Das Wirken der Menschen und der höheren Gewalten
Es half nichts! Einmal mehr mussten sie die Insel erkunden, um nach Wasser, Lebensmitteln und Menschen zu suchen, die ihnen helfen konnten, das Wrack ihres Schiffes wieder flott zu bekommen.
Diesmal wählte Odysseus drei Männer und sandte sie unter der Führung seines verlässlichen Freundes Eutychos aus. Auf dem Weg durch einen dichten Wald stießen sie auf etliche Wildtiere; hier ein Affe, dort ein Bär, drüben ein Löwe, im Baum über ihnen ein Leopard. Doch zu ihrem Erstaunen floh keines der Tiere vor ihnen oder griff sie an, wie es dem üblichen Verhalten von Tieren in freier Wildbahn entsprochen hätte. Sie alle näherten sich dem Expeditionstrupp, zutraulich und sanftmütig, mit einem seltsamen Flehen in ihrem Blick.
„Als seien es Menschen in Tiergestalt!“ Eutychos wurde es unbehaglich zu Mute; auf dieser Insel stimmte etwas nicht! Während seine drei Gefährten zu den Stufen eines weißen Palastes emporstiegen und das Tor durchschritten, blieb er draußen und verbarg sich im Schatten der Bäume. Und er tat gut daran, denn dies war die Insel Aiaia, Sitz der Zauberin Kirke, die zu ihrem Zeitvertreib fremde Besucher in Tiere verwandelte und sie so auf ihrer Insel festhielt.
Sehr freundlich hieß Kirke die Fremden willkommen und lud sie an ihre reich gedeckte Tafel ein; doch die Männer aßen und tranken nicht lange, bis sie sich in Schweine verwandelten. Böse Zungen sagen an dieser Stelle, angesichts der Gier, mit der sich die erschöpften, ausgehungerten Männer auf die Speisen und Getränke stürzten und sie hinunterschlangen, wäre zu ihrer Verwandlung nicht mehr viel nötig gewesen…
Als die drei Gefährten nicht zurückkehrten, von drinnen anstatt Männerstimmen auf einmal Grunzen und Quieken zu hören war und drei Mägde drei Hausschweine in den angrenzenden Stall trieben, machte sich Eutychos im Schutz der Äste davon, die ihn nach wie vor verborgen hielten. Er kehrte an den Strand zurück und erstattete Odysseus entsetzt Bericht.
Prompt rüstete sich dieser mit Schwert und Schild und zog los, durch den Dschungel, auf das Haus der Kirke zu.
Da trat ihm der Götterbote Hermes in den Weg und sagte ihm, er solle von dem Zauberkraut Moly essen, damit er gegen Kirkes Zauber immun blieb, und sie dann mit vorgehaltenem Schwert auffordern, seine Gefährten herauszugeben und wieder in Menschen zu verwandeln. Und so handelte Odysseus.
Als aus drei Schweinen wieder Männer wurden, erwies sich Kirke als aufmerksame und großzügige Gastgeberin. An ihrem Tisch und in ihrem Haus fühlten sich die Männer aus Ithaka so wohl, dass sie blieben und fast ein Jahr nicht daran dachten, aufbrechen und nach Hause fahren zu wollen.
Nur Odysseus dachte an seinen Palast, seine Frau und seinen Sohn, und schließlich hielt er es nicht mehr aus und bat Kirke, ihm zu helfen, nach Hause zurückzukehren.
Sie sorgte dafür, dass er und die übriggebliebenen Männer seiner Besatzung ein neues seetüchtiges Schiff bekamen, und versah sie reichlicher und üppiger mit Proviant, als es Aiolos zuvor getan hatte.
Dann erklärte Kirke, sie müssten vor der Pforte zum Hades mit einem Blutopfer aus zwei gesunden jungen Tieren den Schatten des Sehers Teiresias heraufbeschwören; nur er könne ihnen den Weg nach Hause sagen, und wie sie lebend und unversehrt dort ankamen. Und so brachen die Männer aus Ithaka nach dreihundertfünfzig Tagen mit einem neuen, voll beladenen Schiff von Aiaia auf.
Vor der Pforte des Hades ließ Odysseus eine Grube ausheben, eine junge Ziege und ein Schaf schlachten und die Grube mit ihrem Blut füllen. Und die Beschwörung gelang; Teiresias erschien tatsächlich aus dem Totenreich. Und dann erklärte er ihnen die einzig mögliche Route nach Hause:
Zuerst müssten sie an den Klippen der Sirenen vorbei und sich so weit wie möglich von den lockenden Stimmen der beiden ebenso verlockenden wie todbringenden Frauengestalten fernhalten. Dann führte die Passage durch eine Meeresenge, in der zur Rechten der Strudel der Charybdis und zur Linken der Fels der Skylla drohte.
Gerieten sie einmal in den Strudel der Charybdis, waren alle tot und mitsamt dem Schiff vernichtet. Hielten sie sich davon fern, werde Skylla auf ihrem Felsen mit ihren sechs Köpfen auf sechs Hälsen nach ihnen greifen und sich sechs Männer holen. Doch es gab keinen anderen Weg nach Hause; sie mussten durch die Meeresenge hindurch!
Mit Kurs nach Norden würden sie die Insel Thrinakria erreichen, auf der die weißen Rinder grasten, die dem Sonnengott Helios gehörten. Auf keinen Fall dürften sie auch nur eines der Rinder töten, um es zu schlachten und zu essen; dann würde niemand von ihnen lebend nach Hause zurückkehren!
Dann und nur dann würden Odysseus und seine verbliebenen Männer Ithaka lebend erreichen.
Nichts von dieser Route blieb ihm und dem Rest seiner Mannschaft erspart, nicht die Klippen der Sirenen mit ihrem Gesang, den Odysseus allein hörte, an den Mast seines Schiffes gefesselt, während die Ohren seiner Gefährten mit Wachs versiegelt waren; ein Gesang über alle Gefährten, die er im Kampf gegen Troja oder im Zug seiner Irrfahrten verloren hatte, so dass er ihm schier das Herz zerriss.
Nicht jene verhängnisvolle Passage durch die Meeresenge von Messina, bei der nur die Wahl zwischen der totalen Vernichtung und dem Opfer von sechs Menschen blieb, um das Schiff und die letzten Überlebenden des Trojanischen Krieges und der Odyssee zu retten.
Und nicht die Ankunft auf Thrinakria, wo sie zuerst mit den Vorräten der Kirke gut versorgt waren, so dass sie die Rinder des Helios getrost ignorieren konnten. Doch sie hatten wochenlang anlandigen Wind aus Süden, so dass sie nicht ablegen und ihre Fahrt fortsetzen konnten; und schließlich gingen ihnen die Vorräte aus.
Aus schierem Hunger schlug einer der Gefährten vor, eines der Rinder zu schlachten und es Helios zum Opfer darzubringen; dies musste den Sonnengott doch milde stimmen! Und es sei gang und gäbe, Tiere nach dem Opferritual zu braten und zu essen.
Vor die Wahl zwischen dem Hungertod und dem Untergang aller gestellt, schrien die Männer nach Essen; Odysseus mochte ihnen ihr bevorstehendes Ende noch so eindringlich vor Augen führen. Und so wurde schließlich das erste Rind geschlachtet, dem Helios geweiht und gebraten. Odysseus allein weigerte sich, auch nur einen Bissen davon anzurühren, und wies dieses Scheinopfer zurück. Und es blieb nicht bei diesem einen Rind, das dran glauben musste...
Es kam, wie es kommen musste: Helios war über den Frevel an seinen Lieblingsrindern erzürnt und drohte, alle zu vernichten. Indes meinte Zeus, dass dies seinem Image als strahlendem, heiterem Sonnengott schaden werde. Er würde für eine Seebrise sorgen, und sobald dieses Schiff in See stach, würde er den Männern ihre Strafe zukommen lassen. Diesmal war es also nicht Poseidon, sondern der Göttervater Zeus persönlich, der den Orkan auf See heraufbeschwor und das Schiff hinein lenkte.
Es zerbarst in tausend Splitter und schickte alle noch verbleibenden Männer in den Tod. Allein Odysseus erhaschte eine Planke, die noch oben trieb, klammerte sich an sie und schloss die Augen, wusste nicht, ob er nun leben oder sterben würde. Viel lag ihm nicht mehr an seinem Leben; es waren zu viele Strapazen und Verluste, die er hinnehmen hatte müssen! Die Schiffsplanke trug den Bewusstlosen an einen Strand, auf dem er liegen blieb.
Dieser Strand gehörte zur Insel Ogygia, auf der die Zauberin Kalypso mit einigen Bediensteten, aber ohne Ehemann und Kinder lebte; und so ergab es sich, dass Kalypso eines Morgens, als sie den Strand nach Muscheln und Treibgut absuchte, dort einen Schiffbrüchigen in den zerfetzten und durchnässten Resten seiner Kleidung liegen sah. Sie veranlasste, dass vier ihrer Mägde ihn aufhoben, in ihr Haus brachten und ihm in ihrem Gemach eine Liegestatt bereiteten.
In den ersten Tagen und Nächten lag der Schiffbrüchige in einem heftigen Fieber, und die Worte und Satzfetzen, die er in seinen Fieberträumen von sich gab, verrieten Kalypso genug: Dieser Mann hatte Strapazen und Verluste erlebt, die manch ein anderer nicht überstanden hätte; und was ihn trotz aller Gefahren und Widrigkeiten am Leben hielt, war allein seine Sehnsucht nach seiner Heimat Ithaka, nach seiner Frau und seinem Sohn.
Als nun Kalypso die Wunden des mittellosen Fremden versorgte, ihm Getränke einflößte, die sein Fieber senkten und seine Nerven beruhigten, und ihn mit ihren Speisen nach und nach wieder zu Kräften brachte, fühlte sie sich von seinen Leiden ebenso berührt wie von seiner unwandelbaren Liebe und Treue zu Frau und Kind, und so schloss sie ihn rascher in ihr Herz, als sie es sich versah.
Diesen Mann konnte sie sich gut als ihren Mann und Gefährten vorstellen; und wenn er bei ihr blieb, war er fortan von künftigen Leiden und Strapazen verschont. Und kraft ihrer göttlichen Abstammung konnte sie ihm mit ihrer Fürsprache bei den Göttern des Olymp zu ewigem Leben, ja zum Rang eines Halbgottes verhelfen!
In der ersten Zeit befand sich Odysseus in einem Zustand, in dem er nichts tun konnte als ihre Fürsorge und Pflege annehmen; und als er sich erholte, empfand auch er bald aufrichtige Zuneigung zu dieser ihn hingebungsvoll liebenden Frau.
Nur konnte er sein Zuhause nicht vergessen und auch nicht die Sehnsucht nach seiner Penelope und seinem Telemachos, der bereits zu einem jungen Mann heranwuchs. Manchmal, wenn er abends Kalypso an ihrem Webstuhl sitzen sah, kam ihm der Anblick seiner Frau in den Sinn; und dann stahl er sich still aus ihrem Haus, zog sich an den Strand zurück und suchte mit seinem Blick am Horizont die Küstenlinie von Ithaka, die ihm wie ein ferner Traum erschien.
Es bedurfte der eindringlichen Fürsprache des Götterboten Hermes, um Kalypso dazu zu bewegen, den liebgewonnenen Fremden freizugeben und ihm die Heimfahrt nicht zu verwehren. Und so verschaffte sie Odysseus das Material – Holz, Harz, Taue und Segeltuch -, aus dem er sich selbst ein Boot baute, und rüstete ihn für die Fahrt mit Vorräten aus.
Als er Kalypso vor seiner Abreise fragte, wie lange er bei ihr gewesen sei, antwortete sie: „Sieben Jahre.“ Sieben Jahre, die wie im Flug vergangen waren…
Doch noch immer hatte Poseidon nicht genug! Sobald Odysseus mit etwas Schwimmendem auf See war, ließ er den nächsten Sturm los, der prompt sein Boot in Trümmer zerlegte. Nur dank des Schleiers, den ihm eine von Poseidons Töchtern heimlich zuwarf und den er sich um die Brust band, gelangte er an die nächstbeste fremde Küste.
Diesmal war es die Küste von Scheria; und es war Nausikaa, Tochter von Antinoos und Phädra, König und Königin der Phäaken, die ihn zwischen Schilf und Seetang fand.
Erschreckt über das vermeintliche Seeungeheuer wich Nausikaa vor ihm zurück; doch Odysseus rief ihr zu, dass er nur ein heimatloser Schiffbrüchiger sei und ihr kein Leid tun wolle. Er hüllte sich in den Schleier der Nymphe, so gut es gehen mochte, und erhob sich; und Nausikaa bedeutete ihm, zum Palast ihrer Eltern mitzukommen.
Das königliche Paar nahm den gestrandeten Fremden großzügig und gastfreundlich auf und lud ihn einen Abend später, als er sich gestärkt und ausgeruht hatte und wieder wie ein zivilisierter Mensch aussah, zum Festmahl an ihre Tafel ein.
An diesem Abend war auch ein blinder Sänger zu Gast; und es ergab sich, dass er Balladen vom Krieg gegen Troja sang, von Kämpfen und Gefallenen und vom Sturz und Untergang der einst so stolzen Stadt. Da verhüllte der gestrandete Gast sein Haupt und begann still zu weinen.
Als ihn Antinoos fragte, was ihm fehle, gab er sich zu erkennen – und dann war Odysseus an der Reihe, zu erzählen, was ihm nach dem Sieg gegen Troja bis jetzt widerfahren war.
Antinoos und Phädra zogen sich zu einem Gespräch unter vier Augen zurück, das nicht lange dauerte. Dann widmeten sie sich wieder ihrem Gast und sicherten ihm zu, ihn auf einem Schiff ihrer Flotte und unter sicherem Geleit nach Hause zu bringen.
Doch als Odysseus nach zehn Jahren Krieg und weiteren zehn Jahren Irrfahrt Ithaka erreichte, konnte er auf Grund der Lage vor Ort nicht einfach in seinen Palast spazieren und seinen Thron besteigen:
In seinem Saal hausten fünfzig Freier, die darauf warteten, dass Penelope einen von ihnen zu ihrem neuen Gatten erwählte. Sie hatten sich dort hemmungslos ausgebreitet, ein jeder benahm sich, als sei er längst Herr des Hauses, und gemeinsam verspeisten und vertranken sie nach und nach die Vorräte des Hofes auf Penelopes Kosten.
Als Odysseus den Strand von Ithaka bei Einbruch der Dunkelheit erreichte, verwandelte Pallas Athene ihn in einen zerlumpten, verwahrlosten Bettler. In dieser Gestalt sollte er um ein Essen und eine Unterkunft für die Nacht bitten, um Zutritt zum Palast zu erlangen und sich ein Bild von der Lage zu verschaffen, bevor er handelte.
Wie Odysseus sich seiner Gattin Penelope vorsichtig näherte und sie nach und nach zu überzeugen verstand, dass er es war; wie sie alle Freier zu einem Festmahl einlud, zu dem sie unbewaffnet kommen sollten, und erklärte, sie werde den zu ihrem Mann erwählen, der den Bogen ihres Mannes zu spannen und durch zwölf gekreuzte Äxte ins Ziel zu treffen vermochte; und wie Odysseus erst den Bogen spannte, dann mühelos ins Ziel traf und schließlich im Festsaal unter den Freiern „aufräumte“, ist das Ende der Legende…
Mein Fazit:
Ich möchte noch einmal auf die Tatsache zurückkommen, die ich in meiner Einleitung erwähnt habe: dass das Denken und Weltbild der Menschen im alten Griechenland und auch anderswo in Europa ein anderes war als unseres. Dies liegt zum Teil daran, dass ein Großteil der Inseln und Küstenlinien im Mittelmeer einschließlich der Gezeiten, Tiefen und Untiefen des Meeres noch unbekannt war und es auch noch keine Land- und Seekarten gab, die sie abgebildet haben.
Wer die Geographie Griechenlands grob vor Augen hat, weiß, dass es aus viel Küste und vielen Inseln besteht, so dass dort die Grundlagen der Seefahrt aus der schieren Notwendigkeit entstanden sind. In jenen fernen Tagen waren die seetauglichen Küstenschiffe mit bis zu zwanzig Ruderbänken an der Backbord- und Steuerbordseite, einem Mast mit einem großen Segel in der Mitte und einem Ruder nahe am Heck ausgestattet. Das war alles!
Mit diesen einfachen hölzernen Schiffen sind sie von Hafen zu Hafen gefahren, so dass sie sich rund um ihr eigenes Land mit der Zeit gut auskannten; doch niemand wusste damals genau, was jenseits der Küstenlinien und der Inseln im Ionischen Meer und in der Ägäis lag.
Die Welt, die jenseits des Horizontes von Himmel und See lag, musste größer und weiter sein und viel mehr bergen, als sie wussten und kannten! Das ahnten und spürten alle, die je zur See gefahren sind, und es bewahrheitete sich durch die greifbare, konkrete Erfahrung vor Ort. Von daher war jede Seefahrt ein Aufbruch in das große Unbekannte...
Da in den Tagen Homers niemand wusste, was jenseits der ihnen vertrauten Welt lag, konnte er seiner Vorstellungskraft ungehindert freien Lauf lassen und aufmarschieren lassen, was es so alles geben mochte: Riesenschlangen und menschenfressende Ungeheuer zu Lande und zur See, Menschen mit fremden Sitten und Gebräuchen, zum Teil mit übernatürlichen Kräften, die ihnen Götter vererbt hatten, die mit Menschenfrauen fremd gingen, allen voran Göttervater Zeus.
Letztlich hat Homer Odysseus in das Spannungsfeld zwischen Wind, See und Klippen geschickt, hinter dem man freundlich und feindlich gesinnte Götter vermutete.
Er mag in kritischen Situationen seinem Hang zur Eitelkeit und Überheblichkeit erlegen sein und dadurch den Zorn Poseidons auf sich und seine Schiffe gelenkt haben. Doch in den meisten Situationen, die Homer schildert, die ausnahmslos Tod und Untergang heraufbeschworen und rasches, rettendes Handeln erforderten, konnte er sich nicht in eine lange Meditation zurückziehen und die Götter fragen, was er tun sollte, wie es die Seherinnen und Seher in den Göttertempeln taten, wenn sie ihrer Gottheit eine bestimmte Frage zur Klärung und Entscheidung vorlegten.
In solchen Situationen kam ihm seine herausragende Fähigkeit zu Gute, die Pallas Athene und Hermes an ihm schätzten und beide bewogen, ihn zu unterstützen: sein rasch funktionierendes Gehirn und sein Einfallsreichtum, wenn es darum ging, den Hals aus der Schlinge zu ziehen und davonzukommen.
Was diesen Stoff aus der klassischen Antike bis in unserer Zeit lebendig erhalten hat, ist Homers Gabe, farbig und anschaulich zu erzählen, und die Tatsache, die für uns Menschen auch heute noch gilt: dass unser Leben mit seinen Prüfungen, Siegen und Niederlagen zur Hälfte von unseren Fähigkeiten und Eigenschaften bestimmt wird, und zur Hälfte von Mächten, die von außen in das Geschehen eingreifen und auf die wir bei all unserem Wissen und Können keinen Einfluss haben.
Mathematiker fassen diese Mächte unter dem Begriff Faktor X zusammen, Anhänger der Chaostheorie mit dem Schlagwort Schmetterlingseffekt. Viele nannten und nennen sie bis heute das Wirken Gottes oder der Götter. Wie man es auch nennen mag: Immer kann etwas geschehen, das uns unserer vermeintlichen Macht beraubt und vor dem wir machtlos stehen.