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Blog

Weggefährten

Von jenen, die mich in meiner Entwicklung am stärksten geprägt haben, möchte ich in meinen Beiträgen erzählen...



Vorwort zu meinem Blog-Bereich „Weggefährten“

Es gibt Neues von mir! Zwischen dem 16. und 31. Dezember 2019 ist mein neues Buch „Weggefährten – Eine kleine Dankmusik“ erschienen, dessen Kapitel zugleich die Beiträge dieses Blog-Bereiches sind.

„Weggefährten“ entspringt einem ähnlichen Bedürfnis wie mein Vorgängerwerk „EUROPRISMA – Meine Seelenreisen“, nur möchte ich diesmal nicht Städten und Ländern danken, in denen ich zu Gast war. Diesmal geht es mir um Persönlichkeiten und Phänomene des 20. Jahrhunderts – einige gehen noch ein bisschen weiter zurück -, die mich zu der gemacht haben, die ich heute bin.

Natürlich kann man sagen: Was man wird und was man aus sich und seinem Leben macht, liegt in der eigenen Verantwortung. Gewiss. Doch zur geistig-seelischen Entwicklung eines Menschen gehören ebenso inspirierende oder gar entscheidende Anstöße und Impulse von außen.

Von jenen, die mich in meiner Entwicklung am stärksten geprägt haben, möchte ich in meinen Beiträgen erzählen und würde mich freuen, wenn auch IIhr mit einsteigen und von euren entscheiden-den Impulsgebern oder Wegweisern erzählen würdet.


14.03.2020 - Das Salz in der Suppe unserer Städte - Ralph Kiefer und die Münchner Straßenmusikanten
Meiner bescheidenen Meinung nach verdient Ralph Kiefer für seinen Mut, momentan in der Münchner Fußgängerzone auf der Straße aufzutreten, unsere Unterstützung. Er würde sich wünschen, dass man seine Musik kauft oder auf seine Website www.ralphkiefer.com geht.


Das Salz in der Suppe unserer Städte -

- Ralph Kiefer und die Münchner Straßenmusikanten -


Besuchen Sie mich in meinem Blog


Jemand, der in der Fußgängerzone von München bzw. in irgendeiner Stadt in Deutschland oder Europa als Musikant auftritt, sollte nicht nur sein Instrument bzw. seine Stimme sicher im Griff haben – wer es nicht tut, geht auf der Straße schlicht und einfach unter –, sondern auch eiserne Nerven und ein dickes Fell.

Dass einer, der auf der Straße spielt und/oder singt, bei der Mehrheit der Passanten auf eine Mauer aus Gleichgültigkeit, Verdruss und Zeitdruck stößt, gehört zum Alltag eines Straßenmusikanten ganz einfach dazu. Mag das Publikum sein Lied oder Stück nicht, wird er sofort ausgebuht; mag es ihn nicht, aus welchem Grund auch immer, wird er beschimpft oder gar angepöbelt.

Seit in Europa und natürlich auch in München das Corona-Virus umgeht, ist der Umgang der Menschen miteinander, der schon seit 2015 kälter und rauer geworden ist, noch eine Spur gröber, je nach Laune und Nervenkostüm sogar ausfallend geworden.

Dass heute eine Verkäuferin mir gegenüber anmerkte, es gäbe Leute, die das Schicksal, sprich das Corona-Virus unnötig herausfordern, allein indem sie in der Stadt unterwegs sind, ist harmlos.

Wenn indes die Zeitungsmeldung wahr ist, dass ein Chinese, der die Straße entlang ging, einfach so, aus gottfreien Stücken mit „Corona, Corona“ angerufen und angespuckt wurde, ist das nicht mehr lustig.

Auch nicht die Geschichte, die mir gestern eine ältere Dame in Neuried erzählte, als wir beide die Sparkassen-Filiale verließen: Sie hätte sich wegen eines Kratzens und Brennens im Hals von ihrem Hausarzt untersuchen lassen, der eine leichte erkältungsbedingte Angina feststellte. Danach wollte sie ihr Rezept in der Apotheke abholen und wickelte, um ihre Umgebung und sich selbst zu schützen, ihren Schal um ihre Mundpartie und ihren Hals.

Als sie die Apotheke betrat, stieß eine andere ältere Dame sie mit dem Ellbogen zurück und fuhr sie an, was ihr einfalle, überhaupt auf der Straße unterwegs zu sein. Nur dank des beherzten Eingreifens einer anderen Kundin, die zu der Zeit auch in der Apotheke stand, konnte die ältere Dame in Ruhe ihr Medikament in Empfang nehmen und einstecken.

Nur als kleines Beispiel für die aktuelle Stimmungslage hier bei uns in München und Umland.

Wenn bei solch einer Stimmungslage einer oder mehrere Straßenmusikanten es noch wagen, in der Fußgängerzone aufzutreten, gehört dazu momentan ungewöhnlich viel Mut, Gelassenheit und Selbstvertrauen.

Und doch gab es heute einen Straßenmusikanten, der dies wagte; Ralph Kiefer, mit dem ich heute ausgemacht habe, dass ich über ihn diesen  Artikel schreibe und ihn beim Namen nenne.

Er hatte sein trag- und fahrbares Klavier aufgebaut, um die Pedale einige einfache kleine Trommeln gruppiert und spielte seine eigenen Klavierstücke, lächelte dabei freundlich und tiefenentspannt und maß sein Publikum - einige Passanten einschließlich meinereine trauten sich, stehenzubleiben und ihm eine Weile zuzuhören – mit ruhigem, klugem, gelassenem Blick.

Eine klassische Klaviersonate, ein Präludium von Bach oder eine Etüde von Chopin war es nicht; einfacher, seichter Pop auch nicht. Sein Stück oder seine Collage aus verschiedenen Stücken klang leicht, fließend und entspannend, ein wenig wie die Jazz-Piano-Stücke, die Ryan Gosling in LaLaLand spielt. Für einige Augenblicke gelang es ihm, die angespannt-gereizte Atmosphäre zu beruhigen und für ein Aufatmen, ja sogar ein wenig Heiterkeit zu sorgen..

Meiner bescheidenen Meinung nach verdient Ralph Kiefer allein für seinen Mut, momentan überhaupt öffentlich aufzutreten, unsere Unterstützung. Er würde sich wünschen, dass man seine Musik kauft oder auf seine Website www.ralphkiefer.com geht.

Genau diese Musik, die in den Straßen und Gassen einer Stadt ertönt, ist für mich das Salz in der Suppe. Gerade in München sind immer wieder gute Gruppen, Ensembles und Solisten unterwegs, und damit meine ich nicht nur die Lateinamerikaner, die jahrelang unser Bild von Straßenmusikanten geprägt haben.

Da ist dieses eine Quartett mit Geige, Bratsche, Cello und Klarinette, das nicht nur Bach, Pachelbel und Albinoni spielt, sondern auch die Ouvertüre zu Rossinis „Die diebische Elster“, Bizets „Carmen“ oder Mozarts Klarinettenkonzert.

Einst ging ein Bayer in Lodenjacke und mit Filzhut an den Musikern vorbei und hörte stumm zu. Als das Stück endete, zupfte er kurz an seinem Hut und brummte in seinen Bart: „Leit, deat’s eier Pulver aussa; de san guad!“ (Übersetzung für Nichtbayern: „Leute, rückt eure Kohle raus; die sind gut!“)

Da sind im Frühjahr oder frühen Herbst drei Klezmer mit Klarinette, Gitarre und Akkordeon, die ihre rasanten Rhythmen durch die Straße tanzen lassen, Rebbe Elimelech oder Un az der Rebbe tanzt singen und das eine Lied, bei dem ich leider nicht mitkomme und nur  „…mir wellen tanzen, ojojoj“ verstehe. Der Refrain ist allerdings einfach, nur: „Ojojojojoj… Ojojojojoj…“

Im November und in der Adventszeit wiederum tritt ein mongolisches Ensemble aus dem Altai-Gebirge auf. Einer spielt die Pferdekopf-Geige, ein anderer Hackbrett, und zwei zeigen ihr Können im „Khöömi“-Gesang, dem Obertonsingen, bei dem der Bass fast tiefer grollt als beim seligen Ivan Rebroff - leider nicht so melodisch -, und die hohen Töne so scharf und metallisch klingen, als hätten die Sänger eine Piccoloflöte verschluckt.

Den einen New Yorker Marimba-Virtuosen mit der Kippa auf seinem schwarzen Lockenkopf, der auf seinem Instrument mit vier Klöppeln jederzeit und ohne Mühe eine Gitarre, ein Klavier, ja eine Orgel zu ersetzen vermochte, habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Auch nicht das kleine ungarische Ensemble mit Geige, Klarinette und Cymbalon oder die Dame mit der Glasharfe aus pyramidenartig aufgebauten Kristallgläsern, die unterschiedlich hoch mit Wasser gefüllt sind und, wenn sie sie mit ihren grazilen flinken Fingern anstrich, einen unwirklich zarten, reinen und klaren Klang ergeben.

Von einer Gruppe ehemaliger Straßenmusikanten – zumindest einer ist es heute wieder, zwei andere gesellen sich hin und wieder dazu -, die noch heute in Deutschland, ja in ganz Europa und auch den USA bekannt ist, werde ich gesondert und etwas ausführlicher erzählen, denn ihre Geschichte ist so außergewöhnlich, und diese Gruppe hat so viel geleistet, dass sie ein eigenes Kapitel verdient: die Kelly Family. Doch zu ihnen komme ich morgen Abend im Blog-Bereich "Musik und Emotionen", aus Anlass des St. Patrick’s Day, den wir sonst zwischen Siegestor und Odeonsplatz und auch anderswo gefeiert hätten...



09.03.2020 - Die AZ und die tz - Zwei Münchner Institutionen
Bevor ich zu dem komme, was ich sagen möchte, möchte ich vorweg klarstellen und versichere an Eides Statt, dass ich weder von der Abendzeitung, nachfolgend AZ genannt, noch von der Tageszeitung, nachfolgend tz genannt, für den nachfolgenden Artikel auch nur einen Cent bekomme oder verlangt habe. Es ist mir ein Bedürfnis, diese beiden Münchner Zeitungen auf meiner Website zu "verewigen", da sie mich durch mein Leben begleiten, seit ich in und um München lebe.


Die AZ und die tz - Zwei Münchner Institutionen

Manchmal liegt das Offensichtliche viel zu nahe, als dass es einem auffällt.

In diesem Blog-Bereich schreibe ich über Persönlichkeiten, Institutionen und Phänomene, die mich durch mein Leben begleitet und mitgeprägt und mich zu der gemacht haben, die ich heute bin;
und Tatsache ist, dass ich die beiden o.g. Münchner Tageszeitungen lese, seit ich in und um München lebe - mithin seit 30 Jahren.

Die AZ habe ich immer am Morgen in der S-Bahn gelesen, um wach zu werden; die tz immer am Samstag zur Entspannung, wenn ich mehr Zeit und Muße hatte als unter der Woche. Eigentlich sollte ich sie auseinander halten, denn die AZ und tz gehören zwei verschiedenen Verlagsgruppen an; doch für mich als als Leserin sind sie zwei Kehrseiten derselben Medaille namens München.

Die AZ versteht sich gemäß der Idee ihres Gründers als Anwalt der kleinen Leute, die weder über eine große Lobby noch über hohes Einkommen verfügen, und spricht für sie und in ihrem Namen, wenn ein armes kleines Licht in die Mühlen der Behörden oder in andere Mühlen gerät und alleine nicht mehr herauskommt. Natürlich berichtet sie auch über große und einflussreiche Leute - Politiker, Unternehmer, Prominente -; dann allerdings sehr kritisch.

Die tz - vor allem ihr Verleger, der noch heute dann und wann Leitartikel schreibt, wie es für gewöhnlich der Chefredakteur einer Zeitung tut - setzt sich für unsere Stadt München, ihr Flair, ihre Menschen, vor allem aber das Münchner Herz und die Gemütlichkeit ein.

In der letzten Wochenend-Ausgabe hat die AZ einen bemerkenswerten philosophischen Artikel über das Böse veröffentlicht, das zur Zeit auf der Welt und in der Gesellschaft grassiert. Dieser Artikel hat mir bewiesen, dass ihr Herz noch schlägt. Aus urheberrechtlichen Gründen darf ich ihn nicht einfach hier als Datei anhängen, doch ich kann nur jedem Menschen, der mit offenen Augen durch diese Welt geht und noch einen Verstand, eine Seele und ein Herz hat, raten:

Lest die Wochenend-Ausgabe im Online-Archiv der AZ, und lest diesen Artikel! Er drückt aus, was im Moment auf dieser Welt passiert, und viel besser als ich, selbst wenn ich all meinen Geist, mein Herz und mein Können als Schriftstellerin zusammenkratze.

Und in der vorletzten Wochenend-Ausgabe der tz hat der Verleger - der es nicht nötig hätte, er ist reich und hat sowohl in der Wirtschaft als auch in der Gesellschaft in und um München ein gewisses Gewicht - das Wort ergriffen und sich für die kleinen selbstständigen Unternehmer und Betreiber von Gaststätten, Cafés etc. stark gemacht.

Er hat für all jene gesprochen, die noch versuchen, selbst etwas auf die Beine zu stellen bzw. noch auf ihren eigenen Beinen stehen. Für die Kleinen, Mutigen, indes zum Untergang Verurteilten, die vom Finanzamt, von den Versicherungen, von Behörden mit soviel Auflagen und zu zahlenden Beiträgen zugerieselt werden, bis sie nicht mehr können und aufgeben müssen. Auf gut Deutsch, für kleine Lichter, die zugleich arme Würstchen sind.

Hierfür spreche ich sowohl der AZ als auch der tz meinen Dank aus, denn die Menschen unserer Zeit brauchen genau solche Artikel wie diese. Und ich ziehe den Hut und sage: Chapeau! Denn sie zeigen noch Haltung, was in unserer Zeit immer schwieriger und gefährlicher wird.