das Anwesen ihres Mannes, als bei den Nachbarn zu sitzen und mit ihnen zu plaudern. 


Zwei Welten nähern sich einander an und bleiben doch voneinander getrennt


In Gschaid gelingt es Konrad, dem Sohn eines Schusters, dass sich die Qualität seiner von ihm in Handarbeit gefertigten Schuhe und Stiefel nicht nur in seinem Dorf, sondern auch auf den Hochebenen und in den Tälern der Nachbarschaft herumspricht. Denn im Hochgebige sind qualitativ hochwertige Bergwanderschuhe eine Notwendigkeit, auf die niemand verzichten kann, ob arm oder reich. 

Bald geht Konrads Vater in den Ruhestand und übergibt die Schusterei seinem Sohn; und so ergibt es sich, dass der junge Meisterschuster öfters über den Hals nach Millsdorf wandert, um dort seine Schuhe an die Frau, den Mann und das Kind zu bringen. 

Auf einer seiner Verkauftouren lernt er Susanna kennen, deren Eltern in Millsdorf eine Färberei besitzen und führen. Bald funkt es zwischen Konrad und Susanna, und beiden wird rasch klar, dass sie einander und niemand anderen zum Mann bzw. zur Frau haben wollen. Da Konrad wie Susannas Vater Besitzer und Geschäftsführer seines eigenen Unternehmens ist und der Tochter des Färbers einen soliden, dauerhaften Lebensunterhalt zu bieten vermag, erklären sich die Färbersleute bereit, ihre Tochter dem jungen aufstrebenden Meisterschuster zur Frau zu geben; und so zieht Susanna nach der Hochzeit zu ihrem Mann nach Gschaid.

Dort fällt Susanna mit ihrer besseren und schöneren Kleidung und auch mit ihrer feinen, im Vergleich zu den rauen Dörflern vornehm anmutenden Art auf...

Auch hier ist es anders als im Film nicht so, dass die Gschaider Susanna ablehnen oder ihr gar feindselig gesonnen sind. Eher trauen sie sich wegen ihrer feinen, vornehmen Art und Erscheinung nicht an sie heran; und die stille, häusliche Susanna bleibt lieber zu Hause und kümmert sich um den Haushalt und das Anwesen ihres Mannes, als bei den Nachbarn zu sitzen und mit ihnen zu plaudern. 

Der Kontakt zwischen dem Schusterehepaar und ihren Schwiegereltern beschränkt sich darauf, dass Susanna jedes Jahr an Heiligabend über den Hals nach Millsdorf hinüber wandert, wo sie etwa drei Stunden lang mit ihren Eltern zusammensitzt, mit ihnen zu Mittag isst, nach oder bei sich verschlechterndem Wetter vor dem Kaffeetrinken aufbricht und mit Weihnachtsgeschenken reich beladen abends nach Gschaid zurückkehrt.  

Bald bekommt das Schusterehepaar Kinder, erst einen Sohn, zwei Jahre später eine Tochter, die nach den Eltern Konrad und Susanna genannt werden. Durch frühe und ständige Übung gewöhnen sich die beiden Geschwister bald daran, lange und auch steile Wanderwege zu bewältigen. 
 



21.12.2025 - Zwei Dörfer und zwei Welten, getrennt durch eine tiefe Kluft
Charakteristisch für den Erzählstils von Adalbert Stifter ist, dass er eine Landschaft und den Weg, auf dem jemand durch diese Landschaft wandert oder reist, sehr anschaulich, ja, mit geradezu akribischer Genauigkeit beschreibt.  Heute, im ersten Drittel des 21. Jahrhunderts, würde man zu einer Erzählung ein paar Fotos von der Landschaft und der Wegstrecke beifügen, um sie zu veranschaulichen, anstatt sie zu beschreiben; zu seiner Zeit, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wäre dies für die Produktion und den Druck eines literarischen Werks zu kostspielig und aufwändig gewesen.  Also musste damals und noch bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts ein Schriftsteller die Welt beschreiben, aus der er erzählte, um sie für das geistige Auge des Lesers sicht- und greifbar zu machen. Und Adalbert Stifter war förmlich verwachsen mit den Nadelwäldern, Pfaden und Steigen des Böhmerwaldes, in dem er geboren wurde und den er in seiner Kindheit und Jugend durchwandert hat; und sein Leben lang hat er die Natur und Landschaft, die ihn umgab, in liebevoller und dankbarer Erinnerung bewahrt. Später, als er im katholischen Stift Mariabrunn sein Studium zum Lehramt als Realschul- und Gymnasiallehrer absolvierte, lernte er in seiner Freizeit auch die schroffen, steilen Grate und Gipfel der Tiroler Alpen kennen; und diese Landschaft und ihre Natur setzt er in "Bergkristall" nicht nur als Hintergrund, sondern auch als gestaltendes Element ein, das in den Fortgang der Handlung eingreift


Zwei Dörfer und zwei Welten, getrennt durch eine tiefe Kluft


Charakteristisch für den Erzählstils von Adalbert Stifter ist, dass er eine Landschaft und den Weg, auf dem jemand durch diese Landschaft wandert oder reist, sehr anschaulich, ja, mit geradezu akribischer Genauigkeit beschreibt. 

Heute, im ersten Drittel des 21. Jahrhunderts, würde man zu einer Erzählung ein paar Fotos von der Landschaft und der Wegstrecke beifügen, um sie zu veranschaulichen, anstatt sie zu beschreiben; zu seiner Zeit, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wäre dies für die Produktion und den Druck eines literarischen Werks zu kostspielig und aufwändig gewesen. 

Also musste damals und noch bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts ein Schriftsteller die Welt beschreiben, aus der er erzählte, um sie für das geistige Auge des Lesers sicht- und greifbar zu machen.

Und Adalbert Stifter war förmlich verwachsen mit den Nadelwäldern, Pfaden und Steigen des Böhmerwaldes, in dem er geboren wurde und den er in seiner Kindheit und Jugend durchwandert hat; und sein Leben lang hat er die Natur und Landschaft, die ihn umgab, in liebevoller und dankbarer Erinnerung bewahrt.

Später, als er im katholischen Stift Mariabrunn sein Studium zum Lehramt als Realschul- und Gymnasiallehrer absolvierte, lernte er in seiner Freizeit auch die schroffen, steilen Grate und Gipfel der Tiroler Alpen kennen; und diese Landschaft und ihre Natur setzt er in Bergkristall nicht nur als Hintergrund, sondern auch als gestaltendes Element ein, das in den Fortgang der Handlung eingreift.  

Und die Tiroler Alpen sind auch der Grund und Boden für die Ausgangssituation seiner Erzählung: 

Die beiden Bergdörfer Gschaid und Millsdorf, die jeweils in einem eigenen Talkessel liegen, sind durch den schroffen Grat eines Bergmassivs mit einem steilen, vom Eis und Schnee der Gletscher bedeckten Gipfel voneinander getrennt. Indes gibt es in diesem Bergmassiv einen Sattel, den Stifter "den Hals" nennt, über den man von einem Dorf ins andere gelangen kann.

Da man auf diesem Saumpfad zu Fuß und mit dem Maultier- bzw. Haflingergespann gute drei Stunden braucht, ist es eher selten als üblich, dass die Bewohner des einen Dorfes das andere besuchen, so dass Gschaid und Millsdorf wenig Verbindung zueinander haben. 

Auch eine soziale Kluft besteht zwischen den beiden Dörfern: Während in Gschaid Kleinbauern und -bürger ihrer felsigen Umgebung tagein, tagaus ihren Lebensunterhalt mühsam abringen, gibt es im tiefer und flacher gelegenen Millsdorf größere Bauernhöfe und einige Fabrikbetriebe, so dass seine Bewohner trotz geringerer Mühe und Anstrengung wohlhabender und bequemer leben.

Anders als im Film Bergkristall, der Weihnachten 2023 in die deutschsprachigen Kinos kam, beschreibt Adalbert Stifter in seiner Erzählung das Verhältnis zwischen Gschaid und Millsdorf nicht unbedingt als feindselig. Eher ist es so, dass die Millsdorfer etwas mitleidig auf die armen Gschaider herabsehen, die es in ihrem Talkessel so schwer haben, während sich die Gschaider den Stolz auf ihre zähe, harte Lebenstüchtigkeit von den hochmütigen, in ihren Augen verwöhnten Millsdorfern nicht nehmen lassen. 

Dies ist nicht per sé Feindseligkeit; eher sind die Bewohner von Gschaid und Millsdorf durch naturbedingte Gegebenheiten sicht- und spürbar voneinander getrennt und ziehen es vor, bei sich und in der Welt ihres Talkessels zu bleiben. Dennoch lassen sich die Gschaider und Millsdorfer hin und wieder im Nachbardorf blicken und treiben auch Handel miteinander.
 



21.12.2025 - Bergkristall - Wie zwei Kinder an Weihnachten zwei Dörfer vereinen
Wieder eilt ein Jahr mit Riesenschritten seinem Ende entgegen; und für mich hat sich einmal mehr die Frage ergeben, was ich meinen Leserinnen und Lesern heuer als Weihnachtsgruß mitgeben möchte. Letztes Jahr habe ich von Weihnachtsmärkten erzählt, die für mich mehr als alle anderen Märkte in München den ganz besonderen Zauber verströmen, den die Advents- und Weihnachtszeit für unsere Herzen und Sinne hatte, als wir noch Kinder waren. Und nach einigem Sinnieren kam ich auf den Gedanken, dass es nicht die Märkte an sich und die Auslagen der Buden und Stände sind, die jenen Zauber spinnen, sondern die Reize, die auf unsere Sinne und Gemüter wirken.  Der Duft von Tannen- und Fichtenzweigen, mit denen die Hütten und Stände geschmückt sind; von Bratäpfeln, die mit Rosinen, Mandeln und einem Teelöffel Honig gefüllt sind und auf einem Kanonenöfchen schmurgeln; und von der Symphonie aus heißem Wein, Orangen- und Zitronenscheiben, Zimtstangen und Gewürznelken, die als Glühwein im Kessel dampft; der Geschmack von getrockneten Zwetschgen, Feigen und Datteln im Früchtebrot und von Rosinen, Zitronat und Orangeat oder Marzipan im Christstollen; von mit einem Schuss Rotwein und einer Wacholderbeere abgeschmecktem Blaukraut; von Knödeln, halb aus rohen, halb aus gekochten Kartoffeln mit in Butter angerösteten Semmelwürfeln in der Mitte und von der fein abgeschmeckten Sauce zur knusprig gebratenen Weihnachtsgans; der Anblick von Adventskränzen und -gestecken aus Tannen- oder Fichtenzweigen, die mit vier dicken Kerzen aus Bienenwachs bestückt und von einem Band aus dunkelroter schimmernder Seide durchflochten sind; von Lichterketten und Sternen, die golden und silbern glitzern und funkeln;und von mit Kugeln, Zapfen und Sternen geschmückten Christbäumen; und die Klänge der Chöre und Bläser, Kirchen- und elektronischen Orgeln, Tonbänder und Schallplatten, die auf den Straßen und Plätzen unserer Dörfer und Städte die uns seit früher Kindheit altvertrauten Advents- und Weihnachtslieder ertönen lassen: All diese Elemente vereinen sich, um den Zauber eines wundersamen Geschehens zu weben, der mich bis auf den heutigen Tag immer wieder umfängt und berührt..


Bergkristall - Wie zwei Kinder an Weihnachten zwei Dörfer vereinen


Wieder eilt ein Jahr mit Riesenschritten seinem Ende entgegen; und für mich hat sich einmal mehr die Frage ergeben, was ich meinen Leserinnen und Lesern heuer als Weihnachtsgruß mitgeben möchte.

Letztes Jahr habe ich von Weihnachtsmärkten erzählt, die für mich mehr als alle anderen Märkte in München den ganz besonderen Zauber verströmen, den die Advents- und Weihnachtszeit für unsere Herzen und Sinne hatte, als wir noch Kinder waren, und nach einigem Sinnieren kam ich auf den Gedanken, dass es nicht die Märkte an sich und die Auslagen der Buden und Stände sind, die jenen Zauber spinnen, sondern die Reize, die auf unsere Sinne und Gemüter wirken. 

Der Duft von Tannen- und Fichtenzweigen, mit denen die Hütten und Stände geschmückt sind; von Bratäpfeln, die mit Rosinen, Mandeln und einem Teelöffel Honig gefüllt sind und auf einem Kanonenöfchen schmurgeln; und von der Symphonie aus heißem Wein, Orangen- und Zitronenscheiben, Zimtstangen und Gewürznelken, die als Glühwein im Kessel dampft;

der Geschmack von getrockneten Zwetschgen, Feigen und Datteln im Früchtebrot und von Rosinen, Zitronat und Orangeat oder Marzipan im Christstollen; von mit einem Schuss Rotwein und einer Wacholderbeere abgeschmecktem Blaukraut; von Knödeln, halb aus rohen, halb aus gekochten Kartoffeln mit in Butter angerösteten Semmelwürfeln in der Mitte; und von der fein abgeschmeckten Sauce zur knusprig gebratenen Weihnachtsgans;

der Anblick von Adventskränzen und -gestecken aus Tannen- oder Fichtenzweigen, die mit vier dicken Kerzen aus Bienenwachs bestückt und von einem Band aus dunkelroter schimmernder Seide durchflochten sind; von Lichterketten und Sternen, die golden und silbern glitzern und funkeln;und von mit Kugeln, Zapfen und Sternen geschmückten Christbäumen;

und die Klänge der Chöre und Bläser, Kirchen- und elektronischen Orgeln, Tonbänder und Schallplatten, die auf den Straßen und Plätzen unserer Dörfer und Städte die uns seit früher Kindheit altvertrauten Advents- und Weihnachtslieder ertönen lassen:

All diese Elemente vereinen sich, um den Zauber eines wundersamen Geschehens zu weben, der mich bis auf den heutigen Tag immer wieder umfängt und berührt..

Denn mehr als alles andere ist Weihnachten die Geschichte von einem wundersamen Geschenk und einer Heil und Segen bringenden Erlösung, die Gott vor mehr als zweitausend Jahren allen Menschen auf dieser Erde zugedacht und zugesprochen hat: die Geburt eines Kindes, das die Menschen mit Gott versöhnen und von Leid, Qual, Not und Schuld erlösen soll.

Und die Erzählung "Bergkristall", die der Schriftsteller, Dichter und Maler Adalbert Stifter der Menschheit hinterlassen hat, verkörpert den Kern und Sinn des Weihnachtsfestes in meinen Augen eindrucksvoller als manch eine andere Erzählung aus dem deutschsprachigen Raum: ein wundersames, mystisches Geschehen in der Heiligen Nacht, das zwei Dörfer einander näher bringt, ja, sie am Ende miteinander vereint.

Und so ist es jetzt und hier für mich an der Zeit, dass ich meinem Landsmann Adalbert Stifter aus Oberplan (Horní Planá) im Böhmerwald und seiner Erzählung Bergkristall den Strom meiner Erinnerungen und meine Feder bzw. meinen PC leihe und ihm die Ehre gebe, die ihm und dieser Erzählung aus meiner Sicht zukommt.
 



30.10.2025 - Der Mahner am Ende des Bahnsteigs
Ein einziges Mal in meinem Leben habe ich eine seltsame Gestalt gesehen, und nicht nur ich, sondern auch die Schwester einer Freundin aus meiner Studienzeit, die über ein verlängertes Wochenende bei mir zu Besuch war.  Ihr Besuch fiel in meine ersten Jahre in und um München. Von 1989 bis 1996 habe ich in Puchheim gelebt, einem kleinen Vorort westlich von München unweit der Kreisstadt Fürstenfeldbruck, die ich bis heute hin und wieder aufsuche; meist wenn im weitläufigen Barockgarten des Zisterzienserklosters Fürstenfeld die Garten- und Mittelaltertage stattfinden oder die mächtige Basilika der Gebrüder Asam zu einem festlichen Konzert einlädt.  Langjährige Einheimische werden sich daran erinnern, dass die Anlage des S-Bahnhofs Puchheim zu dieser Zeit aus drei Bahnsteigen bestand: Ein Bahnsteig führte zu einem kleinen grünen Platz und Richtung Puchheim-Ort, der andere zum Busbahnhof und ins Ortszentrum, und mittendrin gab es einen Ausweich-Bahnsteig, der im Nichts begann und endete und auf beiden Seiten von Gleisen umgeben war. Nicht nur die S-Bahnen, die an den Bahnsteigen hielten, nutzten diese Gleise; manchmal rasten auch ICEs von und nach Kempten oder Züge der Schweizer Staatsbahn in einem Höllentempo am Bahnsteig vorbei. Noch heute warnt die DB-Leitstelle die Passagiere, die auf dem Bahnsteig stehen und auf ihre S-Bahn warten, über die Lautsprecher: "Achtung Fahrgäste! Vorsicht am Gleis! Ein Zug fährt durch!" Es war an einem Freitag kurz nach 22:00 Uhr, als mein Gast und ich nach unserem ausgiebigen Einkaufsbummel mit anschließendem Abendessen mit der S-Bahn den Bahnhof Puchheim erreichten und ausstiegen.  Ich wollte zu der Treppe gehen, die uns ins Ortszentrum und schließlich zu meinem Domizil führen würde, das etwa fünfzehn Gehminuten vom Bahnhof entfernt lag, als sie mitten im Satz inne hielt und stehen blieb.


Der Mahner am Ende des Bahnsteigs


Ein einziges Mal in meinem Leben habe ich eine seltsame Gestalt gesehen, und nicht nur ich, sondern auch die Schwester einer Freundin aus meiner Studienzeit, die über ein verlängertes Wochenende bei mir zu Besuch war. 
Ihr Besuch fiel in meine ersten Jahre in und um München.

Von 1989 bis 1996 habe ich in Puchheim gelebt, einem kleinen Vorort westlich von München unweit der Kreisstadt Fürstenfeldbruck, die ich bis heute hin und wieder aufsuche; meist wenn im weitläufigen Barockgarten des Zisterzienserklosters Fürstenfeld die Garten- und Mittelaltertage stattfinden oder die mächtige Basilika der Gebrüder Asam zu einem festlichen Konzert einlädt. 

Langjährige Einheimische werden sich daran erinnern, dass die Anlage des S-Bahnhofs Puchheim zu dieser Zeit aus drei Bahnsteigen bestand: Ein Bahnsteig führte zu einem kleinen grünen Platz und Richtung Puchheim-Ort, der andere zum Busbahnhof und ins Ortszentrum, und mittendrin gab es einen Ausweich-Bahnsteig, der im Nichts begann und endete und auf beiden Seiten von Gleisen umgeben war.

Nicht nur die S-Bahnen, die an den Bahnsteigen hielten, nutzten diese Gleise; manchmal rasten auch ICEs von und nach Kempten oder Züge der Schweizer Staatsbahn in einem Höllentempo am Bahnsteig vorbei. Noch heute warnt die DB-Leitstelle die Passagiere, die auf dem Bahnsteig stehen und auf ihre S-Bahn warten, über die Lautsprecher: "Achtung Fahrgäste! Vorsicht am Gleis! Ein Zug fährt durch!"

Es war an einem Freitag kurz nach 22:00 Uhr, als mein Gast und ich nach unserem ausgiebigen Einkaufsbummel mit anschließendem Abendessen mit der S-Bahn den Bahnhof Puchheim erreichten und ausstiegen. 

Ich wollte zu der Treppe gehen, die uns ins Ortszentrum und schließlich zu meinem Domizil führen würde, das etwa fünfzehn Gehminuten vom Bahnhof entfernt lag, als sie mitten im Satz inne hielt und stehen blieb. Sie wies mit einer Wendung ihres Kopfes zu dem Ausweich-Bahnsteig hinüber, der mitten zwischen den Gleisen verlief. "Siehst du den Mann dort?"

Dort drüben, genau am Ende des Bahnsteigs stand die hoch aufragende Gestalt eines Mannes, ohne dass ein Zug eingefahren wäre und angehalten hätte, aus dem er aussteigen hätte können. Er trug einen schwarzen Hut und einen langen schwarzen Mantel und sah uns mit dunklen und dennoch klaren Augen an. Sein Gesicht war bleich, sein Haar schlohweiß. 

Ein tiefer, fast feierlicher Ernst lag in seinem Blick und seiner Miene, nicht, als hätte er etwas gegen uns und wolle uns bedrohen; eher wie eine Mahnung, als wolle er uns vor etwas warnen. Doch er sprach kein Wort.

"Kennst du den?" Stumm schüttelte  ich den Kopf. Niemand rührte sich und sprach, weder der bleiche Mann mit seinem schlohweißen Haar noch wir beide. Stumm und reglos starrten wir ihn an und er uns.  

Auf einmal rauschte einer der Fernzüge heran, welche die Station Puchheim passierten, aber nicht hielten. Er donnerte zwischen dem Bahnsteig und uns vorbei und verbarg während seiner Durchfahrt die Gestalt des Mannes in Schwarz. Als der Zug in der Dunkelheit verschwand und Gleis und Bahnsteig still und reglos zurückließ, war er verschwunden, ebenso plötzlich, wie er aus dem Nichts aufgetaucht war. 

Er konnte nicht auf die Gleise hinunter gesprungen sein; dort hätten wir ihn gesehen. Und in diesen Zug, der mit hoher Geschwindigkeit an uns vorbei gerast war, hätte er unmöglich einsteigen können! Doch von ihm war nichts mehr zu sehen, so als hätte er sich von einem Augenblick auf den anderen im Dunkel der Nacht aufgelöst.

"Wer war das? Was war das denn für einer?" Auch auf diese Frage konnte ich nur den Kopf schütteln und mit den Schultern zucken. "Und wo ist er hin?"

Nur er selbst hätte diese Fragen beantworten können. Doch der Mann in Schwarz war fort, und ich habe ihn nie mehr gesehen, weder in dieser Nacht noch in einer anderen, in der ich mit der S-Bahn am Bahnhof von Puchheim oder an einem anderen Bahnhof ankam und ausstieg. 

Das einzige, was ich weiß, ist, dass wir ihn beide gesehen haben, dass er am Ende des Bahnsteigs stand und uns ansah, als wolle er uns ermahnen oder vor etwas warnen, und dass er so jäh und plötzlich fort war, wie er dort stand.